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Biopsie: Gewebeentnahme aus der Brust

Biopsie: Gewebeentnahme aus der Brust
Ein Knoten in der Brust kann weitere Untersuchungen - zum Beispiel eine Biopsie - erforderlich machen
iStock/gbh007

Die Brustbiopsie ist eine Gewebeentnahme aus der Brust. Entdeckt Arzt oder Ärztin Knoten, Verkalkungen oder andere auffällige Befunde in der Brust, kann häufig erst durch eine Brustbiopsie festgestellt werden, ob es sich um eine gutartige oder bösartige Veränderung (Krebs) handelt.

Die Entnahme von Körperzellen oder Gewebe bezeichnet man als Biopsie. Eine Biopsie kann an verschiedenen Stellen des Körpers vorgenommen werden, auch an der Brust. Das entnommene Gewebe wird auf Krebszellen untersucht.

Wann eine Brustbiopsie durchgeführt wird

Wenn eine Tastuntersuchung der Brust und bildgebende Verfahren Auffälligkeiten wie einen Knoten oder Mikroverkalkungen aufweisen, wird eine Brustbiopsie durchgeführt, um zu klären, ob es sich um gutartige oder bösartige Veränderungen handelt.

Eine Biopsie der Brust bedeutet nicht automatisch, dass es sich um Brustkrebs (Mammakarzinom) handelt. Es geht vielmehr darum, einen unklaren Befund nach der Tastuntersuchung beim Arzt und bildgebenden Verfahren (Ultraschall-Untersuchung der Brust, Mammographie und Magnetresonanz-Tomographie = MRT) abzuklären.

Auffälligkeiten, die eine Brustbiopsie erforderlich machen können, sind:

  • Knoten in der Brust
  • Mikroverkalkungen
  • Veränderungen an den Lymphknoten
  • Verdacht auf einen Rückfall nach Brustkrebs-Behandlung (Rezidiv)

Die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren werden in Kategorien zur Risikobewertung eingeteilt. Das „Breast Imaging Reporting And Data System“ (BI-RADS) ist ein vom American College of Radiology (ACR) erstelltes System zur Einstufung der Mammographieergebnisse. Die BI-RADS-Klassifikation wird international verwendet und besteht aus sieben Kategorien:

Kategorie 0: unvollständige Diagnostik, daher müssen weitere Diagnoseverfahren angewendet werden, zum Beispiel Ultraschall, Kernspin-Tomografie

Kategorie 1: unauffälliger Befund

Kategorie 2: sicher gutartiger Befund

Kategorie 3: hohe Wahrscheinlichkeit eines gutartigen Befundes, weitere Kontrollen im Abstand von sechs Monaten sollten durchgeführt werden

Kategorie 4: bedenkliche Veränderung, möglicherweise bösartig, zur weiteren Abklärung sollte eine Biopsie (meist die Stanzbiopsie) durchgeführt werden

Kategorie 5: starker Verdacht auf Bösartigkeit, zur Diagnose müssen noch eine Biopsie und histologische Untersuchung des entnommen Gewebes durchgeführt werden

Kategorie 6: bereits histologisch (durch Gewebeprobe) gesicherter Brustkrebs

Bei einer Gewebeveränderung der Klassen 4 und 5 wird in der Regel eine Brustbiopsie angeordnet. Die Gewebeentnahme aus der Brust ist die einzige Methode, mit der sich feststellen lässt, ob Gewebeveränderungen gut- oder bösartig sind. Es handelt sich bei der Brustbiopsie um einen kleinen, risikoarmen und wenig belastenden Eingriff.

Vorausgehende Untersuchungen einer Biopsie sind bildgebende Diagnoseverfahren wie Ultraschall, Mammographie oder Magnetresonanz-Tomographie. Wird darüber hinaus eine Biopsie indiziert, muss vor dem nächsten Untersuchungsschritt eine Blutprobe entnommen werden. Diese gibt Auskunft über den allgemeinen Gesundheitszustand sowie über die Gerinnungseigenschaften des Bluts. Das ist vor allem wichtig, falls es beim Eingriff zu einer stärkeren Blutung kommen sollte. Eine Biopsie wird meistens unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Bei aufwendigen Biopsien wird eine Kurznarkose eingeleitet.

Methoden einer Brustbiopsie

Bei einer Gewebeentnahme gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Verfahrens-Arten: die minimal-invasive Biopsie und die operative beziehungsweise offene Biopsie. Minimal-invasive Biopsien werden ungezielt oder gezielt unter Röntgen- oder Ultraschallkontrolle und bei örtlicher Betäubung durchgeführt. Sollen größere Gewebemengen entnommen werden, ist die offene Biopsie das Verfahren der Wahl. Sie findet unter Narkose statt, weshalb in der Regel ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig ist.

Ablauf einer Brustbiopsie

In der Regel wird die Brustbiopsie ambulant durchgeführt. Bei einer operativen/offenen Biopsie wird aufgrund der Narkose ein Krankenhausaufenthalt nötig.

Feinnadelbiopsie

Die Feinnadelbiopsie eignet sich vor allem für tastbare Veränderungen. Dabei wird die Veränderung mit einer Hohlnadel punktiert und kleine Gewebeteile oder einzelne Zellen mit einer Kanüle angesaugt. Im Anschluss kann die Hohlnadel wieder herausgezogen werden. Sie enthält nun Zellen, die mikroskopisch untersucht werden können.

Im Gegensatz zu anderen Biopsieverfahren ist bei der Feinnadelbiopsie keine Narkose oder Betäubung nötig, da sie schmerzfrei ist.

Stanzbiopsie: Ablauf und Risiken

Die Stanzbiopsie ist die am häufigsten angewendete Methode der Brustbiopsie. Sie wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei wird über einen kleinen Hautschnitt eine dünne Hohlnadel gezielt an das zu entnehmende Gewebe gebracht und mit hoher Geschwindigkeit mehrere Gewebezylinder „herausgestanzt“. Kontrolliert wird die Stanzbiopsie an der Brust mit Ultraschall.

Es besteht bei der Stanzbiopsie ein geringes Risiko, dass eventuelle Krebszellen verschleppt werden. Blutungen oder Infektionen nach dem Eingriff sind nicht ganz auszuschließen, aber selten. Vergleicht man Nutzen und Risiken einer Stanzpbiosie, überwiegen in jedem Fall die Vorteile dieses Diagnoseverfahrens.

Wenn keine körperlich anstrengende Arbeit ausgeführt wird, kann man normalerweise am Tag nach der Stanzbiopsie an der Brust wieder arbeiten gehen. Treten Schmerzen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Möglicherweise ist "nur" ein Bluterguss die Ursache, es könnte aber auch an einer Infektion liegen, die dann mit Antibiotikum behandelt werden muss.

Vakuumbiopsie

Etwas größere Gewebeherde an der Brust werden per Vakuumbiopsie entfernt. Die Hohlnadel hat bei der Vakuumbiopsie einen etwas größeren Durchmesser als bei der Stanzbiopsie. In ihrem Inneren befindet sich ein drehendes Messer, welches das durch Unterdruck angesaugte Gewebe herausschneidet. Die Vakuumbiopsie wird unter Röntgen- oder MRT-Kontrolle durchgeführt.

Offene Biopsie, operative Biopsie oder Exzisionsbiopsie

Größere Gewebemengen werden in einer kleinen Operation entnommen. Bei der offenen Biopsie kann auffälliges Brustgewebe auch sofort entfernt werden. Es ist allerdings eine Kurznarkose notwendig und damit verbunden auch ein kurzer Krankenhausaufenthalt.

Was passiert nach der Brustbiopsie?

Nach der Brustbiopsie gehen Patientinnen in der Regel nach Hause. Nach vier bis fünf Tagen kann mit einem Ergebnis der Biopsie gerechnet werden.

Werden Tumorzellen gefunden, wird der Grad der Reifung (Grading) festgestellt, das heißt wie weit die Veränderung des Tumorgewebes im Vergleich zum gesunden Gewebe, fortgeschritten ist. Durch das Grading kann eine gezielte Therapiewahl getroffen und der Erfolg der Behandlung abgeschätzt werden.

Können Komplikationen oder Risiken bei einer Brustbiopsie auftreten?

Eine Biopsie ist – vor allem bei den minimal-invasiven Verfahren - ein relativ kleiner Eingriff ohne große Belastung. Kurzzeitig können Blutungen auftreten, weswegen die Blutgerinnungsuntersuchung vor einer Biopsie wichtig ist.

Eine offene Biopsie hinterlässt eine kleine Operationsnarbe. Vernarbungen können bei Nachuntersuchungen in Röntgenaufnahmen Unklarheiten hervorrufen.

Gibt es Alternativen zur Brustbiopsie?

Eine Brustbiopsie wird notwendig, wenn frühere Befunde (Tastuntersuchung der Brust und bildgebende Verfahren) auf eine Gewebeveränderung der Brust hinweisen. Sie ist danach die einzige Möglichkeit, den Verdacht auf Brustkrebs mit hoher diagnostischer Sicherheit zu untersuchen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2017
Quellen: „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und der Deutschen Krebshilfe e.V (Hrsg.): Früherkennung von Brustkrebs (AWMF-Register-Nr. 077-001-OL), Berlin 2010; Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums: http://www.krebsinformationsdienst.de/ (Stand: Januar 2017); Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Interdisziplinäre S3-Leitlinie für Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Stand: 2012); Online-Informationen des Universitätsklinikums des Saarlandes: www.uniklinikum-saarland.de (Abruf: Februar 2017)

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