Ein Angebot von Lifeline
Freitag, 14. Dezember 2018
Menu

@ava (lange Antwort)

hallo ava,
ich habe die Diskussion ein bisschen überflogen... möchte Dir auch dazu schreiben, wahrscheinlich kannst Du die Antworten schon nicht mehr lesen ;-)
Ich habe eine Tochter von 4 1/2 Monate, die ich voll stille. Ich möchte sie 6 Monate voll stillen und dann aber auch gerne nach und nach abstillen (sagen wir mal bis sie ca. 1 Jahr alt ist), denn obwohl ich wirklich sehr gerne stille, freue ich mich doch auch wieder auf die "Nicht-Still-Zeit". Denn sicher ist man körperlich stärker an das Kind gebunden als wenn "jeder andere" Dein Kind ernähren könnte (wenn das Baby denn von jedem die Flasche nehmen würde). Ausserdem würde ich gerne mal wieder zwei-drei Gläser Wein am Stück trinken (*bedusel* ;-))
klar kann man auch mal die Nachteile des Stillens nennen - manchmal hab ich auch keine Lust auf Stillen, wenn meine Tochter im Wachstumsschub steckt und oft an die Brust will oder wenn es so heiss ist und sie wie ein kleiner Ofen an mir klebt....
insgesamt bin ich aber sehr froh mich für das Stillen entschieden zu haben.
Ich denke Du hast jetzt in erster Linie ein anderes Körpergefühl, dass mit Stillen nicht vereinbar ist. Du findest die Vorstellung komisch, dass ein Baby an Deiner Brust nuckelt - das kann ich gut verstehen, fand ich anfangs auch komisch, diese Vorstellung. Mein Körpergefühl hat sich aber stark verändert, und das hat sich im Laufe der SS entwickelt. Wenn Du in der 35.SSW bist, wirst Du auch nicht zwangsläufig aussehen wie ein Model aus der Bellybutton-Werbung, sondern Dein Rücken tut weh und es hat sich Wasser in Deinen Beinen eingelagert. Klar ist das nicht immer schön, man verändert sich und ist plötzlich so ganz "anders weiblich", als man das vorher war, anders als Weiblichkeit vor allem von aussen (bunte Bilderwelt, Begehren durch Männner etc.) definiert wird. Aber mit dem Kinderkriegen bedeutet Weiblichkeit plötzlich viel mehr: Du kannst ein Kind in Deinem Körper heranwachsen "lassen", gebären und es ernähren. Das sind natürliche Prozesse, und entscheidend wird es sein, ob Du Deinen Körper und die Ernährung Deines Kindes in seiner natürlichen Art (und das ist Stillen) annehmen kannst oder nicht. Wenn Du Deinen Körper wie jetzt in erster Linie so siehst, dass er vor allem begehrenswert sein soll und es Dich irgendwie "ekelt" oder Du es komisch findest, wenn ein Kind aus Deinem Körper heraus ernährt werden soll/kann, dann bist Du bestimmt nicht die einzige werdende Mutter, der es so geht. Wie gesagt, ich fand die Vorstellung auch erstmal etwas unangenehm. Aber es ist wirklich überhaupt nicht unangenehm, wenn Du Dein Baby stillst. Es ist wirklich eine ganz innige und schöne Beziehung, wenn das Stillen gut klappt - am Anfang ist es ungewohnt, manchmal etwas schwierig, der Milcheinschuss tut weh etc. - aber es ist wirklich schön. Finde ich persönlich. Auch für meinen Freund bin ich nicht weniger begehrenswert geworden.
ich stille auch in der Öffentlichkeit, denn wenn mein Kind Hunger hat bekommt es auch etwas zu essen. Man kann sich ein ruhiges Plätzchen suchen, ich habe im Biergarten in der Ecke gestillt etc. - da hab ich kein Problem mehr mit. Am Anfang findet man es komisch, aber das legt sich schnell. Du kannst Dich dabei weiter unterhalten, und ich stille auch in Gegenwart von Freunden ganz ungeniert, und die reden auch einfach mit mir weiter und "glotzen" nicht komisch (okay viele haben auch schon Kinder oder werden gerade Eltern).
Ich pumpe auch ungern ab, weil ich mir dann auch ein bisschen wie eine "Milchkuh" vorkomme ;-) also das kann ich verstehen. Ich habe nur einen "Not-Vorrat", falls mal was sein sollte.
Ich bin trotzdem ziemlich unabhängig und habe auch einen Mann, der mich gut unterstützt. Ich gehe seit über einem Monat wieder 2x die Woche ins Fitnessstudio (Freitag abend und Sonntag), mein Freund passt auf die Kleine auf - das klappt prima zwischen zwei Stillmahlzeiten (habe aber auch nur einen ganz kurzen Weg ins Studio). Von meinem Ausgangsgewicht vor der Schwangerschaft bin ich nur noch 2-3 kg entfernt, und ich hatte immerhin am Ende der SS 18kg zugenommen. Diese gute Abnahme verdanke ich sicher auch dem Stillen! Verbrennt einfach viel Energie...
und ich bin auch irgendwie stolz, dass ich mein Kind nur mit meinem "Körpereinsatz" jetzt schon so rund und wohlgenährt und gross bekommen habe.
Bei allem was ich geschrieben habe, habe ich den Eindruck, dass Du Dir *jetzt* noch nicht vorstellen kannst zu stillen, und wenn Du das am Ende der Schwangerschaft immer noch nicht kannst, dann lass es besser sein. Vielleicht verändert sich Deine Wahrnehmung aber auch noch. Ich bin mir sicher: vom Geld wirst Du Deine Entscheidung letztendlich nicht abhängig machen. Wenn Du wirklich nicht stillen willst, werden Dir die 50 Euro auch egal sein, wenn Du dafür eine Sache umgehen kannst, die Dir so unangenehm zu sein scheint. Und das ist dann eben so und das ist doch auch okay, wenn Du sagst "Stillen passt irgendwie nicht zu mir", dann lass es sein. Dein Kind wird trotzdem groß werden. Eine Pro-und Contra-Liste wird am Ende Deine Entscheidung für das Stillen nicht bestimmen, sondern ob Du es willst oder nicht.
viele Grüße
Frauke + Marlene *22.3.06
Beitrag melden Antworten
Bisherige Antworten
Meistgelesen auf 9monate.de
  • Der weibliche Zyklus

    Der weibliche Zyklus wird durch Hormone gesteuert, aber auch durch weitere Faktoren beeinflusst. Lesen Sie hier mehr über das komplexe Zusammenspiel der Hormone und den Eisprung. Mehr...

  • Kliniktasche packen

    Wann ist der richtige Zeitpunkt die Kliniktasche zu packen? Sinnvoll ist in jedem Fall, die Tasche ab der 30.Schwangerschaftswoche gepackt zu haben, denn die wenigsten Babys halten... Mehr...

  • Sex in der Schwangerschaft

    Die körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft wirken sich auch auf den Sex aus. Manche Frauen berichten sogar, in der Schwangerschaft besonders empfänglich für körperliche... Mehr...

Diskussionsverlauf
Übersicht aller Foren

Zum Seitenanfang