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Milch und Milchprodukte für Kinder: Gesund oder gefährlich?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2019

Milch macht Knochen und Zähne stark, deshalb spielt sie in der Ernährung von Kindern eine wichtige Rolle. Doch nicht jedes Milchprodukt ist für den Nachwuchs geeignet. Ab wann und wie viel Milch für Kinder empfohlen wird.

Milch und Milchprodukte für Kinder
Milch für Kinder: Das richtige Maß stärkt Knochen und Zähne.
© iStock.com/Sam Edwards

Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Käse, Buttermilch oder Kefir sind wichtige Nährstofflieferanten. In den Lebensmitteln stecken Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Kalzium, Phosphor, Kalium, Zink, Jod, Magnesium sowie die Vitamine A, D, E, K, B1, B2 und B12.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Warum ist Milch so wichtig?

Für den Menschen ist Milch vor allem deshalb so wertvoll, weil die Nährstoffe in einer Form vorliegen, die der Körper besonders gut verwerten kann: Das Eiweiß, das in der Milch enthalten ist, besitzt nach dem Hühnerei die höchste biologische Wertigkeit. Auch dem Milchfett werden aufgrund seiner einzigartigen Zusammensetzung Eigenschaften zugesprochen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken können. Frühere Behauptungen, Milchfett sei gesundheitsschädigend, gelten heute als widerlegt.

Ein moderater Verzehr von Milch soll zum Beispiel das Risiko für Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 und Dickdarmkrebs reduzieren. Ein dauerhaft übermäßiger Milchkonsum wird hingegen mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Prostatakrebs assoziiert. In bestimmten Fällen ist es möglich, dass Milch Akne fördert.

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Wie gut ist Milch für Kinder?

Milcheiweiß besteht unter anderem aus Molkeprotein, das zum Beispiel für die Stabilität der Knochen und den Aufbau von Muskeln verantwortlich ist. Milch und Milchprodukte enthalten darüber hinaus einen weiteren wichtigen Nährstoff: In 100 Millilitern Trinkmilch (Kuhmilch mit 3,5 Prozent Fett) stecken 120 Milligramm Kalzium, in Joghurt aus Kuhmilch mit einem Fettgehalt von 1,5 Prozent 123 Milligramm. Kalzium ist in der kindlichen Entwicklung sowohl für die Knochen als auch für die Zähne bedeutsam. Zwar befindet sich Kalzium ebenfalls in grünem Gemüse oder Mineralwasser, doch mit Milch und Milchprodukten lässt sich der Bedarf besonders leicht decken. Kefir, Buttermilch, Quark oder Joghurt enthalten zudem Milchsäurebakterien, die zum Aufbau der Darmflora benötigt werden.

Uneingeschränkt wird der Konsum von Milch und Milchprodukten trotzdem nicht empfohlen. Denn gerade bei Säuglingen und Kleinkindern kann es durch den hohen Proteingehalt zu einer Belastung der Nieren kommen. Außerdem begünstigt ein Zuviel an Milch bei Kindern das Risiko für Adipositas (Fettleibigkeit).

Ab wann dürfen Kinder Milch trinken?

Kuhmilch spielt in der Ernährung von Kindern frühestens ab dem sechsten Lebensmonat eine Rolle. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wird im Beikostplan der zweite Brei eingeführt. Der Milch-Getreide-Brei wird aus 200 Millilitern Vollmilch, Getreideflocken und Obstsaft oder Obstpüree zubereitet. Verwenden Sie für die Breizubereitung ausschließlich pasteurisierte oder ultrahocherhitzte Kuhmilch. Alternativ kann der Brei anfangs auch mit Muttermilch oder Säuglingsersatzmilch hergestellt werden.

Erst gegen Ende des ersten Lebensjahres kann Kuhmilch mit dem Übergang zur Familienkost zu einer Brotmahlzeit gereicht werden. Säuglingsmilchnahrung darf nicht aus Kuhmilch oder anderen Milchalternativen selbst hergestellt werden. Ausschließlich industriell gefertigte Ersatznahrung ist geeignet.

Übrigens: Das Netzwerk Gesund ins Leben weist darauf hin, dass auch Babys mit einem erhöhten Kuhmilchallergierisiko den Milch-Getreide-Brei bekommen sollten. Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen geht man heute davon aus, dass ein bewusster Kontakt die Entwicklung der Toleranz fördert. Ein erhöhtes Allergierisiko bei Kindern besteht dann, wenn mindestens ein Elternteil oder ein Geschwisterkind eine Allergie hat. Besprechen Sie das Vorgehen zur Sicherheit mit Ihrem Kinderarzt.

Wie viel Milch wird für Kinder empfohlen?

Milch ist ein Nahrungsmittel, das maßvoll genossen werden sollte. Das heißt, es dient weder zum Sattessen wie Gemüse, noch zum Durststillen wie Wasser. Aufgrund ihres Energiegehalts wird Milch auch nicht zu den Getränken gezählt, sondern als Lebensmittel betrachtet.

Innerhalb des ersten Lebensjahres gilt die geringe Menge Kuhmilch für die Breizubereitung ab dem sechsten Lebensmonat als geeignet, darüber hinaus sollte es keine weitere Kuhmilch geben. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt zwischen dem zweiten und zehnten Lebensjahr eine tägliche Aufnahme von 300 bis 400 Millilitern Milch oder Milchprodukten. Am besten wird der Verzehr auf drei Portionen pro Tag verteilt: Morgens trinkt das Kind zum Beispiel ein Glas Milch, mittags isst es einen kleinen Joghurt und abends eine Scheibe Käse. Zwischenmahlzeiten sollten nicht aus Milch oder Milchprodukten bestehen.

Tipp: Kindern, die Milcherzeugnisse pur nicht mögen, können Sie Zubereitungen mit Milch anbieten – etwa Suppen, Pürees oder Puddings. Kaufen Sie außerdem ungesüßte Milchprodukte wie Joghurt und peppen Sie diese zu Hause mit Obst auf. Spezielle Kinderprodukte wie Fruchtjoghurts oder Milchsnacks, die angeblich wertvolle Inhaltsstoffe enthalten, sind meist stark gezuckert und für die Ernährung von Kindern deshalb nicht empfehlenswert.

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Vollmilch oder fettarme Milch: Was ist für Kinder besser?

Für Babys ist zur Zubereitung des Milch-Getreide-Breis ausschließlich Vollmilch geeignet, da sie einen höheren Energiegehalt hat. Als Trinkmilch sollten ältere, normalgewichtige Kinder ab dem zweiten Lebensjahr fettarme Milch (1,5 Prozent Fett) bekommen. In diesem Punkt herrscht unter Experten allerdings immer wieder Diskussionsbedarf. Trinkt ein Kind lieber Vollmilch, wird aktuell aber dazu geraten, den Fettgehalt dann an anderer Stelle im Speiseplan zu reduzieren.

Ein niedrigerer Fettgehalt als 1,5 Prozent wird für Kinder nicht empfohlen, da bei der starken Entrahmung auch Nährstoffe verloren gehen. Käse sollte maximal einen Fettgehalt von 45 Prozent haben.

Welche Milchsorten gibt es und welche sind für Kinder geeignet?

Nicht jede Milchsorte kann für Kinder uneingeschränkt empfohlen werden:

  • Pasteurisierte Milch: Sie wird über einen kurzen Zeitraum von 15 bis 30 Sekunden auf 72 bis 75 Grad erhitzt. Dabei werden Mikroorganismen abgetötet und die Haltbarkeit verlängert. Die Milch ist für Kinder geeignet. Bei ESL-Milch handelt es sich um eine Variante, die bei höheren Temperaturen noch kürzer erhitzt wurde. Die Haltbarkeit wird durch das spezielle Verfahren verlängert.
  • H-Milch: Diese Milch wurde bei 135-150 Grad ultrahocherhitzt. Dadurch wird die Haltbarkeit auf mehrere Monate verlängert. Einmal angebrochen muss jedoch auch H-Milch im Kühlschrank aufbewahrt werden. H-Milch hat durch den Verarbeitungsprozess einen anderen Geschmack und einen geringfügig niedrigeren Gehalt an Vitamin B1, B2 und B12. Da der Kalziumgehalt beim Erhitzen erhalten bleibt, ist sie für Kinder trotzdem geeignet.
  • Rohmilch: Bei Rohmilch handelt es sich um unbehandelte Milch, die für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet ist. Da sie nicht hocherhitzt wird, kann sie krankmachende Keime wie Salmonellen enthalten. Diese können im jungen Alter zu schweren Erkrankungen führen. Von Rohmilchprodukten wird daher auch Schwangeren abgeraten.
  • Vegane Milch: Produkte aus Soja, Mandeln, Hafer oder Reis dürfen im Handel nicht als "Milch" deklariert werden und tragen daher den Zusatz "Drink". Vegane Milchvarianten können in die Ernährung von Kindern eingebunden werden, allerdings müssen Eltern die Nährstoffzufuhr dann auf anderen Wegen sicherstellen. Pflanzliche Drinks enthalten nämlich nicht die gleiche Menge Nährstoffe wie tierische Milch.

Verzicht auf Milch: Kuhmilchallergie und Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz liegt eine Unverträglichkeit gegen den enthaltenen Milchzucker (Laktose) vor. Sehr selten ist diese Nahrungsmittelintoleranz angeboren. Tritt sie schon beim Baby auf, fehlt dem Säugling bereits bei der Geburt das Enzym Laktase, das für die Verdauung von Milchzucker verantwortlich ist. Dieser sogenannte kongenitale Laktasemangel erfordert einen lebenslangen Verzicht auf Laktose.

In den meisten Fällen entwickelt sich eine Laktoseintoleranz erst im Laufe des Lebens, indem die Aktivität des Enzyms langsam abnimmt. Kann die Laktose nicht mehr ausreichend verdaut werden, treten nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall auf. Meist kann in solchen Fällen eine individuell tolerierbare Menge an Laktose ermittelt werden.

Anders sieht das bei einer Kuhmilchallergie aus: Bei einer Kuhmilcheiweißallergie muss meist konsequent auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten verzichtet werden, da das Immunsystem Antikörper gegen die Milcheiweiße (Casein oder Molkeprotein) entwickelt hat. Von einer solchen Allergie sind zwei bis fünf Prozent der Kinder in Europa betroffen.

Typische Symptome bei einer Kuhmilchallergie:

  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Ekzeme
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • in seltenen und sehr schweren Fällen: anaphylaktischer Schock mit Atemnot und Kreislaufstillstand

Ist eine Kuhmilchallergie durch eine ärztliche Diagnose bestätigt, muss die Ernährung zusammen mit einem Experten umgestellt werden. Hierbei ist es wichtig, den Nährstoffbedarf durch geeignete Alternativen zu decken. Beim Einkaufen verrät ein Blick auf die Zutatenliste, ob Milch in dem Produkt enthalten ist. Über lose Ware müssen die Verkäufer Auskunft geben können. Stuten-, Ziegen- oder Schafsmilch werden von betroffenen Kindern häufig ebenfalls nicht vertragen, weil sich die enthaltenen Eiweiße ähneln.

Da eine Kuhmilchallergie, die im Säuglings- oder Kindesalter auftritt wieder verschwinden kann, sollte durch eine ärztliche Kontrolle regelmäßig überprüft werden, ob diese noch besteht.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Die häufigsten Auslöser von Allergien
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2019
Quellen

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