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Dienstag, 11. Dezember 2018
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Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 28. September 2018

Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter erforscht und beschreibt die Entwicklungs- und Denkprozesse, die ein Kind von der Geburt bis ins Erwachsenenalter durchschreitet.

Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter
Die Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter beschäftigt sich mit der Frage, wie Kinder das Denken erlernen und ihre Persönlichkeit entwickeln
© iStock.com/portishead1

In unserer modernen Zeit gehen wir davon aus, dass ein Mensch, wenn er auf die Welt kommt, über verschiedene Anlagen verfügt. Wir wissen heute, dass die allermeisten körperlichen Merkmale angeboren sind (wie etwa Augen- und Haarfarbe), wir aber manches noch beeinflussen können (zum Beispiel durch unseren Lebensstil). Welche Persönlichkeitsmerkmale des Menschen angeboren sind und welche nicht, darüber ist sich die Wissenschaft uneins. Man geht heute davon aus, dass sich ein großer Teil der Persönlichkeit im Laufe der ersten Lebensjahre, von der Geburt bis zum jungen Erwachsenenalter, unter Berücksichtigung biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren entwickelt. Auf die Entwicklung Einfluss nehmen also vor allem die Umwelt, die Erfahrungen, die ein Mensch macht und wie Krisen und Konflikte gelöst werden beziehungsweise ausgehen. Laut Entwicklungspsychologie steht der Mensch im ständigen Wechselspiel mit sich und der Außenwelt und entwickelt sich stetig weiter.

Einflüsse auf die Entwicklung

Da man heute weiß, wie stark die Entwicklung eines Kindes beeinflusst werden kann, streben die meisten Eltern eine möglichst positiv-fördernde Umgebung für ihr Kind an. So kann man es mittlerweile als erwiesen angehen, dass das "Urvertrauen", also das Vertrauen in die Welt maßgeblich von einer gelungenen Mutter-Kind-Bindung beziehungsweise der Eltern-Kind-Bindung beeinflusst wird. Auch Vernachlässigung, körperliche und seelische Gewalt oder Missbrauch wirken stark auf die Entwicklung ein. Es gibt mittlerweile zahlreiche Untersuchungsergebnisse über Kinder aus prekären Verhältnissen, die bereits als Teenager deutlich eher auf die schiefe Bahn geraten waren, eine schlechtere Bildung hatten und in sozial schwachen Strukturen ohne starke Bindungen lebten.

Solche Extremfälle haben sicher mit den meisten Eltern, die ihrem Kind einen möglichst positiven Entwicklungsstart geben möchten, wenig zu tun. Trotzdem zeigt sich an solchen Beispielen, wie stark die Entwicklung von frühester Kindheit an geprägt werden kann. Und noch einen weiteren Faktor machen sie deutlich: Denn längst nicht alle in solchen Studien untersuchten Kinder lebten später ebenfalls in prekären Verhältnissen. Es gab auch viele selbstbewusste, erfolgreiche und sozial positiv gebundene Erwachsene darunter. In der Entwicklungspsychologie nennt man diese Fähigkeit Resilienz – die Fähigkeit, unter widrigen Umständen körperlich und geistig gesund zu bleiben. Widerstandsfähigkeit hilft dem Menschen sein ganzes Leben lang, mit Rückschlägen und Schicksalsschlägen umzugehen und sich nicht durch sie aus der Bahn werfen zu lassen. Wie man Resilienz erlernen kann, ist weiter Gegenstand der Forschung in der Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter.

Kognitive Fähigkeiten und Persönlichkeit

Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich unter anderem mit unseren psychosozialen und unseren kognitiven Fähigkeiten. "Kognitiv" bedeutet laut Duden das Wahrnehmen, Denken, Erkennen betreffend. Kognitive Entwicklung bezeichnet demnach das Erlernen des Denkens. Sie ist unentbehrlich für die Entwicklung und Herausbildung der Persönlichkeit. Während Babys mit eher noch rudimentären Fähigkeiten auf die Welt kommen, entwickeln sie diese nach und nach und zwar aus eigenem Antrieb. Die Fähigkeit zur kognitiven Entwicklung ist also angeboren, findet aber auch im Wechselspiel mit der Umwelt statt. Ein Kind benötigt Anforderungen, die es bewältigen kann. Das hat vor allem der Entwicklungsforscher Jean Piaget in seinem Stufenmodell aufgezeigt.

Weitere Informationen zu den kognitiven Entwicklungsphasen nach Piaget finden Sie hier.

Die psychosexuelle Entwicklung des Kindes ist Schwerpunkt von Sigmund Freuds Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. In den verschiedenen, aufeinander aufbauenden Entwicklungsphasen liegt der Fokus in jeder Phase auf einem anderen Körperteil und damit verbundenen besonderen Herausforderungen. Als bekanntes Beispiel sei die anale Phase erwähnt, in der das Kind lernt, seine Ausscheidungen zu kontrollieren und damit laut Freud generell entdeckt, dass es durch sein Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch die Umwelt kontrollieren kann. Störungen in den jeweiligen Entwicklungsphasen gehen mit psychischen Störungen einher, die mehr oder weniger stark ausfallen und bis ins Erwachsenenalter Probleme verursachen können.

Weitere Informationen zu den psychosexuellen Entwicklungsphasen nach Freud finden Sie hier.

Das Konzept von Freuds psychosozialer Entwicklung wurde von Erik H. Erikson weiterentwickelt. Laut Erikson endet die Entwicklung nicht mit dem Erreichen des Erwachsenenalters. Vielmehr entwickelt sich der Mensch stetig – bis zu seinem Tod – weiter. Entwicklung als lebenslanger Prozess: Diese Vorstellung findet sicher in unserer heutigen Zeit viele Anhänger, berücksichtigt sie doch am ehesten die Einstellung, Herr über das eigene Schicksal sein zu wollen und sich zu "formen".

Weitere Informationen über die lebenslangen Entwicklungsphasen nach Erikson finden Sie hier.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 28. September 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin November/Dezember 2017"
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