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Freitag, 22. Februar 2019
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Wenn das Baby zu früh hingesetzt wird...

Die Eltern von Anja sind begeistert: Die Kleine ist zwar erst 5 MOnate alt, doch sie kann schon "sitzen". Dazu muss Anja allerdings seitlich mit Kissen abgestützt werden. Aber immerhin, ihr scheint das zu gefallen. WAs die Eltern so stolz macht, sehen Krankengymnasten mit sorge. "Wenn die Kinder hingesetzt werden, bevor Muskeln und GElenke entsprechend ausgebildet sind, kann das sehr ungünstig für ihre Entwicklung sein", erklärt die Neu-Ulmer-Krankengymnastik Heidrun Walter vom Deutschen Verband für Physiotherapie/Zentralverband der Krankengymnasten. Auch der falsche oder verfrühte GEbrauch von HIlfsgeräten wie Babyhopser oder Lauflerngeräte kann zu Schädigungen bei den Kindern führen, warnt der Verband.

Bei BAbys, die zu früh hingesetzt oder mit seitlichen Stützen in Sitzposition gehalten werden, kommt es zu einer einseitigen Belastung der Wirbelsäule. "Ein gesundes Kind kann das zwar eine gewisse Zeit ausgleichen, doch bei längerer Dauer ist seine Muskulatur überfordert" sagt Heidrun WAlter, die sich auf die Arbeit mit Säuglingen und Kindern spezialisiert hat. Langfristig führt die zu schlechten Sitzgewohnheiten und Körperschäden.

Fehlhaltungen:

Folgen des verfrühten Hinsetzens können Wirbelsäulen-Fehlhaltungen, Sitzkyphose (Krümmung nach hinten) oder eine Skolliose (seitliche Verkrümmung) sein. "Zudem kippen Säuglinge, für die eine Sitzposition noch nicht angebracht ist, häufig nach einer SEite ab. So ein asymmetrisches Muster kann sich unter Umständen negativ auf die ganze Entwicklung des Kindes ziehen", erläutert die Krankengymnastin.

Wenn sich die Säuglinge im Alter von wenigen Monaten gerne an entgegen gestreckten Armen aus der Rückenlage hochziehen, leiten viele Eltern daraus einen Wunsch des Kindes nach Sitzen ab. "Doch das ist falsch", so Heidrun Walter, die vermehrte Beugung hat nicht mit dem Sitzen wollen zu tun. Sie ist vielmehr eine normale Entwicklungsphase-das Baby trainiert damit nur seine Muskeln.

Ost setzen Eltern ihre Kinder auch deshalb so früh hin, weil die Kleinen in sitzender Position mehr sehen könnenn und folglich eher ruhig sind. Da sich die Säuglinge aber in dieser Stellung meist weniger bewegen können, sind sie auf das angewiesen, was ihnen die ERwachsenen in die Hand drücken. Ihr Bewegungsdrang, der Motor für eine normale Entwicklung wird dadurch behindert.

In jedem Fall, fordert Heidrun Walter, sollten Babys erst dann hingesetzt werden, wenn sie aus eigener Kraft in die Sitzposition kommen können. "Vorraussetzung dafür ist, dass die Säuglinge ihre Muskulatur in Rücken und Bauchlage trainieren. DAs darf ihnen durch zu frühes hinsetzen nicht genommen werden." So erforsche das Kind in der Rückelange zunächst einmal seinen Körper, indem es seine Füße in die Hände oder den Mund nehme. Dadurch wird einerseits die Bauchmuskulatur und andererseits die erste stabile Körperhaltung in Rückenlage trainiert.

In Bauchlage übt das Kind zunächst Unterarmstütz, ab dem 4. etwas lernt es dann die Gewichtsverlagerung zum einarmigen Unterarmstütz. Im Alter von ungefähr einem halben Jahr stützen sich die Kinder mit beiden Händen ab. "Alle diese Bewegungen kräftigen Rücken- und Bauchmuskulatur und sind wichtige Vorstufen für das Sitzen lernen", erklärt die Krankengymnastin.

Wenn die Voraussetzungen erfüllt seien, könne das Baby richtig sitzen. Dies schaffen 90% aller Kinder mit 10 Monaten. ERst dann sollen die Kinder in Fahrradsitz, Tragegestell oder Kinderstuhl gesetzt werden.

Von der Anschaffung einer Babywippe für Säuglinge lehnt der Verband eher ab, denn sitzt das Baby für längere Zeit am TAg in der Wippe, wird es in seinen Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Das kann zu Inaktivität und sogar Entwicklungsverzögerung führen.

Auch der BAbyhopser beurteilt der Verband skeptisch. Hat das Kind noch nicht genügend Rumpfstabilität um sich aufrecht halten zu können, drohen auch bei diesem Gerät Wirbelsäulenfehlhaltungen. Zudem überträgt das Kind im Babyhopser sein Körpergewicht nicht voll auf die Beine. Es stößt sich mit den Zehen ab, Beine und Füße werden in einer ARt belastet, die der normalen Entwicklung zuwider läuft.

Auf ein Lauflerngerät soll ganz verzichtet werden. "Kinder, die noch nicht krabbeln oder laufen können, werden unerwartet mobil", sagt Heidrun Walter und warnt vor zahlreichen Verletzungsgefahren aufgrund dieser plötzlichen Mobilität. Durch die Lauflerngeräte werden wichtige Funktionen, wie Balancehalten und die Entwicklung der Knochen und Muskeln im Hüftbereich verhindert.

Gleichzeitig wird den Säuglingen mit dem Lauflerngerät unter Umständen eine wichtige Entwicklungsstufe, das Krabbeln, vorenthalten. Und aus ihrem Berufsalltag weiß Heidrun Walter, dass viele Kinder, die Koordinationsschwierigkeiten haben, nie gekrabbelt sind.

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