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Scheinschwangerschaft – eingebildete Schwangerschaft mit "echten" Symptomen

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2017

Bei der Scheinschwangerschaft handelt es sich um eine eingebildete Schwangerschaft. Betroffene Frauen sind nicht schwanger, entwickeln aber körperliche Anzeichen einer Schwangerschaft und sind überzeugt davon, in freudiger Erwartung zu sein.

Scheinschwangerschaft – eingebildete Schwangerschaft mit "echten" Symptomen
Die Scheinschwangerschaft beim Menschen geht häufig mit einem sehr großen Kinderwunsch einher - die Frauen entwickeln echte Anzeichen einer Schwangerschaft
(c) iStockphoto/AntonioGuillem

Die Scheinschwangerschaft oder eingebildete Schwangerschaft beim Menschen zählt zu den psychosomatischen Erkrankungen.

Den körperlichen Symptomen (in diesem Fall Anzeichen für eine Schwangerschaft) liegen seelische Ursachen zugrunde. Daher ist bei der Scheinschwangerschaft auch eine Psychotherapie ratsam.

Medizinisch wird die Scheinschwangerschaft beim Menschen als "Pseudogravidität" oder "grossesse nerveuse" bezeichnet. Ihr liegen vor allem ein übermäßig großer Kinderwunsch, manchmal auch die Angst vor einer Schwangerschaft zugrunde. In den westlichen Industrieländern kommt die eingebildete Schwangerschaft nicht mehr so häufig vor. Zurückgeführt wird das unter anderem auf den mittlerweile sehr offenen Umgang mit Themen der Sexualität, Schwangerschaft und Geburt. Für diese Vermutung spricht auch, dass Frauen aus Entwicklungsländern in einer weniger offenen und sexuell aufgeklärten Gesellschaft häufiger eine Scheinschwangerschaft entwickeln.

Am Beispiel der Scheinschwangerschaft lässt sich gut verdeutlichen, wie stark sich seelische Aspekte und bestimmte Vorstellungen/die Einbildung auf den Körper auswirken können. So entwickeln betroffene Frauen zahlreiche körperliche Anzeichen einer Schwangerschaft, obwohl sie gar nicht schwanger sind. Die Symptome reichen bis hin zum Babybauch und Wehen.

Abgrenzung zu eingebildete Anzeichen einer Schwangerschaft

Frauen mit Kinderwunsch, die auf eine Schwangerschaft warten, entdecken manchmal erste Anzeichen einer Schwangerschaft, obwohl sie noch gar nicht schwanger sind: Das Zwicken im Unterleib könnte ja die Einnistung sein, spannende Brüste, Müdigkeit oder werden als frühe Zeichen der Schwangerschaft wahrgenommen – "Es könnte doch sein, oder?" Eigentlich sind das typische Symptome kurz vor der Periode, vor allem bei Frauen, die das Prämenstruelles Syndrom (PMS) haben.

Hier vermischen sich Hoffnung und der unbedingte Wille, endlich schwanger zu werden. Um eine Scheinschwangerschaft handelt es sich in diesen Fällen aber nicht. Denn sobald die Monatsblutung einsetzt oder der Schwangerschaftstest negativ ist, wird klar, dass es in diesem Zyklus nicht geklappt hat. Frauen, die auf eine Schwangerschaft hoffen, akzeptieren das dann.

Die "echte" eingebildete Schwangere hingegen will das nicht wahrhaben und sucht häufig wechselnde Frauenärzte auf. Bei einem negativen Ergebnis wird einfach der Arzt gewechselt.

Was sind die Symptome einer Scheinschwangerschaft?

Scheinschwangere Menschen haben häufig tatsächlich die typischen Schwangerschaftssymptome:

Bei manchen Scheinschwangeren produzieren die Milchdrüsen in den Brüsten sogar Milch und es kommt zu den typisch dunkel pigmentierten Warzenhöfen und Brustwarzen. Einige geben Kindsbewegungen an. Die eingebildete Schwangerschaft kann so weit gehen, dass der Bauch zunehmend anschwillt und sogar Wehen gespürt werden.

Die eingebildete Schwangerschaft wirkt auf Außenstehende meist echt. Neben den körperlichen, sichtbaren Symptomen liegt das auch daran, dass die Scheinschwangere selbst an die Schwangerschaft glaubt und sich - wie eine wirklich schwangere Frau - auf ihr vermeintliches Kind freut. Sie projiziert ihre ganze seelische Energie auf das Kind und ihre Umstände.

Welches sind die Ursachen einer Scheinschwangerschaft?

Ein übermäßig großer Kinderwunsch ist die häufigste Ursache der Scheinschwangerschaft. Es handelt sich also um eine Wunschneurose. Wenn es mit dem Schwanger werden nicht klappt, wird für manche Frauen der Frust und Leidensdruck sehr groß. Das Einbilden der Schwangerschaft ist dann ein unbewusstes seelisches Ventil, das Entlastung verschaffen kann. Eher betroffen sind ältere Frauen, die vielleicht keine Kinder mehr bekommen können. Auch verwitwete, alleinstehende und/oder relativ isoliert lebende Frauen entwickeln häufiger eine Scheinschwangerschaft als in einer Partnerschaft lebende. Bei ihnen ist die eingebildete Schwangerschaft ebenfalls wunschmotiviert. Scheinschwangerschaften können auch nach Fehl- oder Totgeburten auftreten.

Seltener ist die Scheinschwangerschaft aus Angstgründen. So paradox es klingt: Die Angst vor einer (ungewollten) Schwangerschaft kann sich bis zum Wahn und zur eingebildeten Schwangerschaft steigern. Meist ist die Abneigung gegen eine Schwangerschaft unbewusst. Sie kommt zum Beispiel nach traumatischen Geburten vor. Manchmal sind auch Probleme in der Partnerschaft die Ursache. Vielfältige Gründe können für solche Konfliktsituationen verantwortlich sein.

Wie kann man eine Scheinschwangerschaft erkennen?

Für Außenstehende ist es meist nicht möglich, zu erkennen, ob eine Schwangerschaft eingebildet oder echt ist. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die wenigsten Menschen sich vorstellen können, jemand könne über einen langen Zeitraum so gut eine Schwangerschaft vortäuschen. Und genau da liegt das Problem: Scheinschwangere glauben wirklich daran, schwanger zu sein. Sie können den Anschein daher über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten. Im Extremfall bis zum vermeintlichen Entbindungstermin.

Meist sind es nahe Angehörige (der Partner oder die Partnerin, enge Freunde), die auf die Scheinschwangerschaft aufmerksam werden. Zwar können Frauenärzte feststellen, dass keine Schwangerschaft besteht – Ultraschall- und Blutuntersuchung geben hierüber schnell Aufschluss. Dass eine Frau scheinschwanger ist und psychotherapeutische Hilfe benötigt, wird aber erst klar, wenn der Arzt immer wieder aufgesucht wird. Viele Frauen mit eingebildeter Schwangerschaft gehen aber gar nicht zum Arzt oder wechseln die Ärzte immer wieder.

Behandlung der Scheinschwangerschaft

Da es sich bei der eingebildeten Schwangerschaft um eine seelische Erkrankung handelt, ist eine Psychotherapie ratsam. Bis es zur Behandlung kommt, kann es häufig sehr lange dauern. Betroffene Frauen wechseln häufig den Frauenarzt. Zudem sind die wenigsten Frauenärzte für das Phänomen der Scheinschwangerschaft sensibilisiert.

In der Psychotherapie geht es vor allem darum, die Ursache für die Scheinschwangerschaft zu finden. Frauen mit übermäßigem Kinderwunsch müssen zunächst oft lernen, dass ihre Wertigkeit als Frau nicht mit einer Schwangerschaft zusammenhängt. Sofern noch nicht geschehen, sollten Frauenarzt und Psychotherapeut auf die Möglichkeit einer Kinderwunschbehandlung hinweisen und diese mit der Betroffenen erörtern.

Ist Angst der Grund für die Entwicklung der Scheinschwangerschaft, hat das manchmal damit zu tun, dass die betroffene Frau unbewusst gar kein Kind möchte, obwohl eventuell gerade eines geplant ist. In diesem Fall ist es Ziel der Therapie, diesen seelischen Konflikt zu lösen und Kopfentscheidung und Bauchgefühl wieder in Harmonie zu bringen.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2017
Quellen

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