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Panikattacken

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 04. März 2018

Panikattacken haben viele verschieden Ursachen. Neben psychischen Erkrankungen sind verdrängte Konflikte, Stress oder Krisensituationen häufig Auslöser von Panikattacken. Sie kommen scheinbar aus dem Nichts und sind für Betroffene sehr belastend.

Panikattacken
Panikattacken kommen scheinbar aus dem Nichts - Betroffen haben zusätzlich Angst vor einer erneuten Panikattacke
iStock/martin-dm

Bei Panikattacken kommt es zu ganz plötzlich zu einem Gefühl des Unbehagens und heftiger Angst. Diese Gefühle steigern sich und erreichen ihren Höhepunkt nach wenigen Minuten.

Für den Menschen erfüllt Angst eigentlich eine wichtige Aufgabe, denn sie macht uns auf gefährliche Situationen aufmerksam und ist damit überlebenswichtig. Panikattacken dagegen kommen für Betroffene scheinbar aus dem Nichts oder in eigentlich völlig harmlosen und alltäglichen Situation - der Pulsschlag erhöht sich, das Herz rast, Schwindel tritt auf und man hat das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.

"Unbehandelt schränken sie im Laufe der Jahre den Alltag der Betroffenen immer weiter ein, können zu Depressionen führen und im schlimmsten Fall sogar Selbstmordgedanken auslösen", erklärt Ankathrin Schmidt, psychologische Beraterin und erfahrene Reality Creatorin.

Panikattacken können in allgemeinen und unspezifischen Situation - also vermeintlich grundlos - oder als direkte Reaktion auf ein Ereignis oder eine Konfrontation auftreten. Das wäre zum Beispiel der Fall bei einer Agoraphobie, also der Furcht vor einer ganz bestimmten Situation, in der eine Panikattacke extrem peinlich oder keine schnelle Flucht aus der Situation möglich wäre. Während Panikattacken bei einer Agoraphobie vorhersehbar sind, treten spontane Panikattacken plötzlich auf, manchmal sogar mitten in der Nacht.

Häufigkeit von Panikattacken

Insgesamt hat die Häufigkeit von Panikattacken in den vergangenen Jahren nicht zugenommen. Da viele Betroffene aber keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen - oder diese erst sehr spät suchen - lässt sich darüber nicht wirklich eine valide Aussage treffen. Fest steht, dass in Deutschland überhaupt erst seit 1998 statistische Daten zu Panikattacken bzw. Angststörungen erhoben werden. Bereits damals waren 14,2 Prozent der Befragten zwischen 18 und 65 Jahren mindestens ein Mal innerhalb der vergangenen zwölf Monate von einer Panikattacke betroffen.

Laut neuesten Erhebungen (aus dem Jahr 2014) leiden Frauen in etwa doppelt so häufig unter Panikattacken wie Männer. Häufig treten diese zusammen mit anderen Angststörungen auf.

Was sind Symptome von Panikattacken?

Panikattacken beginnen abrupt und steigern sich innerhalb etwa zehn Minuten enorm. Die Dauer einer Panikattacke kann von einigen Minuten bis zu einer halben Stunde lang sein. Dabei kommt es zu einem Gefühl von Angst und enormem Unbehagen. Laut Diagnosekriterien sind bei einer Panikattacke mindestens vier der folgenden Symptome vorhanden:

  1. Palpitationen (ungewöhnliche Herzinteraktion, "Herzstolpern"), Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag
  2. Schwitzen
  3. Zittern und Beben
  4. Gefühl von Kurzatmigkeit/Atemnot
  5. Erstickungsgefühl
  6. Beklemmungsgefühl in der Brust/Brustschmerzen
  7. Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
  8. Schwindel, Unsicherheit, Benommenheitsgefühl, das Gefühl, der Ohnmacht nah zu sein
  9. Gefühl, dass die Objekte "unwirklich" sind (Derealisation) oder man selbst "nicht richtig hier" ist (Depersonalisation)
  10. Angst die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden
  11. Angst zu sterben
  12. Taubheit oder Kribbelgefühle (Parästhesien)
  13. Hitzewallungen oder Kälteschauer

Panikattacken treten wiederkehrend und plötzlich, also nicht vorhersehbar, auf. Darüber hinaus ist laut Diagnosekriterien nach einer Panikattacke mindestens eines der drei folgenden Symptome über einen Zeitraum von mindestens einem Monat vorhanden:

  1. Angst vor einer erneuten Panikattacke
  2. Sorgen über die Bedeutung der Panikattacke und vor ihren Folgen (zum Beispiel ernsthafte gesundheitliche Folgen, Kontrollverlust)
  3. Verhaltensänderung, bedingt durch die Panikattacke

(Diagnosekriterien psychischer Störungen nach Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders DSM-IV)

Panikattacken: Welche Ursachen haben sie?

Panikattacken sind kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das sich bei Angst- oder Panikstörungen zeigt. Auch im Rahmen von anderen psychischen Erkrankungen, etwa einer Depression, können Panikattacken auftreten.

In vielen Fällen sind Panikattacken mit einer Agoraphobie verbunden. Dabei kommt zusätzlich die Angst vor Orten hinzu, an denen im Falle einer Panikattacke ein Flüchten aus der Situation nur schwer möglich wäre oder (peinliches) Aufsehen erregen würde. In Menschenmengen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder engen Räumen treten dann Panikattacken auf.

Auslöser von Panikattacken sind vielfältig

Unbewältigte Konfliktsituationen wie etwa ein gewollter, aber nicht durchgeführter Jobwechsel, können ebenfalls - auch nach Jahren - Panikattacken auslösen. Man verharrt jahrelang in alten Gewohnheiten und die Frustration wächst stetig, bis sie sich entlädt – als Aggressionen oder eben als Panikattacke. Weitere Auslöser stellen klassische Stresssituationen dar, dazu zählt vor allem der psychische Stress, der von den Betroffenen oftmals nicht bewusst wahrgenommen wird.

"Sie können jahrelang auf großen Bühnen stehen oder vor Publikum reden, bis ihnen die Psyche plötzlich und unerwartet einen Streich spielt. Kombiniert mit den aufkeimenden Gedanken des Versagens geraten sie auf einmal in einen Strudel, aus dem sie alleine nicht herausfinden", betont Ankathrin Schmidt. "Auch Krisensituationen wie der Verlust eines geliebten Menschen, Trennung vom Partner oder finanzielle Sorgen sowie Mobbing hinterlassen tiefe Spuren in der Seele."

Viele Menschen verstauen negative Lebensereignisse in den sogenannten 'Schubladen im Kopf'. Manchmal finden die tief verschlossenen Gedanken den Weg zurück an die Oberfläche und können unter anderem eine Panikattacke auslösen. Neben psychischen Ursachen können auch Wechseljahre, bestimmte Medikamente, Perfektionismus oder mangelndes Selbstvertrauen Panikattacken (mit-)auslösen. Unterdrückte Emotionen wie Trauer oder Wut können irgendwann und unvorhergesehen in Angst umschlagen – je länger sie verdrängt werden.

Therapie von Panikattacken

Ihre Therapie richtet sich nach der Ursache der Panikattacken. Meist wird eine Psychotherapie verordnet, oft auch verbunden mit einer Verhaltenstherapie, um sich bei aufkommenden Panikattacken selbst helfen zu können. Je nach Schwere kann auch ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik ratsam sein. In manchen Fällen werden Psychopharmaka verordnet, je nach Schwere und Ursache der Panikattacken.

Was tun, um Panikattacken loszuwerden?

Man kann auch selbst etwas tun, um einer aufkommenden Panikattacken entgegenzusteuern. Häufig werden im Rahmen einer Psychotherapie individuelle Strategien gemeinsam mit dem Therapeuten entwickelt. Besonders Atemtechniken haben sich bewährt, um bei einer Panikattacke den Puls regulieren und die Atmung wieder kontrollieren zu können.

Ankathrin Schmidt rät: "Betroffene sollten sich bei einer aufkommenden Attacke auf die Atmung konzentrieren, länger aus- als einatmen. Dazu am besten beim Ausatmen im Kopf bis sechs und beim Luftholen bis vier zählen, kurze Pause und alles mehrfach wiederholen. Verkrampfte Muskeln entspannen sich schneller durch auf und ab hüpfen. Zusätzlich die Fäuste ballen und wieder lösen oder die Zehen in den Boden krallen."

Es ist hilfreich, sich beim Aufkommen einer Panikattacke bewusst zu machen, dass es sich nicht um eine lebensbedrohliche Situation handelt. Zudem kann die Konzentration auf das Umfeld dazu beitragen, die körperlichen Symptome weniger intensiv wahrzunehmen. Gerade die Fokussierung beschreiben viele Betroffene als wirksam, zum Beispiel, auf die eigene Armbanduhr zu schauen und sich auf die Uhrzeit zu konzentrieren oder sogar dem Sekundenzeiger zu folgen.

Wenn die Konzentration bewusst auf ein anderes, neutrales Thema oder die Außenwelt gelenkt wird, kann das zur Bewältigung der Panikattacke beitragen. Die Temperatur oder die Landschaft oder auch der Vekehr - alles in der Umgebung eignet sich zur Ablenkung. Besteht eine Angst vor bestimmten Situation oder Orten, ist es ratsam, diese nicht zu vermeiden. Auch der Gedanke an einen geliebten Menschen hilft oft beim ersten Anflug einer Attacke.

Der Lebensstil, insbesondere Stressmanagement, spielt bei der Selbsthilfe zur Vermeidung von Panikattacken eine Rolle. Stress sollte vermieden oder gemildert werden, um Panikattacken dauerhaft loszuwerden. Manche Menschen empfinden es als hilfreich, wenn sie sich im Alltag oder in ganz bestimmten Situationen stärker gegen Andere durchsetzen (Selbstbehauptung).

Yoga, autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Sport gehören ebenfalls zu den bevorzugten Instrumenten und unterstützen Betroffene in ihrem Alltag. Von Experten empfohlen wird Ausdauertraining, zum Beispiel drei Mal wöchentlich je fünf Kilometer laufen. Viele Betroffene suchen den Austausch in Selbsthilfegruppen, die es mittlerweile zahlreich im Internet oder auch in vielen Orten gibt.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 04. März 2018
Quellen

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