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Mama, das ess’ ich nicht!

Hilfreiche Tipps zum Umgang mit schlechten Essern

Autor: Netzwerk Gesund ins Leben, aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz e.V. / 9monate.de
Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2018

Zeitweise essen viele Kleinkinder nur einige wenige Lebensmittel. Manche verlangen tagelang Nudeln ohne Sauce, andere sortieren selbst winzige Gemüsestückchen fein säuberlich aus dem Essen aus. Für Eltern kann diese Phase zur Geduldsprobe werden. Wir verraten, welche Empfehlungen Fachkräfte geben, wenn Ihr Kind ein schlechter Esser ist.

Schlechter Esser? Hilfreiche Tipps zum Umgang
Viele Kinder sind in einer bestimmten Lebensphase schlechte Esser
(c) iStockphoto/lisegagne

Häufig handelt es sich um eine vorübergehende Phase. Hier ist bei den Eltern Geduld gefragt – und das Vertrauen, dass ihr Kind seine Lebensmittel- und Speisenauswahl mit der Zeit und mit ihrer Unterstützung erweitern wird. Geschmacksvorlieben entstehen durch wiederholtes Probieren. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt deshalb, neue Lebensmittel oder Speisen mehrfach und ohne Zwang anzubieten. Damit helfen Eltern ihrem Kind, sich an das (neue) Essen zu gewöhnen. Lehnt das Kind etwas ab, ist das in Ordnung. Das abgelehnte Lebensmittel wird aber nicht vom Speiseplan gestrichen, sondern kommt immer mal wieder auf den Tisch und das Kind wird zum Kosten ermuntert. Lebensmittel verschieden zuzubereiten oder mit einem vertrauten Lebensmittel zu kombinieren, kann die Akzeptanz von neuen Lebensmitteln erleichtern; ebenso wenn das Kind das Lebensmittel mit allen Sinnen erkunden kann.

Acht Ernährungstipps für Kleinkinder

Der Lichtblick für Eltern: Die Ablehnung legt sich wieder

Während Kinder etwa zwischen 6 Monaten und 2 Jahren besonders offen für neue Geschmackserfahrungen sind, beginnt danach eine Phase, in der viele neue Speisen häufig ablehnen. Diese Abneigung, auch Neophobie genannt, ist im Alter von 2 bis 6 Jahren am stärksten ausgeprägt[1]. Mit Geduld geht die Ablehnungsphase meist schnell vorüber. Die Verweigerung eines neuen Lebensmittels hat nicht immer etwas mit dem Geschmack zu tun. Trotzphasen, die ab diesem Alter auftreten, können eine Rolle spielen und die Ablehnung von Speisen oder Lebensmitteln kann vom Autonomiebestreben des Kleinkindes im Rahmen seiner Entwicklung beeinflusst sein. Wird ein kleines Kind gefüttert und schlägt den Löffel mit einer neuen Speise weg, lehnt es möglicherweise nicht die Speise ab, sondern signalisiert, dass es selbst essen will.

Auf Gewöhnung und Freude beim Essen setzen

„Eltern sind oft beunruhigt, wenn ihr Kind nur wenige Lebensmittel akzeptiert. Isst es dann auch genug? Eltern können in der Regel gelassen sein: Lehnt es bestimmte Lebensmittel eine Zeit lang ab, isst es sich an anderen Mahlzeitenkomponenten satt.“, informiert Nadia Röwe, Ernährungswissenschaftlerin im Netzwerk Gesund ins Leben. Ihr Tipp: „Eltern sollten darauf setzen, dass Neugier, Gewöhnung und Freude beim Essen langfristig gewinnen, nicht Tricks, Zwang oder Überredung.“ Essen ist keine Leistung und sollte nicht zur Belohnung oder zur Bestrafung eingesetzt werden. Eltern sollten die Signale ihres Kindes beachten.

Was Kinder essen und mögen, hängt vom Angebot bzw. der Gewohnheit ab

Eltern können ihr Kind darin unterstützen, neue Geschmacksvorlieben zu entwickeln. Sie sind vor allem bei Gemüse, Obst und Vollkorngetreide wünschenswert, denn diese Lebensmittel sollen reichlich in einer ausgewogenen Familienernährung vorkommen. Ein mehrmaliges Anbieten hilft, mit neuen Lebensmitteln und Speisen vertraut zu werden[2]. Vieles muss ein Kind häufiger probieren, bis es ihm schmeckt. Ein Kind lernt auch beim Essen von seinen Eltern. Sie sind hilfreiche Vorbilder, wenn sie abwechslungsreich und mit Genuss essen und wenn sie neue Speisen mit Freude probieren. Das kann die Neugier des Kindes stärker wecken, als wenn Eltern es zum Probieren auffordern. Eine positive, entspannte Atmosphäre bei den Mahlzeiten kann das Entwickeln von positiven Essgewohnheiten verstärken.

Vielfalt hat Vorteile

Abwechslungsreich zu essen ist Teil unserer Esskultur. Es trägt zum Genuss bei und hat Vorteile für die Nährstoffversorgung. Bei der Auswahl von Lebensmitteln gilt für Kleinkinder, was für die ganze Familie gilt: reichlich Pflanzliches und Wasser, mäßig Tierisches und sparsam Fettes und Süßes. Dabei ist es günstig, schon früh eine Vorliebe für Gemüse, Obst und Vollkorngetreideprodukte zu fördern, denn Geschmackspräferenzen aus dem frühen Kindesalter werden bis ins Erwachsenenalter mitgenommen[3].

Bei Unsicherheit: Kinder- und Jugendarzt kann Entwicklung beurteilen

Kleinkinder brauchen Zeit, um sich vom Brei aufs Familienessen umzustellen, um sich ans Selberessen zu gewöhnen und neue Geschmäcker zu mögen. Das kann Anpassungsschwierigkeiten verursachen. Wenn die Situation belastend wird oder sich Eltern Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen, sollten sie sich an ihre Kinder- und Jugendärztin oder ihren Kinder- und Jugendarzt wenden. Ein Besuch ist in jedem Fall ratsam, wenn das Kind beim Essen übermäßig wählerisch ist, feste Nahrung verweigert, eine ausgeprägte Unlust am Essen hat oder nie Hunger erkennen lässt, nur bei extremer Ablenkung isst oder sich ständig übergibt.

Alle Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben zur Ernährung und Bewegung von Kleinkindern finden Sie hier: www.gesund-ins-leben.de

Über Gesund ins Leben: Gesund ins Leben ist ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden, die sich mit jungen Familien befassen. Das Ziel ist, Eltern einheitliche Botschaften zur Ernährung und Bewegung zu vermitteln, damit sie und ihre Kinder gesund leben und aufwachsen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Gesund ins Leben als Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM. www.gesund-ins-leben.de

Über IN FORM: IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. www.in-form.de

[1] Dovey TM, Staples PA, Gibson EL, Halford JC (2008) Food neophobia and ‚picky/fussy‘ eating in children: a review. Appetite 50:181–193

[2] Birch LL, Anzman-Frasca S (2011) Promoting children’s healthy eating in obesogenic environments: lessons learned from the rat. Physiol Behav 104:641–645

[3] Nicklaus S (2009) Development of food variety in children. Appetite 52:253–255

Autor: Netzwerk Gesund ins Leben, aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz e.V. / 9monate.de
Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Babyernährung"
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