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Pre-Nahrung für die ersten Lebensmonate

Ersatznahrung für Säuglinge

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 06. März 2019

Pre-Nahrung ist eine Ersatznahrung für Säuglinge. Sie wird häufig auch Säuglingsmilch genannt und kommt zum Einsatz, wenn das Stillen nicht klappt beziehungsweise die Ernährung des Babys mit Muttermilch nicht möglich ist. Die Zusammensetzung dieser sogenannten Anfangsmilch ähnelt der der Muttermilch.

Ersatznahrung für Säuglinge
Die Zusammensetzung der Pre-Nahrung hat sich im Laufe der Jahre verbessert und der Muttermilch immer stärker angenähert.
© iStock.com/Nathan Jones

Grundsätzlich unterschieden werden Pre-Nahrung, 1-er-Nahrung, Folgenahrung oder Folgemilch und hypoallergene Milch. Sie unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung beziehungsweise sind für verschiedene Altersstufen geeignet. In Deutschland wird Pre-Nahrung und Säuglingsmilch nach engen Richtlinien hergestellt, die Hersteller unterliegen dabei strengen Kontrollen.

In diesem Artikel lesen Sie:

Baby-Ernährung: Die besten Ernährungstipps für die Kleinsten

Pre-Nahrung: Der Klassiker

Pre-Nahrung ist der "klassische" Muttermilchersatz: Sie ist in ihrer Zusammensetzung an die Muttermilch angepasst, dieser daher am ähnlichsten und enthält keine Zusatzstoffe – bis auf Laktose. Der natürliche Milchzucker ist auch in Muttermilch enthalten und der einzige für Pre-Nahrung erlaubte Zusatzstoff.

Hergestellt wird Pre-Nahrung auf der Basis von Kuhmilchproteinen (Molkeeiweiß und Casein). Sie enthält außerdem – genau wie Muttermilch – gesättigte und ungesättigte Fettsäuren, die essentiell für die Entwicklung des Babys sind. Fertigmilchnahrung mit dem Beinamen Pre darf nach Bedarf gefüttert werden. Empfehlenswert ist es, die Pre-Nahrung auf mindestens fünf Flaschen täglich aufzuteilen, da gerade Säuglinge anfangs nicht soviel auf einmal verdauen können.

Wie lange darf Pre-Nahrung gefüttert werden?

Die Pre-Nahrung eignet sich zur Fütterung ab der Geburt bis grundsätzlich zum Ende der Flaschenzeit – zunächst allein, später mit Beikost. Viele Eltern geben Pre-Milch in den ersten zwölf Lebensmonaten. In den ersten sechs Lebensmonaten gilt Pre-Milch als "Alleinnahrung".

Wenn Ihr Baby irgendwann nicht mehr genügend gesättigt wird, können Sie mit der Beikost beginnen und deren Anteil nach und nach erhöhen. Wie bei voll gestillten Babys ist das oft nach dem ersten Lebenshalbjahr der Fall. Pre-Nahrung und Beikost werden dann parallel gefüttert.

1-er-Nahrung enthält weitere Kohlenhydrate

Ersatznahrung mit dem Zusatz "1" entspricht in ihrer Zusammensetzung im Wesentlichen der Pre-Nahrung. Zusätzlich sind ihr aber noch Stärke sowie weitere Zucker und gelegentlich Mineralstoffe beigemischt, wodurch sie sämiger und sättigender wird. 1-er-Nahrung wird auch teiladaptierte Säuglingsmilch genannt. Auch sie kann bis zum sechsten Lebensmonat als Alleinnahrung für Säuglinge eingesetzt werden.

1-er-Nahrung ist sättigender als Pre-Nahrung und wird deshalb häufig für überdurchschnittlich hungrigen Babys empfohlen. Generell ist es aber nicht unbedingt notwendig, sie zu füttern – Pre-Nahrung reicht als Ersatznahrung für Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten völlig aus. Wie Pre-Nahrung kann auch die 1-er-Nahrung im gesamten ersten Lebensjahr gegeben werden. Anfangs als alleinige Nahrung, später zusammen mit Beikost.

Folgenahrung oder Folgemilch (2-er-Nahrung)

Folgenahrung enthält mehr Kohlenhydrate als Pre- oder 1-er-Nahrung. Sie sollte deshalb frühestens ab dem sechsten Lebensmonat gefüttert werden, denn die Getreide-Bestandteile wie Hafer oder Gerste können bei Säuglingen Darmstörungen auslösen. Zusätzlich zur Folgenahrung wird die Gabe von Beikost empfohlen.

Grundsätzlich ist es nicht notwendig, Babys mit Folgenahrung zu füttern. Durch den Zusatz an Getreide sättigt sie jedoch stärker - sie eignet sich deshalb für Babys, die sehr viel Hunger haben und mehr als einen Liter Pre- oder 1-er-Nahrung täglich trinken. Zudem hat sie einen höheren Eisengehalt, was vor allem für Babys im zweiten Lebenshalbjahr günstig ist, da sie einen Eisenbedarf von 8 mg pro Tag haben.

Hypoallergene Milch (H.A.-Nahrung)

Hypoallergene Milchnahrung (H.A.-Nahrung) ist eine Ersatznahrung, die speziell für zu Allergien neigende Säuglinge hergestellt wird. Eine erhöhte Neigung zu Allergien liegt vor, wenn ein oder beide Elternteile oder ein Geschwisterchen Allergien haben. Bei der H.A.-Nahrung wurden die Eiweißmoleküle der Milch verändert, sodass sie besser vertragen wird.

H.A.-Nahrung mit dem Zusatz "1" entspricht der Pre-Nahrung, sie eignet sich also als alleiniger Muttermilchersatz in den ersten sechs Lebensmonaten. Der Zusatz "2" entspricht der Folgenahrung.

Vegane Säuglingsmilch und laktosefreie Pre-Nahrung

Als veganer Muttermilchersatz wird Säuglingsnahrung ohne Laktose angeboten, die auf Basis von Sojaprotein hergestellt wird. Da Soja eine ähnliche Wirkung wie das Hormon Östrogen hat (Phytoöstrogen), darf vegane Säuglingsmilch auf Sojabasis ausschließlich nach Rücksprache mit dem Arzt und bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit verwendet werden, zum Beispiel bei der Stoffwechselstörung Galaktosämie.

Säuglingsnahrung mit Probiotika

Aktuell sprechen wir vermehrt über die Auswirkungen von "guten" Bakterien in der Ernährung auf die Darmgesundheit. Vor diesem Hintergrund bringen einige Hersteller nun auch Säuglingsnahrung mit probiotischen Kulturen heraus. Sie enthalten in der Regel lebensfähige Milchsäurebakterien wie Lactobacillus und/oder Bifidobakterien. Bislang liegen lediglich Studien mit unterschiedlichen Aussagen über die Wirksamkeit von zugesetzten Probiotika vor. Aktuell konnte eine positive Wirkung noch nicht eindeutig belegt werden.

Zubereitung von Ersatznahrung für Säuglinge

Muttermilchersatznahrung gibt es meist in Form von Pulver, das mit Wasser angerührt und anschließend leicht erwärmt wird. Beim Wasser sollte darauf geachtet werden, dass bestimmte Höchstgrenzen für Inhaltsstoffe nicht überschritten werden. Diese lauten wie folgt:

  • Natrium: 20 mg pro Liter
  • Nitrat: 10 mg pro Liter
  • Nitrit: 0,02 mg pro Liter
  • Flourid: 1,5 mg pro Liter
  • Sulfat: 240 mg pro Liter
  • Mangan: 0,2 mg pro Liter

Das Fläschchen kann unter Berücksichtigung der Grenzwerte mit gekauftem Mineralwasser oder Wasser aus der Leitung angerührt werden. Dafür den Wasserhahn zunächst aufdrehen und das Wasser laufen lassen, bis es kalt ist. Leitungswasser aus Bleirohren darf nicht zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden, da es Rückstände von schädlichen Metallen enthalten kann. Diese lassen sich nicht durch Kochen entfernen. Wenn Sie sichergehen möchten, dass Ihr Leitungswasser frei von Schwermetallrückständen wie Blei und Kupfer oder von bakteriellen Verunreinigungen ist, können Sie dies per kostenpflichtiger Trinkwasseranalyse feststellen lassen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann das Leitungswasser vor der Zubereitung zunächst abkochen (zehn Minuten sind empfehlenswert) und im Anschluss abkühlen lassen. Das Wasser sollte bei der Zubereitung maximal 40 Grad Celsius warm sein, um Verbrühungen zu vermeiden.

Ersatznahrung sollte nicht mit Tiermilch angerührt werden, da diese viel mehr Eiweiß und Mineralstoffe enthält als Muttermilch. Für den kindlichen Organismus ist das zu viel und die Stoffe müssen über den Urin wieder ausgeschieden werden, sodass zu viel Wasser verloren wird. Frühestens nach Vollendung des ersten Lebensjahres sollten Babys (verdünnte) Kuhmilch erhalten. Davor, ab etwa dem sechsten Lebensmonat, kann ein wenig Kuhmilch im Getreidebrei gegeben werden.

Darauf sollten Sie beim Füttern von Pre-Nahrung und Co. achten

Manche Babys neigen dazu, nach dem Trinken sehr häufig zu spucken. Das könnte an zu hastigem Trinken liegen. Möglicherweise schafft hier ein Sauger mit einem kleineren Saugloch Abhilfe. Zudem ist es ratsam, dem Kind ausreichend Pausen beim Füttern zu gewähren. Mit der Pre-Nahrung kann ein Kind nicht überfüttert werden – im Gegensatz zu den stärke- und kohlenhydrathaltigeren 1-er- und 2-er-Nahrungen.

Die ideale Trinktemperatur sollte maximal 37 Grad Celsius betragen und lediglich warm, nicht heiß, sein. Testen Sie die Temperatur der Milch am besten, indem Sie sich etwas davon direkt aus der Flasche auf die Innenseite Ihres Handgelenks träufeln.

Bewahren Sie Reste im Fläschchen nicht auf, sondern entsorgen Sie diese. Ersatznahrung sollte immer frisch zubereitet werden und nicht zu lange in der Flasche stehen.

Babyfläschchen: Die richtige Reinigung

Das Trinkfläschen des Babys sollte nach jeder Nutzung gründlich gereinigt werden. Ideal ist zuerst eine Reinigung unter fließendem Wasser im Spülbecken und die anschließende Sterilisation. Neben der "klassischen" Desinfektion im Kochtopf gibt es heute auch Sterilisationsautomaten, die mit Dampf oder Mikrowellen desinfizieren. Alle Arten funktionieren – richtig angewendet – gleich gut.

Im Kochtopf werden Fläschchen, Sauger und Nuckel in kochendem Wasser etwa fünf bis zehn Minuten gereinigt, anschließend kühlen die Teile im Wasser ab. In den Sterilisationsautomaten stellt man die Teile entsprechend ein und geht nach der Gebrauchsanweisung vor. Wichtig: Die Teile des Babyfläschchens sollten vor allem in den ersten sechs Lebensmonaten täglich sterilisiert werden, bevor sie zum Einsatz kommen. So Unterstützen Sie das noch nicht ausgereifte Immunsystem Ihres Babys und schützen es vor Magen-Darm-Erkrankungen.

Pre-Nahrung im Test: Stiftung Warentest untersuchte 15 Babymilch-Produkte

Schon 2016 untersuchte die Stiftung Warentest elf normale Pre-Nahrungen und vier hypoallergene Anfangsnahrungen (H.A.-Nahrung) auf ihre Zusammensetzungen. Alle gesetzlich vorgeschriebenen und auf der Packung angegebenen Nähr- und Inhaltsstoffe waren in den den getesteten Produkten enthalten, Keime wurden in keiner der Proben gefunden. Lediglich in Bezug auf enthaltene Schadstoffe unterschieden sich die Säuglingsnahrungen:

Acht Produkte erhielten die Note "gut", davon war eines der günstigsten Produkte sogar Testsieger. Ein Produkt enthielt eine bedenkliche Menge Glycidyl-Ester, ein Stoff, der aller Wahrscheinlichkeit nach im Verdauungsprozess zum krebserregenden Glycidol umgebaut werden kann. Zwar sind keine gesetzlichen Höchstmengen für Glycidyl-Ester vorgeschrieben, es gibt aber auch keinen Grund für eine so hohe Menge in Pre-Nahrung. Deshalb fiel das Produkt mit der Note "mangelhaft" durch.

Wichtig zu wissen: Ab 2020 muss in allen Säuglingsersatznahrungen die für die Entwicklung von Gehirn und Sehfähigkeit essentielle Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) enthalten sein. Bereits im Test von 2016 wies Stiftung Warentest DHA in einigen Produkten nach.

Schadstoffe in 1-er-Nahrung: Test 2018 von Öko-Test

Bereits zum zweiten Mal testete Öko-Test 2018 verschiedene 1-er-Fertigmilchnahrungen. Auch im aktuellen Test zeigte sich leider, dass Öko-Test keine 1-er-Nahrung völlig uneingeschränkt empfiehlt. Nur zwei der 17 getesteten Fertigmilchnahrungen enthielten nicht den Fettschadstoff 3-MCPD-Fettsäureester, einen Schadstoff, der bei der Raffinierung (Reinigung) von Ölen und Fetten entsteht. Fettsäureester stehen in Verdacht, zur Entstehung von Krebs beizutragen. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) erklärte in einer Stellungnahme, dass die Säuglinge durch die mit der Säuglingsnahrung aufgenommenen Fettsäureester "keine gesundheitlichen Schädigungen erfahren hätten".

Alle Fertigmilchnahrungen enthielten außerdem die Mineralölbestandteile MOSH und POSH. Diese Stoffe können im Körper gespeichert werden. In Tierversuchen führten sie zu Schäden an Leber und Lymphknoten. Den vollständigen Test können Sie hier online abrufen (kostenpflichtig).

Fünf Tipps zur Einführung von Beikost
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 06. März 2019
Quellen
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