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Dienstag, 11. Dezember 2018
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Pucktücher und Babydecken

Autor: Marcel Strobel
Letzte Aktualisierung: 12. November 2018

Pucktücher und Babydecken – wofür nutze ich sie und was muss ich beim Kauf beachten?

Es mag kritische Stimmen und durchaus einige Bedenken geben – und doch schätzen immer mehr junge Eltern das Pucken für ihre Neugeborenen. Allerdings sind einige Regeln zu beachten, die sich nicht nur auf die Wickeltechnik, sondern vor allem auf die verwendeten Pucktücher und Babydecken beziehen. Nicht immer ist Pucken wirklich angeraten – deshalb hier ein Überblick zu den wichtigen Punkten und zu allen Kriterien, die beim Kauf von Pucktüchern und Babydecken beachtet werden sollten.

 

 

Pucken – was ist das und wann ist es richtig?

Diese Wickelmethode ist keine neue Erfindung, im Gegenteil, sie musste nur einer anderen Auffassung weichen. Was in vielen Regionen dieser Welt bis heute so gehandhabt wird, war auch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland üblich: Säuglinge werden bis auf das Köpfchen eingewickelt, sodass sie sich nicht unkontrolliert bewegen können. Auch wenn diese vermeintliche Einengung zwischenzeitlich aus der Mode gekommen war, lässt sich doch nachvollziehen, dass sie vor allem Neugeborenen das Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Schließlich war es im Mutterleib auch eng und warm, mit dem Pucken werden also wohlige Erinnerungen geweckt. Doch es kommt auf die Details an – und nicht alle Kinder sind davon begeistert.

Die große Umstellung, die die Kleinen mit der Geburt zu verkraften haben, lässt sich leicht nachempfinden: Sie kommen aus der dunklen, warmen Enge des Mutterleibs und sollen sich plötzlich in der Helligkeit, Kühle und vor allem Weite zurechtfinden. Arme und Beine können sich frei bewegen, ohne dass die Neugeborenen schon Kontrolle darüber hätten. Das alles macht Angst, die die einen relativ schnell wegstecken, andere nicht. Umso wichtiger sind Umarmungen und inniger Körperkontakt, was insbesondere nachts zur wahren Belastungsprobe werden kann. Noch immer zucken die Gliedmaßen unkontrolliert – und wecken die Kleinen immer wieder auf. Dass sie dann irritiert und müde zu schreien beginnen, ist da kein Wunder.

 

Pucken erinnert Neugeborene an die wohlige Wärme in der Gebärmutter und lässt sie ruhiger werden.

 

Und hier kommt das Pucken ins Spiel, das immer mehr Hebammen empfehlen: Der Säugling wird mit einer besonderen Technik so eingewickelt, dass Arme und Beine ruhiggestellt werden – wie in der Gebärmutter eben. Diese Situation ist vertraut und beruhigt, die meisten Babys schlafen deutlich besser. Voraussetzung ist allerdings, dass die jungen Eltern richtig pucken:

 

● Das Baby darf nicht zu eng eingewickelt werden, um schmerzende Druckstellen und Einschränkungen in der Blutzirkulation zu vermeiden.

● Gerät die Wicklung jedoch zu locker, kann sie ihre Wirkung nicht entfalten.

● Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Art und der Qualität der Pucktücher oder Babydecken, die zum Einsatz kommen.

 

Wann und wie lange sollte gepuckt werden?

 

Pucken empfiehlt sich direkt nach der Geburt, um dem Säugling die Umstellung zu erleichtern. Sinnvoll ist es, von vornherein nur zur Nachtruhe zu pucken: Junge Eltern sollten ihren Kindern gleich einen festen Tagesrhythmus angewöhnen, der morgens mit dem Umziehen beginnt und am Abend mit dem Pucken endet. Auch wenn der Moro-Reflex, also das unkontrollierte Zucken, die Kleinen natürlich auch tagsüber stört, ist die Nachtruhe doch entscheidend. Eingewickelt in Pucktücher genießen die Babys Halt und Sicherheit, können sich ganz auf sich konzentrieren und die dunkle Enge mit der Zeit der Ruhe und des Schlafes verbinden. Erfahrungsgemäß entspannen die Kleinen schon, sobald sie sorgsam eingepackt sind.

 

Pucken: Probiere zunächst aus, ob und wie dein Kind auf die Wickeltechnik anspricht

 

Kein Baby ist wie das andere – auch auf diese Wickeltechnik trifft dies zu: Sprechen die einen sehr gut darauf an, lehnen andere diese Einschränkung der Bewegungsfreiheit ab. Ausschlaggebend ist neben den Eigenheiten des Kindes vor allem die Reife des Nervensystems. Sobald die Säuglinge Kontrolle über ihre Bewegungen erlangen, kommt auch das Ende für das Pucken. Ob dies mit drei Monaten schon der Fall ist oder später, hängt immer vom Baby selbst ab. In der Regel endet die Puckphase aber mit der Vollendung des sechsten Lebensmonats, dann kommen die Kleinen meist auch so zur Ruhe. Das Abgewöhnen sollte Schritt für Schritt erfolgen, indem die Kleinen immer lockerer gewickelt werden.

 

Um das Kind zu entwöhnen, sollte man einfach den besten Zeitpunkt abwarten: Wickle das Baby allmählich immer weniger fest und warte die Reaktion ab.

 

 

Wie wird richtig gepuckt?

 

Hier die Anleitung Schritt für Schritt:

 

1. Quadratische Pucktücher oder Babydecken werden als Raute gelegt, die obere Ecke eingeschlagen.

2. Das Baby wird so aufgelegt, dass sich die Einschlagkante am Hals befindet.

3. Nun wird ein Ärmchen an den Körper gelegt, diese Seite des Tuches über den Körper gelegt und die Ecke unter den Körper gesteckt.

4. Im nächsten Schritt wird die untere Ecke des Tuchs aufgenommen und nach oben zur noch freien Schulter geschlagen.

5. Zum Schluss wird die freie Ecke des Tuchs um den Körper gewickelt, sodass nur noch das Köpfchen herausschaut.

 

Worauf ist beim Pucken zu achten?

 

Das Baby spielt natürlich die Hauptrolle, es darf nicht zu fest, aber eben auch nicht zu locker gepuckt werden. Ebenso wichtig sind aber die Pucktücher selbst:

 

● Sie sollten vor allem atmungsaktiv sein.

● Im Sommer empfehlen sich eher dünne Pucktücher.

● Im Winter können auch Babydecken genutzt werden.

 

Entscheidend ist die Körpertemperatur, die nicht übermäßig steigen darf. Es gibt spezielle Pucktücher in unterschiedlichen Ausführungen, sie sollten zu Beginn wenigstens 80 cm x 80 cm messen, nicht fusseln und ohne schädliche Farbstoffe hergestellt werden. Natürlich gibt es große Unterschiede in der Qualität – wie bei jedem anderen Textilstück empfehlen sich natürliche Fasern ohne Allergene.

 

Darf ein krankes Baby gepuckt werden?

 

Ganz klar ist: Sind Babys krank, stört das Pucken – vor allem bei Fieber, hier droht im Ernstfall ein Hitzestau. Auch in heißen Sommernächten solltest du eher vorsichtig sein. Ebenso abzuraten ist von dieser Wickeltechnik, wenn Kinder einen Hüftschaden haben und zum Beispiel eine Spreizhose oder eine Hüft-Beuge-Schiene tragen. Aber auch zu enges Pucken ist gefährlich: Einerseits kann das Baby nicht richtig atmen, andererseits wird so das Infektionsrisiko gefördert. Und natürlich sollte ein Säugling nicht ständig auf dem Rücken liegen, was durch das Pucken begünstigt wird.

 

Vorteile des Puckens:

● beruhigt durch die Enge, die an die Zeit im Mutterleib erinnert,

● verhindert unkontrollierte Zuckungen und

● fördert die Rückenlage.

 

Nachteile des Puckens:

● kann zum Steigen der Körpertemperatur führen,

● beim Atmen behindern und Infektionen fördern und

● das Risiko von Hüftfehlstellungen vergrößern.

 

Eignen sich Babydecken auch zum Pucken?

 

Es gibt zahlreiche spezielle Pucktücher und Babydecken, die sich für diese Wickeltechnik empfehlen. Naturfasern wie Baumwolle sind hier zu bevorzugen, sie sind atmungsaktiv, verträglich und in der richtigen Verarbeitung auch gut zu handhaben. Auf keinen Fall dürfen Babydecken fusseln, sie könnten sonst beim Pucken das Atmen erschweren oder behindern. Sinnvoll ist es, auf eventuelle Allergene zu achten, Öko-Baumwolle wäre dann die gangbare Alternative. In jedem Fall sollte die Größe auch dann ausreichen, wenn das Baby wächst. Als Mindestgröße empfehlen sich die genannten 80 cm im Quadrat, die jedoch schnell knapp werden können.

 

Du kannst Babydecken bei passender Beschaffenheit durchaus zum Pucken nutzen – allerdings bevorzugt zu Hause. Für den Transport in der Babyschale empfehlen sich andere Varianten, die sich besser sichern lassen. Nutzt du Babydecken zum Pucken, achte außerdem unbedingt auf Atmungsaktivität, Allergene und fusselfreie Qualität!

 

Vorteile von Babydecken:

● gehören zur Grundausstattung und müssen nicht separat angeschafft werden,

● sind weich und angenehm auf der Haut und

● meist ausreichend groß zum Pucken.

 

Nachteile von Babydecken:

● sind oft aus Kunstfasern hergestellt,

● können deswegen das Überhitzen fördern und

● eignen sich nicht zum Transport des gepuckten Babys in der Babyschale.

 

Sind spezielle Einschlagdecken sinnvoll?

 

Einschlagdecken erinnern zwar an die Wickeltechnik, sind aber speziell auf bestimmte Babyschalen zugeschnitten: Sie verfügen einerseits über eine Kapuze, andererseits über einen Sack für den Körper und zwei Seitenteile, die sich dann unkompliziert wickeln lassen. Meist sind Schlitze für die Gurte eingearbeitet, sodass sich die in Einschlagdecken verpackten Kleinen perfekt sichern lassen. Die Qualität reicht von dicken Ausführungen, die beispielsweise mit Microfleece wattiert und im Inneren mit weichem Jersey ausgestattet sind, bis hin zu dünneren Varianten für den Sommer.

 

Babys lassen sich mit Einschlagdecken schnell für einen Aufenthalt im Freien einpacken und vor allem gut in der Babyschale anschnallen. Allerdings solltest du beim Kauf auf die zur Witterung passende Stärke und natürlich darauf achten, dass die Einschlagdecke für dein Gurtsystem geeignet ist.

 

 

Vorteile von Einschlagdecken:

● sind praktisch und leicht zu handhaben.

● bevorzugt für den Aufenthalt im Freien und

● zur Befestigung mit den Gurten der Babyschale geeignet.

 

Nachteile von Einschlagdecken:

● sind kaum zum Pucken geeignet, weil sie zu viel Bewegungsfreiheit bieten,

● in der Regel eine Kapuze haben und

● insbesondere auf Babyschalen zugeschnitten sind.

 

Was ist besser: Babydecke oder Schlafsack?

 

Das eine schließt das andere nicht aus: Natürlich ist es richtig, dass Schlafsäcke ausgesprochen praktisch sind. Sie verrutschen nicht, halten das Baby warm und können die Atmung nicht behindern. Andererseits erlauben die großzügig geschnittenen Säcke in unterschiedlicher Stärke die störenden unkontrollierten Bewegungen, die vor allem Neugeborene so oft erschrecken. Babydecken wiederum sind die praktische Alternative für unterwegs, werden aber für die Nacht nicht empfohlen – außer du nutzt sie zum Pucken. Für die Nachtruhe sind Schlafsäcke die bessere Wahl, sobald sich dein Baby darin wohlfühlt.

 

Sinnvoll ist also eine Kombination:

 

● Bekommt deinem Baby das Pucken, dann kannst du nachts zunächst Babydecken oder Pucktücher einsetzen.

● Benötigt dein Kind nachts mehr Bewegungsfreiheit, greifst du auf einen Schlafsack zurück.

● Für den Transport in der Babyschale empfiehlt sich ein passendes Einschlagtuch.

● Eine Babydecke gehört in jedem Fall zur Ausstattung, im Kinderwagen ist sie unverzichtbar.

 

Autor: Marcel Strobel
Letzte Aktualisierung: 12. November 2018

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