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Montag, 20. November 2017
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Alle unter einer Decke - das Familienbett

Alle unter einer Decke - das Familienbett
Kuschelig und geborgen im Familiebett
(c) iStock

Schlafen ist für die meisten Eltern ein großes Thema. Heute wird empfohlen, das Baby in den ersten Monaten im elterlichen Schlafzimmer im eigenen Bett schlafen zu lassen. Einige Familien bevorzugen jedoch das sogenannte Co-Sleeping - alle zusammen im Familienbett.

Es ist ein großes Diskussionsthema. Laut ärztlichen Empfehlungen soll das Kind in den ersten Monaten im eigenen Bett im Zimmer der Eltern Schlafen, aber immer mehr Eltern tendieren dazu, das Baby im elterlichen Bett schlafen zu lassen, wenn es das Bedürfnis zeigt.

Erst seit etwa 150 Jahren legen Eltern in der westlichen Welt ihre Kinder ins eigenen Bettchen ab, damit sie schlafen sollen. In vielen Teilen der Welt ist es immer noch völlig normal, dass die ganze Familie zusammenschläft. So wachsen die Kinder in engem körperlichen Kontakt zu ihren Eltern auf, was ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit gerecht wird. Nicht nur in Afrika oder Asien schlafen die Kinder mit ihrem Eltern im Familienbett, auch beispielsweise in Skandinavien schläft ein Drittel der Kinder während des Vorschulalters im elterlichen Bett. In diesen Ländern kommt der plötzliche Kindstod nicht öfter vor als in Ländern, die bevorzugt in getrennten Betten schlafen. Wichtig: Die Eltern sollten Nichtraucher sein und nicht in ihrer Reaktionsfähigkeit durch Alkohokonsuml oder Tabletten eingeschränkt.

Für stillende Mütter ist es sehr praktisch, wenn das Baby im elterlichen Schlafzimmer oder Bett ist, denn dann muss die Mutter nachts nicht aufstehen. Nachweislich wirkt es sich positiv auf die Stilldauer aus, wenn das Baby für das nächtliche Stillen nicht extra aus seinem Bett genommen werden muss. Letztendlich muss und darf aber jede Familie für sich selbst entscheiden, ob das Familienbett für sie in Frage kommt und ob sich alle wohl damit fühlen. Hat einer der Eltern einen extrem leichten Schlaf, so kann es dauerhaft den Schlaf stören. Für das Kind bedeutet das Co-Sleeping Nähe und Körperkontakt. Es gibt aber auch Kinder, die besser im eigenen Bettchen schlafen und auch deutlich zeigen, dass sie sich dort am wohlsten fühlen.

Eltern, die Co-Sleeping im Familienbett praktizieren, müssen sich oft rechtfertigen oder mit Vorurteilen kämpfen. Dabei sind die meisten Punkte leicht zu wiederlegen und können getrost als Ammenmärchen abgehakt werden.

"Die Sexualität der Eltern kommt im Familienbett zu kurz"

Da nicht ausschließlich das elterliche Bett für sexuelle Aktivitäten zur Verfügung steht, lässt sich leicht zeigen, dass dieser Einwand eigentlich keiner ist. Zudem können auch Kinder, die im eigenen Bett schlafen, durch das plötzliche Aufstehen ihre Eltern "überraschen". Vielleicht nehmen sich Paare mit Familienbett sogar bewusster Zeit für ihre Sexualität. Viele schlafende Babys werden in keinster Weise negativ beeinflusst, wenn ihre Eltern nebendran Sex haben. Dies wurde sogar in Studien belegt. Würde das Familienbett die Sexualität der Eltern wirklich stark einschränken, bekämen sie wohl nie mehr als ein Kind.

"Es wird schwer, die Kinder je wieder aus dem Bett zu bekommen"

Dieser Punkt ist leicht zu widerlegen, denn es sind keine Abiturienten bekannt, die noch im elterlichen Bett schlafen. Ganz im Ernst: Viele Kinder äußern im dritten oder vierten Lebensjahr von sich aus den Wunsch, im eigenen Bett zu schlafen. Vielleicht haben sie das bei Freunden gesehen oder es kommt ein neues Geschwisterchen hinzu - auf jeden Fall schlafen sie aber meist durch und sind sich ihrer Eltern sicher. Somit können sie selbstbestimmt aus dem Familienbett ausziehen, denn sie haben die Gewissheit, ihre Eltern trotzdem in der Nähe zu haben. Wann dieser Punkt kommt, kann sehr unterschiedlich sein, aber sicher ist, dass er von selber kommt.

"Kinder werden im Familienbett verwöhnt"

Neugeborene Babys brauchen körperliche Nähe, weshalb auch Tragen empfohlen wird. Körperliche Nähe stärkt die Bindung und das Urvertrauen. Nähe bedeutet für ein Baby Sicherheit und Geborgenheit in der noch neuen Welt. Auch die Bindung zwischen Geschwistern wird im Familienbett gestärkt und nachweislich inniger. Von verwöhnen kann also nicht die Rede sein, sondern es geht darum, auf die Signale und Bedürfnisse des Kindes zu achten und sie zu erfüllen.

"Das Familienbett ist gefährlich für Kinder"

Um das Risiko des plötzlichen Kindstods (SIDS)  zu minimieren, sollte das Baby nicht unter der Decke der Eltern liegen, sondern ein Schlafsack getragen werden. Die ideale Raumtemperatur beträgt 18 Grad. Frühgeborene Kinder und Babys mit geringem Geburtsgewicht sollten nicht im Familienbett schlafen. Ist das Familienbett groß genug für alle, läuft das Baby nicht Gefahr, zugedeckt zu werden. Manche Familien bauen dafür ein Bett an und vergrößern so die Liegefläche für alle. Wasserbetten und Betten mit sehr weicher Matratze sind nicht als Familienbett geeignet. Dr. Jan Sperhake, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg, zum Thema SIDS-Risiko: “Wenn jedoch das Kind selbst keine Risikofaktoren aufweist und die Eltern alle üblichen Vorsichtsmaßnahmen einhalten, vor allem aber nicht rauchen, dann ist das Risiko für das Kind im Elternbett wahrscheinlich nur gering erhöht. Vorausgesetzt, es trägt einen Schlafsack, kann nicht unter eine Daunendecke oder mit dem Kopf in ein Kissen oder eine Kuhle geraten.”

Faktencheck fürs Familienbett

Damit das Co-Sleeping im Familienbett gelingt, sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Vater und Mutter sind einverstanden, mit dem Kind in einem Bett schlafen und alle fühlen sich wohl damit.
  • Das Bett hat keine Spalten oder Ritzen, in die das Kind rutschen kann und bietet genug Platz für alle, z. B. durch Anbau eines weiteren Betts ans Doppelbett der Eltern.
  • Die Matratze muss fest sein. Wasserbetten oder sehr weiche Matratzen sind ungeeignet.
  • Das Baby schläft im eigenen Schlafsack ohne Decke und Kissen und wird nicht von einem Elternteil mit unter die Decke genommen.
  • Vater und Mutter sind Nichtraucher, nehmen keine starken Medikamente und haben keinen Alkohol getrunken.
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Familienbett: Bericht eine fünffachen Mutter

Am Anfang kam es zum Familienbett wohl ganz typisch, wohl gemerkt aber erst beim zweiten Kind so richtig. Man stillt in der Nacht und das Kindchen will sich überhaupt nicht ins eigene Bett legen lassen und wacht jedes mal wieder auf. Ist ja auch nachvollziehbar, da die Wärme und Nähe der Eltern beziehungsweise Mutter fehlt. Und somit blieb er im Bett und das war einfach vom Bauch und Gefühl her genau das richtige, genau so sollte es sein. Wir selber schlafen ja auch nicht gerne alleine im Bett, sondern lieber neben unserem Partner. Warum sollte es bei einem Baby/kleinen Kind anders sein?! Neun Monate haben wir sie in unserem Bauch getragen, so nah wie nie wieder in unserem Leben und plötzlich sollen sie allein in einem Bett und am besten noch im eigenen Zimmer weit von uns weg schlafen? Das ist doch nicht logisch nachvollziehbar, wir sind doch ihre einzige Sicherheit in der ersten Zeit. Sie können nicht begreifen warum sie woanders schlafen sollen.

Die Problematik um das Familienbett war bei mir das Umfeld. Zudem ich noch sehr jung war bei den ersten zwei Kindern und mich leicht verunsichern ließ. Denn es hieß oftmals, du verwöhnst dein Kind damit, den bekommst du nie wieder raus, das Kind gehört in sein eigenes Bett...und was ist mit der SIDS Gefahr. Also beginnt man zu lesen, zu recherchieren, liest, dass das Familienbett einfach keine Nachteile hat, wenn alle damit glücklich sind. Auch die SIDS Gefahr ist nicht gegeben, insofern man das Kind nicht mit unter seine Decke nimmt und somit eine Überwärmung umgeht.

Unser 9 1/2-Jähriger hat dann mit etwa 3 1/2 Jahren angefangen abends immer mal wieder in seinem Zimmer einschlafen zu wollen, kam aber jede Nacht noch zu uns ins Bett gewandert. Und dann von einer auf die andere Nacht mit 4 1/2 Jahren kam er nicht mehr und schläft seither in seinem Zimmer, aber immer noch am liebsten mit seiner großen Schwester in einem Zimmer und sie genauso...zusammen schläft es sich einfach schöner.

Was das im Schlaf stören angeht, das ist eine Sache an die man sich schneller gewöhnt, als man denkt. Man entwickelt dadurch auch einen anderen Schlafrhythmus, das passt sich alles an und umso größer die Kinder werden, umso weniger wachen sie nachts auf und schlafen vor allem tiefer, wenn noch mehr in einem Zimmer schlafen und lassen sich nicht so leicht aufwecken. Also auch wenn die Kleine schreit, werden die Großen nicht wach, da muss sie schon länger lauthals schreien, damit das passieren würde. Mein Mann muss ja jeden Morgen früh raus und ich durch die Schulkinder auch nicht so spät, aber auch das ist kein Problem. Ganz wichtig ist dabei der richtige Klingelton in seinem Handy...möglichst sanft, da sonst die anderen doch schneller wach sind. Und wenn doch der ein oder andere mit Papa oder Mama aufwacht, wird er eben schnell mit runter genommen.  Wir haben ein 2 x 2 Meter Bett und daran noch ein normales 0,90 x 2 Meter direkt dran gebaut, somit 2,90 x 2 Meter. Im Moment ist es auch so, dass das kleine Bett noch mit einem eigentlichen Rausfallgitter auf beiden Seiten abgeschirmt ist. Dort schlafe ich mit der Kleinsten. Somit umgehen wir die Gefahr, dass sich ein anderes Kind auf das Kleinste drauf rollen könnte so lange sie noch so klein ist und die Sicherheit ist mir da schon wichtig. Unser 4 1/2-Jähriger war auch schon mal mit 3 Jahren ausgezogen, kam dann aber wieder ins Familienbett, als er länger krank war. Sie werden alle so schnell groß und so nah wie in den ersten Jahren werden sie uns nie wieder sein und so lange sie diese Nähe einfordern, sollte man es ihnen auch nicht verwehren und einfach nur genießen...nie wieder werden sie so viel mit einem kuscheln. Und keine Sorge, kein Kind liegt im Elternbett bis es 18 ist. Sie ziehen alle früher oder später aus. Was auch oft Frage ist, ist das Liebesleben der Eltern, ob das nicht auf der Strecke bleibt. Da muss ich ganz klar sagen...auf keinen Fall. Es gibt durchaus noch andere Orte als das Ehebett, die nicht schlechter sind.

Es ist die Nähe, die sie brauchen, die Sicherheit uns zu haben und es gibt nichts schöneres als diese innige Zeit zu genießen. Und wenn die Kleinen noch ganz klein sind, ist es auch so praktisch, da man nicht aufstehen muss, um sie aus dem Bett zu holen, sondern einfach "andocken" lässt und weiter schläft. Sicher ist es nicht für jedermann geeignet, dennoch sollte man seinem Kind nie die Nähe verwehren die es braucht, aber die meisten Eltern finden da doch immer eine Lösung ihrem Kind gerecht zu werden.

Man könnte es auch evolutionär betrachten: Kann ich meine Eltern nicht sehen, nicht riechen, nicht spüren, kann mich jeder (Fress-)Feind sofort holen, also rufe ich sie, damit ich nicht in Gefahr bin. Aber das darf man sehen wie man will.Zu guter letzt: Was könnte es schöneres geben, als morgens aufzuwachen, sein Baby zu riechen (es gibt nichts besseres als Babyduft) und in seine strahlenden Augen zu sehen?!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. September 2017
Quellen: Largo, R. H.: Babyjahre. Piper Verlag GmbH, München 2012; Nolte, S. H.; Nolden, A.: Das große Buch für Babys erstes Jahr. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2013

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