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Mythos unter Impfskeptikern

Corona-Impfung und Kinderwunsch: Pikser macht nicht unfruchtbar

Die Behauptung, dass die Schutzimpfung gegen das Coronavirus einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit habe, hält sich in sozialen Medien hartnäckig. Wieso das ein Mythos ist und ob sich eine Impfung gerade bei Kinderwunsch lohnen könnte, verrät eine Expertin.

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© GettyImages/VioletaStoimenova

Dass die Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 im Eiltempo zugelassen wurden, schürt immer wieder Ängste und Unsicherheiten bezüglich möglicher Nebenwirkungen und Spätfolgen. Rege diskutiert wird unter anderem die Frage, ob mRNA-Impfstoffe wie Comirnaty von BioNTech/Pfizer oder Moderna die Fruchtbarkeit mindern könnten.

„Diese Befürchtung konnte zwischenzeitlich durch wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig ausgeräumt werden“, so Professorin Bettina Toth von der Medizinischen Universität Innsbruck. Die Corona-Impfung mache „genau so wenig unfruchtbar wie ein Schnupfen oder Durchfall“, fasst die Direktorin der Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin zusammen.

Corona-Impfung in der Schwangerschaft und für Kinder

Artikel-Inhalte auf einen Blick:

Weder Covid noch die Corona-Impfung machen Frauen unfruchtbar

Die Vermutung, die Impfung könnte der Fruchtbarkeit schaden, rührt daher, dass ein bestimmtes Virushüllenprotein (Spike-Protein) in dem Impfstoff in geringem Maß dem Protein (Eiweißstoff) Syncytin-1 ähnelt, das eine wichtige Rolle bei der Bildung der Plazenta spielt. Daraus entstand die Befürchtung, dass Antikörper gegen das Spike-Protein sich theoretisch auch gegen Syncytin-1 richten und so das Plazenta-Wachstum verhindern könnten.

Träfe dies zu, würde allerdings die Covid-19-Erkrankung erst recht zur Unfruchtbarkeit führen, stimmen die Professoren Udo Markert und Ekkehard Schleußner von der Universitätsklinik Jena mit Toth überein. Im Fall einer Infektion sei die Antigen-Belastung und somit auch die potenzielle Antikörperbildung deutlich höher und zudem unkalkulierbarer als im Falle einer Impfung, die nur zu einer abgeschwächten Immunantwort führe. Bei Frauen gibt es aber auch für Unfruchtbarkeit infolge einer Covid-Erkrankung bislang keine wissenschaftlichen Belege.

Verlängerter Zyklus durch Corona-Impfung?

Auch ob Corona-Infektion und -Impfung den weiblichen Zyklus beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt. Als Impfnebenwirkungen wurden unter anderem eine ausbleibende oder verstärkte Monatsblutung gemeldet, aber auch Zwischenblutungen und andere Zyklusstörungen. Angesichts der immensen Zahl der geimpften Frauen in der relevanten Altersgruppe bewertet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Zahl der Meldungen aber als nicht ungewöhnlich.

In einer Studie aus den USA zeigte sich nach der Schutzimpfung eine Verlängerung des Zyklus um durchschnittlich knapp einen Tag. Diese war allerdings vorübergehend und könnte auch eine indirekte Folge der Impfung sein: Typische Impfreaktionen umfassen Müdigkeit, Fieber oder Schmerzen, die Stress für den Körper bedeuten - und Stress in jeder Form wiederum kann den Zyklus beeinflussen. Auch in diesem Punkt ist davon auszugehen, dass etwaige Folgen auf den Zyklus bei einer durchgemachten Infektion stärker ausfallen als durch die Impfung.

Spermienqualität leidet nicht unter Corona-Schutzimpfung

Im Fall von Männern liefern Studien Hinweise darauf, dass schwere Covid-Verläufe die Fruchtbarkeit temporär herabsetzen können, Langzeituntersuchungen dazu stehen aber noch aus. Für leichte Infektionen sowie die Impfstoffe wiederum konnten Forschungsteams bereits Entwarnung geben.

Expertin empfiehlt Impfung bei Kinderwunsch sowie in Schwangerschaft und Stillzeit

Sollten sich Menschen mit Kinderwunsch also aus dieser Motivation heraus umso mehr für die Impfung entscheiden? Expertin Toth jedenfalls empfiehlt Frauen, sich vor der Umsetzung ihres Kinderwunsches gegen das Coronavirus impfen und dann vier Wochen verstreichen zu lassen. Die internationale Empfehlung sei, zwischen Impfung und potenzieller Befruchtung zwei bis vier Wochen abzuwarten.

Impfung von hochschwangeren und stillenden Frauen schützt das Baby gleich mit

„Ist die Frau bereits schwanger, dann rate ich zu einer Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel“, sagt Toth weiter. Besonders empfehlenswert sei die Impfung, wenn das Risiko für einen schweren Covid-Verlauf erhöht sei, etwa durch Vorerkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes. Auch Frauen mit einem – etwa berufsbedingt – großen Infektionsrisiko rät die Expertin zur schützenden Impfung.

Corona-Impfung: Auch für Schwangere?

Dieser könne die Mutter zu schützen und auch dem Kind in den ersten Wochen einen Nestschutz bieten – genau wie in der Stillzeit: „In der Stillzeit kann man sich jederzeit impfen lassen“, so Toth. Auch hierfür hätten Studien einen Antikörpernachweis beim gestillten Neugeborenen nach Impfung der Mutter erbracht.

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