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Smartphone, Tablet & TV: Regeln für die Mediennutzung der Kinder

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 03. März 2017

Wie lange darf mein Kind fernsehen und Spiele auf dem Tablet oder Smartphone spielen? Ab welchem Alter ist es erlaubt? Kann eine exzessive Mediennutzung schädlich sein? Wir beantworten die Fragen und erläutern Regeln zum Umgang mit Medienkonsum.

Smartphone, Tablet & TV: Regeln für die Mediennutzung der Kinder
Am besten gemeinsam und kindgerecht: Mediennutzung kann Eltern und Kindern Spaß machen
iStock/svetikd

Digitale Medien wie Smartphone, Tablet und Computer sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Die meisten Menschen nutzen sie – genauso wie das Fernsehen – jeden Tag. Kinder wachsen heutzutage in einer medialisierten Lebenswelt auf. Selbst wenn sie zu Hause "nur fernsehen" und noch relativ wenig mit Smartphone und Co. in Kontakt kommen, so lernen sie doch von klein auf: All diese Medien gehören zum Leben dazu. Während das Thema Fernsehkonsum bei Kindern schon seit geraumer Zeit im Forschungskontext untersucht wird, gibt es bislang immer noch vergleichsweise wenig wissenschaftlich gestützte Studien zum digitale Spiele- und Internetkonsum bei Kindern. Teilweise fallen solche Studien recht unterschiedlich aus.

Fest steht: Übermäßiger TV-Konsum im Kindesalter hat gesundheitliche Langzeitfolgen

Kinder und Jungendliche, die regelmäßig über zwei Stunden täglich fernsehen, weisen ein erhöhtes Risiko für Übergewicht auf, rauchen mit höherer Wahrscheinlichkeit und werden vermutlich einen erhöhten Cholesterin-Spiegel im frühen Erwachsenenalter haben. Laut den Autoren einer neuseeländischen Studie sind all dies Risikofaktoren für langwierige Gesundheitsprobleme im späteren Leben.

Mehr als 2 Stunden Fernsehen schädigt fürs ganze Leben

Es wurden deutliche Verknüpfungen zwischen einem TV-Konsum von mehr als zwei Stunden täglich im Kindes- und Jugendlichenalter und erhöhtem BMI, einem höheren Cholesterin-Spiegel, einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu rauchen und einer schlechteren kardiovaskulären Leistungsfähigkeit im Alter von 26 Jahren festgestellt. Ein Zusammenhang mit Veränderungen des Blutdrucks wurde nicht gefunden.
Die Forscher urteilten, dass unter allen 26-Jährigen 17 Prozent des Übergewichts, 15 Prozent des erhöhten Blut-Cholesterins, 17 Prozent der Rauchwahrscheinlichkeit und 15 Pro+zent des schlechten körperlichen Leistungsvermögens auf die exzessiven TV-Konsumgewohnheiten während der Kindheit und des Heranwachsens zurückgeführt werden können.

Dr. Hancox kommentiert: "Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass der übermäßige TV-Konsum der jungen Leute weitreichende Auswirkungen auf den Gesundheitszustand im Erwachsenenalter haben wird." Er fordert darüber hinaus die Eltern auf, den Fernsehkonsum ihrer Kinder deutlich zu limitieren. "Die Erwachsenen werden wiederum selber davon gesundheitlich profitieren, wenn sie als leuchtendes Vorbild vorangehen und den Fernseher abschalten. Wir sind der festen Überzeugung, dass der Reduzierung des TV-Konsums eine Priorität im Gesundheitswesen eingeräumt werden sollte."

Lieber weniger Fernsehen und dann nur für Kinder geeignete Sendungen

Da Fernsehen und Internetnutzung heute nicht mehr so scharf getrennt werden können, empfehlen Experten Gesamtkontingente für die Bildschirmzeit. Diese betragen je nach Alter von 15 Minuten für kleinere Kinder bis maximal 90 Minuten für Jugendliche ab 14 Jahren. Kinder unter drei Jahren sollten nach Möglichkeit gar nicht fernsehen. Wobei bei der genauen Zeitangabe die Expertenmeinungen zwar auseinandergehen, aber grundsätzlich nicht allzu verschieden sind. Der Programmratgeber FLIMMO bietet Eltern eine pädagogische Bewertung von Kindersendungen und Sendungen für Erwachsene, die sich für Kinder eignen.

Brauchen Kinder ein Smartphone? Ab welchem Alter?

Ab wann Kinder ein Smartphone haben sollten – und ob sie überhaupt eines besitzen dürfen -, daran scheiden sich die Geister. Viele Eltern sind zunächst skeptisch, wenn ihr Kind sich zum ersten Mal mit dem Wunsch nach einem Smartphone an sie wendet, geben dem Wunsch aber häufig früher als gewollt nach, weil sie nicht möchten, dass ihr Kind ausgeschlossen wird. Vor allem in der Schule läuft viel Kommunikation über das Smartphone (zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen). Die Zahlen sprechen für sich: Bereits 84 Prozent der Zwölf- und 13-Jährigen besitzt ein eigenes Smartphone, immerhin knapp ein Drittel der zehn- bis elfjährigen Schüler verfügt darüber und sogar zehn Prozent aller Acht- bis Neunjährigen.

Wann der richtige Zeitpunkt für ein Smartphone ist, sollten Eltern auch nach ihrem Gefühl entscheiden. Fragen Sie sich, ob Ihr Kind bereit ist, mit den Werkzeugen, die ihm das Smartphone bietet, umzugehen. Machen Sie sich bewusst, dass sich Ihrem Kind mit dem Smartphone das Tor zur digitalen Erwachsenen-Welt öffnet. Es wird damit in der Lage sein, das Internet ohne Einschränkung und Kontrolle zu nutzen. Möglicherweise kommuniziert es nicht nur mit Freunden, sondern auch (ungewollt) mit Fremden, beispielsweise über Spiele-Apps.

Manche Experten empfehlen als Mindest-Alter für die Smartphone-Nutzung elf Jahre, andere tendieren eher zu 14 bis 15 Jahren. Bevor Sie Ihrem Kind ein eigenes Smartphone überlassen, empfiehlt es sich, mit ihm über seine Mediennutzung zu sprechen. Neben den Vorteilen eines Smartphones (zum Beispiel einfache Kommunikation auch mit den Eltern, kreative Nutzung etwa durch Foto-Apps) sollten dabei auch die Risiken wie eine Kontaktaufnahme durch Fremde, Cybermobbing oder die Konfrontation mit Gewalt oder Pornographie angesprochen werden.

Beschäftigen Sie sich mit der Mediennutzung Ihres Kindes und verdeutlichen Sie ihm, dass es sich jederzeit mit Fragen und Problemen an Sie wenden kann. Sprechen Sie mit Ihren Kindern auch über die Nutzungsbedingungen (AGB) der einzelnen Angebote. So liegt zum Beispiel offiziell das Mindestalter für die Nutzung des bei Kindern und Jugendlichen äußerst beliebten WhatsApp bei 16 Jahren. Facebook erlaubt offiziell die Nutzung ab 13 Jahren. Natürlich üben gerade kommunikative und selbstdarstellerische Angebote auf Kinder und Jugendliche einen besonderen Reiz aus. Desto wichtiger ist es, dass sie von ihren Eltern darüber aufgeklärt werden, was es bedeutet, solche Anwendungen oder soziale Netzwerke zu nutzen, sie Privatsphäre-Einstellungen kennenlernen und wissen, wie sie sich im Internet schützen können.

Schließen Sie mit Ihren Kindern einen Mediennutzungs- oder Handyvertrag ab, in dem Sie gemeinsam Regeln für den Umgang mit dem Smartphone aufstellen. An diese Regeln sollten sich dann aber alle halten – auch die Erwachsenen. Eine gute Vorlage für einen Mediennutzungsvertrag bietet der Verein Internet-ABC unter www.mediennutzungsvertrag.de.

Tablet, Smartphone, Internet und Fernsehen– wie lange dürfen Kinder täglich auf den Bildschirm schauen?

Bereits Kinder im Kleinkindalter verbringen Zeit mit Medien, zum Beispiel beim Zuhören eines Hörspiels, Vorlesen oder auch beim Anschauen von Kinderfilmen. Medien sollten nicht per se verurteilt werden, denn sie eignen sich durchaus, kindliche Lernprozesse anzuregen - wenn sie kindgerecht sind. Die Eltern sind hier gefordert, darauf zu achten, dass es nicht zu einer "Dauerberieselung" des Kindes kommt. Sie sollten Medien gemeinsam mit ihren Kindern nutzen. Beim Fernsehen sind kurze Sendungen wie etwa der Klassiker "Das Sandmännchen" für den Einstieg ideal.

Kleine Kinder machen auch schon erste Erfahrungen mit Smartphones und Tablets, aber eher noch unbewusst. Vielmehr haben sie Freude am Tippen und Wischen und den Effekten dieser digitalen Medien. Eine bewusste Nutzung erfolgt erst später, wenn sie lernen, diese Geräte auch zu bedienen.

Grundsätzlich gilt: Im Internet dürfen sich kleinere Kinder ausschließlich in Begleitung von Erwachsenen bewegen. Kinder bis etwa zwölf Jahren surfen darüber hinaus am besten begleitet durch eine Kinderschutzsoftware. Eltern können ihre Kinder beim Surfen im sicheren Raum unterstützen, indem sie ihnen beispielsweise kindergerechte Websites zeigen oder als Startseite festlegen. Kinder sollten außerdem Suchmaschinen speziell für Kinder nutzen, zum Beispiel www.blinde-kuh.de oder www.fragFINN.de. Spezielle Spiel- und Lernprogramme bieten zudem eine sichere und kindgerechte Surfumgebung. Maximal 15 Minuten tägliches Surfen oder Spielen am Computer lautet die aktuelle Empfehlung für die Online-Zeit von Kindern im Vorschulalter.

Die aktuellen Empfehlungen für die Bildschirmzeit von Kindern insgesamt sind sich recht ähnlich. Da Internetanwendungen und Fernsehen nicht mehr so recht getrennt werden können, gilt ein Gesamtkontingent für die maximale Zeit:

  • 3 bis 5 Jahre: maximal 30 Minuten täglich
  • 6 bis 9 Jahre: maximal 45 Minuten täglich
  • ab 10 Jahre: maximal 60 Minuten täglich

Für Jugendliche ab 14 Jahren gilt die Empfehlung von maximal 90 Minuten Bildschirmzeit täglich. Jedes Kind ist einzigartig und reagiert daher individuell auf Tablet, Smartphone, Computer oder auch Fernsehen. Beobachten und begleiten Sie Ihr Kind bei der Mediennutzung und gehen Sie nach Ihrem Gefühl, wenn Sie der Meinung sind, andere Zeitkontingente wären sinnvoller für Ihr Kind.

Für ältere Jugendliche empfehlen Experten ein Wochenbudget, das sie sich frei einteilen können.

Tipp: nachts kein Tablett oder Smartphone im Kinderzimmer

Ohnehin ist die tägliche Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen mit Smartphone schwer kontrollierbar, da sie das Gerät stets bei sich haben. Hier empfiehlt es sich, innerhalb der Familie die Regel aufzustellen, dass alle Besitzer eines Smartphones oder Tablets dieses abends ab einer bestimmten Uhrzeit an einen festen Platz im Flur legen. Solche Vereinbarungen können beispielsweise im Handynutzungsvertrag festgelegt werden. Da Eltern auch hier ein Vorbild sind, ist es ratsam, dass auch sie sich daran halten.

Exzessive Mediennutzung:

Manche Kinder interessieren sich mehr für Medien als andere. Problematisch wird das, wenn Kinder oder Jugendliche überproportional viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen und andere Aktivitäten vernachlässigen. Es gibt allerdings keinen genauen Stundensatz, ab dem man ein Kind als mediensüchtig oder internetsüchtig bezeichnen kann. Das ist sehr individuell und hängt auch davon ab, ob ein Kind weiterhin fest in seinem sozialen Umfeld verankert bleibt und sich die Zeit nimmt, soziale Kontakte zu pflegen. Kritiker werfen hier bereits ein, dass es auch möglich sei, über das Internet Sozialkontakte zu halten. Hier besteht zusätzlich ein gewisses Gefährdungspotential für Kinder und Jugendliche, wenn sie etwa bei Online-Spielen mit fremden Erwachsenen in Kontakt kommen.

Grundsätzlich etwas gefährdeter, eine exzessive Mediennutzung zu entwickeln, sind Einzelgänger oder Menschen, die über wenig bis keine Sozialkontakte verfügen oder zu Depressionen neigen. Abhängige Menschen zeigen Entzugserscheinungen, sobald sie sich nicht ihrer Sucht hingeben können. Wird Ihr Kind also besonders nervös und lässt sich nicht beruhigen, wenn es seiner bevorzugten Mediennutzung nicht nachgeben darf, kann das ein erster Hinweis auf eine exzessive Nutzung sein. Holen Sie sich Rat bei einer Beratungsstelle, wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind mediensüchtig ist. Online bietet zum Beispiel die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung Beratung für Eltern an.

Das Thema Internet- oder Mediensucht findet vor allem im Zusammenhang mit Computerspielen Erwähnung. 68 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren spielen täglich oder mehrmals pro Woche Handy-, Computer-, Tablet- oder Konsolenspiele. Dabei spielen Jungen mit durchschnittlich 122 Minuten an einem Wochentag wesentlich mehr als Mädchen mit durchschnittlich 50 Minuten pro Wochentag. An diesen Zahlen kann man bereits sehen, wie sehr die pädagogischen Empfehlungen für Bildschirmzeiten und die Realität auseinanderklaffen.

Wenn es bezüglich des Spielekonsums innerhalb der Familie zu Konflikten kommt, ist es ratsam, zunächst einmal mit dem Kind über seine Mediennutzung zu sprechen. Lassen Sie sich zeigen und erklären, womit es sich am Computer oder der Spielekonsole beschäftigt. Vielleicht spielen Sie auch einmal gemeinsam mit Ihrem Kind. Vereinbaren Sie eventuell ein verbindliches Zeitkontingent. Auch dafür eignet sich zum Beispiel ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 03. März 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin November/Dezember 2017"
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