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Hormonelle Störung

Hyperprolaktinämie: Mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 19. August 2019

Ein erhöhter Prolaktinspiegel im Blut wird als Hyperprolaktinämie bezeichnet. Es handelt sich dabei nicht um eine Krankheit, sondern um einen Hinweis auf verschiedene mögliche Ursachen.

Hyperprolaktinämie: Mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit
Bei einer Hyperprolaktinämie bringen Medikamente den Prolaktinspiegel wieder in den Normalbereich
© iStock.com/FotoDuets
Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist Hyperprolaktinämie?

Bei einer Hyperprolaktinämie handelt es sich um eine Störung im Hormonhaushalt, bei der eine Überproduktion des Hormons Prolaktin stattfindet. Dieses Hormon wird von den laktotrophem Zellen des Hypophysenvorderlappens gebildet und überwiegend während der Tiefschlafphase produziert.

Für Schwangerschaft und Stillzeit ist Prolaktin besonders nützlich: In dieser Phase kommt es naturgemäß zu einer vermehrten Produktion, damit die Brustdrüsen wachsen, die Milchproduktion angeregt und der Eisprung unterdrückt wird. Prolaktin trägt aufgrund dieser wichtigen Funktionen auch den Namen "Brustmilchhormon". Ist der Prolaktinspiegel jedoch unabhängig von Schwangerschaft und Stillzeit erhöht, kann dies auf andere Ursachen hindeuten und als Folge die Eierstockfunktion und damit die Fruchtbarkeit einschränken.

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Vorkommen und Häufigkeit der Hyperprolaktinämie

Hyperprolaktinämie kann sowohl bei der Frau als auch beim Mann auftreten, wobei sie bei Männern seltener ist. Etwa ein Prozent der allgemeinen Bevölkerung ist davon betroffen.

Die Hyperprolaktinämie gehört zu den häufigsten Hormonstörungen, die eine Unfruchtbarkeit hervorrufen. Etwa 20 Prozent der im Laufe des Lebens erworbenen Menstruationsstörungen sind darauf zurückzuführen, sie tritt bei zehn bis 40 Prozent der Frauen mit einer sekundären Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung, nachdem zuvor eine normale Zyklusaktivität stattfand) auf. Rund 75 Prozent der Betroffenen einer Galaktorrhoe (Austreten von Flüssigkeit aus der Brustwarze) und Amenorrhoe haben eine Hyperprolaktinämie. Bei etwa 30 Prozent von ihnen ist ein Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) dafür verantwortlich. Die meisten dieser sogenannten Prolaktinome entstehen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Ursachen einer Hyperprolaktinämie

Eine Hyperprolaktinämie kann vielfältige Ursachen haben:

  • Prolaktinom: Ein Tumor der Hypophyse ist für die fehlerhafte Überproduktion von Prolaktin verantwortlich. Bei Frauen handelt es sich häufiger um stets gutartige Mikroprolaktinome (Ø < 10 mm), die von geringer Größe sind und selten Wachstumstendenzen zeigen. Größere, meist gutartige Makroprolaktinome (Ø > 10 mm) kommen bei Männern und Frauen gleich häufig vor. Bösartige Hypophysentumore treten äußerst selten auf.

  • Endokrinologische Störung: Es liegt eine andere hormonelle Störung wie die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor.

  • Starker körperlicher und seelischer Stress: Dieser Stress führt vorübergehend zu einem erhöhten Prolaktinspiegel.

  • Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Antidepressiva oder andere Psychopharmaka verursachen eine Hyperprolaktinämie. In einem solchen Fall wird von einer medikamenteninduzierten Hyperprolaktinämie gesprochen.

  • Niereninsuffizienz: Durch eine starke Nierenschwäche wird das Prolaktin nur vermindert ausgeschieden.

Symptome einer Hyperprolaktinämie

Die Ausprägungen der Hyperprolaktinämie-Symptome sind unterschiedlich – sie unterscheiden sich je nach Ursache und danach, wie stark erhöht der Prolaktinspiegel ist. Folgende Beschwerden können auftreten:

  • Zyklusstörungen
  • Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung)
  • Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs)
  • Galaktorrhoe (Absonderung von Milch aus den Brustdrüsen spontan oder unter Druck, obwohl keine Schwangerschaft vorliegt und nicht gestillt wird)
  • Libidoverlust

Ist ein Tumor als Ursache für die Hyperprolaktinämie verantwortlich und handelt es sich dabei um ein größeres Makroprolaktinom, kann dieser durch die Raumforderung und die Nähe zum Sehnerv Kopfschmerzen oder Sehstörungen als Symptome hervorrufen.

Hyperprolaktinämie bei der Frau beeinträchtigt Kinderwunsch

Die Hyperprolaktinämie spielt für viele Frauen vor allem beim Thema Kinderwunsch eine große Rolle, denn sie kann Ursache einer Unfruchtbarkeit sein. Durch die Überproduktion des Prolaktins wird die Funktion der Eierstöcke negativ beeinflusst: Die Hormone Östrogen und Progesteron werden vermindert gebildet und ausgeschüttet, die Eireifung ist gestört, der Eisprung kann ausblieben und die Gelbkörperbildung ist beeinträchtigt. Treten Zyklusstörungen bei Kinderwunsch auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Hyperprolaktinämie vorliegt.

Hyperprolaktinämie beim Mann kann zu Impotenz führen

Auch Männer können von einer Hyperprolaktinämie betroffen sein. Bei ihnen wirkt sich der erhöhte Prolaktinspiegel ebenfalls auf das Sexualleben und die Fruchtbarkeit aus. Es kann zu einer Störung der Keimdrüsenfunktion mit Libidoverlust und sexueller Impotenz kommen. Eine vermehrte Prolaktinproduktion verursacht außerdem, dass der Bartwuchs nachlässt und die Intimbehaarung spärlicher wird.

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Diagnose: Hyperprolaktinämie per Bluttest feststellen

Frauen mit Kinderwunsch schildern dem Frauenarzt bei Zyklusstörungen während einer Anamnese (Erfassung der Krankheitsgeschichte) ihre vorliegenden Symptome – wie das Ausbleiben der Regelblutung. Neben einer körperlichen und gynäkologischen Untersuchung gibt anschließend vor allem die Analyse der Hormonkonzentration im Blut Aufschluss über das Vorliegen einer Hyperprolaktinämie. Dazu wird der Betroffenen Blut abgenommen – in der Regel vormittags, mindestens ein bis zwei Stunden nach dem Aufwachen. Bei einem stark erhöhten Prolaktinspiegel (über 250 µg/l bzw. 5.000 mE/l) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Prolaktinom als Ursache dahintersteckt. Zur weiteren Abklärung dient eine Kernspintomografie (Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT)).

Jedoch wird nicht jede Hyperprolaktinämie durch ein Prolaktinom ausgelöst und auch eine mangelnde Funktion der Eierstöcke kann weitere Ursachen haben, die per Diagnose ausgeschlossen werden müssen. Verantwortlich für Zyklusprobleme können unter anderem zum Beispiel folgende, weitere hormonelle Störungen sein:

Therapie der Hyperprolaktinämie – vor allem durch Medikamenteneinnahme

Die Behandlung der Hyperprolaktinämie richtet sich nach der vorliegenden Ursache und den persönlichen Umständen der Betroffenen. In der Regel kommen sogenannte Dopaminagonisten als Medikamente zum Einsatz – zum Beispiel Bromocriptin oder Cabergolin. Sie sind dazu in der Lage, wie der körpereigene Botenstoff Dopamin zu wirken und die Prolaktinbildung zu hemmen.

Für Betroffene eines Tumors haben Dopaminagonisten neben diesem Effekt noch einen weiteren Nutzen: Sie führen auch zu einer Größenreduzierung des Prolaktinoms. Operative Eingriffe oder Strahlentherapien kommen daher nur selten zum Einsatz. In über 90 Prozent der Fälle führt die medikamentöse Therapie bei einem Tumor zu einer Normalisierung – die Behandlung muss möglicherweise allerdings lebenslang fortgeführt werden.

Behandlung einer Hyperprolaktinämie bei Kinderwunsch

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) e.V. rät Frauen mit einem Prolaktinom, vor dem Eintritt der Schwangerschaft eine Schrumpfung des Prolaktinoms anzustreben. Sinkt der Prolaktinspiegel wieder in den Normalbereich können spontan Zyklen mit Eisprung auftreten, anderenfalls ist eine Stimmulationsbehandlung erforderlich.

Mit dem Arzt ist unbedingt zu besprechen, welche Medikamente für die Verwendung in der Schwangerschaft zugelassen sind und welche möglicherweise schon einige Wochen vor der Befruchtung abgesetzt werden müssen. In Absprache mit dem Arzt werden speziell geeignete Medikamente bei großen Prolaktinomen auch während der Schwangerschaft weiterhin eingenommen.

Verlauf und Komplikationen der Hyperprolaktinämie

Eine Hyperprolaktinämie lässt sich durch die Einnahme von Medikamenten gut behandeln. Unbehandelt kann sie sich langfristig negativ auf die Gesundheit auswirken. Denn durch die zu hohe Prolaktinkonzentration im Blut wird verhindert, dass der Körper in ausreichendem Maße Östrogen bildet. Dieses Hormon ist jedoch nicht nur für die Steuerung des weiblichen Zyklus verantwortlich – das Sexualhormon ist auch für den Knochenstoffwechsel von Bedeutung. Ein Mangel an Östrogen begünstigt daher das Risiko für Osteoporose (Knochenschwund).

Zudem kann eine Hyperprolaktinämie das Absinken der TSH-Konzentration bewirken. Das thyreoidea-stimulierende Hormon reguliert die Schilddrüsenhormone, ein Mangel führt möglicherweise zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Auch eine zunehmende Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) kann in unbehandelten Fällen eine Langzeitfolge der Hyperprolaktinämie darstellen.

Vorbeugung der Hyperprolaktinämie

Es besteht keine Möglichkeit, einer Hyperprolaktinämie vorzubeugen. Sind die Beschwerden durch eine Therapie verschwunden, ist es wichtig, den ärztlichen Anweisungen weiterhin zu folgen. Auf diese Weise kann ein erneuter Anstieg der Prolaktinproduktion verhindert werden. Auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen sichern den Behandlungserfolg langfristig ab.

Tipps, um die Fruchtbarkeit zu steigern
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 19. August 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: E22.1
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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