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Ventrikelseptumdefekt (VSD)

Ventrikelseptumdefekt (VSD)
Abhören, EKG und Röntgen - um einen Ventrikelseptumdefekt nachzuweisen, gibt es verschiedene Möglichkeiten
(c) iStockphoto/AlexRaths

Der Ventrikelseptumdefekt (VSD) ist mit rund 50 Prozent der häufigste aller angeborenen Herzfehler bei neugeborenen Babys. Er kann allein oder in Verbindung mit anderen Herzfehlern auftreten.

Je nach Schweregrad kann ein Ventrikelseptumdefekt - auch Kammerseptumdefekt - unbemerkt bleiben oder auch massive Symptome verursachen.

Einteilung von Ventrikelseptumdefekten

Ventrikelseptumdefekte werden medizinisch nach ihrer Größe und Lage eingeteilt. Kleine Defekte können unbemerkt bleiben, wenn sie die Herztätigkeit nicht beeinträchtigen. Zum einen gibt es membranöse Defekte, die im Ein- und Ausgangsbereich der Herzkammern am Gewebe vorkommen können. Anders sind die muskulären Defekte, die am Muskel der Herzscheidewand an verschiedenen Stellen auch mehrfach auftreten können.

Ventrikelseptumdefekte in Kombination mit weiteren Herzfehlern

Ein Ventrikelseptumdefekt kann auch zusammen mit einem anderen angeborenen Herzfehler (Persistierendes Foramen ovale (PFO), TGA, Fallot-Tetralogie) beim Neugeborenen auftreten. Oft handelt es sich dabei um TGA (Transposition der großen Arterien) oder eine Aortenisthmusstenose.

Auswirkung eines Ventrikelseptumdefekts

In den ersten Lebenstagen bis -wochen kommt es innerhalb der Lungenblutgefäße zu einem Druckabfall. Dieser bewirkt eine Druckveränderung in Teilen des Herzens. Ein Ventrikelseptumdefekt bewirkt nun die Entstehung eines sogenannten Links-Rechts-Shunts. Dies ist eine Verbindung zwischen den beiden Herzkammern. Umso größer der Defekt, desto größer fällt der Links-Rechts-Shunt aus.

Ursachen für einen Ventrikelseptumdefekt

Die Ursache für einen Ventrikelseptumdefekt liegen in der Fehlentwicklung beim Embryo. Beim Wachstum der Herzkammern ist die Bildung fehlerhaft. Dies kann durch eine (unbemerkte) Infektion in der Schwangerschaft (z. B. Röteln, Zytomegalie) oder auch durch Alkoholmissbrauch entstehen. Oft ist jedoch keine direkte Ursache erkennbar.

Symptome beim Neugeborenen

Kleine Ventrikelseptumdefekte zeigen meistens keine Symptome. Mittlere und größere Defekte zeigen sich in der Regel um den zweiten bis dritten Lebensmonat des Babys. Typische Herzschwächezeichen wie erhöhte Atemfrequenz, Schwitzen und Trinkschwierigkeiten sind dann meist vorhanden. Auch eine Neigung zu Infektionen der Lunge kann ein Symptom für einen Ventrikelseptumdefekt sein.

Diagnose beim Baby

Ein Ventrikelseptumdefekt macht für Fachleute ein ganz spezifisches Herzgeräusch, das beim Abhören des Babys an einer bestimmten Stelle zu erkennen ist. Darüber hinaus können Ärzte mit EKG, Echokardiografie, Röntgen oder einer Herzkatheteruntersuchung einen Ventrikelseptumdefekt nachweisen.

Therapie des VSD

Die Art der Therapie eines Ventrikelseptumdefekts richtet sich nach Größe und Lage. Kleine Defekte, die keine Auswirkung auf die Herzleistung haben, brauchen oft keine Therapie. Bei einem muskulären VSD bestehen gute Chancen, dass sich der Defekt in den ersten Lebensmonaten des Babys von selbst verschließt (VSD-Verschluss). Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 60 Prozent. Mittelgroße und große Defekte müssen operativ behandelt werden. Bei Vorliegen einer durch den VSD verursachten Herzinsuffizienz werden bis zur Operation Medikamente zur Erleichterung der Herzarbeit gegeben.

Ventrikelseptumdefekt: Operation

Eine Operation des Ventrikelseptumdefekts kann schon in den ersten Lebensmonaten erfolgen, häufig bereits in den ersten drei Lebensmonaten. Schlagen die Medikamente bei einem großen Ventrikelseptumdefekt gut an, kann die Operation auch einige Monate später durchgeführt werden (etwa ab dem sechsten Lebensmonat). Dabei wird das Loch in der Herzscheidewand unter Vollnarkose entweder durch ein Patch (eine Art "Flicken") verschlossen oder direkt vernäht. Der Zugang erfolgt in einer offenen Operation über den rechten Herzvorhof.

Mitteschwere und stabile Ventrikelseptumdefekte werden häufig im Vorschulalter durchgeführt.

Komplikationen bei der Operation

In drei bis fünf Prozent der Operationen treten Komplikationen auf. Eine schwere Komplikation nach einem operativen VSD-Verschluss sind Herzrhythmusstörungen aufgrund einer Verletzung des Erregungsleitsystem des Herzens. In diesem Fall muss ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

Behandlung mittels Herzkatheter

Unter bestimmten Voraussetzungen hinsichtlich Lage und Größe kann der Ventrikelseptumdefekt ohne offene Operation über einen Herzkatheter verschlossen werden. Ob der VSD-Verschluss via Katheter infrage kommt, lässt sich nach ausgiebigen Voruntersuchungen per Ultraschall sagen. Bei der Behandlung mittels Herzkatheter wird ein Schirmchen im Loch positioniert, um es so zu verschließen. Auch diese Behandlung erfolgt unter Vollnarkose.

Prognose bei VSD

Bis auf wenige Ausnahmen können betroffene Kinder eine normale Lebenserwartung haben, wenn der operierte Ventrikelseptumdefekt verschlossen wurde. Sehr kleine Defekte haben ebenfalls eine gute Prognose.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2017
Quellen: Bald, M. u.a.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012; De Gruyter: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. de Gruyter Verlag, Berlin 2013; Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.: Pädiatrie. Thieme Verlag, Stuttgart 2012; Online-Informationen des Deutschen Herzzentrum München: www.dhm.mhn.de (Abruf: August 2016) Online-Informationen des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler e. V.: http://www.kompetenznetz-ahf.de (Stand: Oktober 2014)

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