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Coronavirus

Corona und Kinder: Häufig nur milde Symptome

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 löst Atemwegsinfektionen aus. Kinder sind von schweren COVID-19-Verläufen nach heutigem Kenntnisstand wesentlich seltener betroffen als Erwachsene. Was sind die Gründe dafür?

Coronavirus: Warum sind Kinder weniger stark betroffen?
© iStock.com/Imgorthand

Das Thema Corona und Kinder wird noch immer kontrovers diskutiert – vor allem im Zusammenhang mit der Frage, ob Schulen und Eintrichtungen zur Kinderbetreuung geöffnet bleiben können oder besser geschlossen werden sollten. Nach aktuellem Forschungsstand steht fest: Kinder entwickeln nach einer Ansteckung mit Corona oft keine oder nur leichte Symptome, sind aber genauso infektiös wie Erwachsene.

Artikelinhalte auf einen Blick:

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Corona: Symptome bei Kindern

Kinder, die sich mit Corona anstecken, erkranken oft gar nicht an einer Atemwegsinfektion oder haben nur milde bis mittelschwere Symptome. Am häufigsten treten Fieber und Husten sowie der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns auf. Schwerere Verläufe gehen mit Lungenentzündung und Atemnot einher. Erwachsene sind von schweren Verläufen wesentlich häufiger betroffen als Kinder.

Typische Corona-Symptome bei Kindern?

Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder – wenn überhaupt – erst einmal atypische Symptome entwickeln. Durchfall, Bauchschmerzen oder Erbrechen sind demnach Beschwerden, die bei Kindern auf eine Infektion mit dem Coronavirus hinweisen können. Sie zeigen sich vor allem zu Beginn der Erkrankung – und bleiben in vielen Fällen auch die einzigen Symptome.

Das konnten britische Forschende anhand einer Auswertung von Blutproben von 992 Kindern zwischen zwei und 15 Jahren belegen. Von den 68 Kindern mit positivem Antikörpertest hatten 50 Prozent gar keine Symptome entwickelt. Die andere Hälfte berichtete vor allem von:

  • Müdigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Veränderung des Geruchs- und Geschmackssinns.

Durch die Omikron-Variante kam Krupphusten als Corona-Symptom hinzu: Eine US-amerikanische Studie zeigte, dass der nächtliche, anfallsartige "Seehundhusten" neben anderen auslösenden Viren auch auf das Konto von Corona gehen kann.

Corona ruft bei Kindern nur leichte oder gar keine Symptome hervor

Dass Kinder eher selten schwer erkranken, nachdem sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben, scheint auch eine Beobachtungsstudie aus China zu bestätigen. Dazu hatten Forschende über 2.000 Verläufe von erkrankten Kindern ausgewertet. Allerdings war Corona lediglich bei einem Drittel der Kinder auch sicher diagnostiziert worden. Die anderen Kinder wurden aufgrund der typischen Beschwerden, Röntgenaufnahmen der Brust, Bluttests oder aufgrund engen Kontakts mit Corona-Infizierten als Verdachtsfälle eingestuft.

Beachtenswert sind die Ergebnisse trotzdem, denn die überwiegende Anzahl der Kinder – über 90 Prozent – hatte entweder gar keine oder lediglich leichte bis mäßige Symptome entwickelt. Schwere Verläufe traten äußerst selten auf, betrafen dann häufiger Babys im ersten Lebensjahr.

379 Kinder waren in der Kohorte unter einem Jahr alt. Davon hatten:

  • 7 Kinder: "kritische" Verläufe
  • 33 Kinder: "schwere" Verläufe
  • 127 Kinder: "moderate" Verläufe
  • 205 Kinder: "milde" Verläufe
  • 7 Kinder: keine Symptome

Obwohl die Anzahl der Kinder in fast allen anderen Altersstufen höher waren, zeigten sich bei ihnen seltener kritische Verläufe als bei den Kindern im ersten Lebensjahr. Nur ein Kind aus der untersuchten Kohorte der Unter-Einjährigen verstarb.

Insgesamt liegt die Zahl schwer erkrankter Kinder immer noch deutlich unter der von Erwachsenen: 5,9 Prozent der Kinder in dieser Beobachtungsstudie wurden insgesamt als "schwere und kritische Fälle" eingestuft, gegenüber 18,5 Prozent bei Erwachsenen.

Schwere Verläufe bei Kindern: PIMS und Long Covid

Seit Frühjahr 2020 wurde immer wieder über schwere Entzündungsreaktionen bei Kindern als Folge von COVID-19 insbesondere bei Kindern berichtet. Die Beschwerden ähnelten denen des äußerst selten auftretenden Kawasaki-Syndroms.

Mittlerweile hat sich international die Bezeichnung Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) für diese Folge einer Infektion mit dem Coronavirus etabliert. In Deutschland wurden der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie zwischen Mai 2020 und März 2021 245 Fälle betroffener Kinder und Jugendliche gemeldet.

Bei PIMS reagiert das Immunsystem der Betroffenen verzögert auf das Coronavirus. Auch Kinder, die gar keine COVID-19-Beschwerden hatten (asymptomatischer Verlauf), können später PIMS entwickeln. Etwa zwei bis vier Wochen nach Ansteckung kommt es dann zu heftigen Entzündungsreaktionen im Körper, weil das Immunsystem plötzlich überreagiert. Auftreten können:

  • hohes Fieber, häufig über mehrere Tage
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen und Durchfall
  • Entzündungen von Schleimhäuten oder der Haut

Der Zustand betroffener Kinder kann sich rasch verschlechtern, sodass eine Behandlung im Krankenhaus nötig wird. Frühzeitig erkannt und behandelt kann PIMS gut behandelt werden. Im Mittelpunkt steht das Eindämmen der Entzündungsreaktionen.

Die steigenden Fallzahlen von PIMS führen Fachleute bislang auf die allgemeine Zunahme der Infektionen bei Kindern zurück. Besonders deutlich zeigte sich dies jüngst in Großbritannien. Ob die neue Variante B 1.1.7 mit den steigenden PIMS-Zahlen in Verbindung steht, ist bislang unklar.

Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion bei Kindern sind unklar

Während man bislang davon ausging, das Risiko von Long Covid sei bei Kindern wesentlich geringer als bei Erwachsenen, widerspricht eine neue Studie aus Deutschland dieser Annahme: Demnach besteht für Kinder und Jugendliche das relativ gleiche Risiko, 90 Tage oder länger nach einer Coronavirus-Infektion an Long Covid zu erkranken.

Forschende der TU Dresden nutzten dafür anonymisierte Krankenkassendaten aus dem Jahr 2020. Die Covid-Gruppe umfasste 11.950 Kinder zwischen null und elf Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie drei Monate oder länger nach einer Covid-19-Erkrankung noch Gesundheitsprobleme hatten, lag mit 30 Prozent in etwa gleichauf mit der bei Erwachsenen (33 Prozent).

Ihre Symptome unterscheiden sich jedoch. So treten Husten, Fieber, Kopfschmerzen, Unwohlsein und Erschöpfung, Hals- oder Brustschmerzen eher bei Kindern auf. Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn, Fieber und Kurzatmigkeit sind eher bei Erwachsenen zu finden. Ob sich diese Ergebnisse auch auf die aktuell grassierenden Varianten des Coronavirus' übertragen lassen, ist unklar.

Kindgerechte Schnelltests sollen Infektionsketten durchbrechen

Seit Beginn der Lockerungen und der schrittweisen Öffnung von Kindergärten und Schulen hin zum Normalbetrieb spielen Corona-Schnelltests eine größere Rolle. Durch mehr oder weniger regelmäßige Tests sollen die Infektionsketten durchbrochen werden. Insbesondere Corona-Infektionen bei Kindern, die häufig keine oder nur milde Symptome zeigen, könnten so früher erkannt werden.

Doch der Abstrich aus dem Nasen- oder Rachenraum ist nicht gerade angenehm und führt bei Kindern häufig zu Tränen. Abhilfe schaffen neuere Schnelltests, die wie ein Lutscher einfach für einige Sekunden im Mundraum eingespeichelt werden, die sogenannten Lolli-Tests. Darüber hinaus gibt es Spucktests, für die Speichel in einem Behältnis gesammelt wird.

Corona-Impfung für Kinder

Die STIKO empfiehlt seit Ende Mai 2022 die Corona-Impfung für alle Kinder ab fünf Jahren. Gesunde Fünf- bis Elfjährige sollen eine einzelne Impfdosis mit einem mRNA-Impfstoff, bevorzugt Comirnaty von BioNTech/Pfizer in der Dosierung 10 Mikrogramm, erhalten. Nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion soll die Impfung frühestens drei Monate nach der Infektion erfolgen.

Das Impfschema für vorerkrankte Kinder zwischen fünf und elf Jahren unterscheidet sich davon: Sie sollen insgesamt drei Impfdosen, zwei Grundimmunisierungen und eine Auffrischung, erhalten. Zunächst hatte die STIKO eine Impfempfehlung nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen und damit einem Risiko für einen schweren Verlauf empfohlen.

Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren sollen ebenfalls drei Impfdosen, bestehend aus zwei Grundimmunisierungen und einer Auffrischungsdosis ("Booster") erhalten. Auch bei ihnen soll ein mRNA-Impfstoff, bevorzugt Comirnaty von BioNTech/Pfizer, verwendet werden.

Lesen Sie hier mehr über die Corona-Impfung für Kinder.

Corona: Kinder und Erwachsene infizieren sich gleich

Die Frage, ob sich Kinder genau so leicht mit dem Coronavirus infizieren wie Erwachsene, kann bislang noch nicht eindeutig beantwortet werden. Studien legen laut Robert Koch-Institut nahe, dass sich Kinder eher seltener anstecken als Erwachsene. Das gilt besonders für Kinder im Kindergartenalter. Erst mit zunehmendem Alter scheint die Empfänglichkeit für Corona zu steigen.

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Immunsystem von Kindern reagiert schneller auf Corona

Ein Grund dafür, warum Kinder weniger heftig an COVID-19 erkranken, könnte ihr sich noch im Aufbau befindliches Immunsystem sein. In den ersten Lebensjahren begegnet das Immunsystem von Kindern vielen noch unbekannten Krankheitserregern. Deshalb reagiert das Immunsystem von Kindern besonders effizient auf Corona, hält Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin im Uniklinikum Leipzig, für möglich: "Das kindliche Immunsystem befindet sich in einer Habacht-Stellung. Es ist auf Expansion angelegt, lernt und entwickelt sich – genau wie das Kind selbst – ständig weiter und reagiert deshalb möglicherweise auch schneller auf neue Viren und Bakterien."

Gerade das Immunsystem älterer Menschen verfüge zwar über viele Gedächtniszellen von früheren Infektionen, sei aber bei Konfrontation mit Neuem einfach nicht mehr so aktiv wie das kindliche, glaubt Prof. Dr. Kiess. Auch von Kindern mit Vorerkrankungen oder Immundefekten sind bislang noch wenige schwere Verläufe bekannt. Prof. Dr. Kiess hält als Grund dafür aber auch den guten Schutz von Risikogruppen für denkbar: "Die bekannten Risikogruppen sind bei uns in guter Behandlung und werden insgesamt auch gut geschützt, sodass sie von vornherein auch seltener den für sie gefährlichen Coronaviren ausgesetzt sind."

Für Corona wichtige Rezeptoren fehlen Kindern möglicherweise

Aktuell vermuten Forschende, dass SARS-CoV-2 über ein bestimmtes Enzym in die Körperzellen eindringt: Das Enzym ACE2 sitzt an der Oberfläche vieler Zellen, vor allem des Herzens, der Lunge und des Verdauungssystems. Hat das Coronavirus es dank des Rezeptors ACE2 in die Lungenzellen geschafft, kann es sich dort teilen. Es unterdrückt außerdem die Produktion seines "Schleusergehilfen" ACE2. Das ist besonders ungünstig, denn das Enzym schützt unter anderem die Lunge vor Schäden.

Die Forschenden der chinesischen Beobachtungsstudie vermuten, dass ACE2 bei Kindern aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems noch nicht so aktiv ist. Auch Prof. Dr. Kiess hält einen Zusammenhang mit molekularen Mechanismen nicht für ausgeschlossen: "Viren docken an Rezeptoren an und werden durch diese in die Zellen eingeschleust. Es ist durchaus vorstellbar, dass gerade die für das neuartige Coronavirus benötigten Rezeptoren bei Kindern noch nicht ausgereift sind."

Daraus lasse sich aber kein Grundsatz ableiten: "Andere Viren wie das Grippevirus oder das RS-Virus führen gerade bei Kindern oft zu schweren Verläufen. Wir lernen das neue Coronavirus gerade erst kennen und werden erst im Laufe der Zeit nachprüfbare Erkenntnisse darüber gewinnen, wie das Virus funktioniert. Bis dahin sind das alles lediglich Erklärungsansätze."

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