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Immer mehr Kinder betroffen

Kreidezähne bei Kindern: Ursache und Behandlung

Kaputte Zähne trotz guter Zahnpflege: Die sogenannten Kreidezähne sind bei Kindern auf dem Vormarsch und haben Karies bereits als häufigste Zahnerkrankung abgelöst. Was tun bei Kreidezähnen?

Kreidezähne bei Kindern: Ursache und Behandlung
Regelmäßiges Zähneputzen kann die Folgen von Kreidezähnen abmildern.
© iStock.com/PeopleImages

Während Karies gerade bei Kindern in Deutschland immer weiter zurückgeht, sind laut fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie aktuell fast ein Drittel aller 12-Jährigen von Kreidezähnen betroffen. Bei Mädchen und Jungen treten Kreidezähne etwa gleich häufig auf.

Die Erkrankung ist noch relativ neu, ihre Ursachen unklar. Der richtigen Pflege der brüchigen Zähne kommt zur Vorbeugung von Zahnschäden eine besondere Bedeutung zu.

In diesem Artikel lesen Sie:

Was sind Kreidezähne?

Medizinisch heißen Kreidezähne Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Dabei handelt es sich um einen Schmelzdeffekt. Betroffen sind meist die ersten großen Backenzähne (Molaren) und/oder die oberen Schneidezähne (Inzisiven), aber auch alle anderen Zähne können einen Schmelzdefekt aufweisen.

Die Zähne sind aufgrund weichen Zahnschmelzes porös und bräunlich oder gelblich verfärbt. Sie scheinen buchstäblich wegzubröseln wie Kreide – daher der umgangssprachliche Name Kreidezähne.

Zahnärzte können Kreidezähne in der Regel bereits durch einen Blick auf die Zähne erkennen. Kreidezähne sind zudem äußerst schmerzempfindlich und oft von Karies betroffen, denn ihnen fehlt die feste Schutzschicht. Sie reagieren sensibel auf Hitze- und Kältereize und können sogar beim Zähneputzen Schmerzen.

Obwohl die Symptome auch bei Milchzähnen auftreten können, sind meist die bleibenden Zähne betroffen.

Ursache von Kreidezähnen noch ungeklärt

Nach aktuellem Wissensstand geht man heute von multifaktoriellen Ursachen der MIH aus: Die Entstehung von Kreidezähnen wird also wahrscheinlich von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Diskutiert wird, ob es bereits während der Schwangerschaft Einflüsse gibt, die ihre Entstehung begünstigen. Denn die Entwicklung der Zähne beginnt bereits in der Schwangerschaft: Schon zwischen der 6. und 8. Schwangerschaftswoche entstehen die Keimanlagen für die Zähne und ab dem 8. Schwangerschaftsmonat bis etwa zum 4. Lebensjahr dauert ihre Mineralisierung. Jedes Baby kommt also mit voll ausgebildeten Zähnen auf die Welt, die später aus seinem Kiefer herauswachsen.

Vor allem Infektionen in der frühen Kindheit, Weichmacher in Plastik (Bisphenol A), Inhaltsstoffe von Antibiotika oder Rückstände von Dioxinen in der Muttermilch werden als Ursache von Kreidezähnen diskutiert:

  • Bisphenol A (BPA): Der Weichmacher in Plastikartikeln wirkt sich negativ auf das Hormonsystem aus, wird für die zunehmende Unfruchtbarkeit von Männern (mit-)verantwortlich gemacht und gilt als Auslöser von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Eine Studie aus dem Jahr 2013 befeuerte den Verdacht, dass BPA auch für das zunehmende Auftreten von Kreidezähnen verantwortlich ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die Ergebnisse aus der Studie allerdings als unsicher. Bisphenol A als Ursache von Kreidezähnen kann damit nicht gänzlich ausgeschlossen, aber auch nicht wirklich bestätigt werden.
  • Fluorid: Immer wieder wird auch Fluorid als Ursache von Kreidezähnen diskutiert. Doch es fehlen wissenschaftlich belastbare Beweise dafür. Im Gegenteil: Fluorid ist einer der wichtigsten Bausteine bei der Behandlung poröser Zähne, denn es kann den Zahnschmelz zumindest etwas widerstandsfähiger machen und so zur Prävention von Karies insbesondere bei Kreidezähnen beitragen.
  • Dioxine: Sie stehen als Krebsauslöser in Verdacht und können sich auf das Nervensystem, den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel auswirken. Über Plazenta und Muttermilch gelangen Dioxine auch zum Kind. Verschiedene Studienergebnisse weisen auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Dioxinbelastung und Kreidezähnen hin. Wirklich aussagekräftigere Studien stehen aber noch aus.
  • Vitamin-D-Mangel: Immer wieder wird auch ein Mangel an Vitamin D als Ursache von Kreidezähnen diskutiert. Vitamin D ist ein wichtiger Bestandteil des Knochenstoffwechsels und wird unter anderem dafür benötigt, Calcium in die Knochen und Zähne einzulagern. Ein Mangel an diesem Vitamin wird daher als möglicher Einflussfaktor auf die Entstehung von Kreidezähnen diskutiert. Dazu passen die Erkenntnisse aus einer Auswertung einer Geburtskohorten-Langzeituntersuchung, bei der 10-Jährige mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel im Blut erheblich seltener unter Kreidezähnen litten als Kinder mit niedrigeren Spiegeln. Untersucht wurden die Daten von über 1.000 Kindern.
  • Antibiotika: Ein Zusammenhang zwischen einer frühen Antibiotikagabe beim Kind und Kreidezähnen konnte bislang nicht bestätigt werden. Möglicherweise tragen die für eine Antibiotikagabe verantwortlichen Infektionen zu ihrer Entstehung bei, nicht die Antibiotika selbst. Dafür spricht eine Studienauswertung, nach der von Kreidezähnen betroffene Kinder mehr Infektionskrankheiten durchgemacht haben als andere, vor allem Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, hohes Fieber und Windpocken.
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Einteilung in Schweregrade

Die Behandlung von Kreidezähnen hängt vom Schweregrad ab. Da die Ausprägungen und damit die Beschwerden teilweise sehr unterschiedlich sein können, haben Experten einer internationalen Arbeitsgruppe auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde hin die MIH in verschiedene Schweregrade unterteilt. Das Würzburger MIH-Konzept ist unter dem Namen "MIH-Treatment Need Index" auch international veröffentlicht:

  • Schweregrad I: MIH ohne Hypersensibilität und ohne Substanzdefekt
  • Schweregrad II: MIH ohne Hypersensibilität, aber mit Substanzdefekt
  • Schweregrad III: MIH mit Hypersensibilität, aber ohne Substanzdefekt
  • Schwergrad IV: MIH mit Hypersensibilität und mit Substanzdefekt

Wie kann man Kreidezähne behandeln?

Da Kreidezähne anders als Karies nicht heilbar sind, zielt die Behandlung vor allem auf die Abwendung von Karies ab. Denn der poröse Zahnschmelz hat Kariesbakterien wenig entgegenzubringen. Richtige Zahnpflege ist deshalb das A und O. Neben lückenloser Mundhygiene beinhaltet dies:

  • regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt
  • regelmäßige Zahnreinigungen
  • Verwenden von flouridhaltiger Zahncreme
  • ggf. Verwenden von antiseptischen Mundspülungen

Gerade Kinder mit schmerzempfindlichen (hypersensiblen) Kreidezähnen ist das regelmäßige und gründliche Zähneputzen oft unangenehm und deshalb schwer näherzubringen. Hier sind die Eltern und ein besonderes Einfühlungsvermögen gefragt.

Sind die Zähne noch weitgehend intakt, kann der Zahnarzt in regelmäßigen Abständen Fluoridlack auftragen, um den Zahnschmelz zu stärken. Auch eine permanente Versiegelung der Zahnoberfläche (Fissurenversiegelung) schützt den Zahn vor Karies, gleichzeitig fällt die Schmerzempfindlichkeit weg. Allerdings kann sie nur durchgeführt werden, bevor ein Zahn von Karies befallen ist, was die Früherkennung von Kreidezähnen noch wichtiger macht. Auch die ganze oder teilweise Überkronung betroffener Zähne ist denkbar.

Je nach Schweregrad und Zustand des Zahnes kann es auch nötig werden, ihn zu ziehen. Das Zahnziehen (Extraktion) ist zunächst natürlich gerade bei bleibenden Zähnen nicht das erste Mittel der Wahl, kann aber für betroffene Kinder, die unter dauerhaften Schmerzen und/oder wiederkehrendem Karies leiden, auch eine Erleichterung sein. Die so entstandene Lücke kann durch ein Zahnimplantat geschlossen werden.

Prävention: Kann man Kreidezähnen vorbeugen?

Da die Ursache von Kreidezähnen noch nicht geklärt ist, lässt sich ihnen auch nicht gezielt vorbeugen. Da wohl mehrere Faktoren an ihrer Entstehung beteiligt sind, kann es hilfreich sein, zumindest diskutierte Ursachen zu berücksichtigen:

  • Vermeiden Sie gerade im Alltag Plastikverpackungen, da sie Bisphenol A enthalten können. Auch Spielzeug kann BPA-haltig sein, bevorzugen Sie daher eindeutig als BPA-frei gekennzeichnetes Spielzeug für Ihre Kinder.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D in der Schwangerschaft und bei Ihrem Kind. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt für Säuglinge ab der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres die zusätzliche Gabe von Vitamin D (10-12,5 µg (400-500 IE)) und im zweiten Lebensjahr während der Wintermonate.

Sind bereits Kreidezähne diagnostiziert worden, wird zur Vorbeugung von Karies eine zucker- und säurearme Ernährung sowie eine gründliche Mundhygiene mit regelmäßigen Kontrollterminen beim Zahnarzt empfohlen.

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