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Coronavirus bei Kindern

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 löst leichte bis schwere Atemwegsinfektionen aus. Kinder sind von schweren Verläufen nach heutigem Kenntnisstand wesentlich seltener betroffen als Erwachsene. Doch was sind die Gründe dafür?

Coronavirus: Warum sind Kinder weniger stark betroffen?
Husten, Schnupfen, Heiserkeit kommen bei Kindern sehr häufig vor – das Coronavirus scheint sie aber weniger krank zu machen als Erwachsene.
© iStock.com/Imgorthand

+++ Update vom 13.05.2020 +++

Aus verschiedenen Ländern Europas und den USA berichten Ärzte über schwere Verläufe bei Kindern, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Die beobachteten Symptome ähneln dem Kawasaki-Syndrom, es kommt zu Entzündungen der Blutgefäße, Hautausschlägen und Fieber. Ärzte vermuten, dass eine überschießende Immunreaktion auf eine Atemwegsinfektion die Symptome verursacht. Doch noch ist unklar, ob tatsächlich ein Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion besteht.

Bislang wurden in Deutschland fünf Kinder mit Kawasaki-Symptomen nach einer Coronavirus-Infektion registriert. Insgesamt haben sich hierzulande mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche dem Coronavirus infiziert. Die meisten von ihnen zeigten nur sehr milde Symptome der Infektion.

Coronavirus bei Kindern

Kinder, die sich mit dem neuen Virus aus der Gruppe der Coronaviren anstecken, erkranken oft gar nicht an einer Atemwegsinfektion oder haben nur milde bis mittelschwere Beschwerden. Am häufigsten treten Fieber und Husten auf. Schwerere Verläufe gehen mit Lungenentzündung und Atemnot einher. Erwachsene sind von schweren Verläufen wesentlich häufiger betroffen als Kinder.

Die Forschungen zum Thema Coronavirus und Kinder stehen erst am Anfang. Wir haben uns die bisherigen Erkenntnisse genauer angeschaut und mit einem Experten gesprochen.

Coronavirus: Kinder und Erwachsene infizieren sich gleich schnell

Kinder scheinen sich genau so leicht mit dem Coronavirus zu infizieren wie Erwachsene. Dabei haben sie häufig eher milde Verläufe, sofern sie überhaupt an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 erkranken. Sie können deshalb andere Menschen mit Corona anstecken, ohne selbst Symptome zu zeigen – einer der Gründe dafür, warum weltweit Schulen und Kindergärten vorerst geschlossen wurden.

Berichte über verstorbene Babys und Kinder beunruhigen viele Eltern. Im US-Bundesstaat Illinois war vor einer Woche ein erst sechs Monate altes, positiv auf das Coronavirus getestetes, Baby verstorben. Ob die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 auch die Ursache für den Tod des Babys war, wird zur Zeit noch untersucht.

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Kinder meist nur mit leichten oder gar keinen Symptomen

Dass Kinder eher selten schwer erkranken, nachdem sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben, scheint auch eine neue Beobachtungsstudie aus China zu bestätigen. Dazu hatten Forscher über 2.000 Verläufe von erkrankten Kindern ausgewertet. Allerdings war lediglich bei einem Drittel der Kinder das Coronavirus auch sicher diagnostiziert worden. Die anderen Kinder wurden aufgrund der typischen Beschwerden, Röntgenaufnahmen der Brust, Bluttests oder aufgrund engen Kontakts mit Corona-Infizierten als Verdachtsfälle eingestuft.

Beachtenswert sind die Ergebnisse trotzdem, denn die überwiegende Anzahl der Kinder – über 90 Prozent – hatte entweder gar keine oder lediglich leichte bis mäßige Symptome entwickelt. Schwere Verläufe traten äußerst selten auf, betrafen dann häufiger Babys im ersten Lebensjahr. Um die Wahrscheinlichkeit kritischer Krankheitsverläufe einzuschätzen, lohnt ein tieferer Blick in die Zahlen.

379 Kinder waren in der Kohorte unter einem Jahr alt. Davon hatten:

  • 7 Kinder: "kritische" Verläufe
  • 33 Kinder: "schwere" Verläufe
  • 127 Kinder: "moderate" Verläufe
  • 205 Kinder: "milde" Verläufe
  • 7 Kinder: keine Symptome

Sieben Kinder waren also in einem kritischen Zustand, nachdem sie an der Atemwegsinfektion erkrankt waren – genau so viele hatten aber auch gar keine Beschwerden. Obwohl die Anzahl der Kinder in fast allen anderen Altersstufen höher waren, zeigten sich bei ihnen seltener kritische Verläufe als bei den Kindern im ersten Lebensjahr:

  • 1 bis 5 Jahre: 2
  • 6 bis 10 Jahre: 0
  • 11 bis 15 Jahre: 3
  • > 15 Jahre: 1

Nur ein Kind aus der untersuchten Kohorte der Unter-Einjährigen verstarb. Insgesamt liegt die Zahl schwer erkrankter Kinder aber immer noch deutlich unter der von Erwachsenen. Zum Vergleich: 5,9 Prozent der Kinder in dieser Beobachtungsstudie wurden insgesamt als "schwere und kritische Fälle" eingestuft, gegenüber 18,5 Prozent bei Erwachsenen.

Solche Beobachtungen scheint auch eine ältere Auswertung der Untersuchungsergebnisse von 34 im Krankenhaus behandelter Kinder aus China zu bestätigen: Kinder hatten durchweg mildere Verläufe mit den häufigsten Beschwerden Husten und Fieber.

Kindliches Immunsystem scheint schneller auf Coronaviren zu reagieren

Ein Grund dafür, warum Kinder weniger heftig an Covid-19 erkranken, könnte ihr sich noch im Aufbau befindliches Immunsystem sein. Während Erwachsene in ihrem Leben schon zahlreiche Infektionen durchgemacht haben und damit schon mit zahlreichen verschiedenen Erregern in Kontakt gekommen sind, begegnet das Immunsystem von Kindern in den ersten Lebensjahren vielen noch unbekannten Viren.

Das könnte wiederum auch der Grund dafür sein, warum das Immunsystem von Kindern besonders effizient auf Coronaviren reagiert, hält Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin im Uniklinikum Leipzig, für möglich: "Das kindliche Immunsystem befindet sich in einer Habacht-Stellung. Es ist auf Expansion angelegt, lernt und entwickelt sich – genau wie das Kind selbst – ständig weiter und reagiert deshalb möglicherweise auch schneller auf neue Viren und Bakterien."

Das Immunsystem älterer Menschen dagegen hat schon viele Eindringlinge kennengelernt. Es verfügt über wesentlich mehr Gedächtniszellen, langlebige Zellen des Abwehrsystems mit einem immunologischen Gedächtnis. Sie bleiben nach Erstkontakt mit Erregern aktiv und sorgen bei erneutem Kontakt für eine hoch effektive und schnelle Immunantwort, sodass es entweder gar nicht erst zu einer erneuten Erkrankung kommt oder die Krankheit wesentlich milder verläuft als beim ersten Mal.

Gerade das Immunsystem älterer Menschen verfüge über viele Gedächtniszellen, sei aber bei Konfrontation mit Neuem einfach nicht mehr so aktiv wie das kindliche, glaubt Prof. Dr. Kiess.

Auch von Kindern mit Vorerkrankungen oder Immundefekten sind bislang noch wenige schwere Verläufe bekannt. Prof. Dr. Kiess hält als Grund dafür aber auch den guten Schutz von Risikogruppen für denkbar: "Die bekannten Risikogruppen sind bei uns in guter Behandlung und werden insgesamt auch gut geschützt, sodass sie von vornherein auch seltener den für sie gefährlichen Coronaviren ausgesetzt sind."

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Kindern fehlen möglicherweise Rezeptoren, an denen das Coronavirus andocken kann

Das aktuell grassierende Coronavirus wird unter Hochdruck erforscht. Wirklich sichere Ergebnisse sind aufgrund der Neuartigkeit von SARS-CoV-2 noch rar gesät. Aktuell vermuten Forscher, dass das Virus in die Körperzellen eindringt, indem es sich an ein bestimmtes Enzym heftet: Das Enzym ACE2 sitzt an der Oberfläche vieler Zellen, vor allem des Herzens, der Lunge und des Verdauungssystems.

Hat es das Coronavirus dank des Rezeptors ACE2 in die Lungenzellen geschafft, kann es sich dort teilen. Es unterdrückt außerdem die Produktion seines "Schleusergehilfen" ACE2. Das ist besonders ungünstig, denn das Enzym hat unter anderem eine zellschützende Wirkung und schützt die Lunge vor Schäden.

Die Forscher der chinesischen Beobachtungsstudie vermuten, dass das Enzym ACE2 bei Kindern aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems noch nicht so aktiv ist. Auch Prof. Dr. Kiess hält einen Zusammenhang mit molekularen Mechanismen nicht für ausgeschlossen: "Viren docken an Rezeptoren an und werden durch diese in die Zellen eingeschleust. Es ist durchaus vorstellbar, dass gerade die für das neuartige Coronavirus benötigten Rezeptoren bei Kindern noch nicht ausgereift sind."

Daraus lasse sich aber kein Grundsatz ableiten: "Andere Viren wie das Grippevirus oder das RS-Virus führen gerade bei Kindern oft zu schweren Verläufen. Wir lernen das neue Coronavirus gerade erst kennen und werden erst im Laufe der Zeit nachprüfbare Erkenntnisse darüber gewinnen, wie das Virus funktioniert. Bis dahin sind das alles lediglich Erklärungsansätze."

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