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Stiko empfiehlt Corona-Impfung für vorerkrankte Babys und Kleinkinder

Die Corona-Impfung für Kinder wird in Deutschland weiterhin rege diskutiert. Nun hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, die Stiko, auch für Kleinkinder und Babys mit Vorerkrankungen eine Impfempfehlung ausgesprochen.

Kleinkind wird geimpft
© Getty Images/South_agency

Artikelinhalte auf einen Blick:

Corona-Impfung in der Schwangerschaft und für Kinder

Stiko: Impfempfehlung für Babys und Kleinkinder mit Vorerkrankungen

Wie erwartet empfiehlt die Stiko zunächst nur vorerkrankten Kindern der Altersgruppe von sechs Monaten bis vier Jahren die Schutzimpfung gegen das Coronavirus. So war die Kommission auch bei den Jugendlichen und älteren Kindern vorgegangen, bevor jeweils eine generelle Impfempfehlung ausgesprochen wurde. Zu den relevanten Vorerkrankungen, die zu einem schweren Covid-Verlauf führen können, gehören beispielsweise Herzfehler, schwere chronische Lungenkrankheiten, eine angeborene Immunschwäche oder sehr starkes Übergewicht. Auch Frühchen vor dem zweiten Geburtstag sollten nach der neuen Empfehlung geimpft werden.

Ende Oktober 2022 hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für die Zulassung der beiden Corona-Impfstoffe Comirnaty (BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) auch für Babys und Kleinkinder gegeben. In Deutschland konnten Kinder unter fünf Jahren bislang lediglich auf elterlichen Wunsch "off label" geimpft werden, längst nicht alle kinderärztlichen Praxen boten die Impfung an. Die Empfehlungen der Stiko sind zwar nicht verpflichtend, viele Kinderärzt*innen arbeiten aber damit.

Kleinkinder werden mit BioNTech bzw. Moderna geimpft

Die Impfstoff-Dosis für Babys und Kleinkinder ist dabei deutlich niedriger als für Erwachsene sowie ältere Kinder. Die Injektion erfolgt in den Oberarm oder Oberschenkel des Kindes. Bezüglich Impfstoff und -schema empfiehlt die Behörde Babys und Kleinkindern unter fünf Jahren:

  • drei Impfstoff-Dosen Comirnaty von BioNTech/Pfizer (je 3 μg) im Abstand von mindestens drei (zweite Impfung) bzw. acht Wochen (dritte Impfung)
  • sechs Monate bis fünf Jahre: zwei Impfstoff Dosen Spikevax von Moderna (je 25 μg) im Abstand von mindestens vier Wochen

Der Moderna-Impfstoff steht aktuell (Stand: November 2022) allerdings nicht in der für Kleinkinder notwendigen Dosierung zur Verfügung.

Ähnliche Wirksamkeit und Impfreaktionen wie bei Erwachsenen

Die EMA betont, dass auch Babys und Kleinkinder von der Schutzimpfung profitieren, indem bei verhältnismäßig geringen Nebenwirkungen beispielsweise schwere Verläufe sowie Todesfälle verhindert werden können. Die Nebenwirkungen der Impfung bei Kindern und Jugendlichen entsprechen laut Studien denen bei Erwachsenen: Vor allem Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle wurden beobachtet – insbesondere nach der zweiten Impfung.

Generelle Corona-Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren

Ende Mai 2022 hatte die Stiko eine generelle Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren ausgesprochen, um für den erneuten Anstieg von SARS-CoV-2-Infektionen im Herbst und Winter gewappnet zu sein.

Verwendet werden soll auch dafür ein mRNA-Impfstoff. Fünf- bis elfjährige Kinder ohne Vorerkrankungen sollen eine einmalige Dosis zur Grundimmunisierung erhalten, und zwar entweder mit

  • Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 μg) oder
  • Spikevax von Moderna (50 μg).

Bevorzugt werden soll aber nach Möglichkeit der Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer.

Auch nach einer bereits durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion soll die Corona-Impfung verabreicht werden, frühestens drei Monate nach der Infektion.

Die Stiko sieht nach aktuellem Kenntnisstand die einmalige Impfdosis als ausreichend an. Eltern und Kinder können aber nach individueller ärztlicher Beratung auch die vollständige Grundimmunisierung mit drei Dosen erhalten, wie sie für Jugendliche, Erwachsene und auch vorerkrankte Kinder bereits vorgesehen ist.

Vorerkrankten Kinder wird anderes Impfschema empfohlen

Bislang galt die generelle Impfempfehlung nur für vorerkrankte Kinder ab fünf Jahren. Diese ist immer noch aktuell, allerdings gilt für vorerkrankte Fünf- bis 11-Jährige sowie für Kinder mit vulnerablen Personen im engeren Umfeld ein anderes Impfschema. Sie sollen drei Impfdosen erhalten, zwei zur Grundimmunisierung und eine Auffrischungsimpfung ("Booster"):

  • 1. Impfdosis: Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 μg) oder Spikevax von Moderna (50 μg)
  • 2. Impfdosis: mit einem Abstand von drei bis sechs Wochen zur ersten Impfdosis Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 μg) oder mit einem Abstand von vier bis sechs Wochen zur ersten Impfdosis Spikevax von Moderna (50 μg)
  • 3. Impfdosis: mit einem Abstand von mindestens sechs Monaten zur zweiten Impfdosis Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 μg) oder Spikevax von Moderna (50 μg). Kinder mit Immundefizit können die dritte Impfdosis bereits drei Monate nach der zweiten erhalten.

Bevorzugt werden soll auch bei vorerkrankten Kindern und Kindern mit vulnerablen Personen im Umfeld der mRNA-Wirkstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer.

Welche Vorerkrankungen sind gemeint?

  • Adipositas
  • angeborene oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression
  • schweres oder unkontrolliertes Asthma bronchiale
  • angeborene zyanotische Herzfehler und Einkammerherzen nach Fontan-Operation
  • schwere Herzinsuffizienz
  • schwere pulmonale Hypertonie
  • chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion
  • chronische Nierenerkrankungen
  • chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen
  • maligne Tumorerkrankungen
  • Trisomie 21
  • syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung
  • Diabetes mellitus, sofern nicht gut eingestellt mit HbA1c-Wert >9,0%

Generelle Impfempfehlung für Zwölf- bis 17-Jährige liegt schon länger vor

Eine generelle Impfempfehlung der Stiko für Zwölf- bis 17-Jährige liegt bereits seit August 2021 vor. Vorgesehen sind für diese Altersgruppe insgesamt drei Impfdosen: zwei zur Grundimmunisierung und eine Auffrischungsdosis ("Booster").

Die Corona-Impfung soll für diese Altersgruppe nach folgendem Schema erfolgen:

  • 1. Impfdosis: Comirnaty von BioNTech/Pfizer (30 μg)
  • 2. Impfdosis: im Abstand von drei bis sechs Wochen zur ersten Impfdosis Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 μg)
  • 3. Impfdosis: im Abstand von bis zu sechs Monaten zur zweiten Impfdosis Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 μg). Vorerkrankte Jugendliche sollen die dritte Impfdosis bereits drei Monate nach der zweiten erhalten

Risiko für Herzmuskelentzündungen bei jungen Menschen

Eine seltene Nebenwirkung der Corona-Impfung, die insbesondere bei Jungen und jungen Männern auftritt, ist die Herzmuskelentzündung. Betroffene müssen im Krankenhaus behandelt werden. Bislang aufgetretene Fälle verliefen bei entsprechender medizinischer Versorgung unkompliziert. Die Stiko betont jedoch, dass diese Fälle als Impfnebenwirkung bewertet werden.

Da Herzmuskelentzündungen bei Spikevax wesentlich häufiger auftreten als bei Comirnaty, sollen Kinder und junge Menschen bis einschließlich 29 Jahre diesen Impfstoff nicht erhalten. Erst ab dem 30. Lebensjahr darf Spikevax eingesetzt werden.

PIMS und Long Covid: Corona-Folgen bei Kindern

Zwar ist bekannt, dass Kinder nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus häufig gar keine oder vergleichsweise milde Symptome entwickeln. Jedoch gibt es auch in Deutschland immer wieder Fälle von PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome). Dabei handelt es sich um schwere Entzündungsreaktionen des Immunsystems bei Kindern als Folge einer Covid-19-Erkrankung.

PIMS: Schwere Entzündungsreaktionen des Immunsystems

Etwa zwei bis vier Wochen nach einer Infektion mit dem Coronavirus kommt es zu Symptomen wie hohem Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Entzündungen der Haut und der Schleimhäute. Die Erkrankung ist – frühzeitig entdeckt – im Krankenhaus gut behandelbar.

Der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) wurden zwischen Mai 2020 und Oktober 2022 über 900 von PIMS betroffene Kinder und Jugendliche gemeldet. Laut DGPI betrifft PIMS tendenziell häufiger ältere Kinder und Jungen.

Long Covid bei Kindern

Wie viele Kinder trotz fehlender oder milder Symptome vom Post-Covid-Syndrom, auch als Long Covid bekannt, betroffen sind, ist nicht bekannt. Studien zu Long Covid berücksichtigen bislang eher Erwachsene. Einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland zufolge erwarten Ärzt*innen mit steigenden Fallzahlen bei Kindern auch die Zunahme von Post-Covid-Fällen in den jüngeren Altersgruppen.

Zahlreiche Kliniken reagieren darauf mit neu gegründeten Long-Covid-Ambulanzen speziell für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. In einer Pressemitteilung des Uniklinikums Jena heißt es, Kinder könnten auch nach symptomlosen oder milden Verläufen Long Covid entwickeln. Diagnostik und Behandlung seien deshalb besonders schwer. Aktuellen Studien zufolge könnten mehr als die Hälfte der Kinder noch vier Monate nach einer Erkrankung an Langzeitfolgen leiden.

Lies hier mehr über Corona bei Kindern.

Hygiene: So lernen Kinder Händewaschen
Beiträge im Forum "Forum für Großfamilien"
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