Zytomegalie
Zytomegalie, auch
Einschlusskörperchenkrankheit genannt, wird vom
Zytomegalievirus, einem Virus der Herpes-Gruppe (CMV),
hervorgerufen.
Zytomegalie ist die häufigste Ursache von
Infektionen in der fetalen Phase (noch vor Röteln und Toxoplasmose).
Vorkommen und Durchseuchung
Zytomegalie
ist eine der weit verbreiteten Viruskrankheiten. Weltweit haben
etwa 40 bis 80% aller Menschen die Erkrankung durchgemacht - in
Entwicklungsländern bis zu 100%.
Ansteckung
Die Ansteckung erfolgt
über Sperma,
Zervixschleim, Speichel und
Muttermilch sowie bei Verabreichung von Blut oder
Blutbestandteilen.
Der Virus wird beim Küssen übertragen, durch
Tröpfchen- oder Schmierinfektion oder beim
Geschlechtsverkehr.
Eine Frau, die an Zytomegalie erkrankt ist, kann die Viren an ihr
ungeborenes oder neugeborenes Kind weitergeben. Dies kann beim Kind
zu erheblichen Problemen führen.
Eine Immunität ist nach einer Erstinfektion nicht vorhanden.
Eine Wiederinfektion der Mutter ist möglich, obwohl eine
Erstinfektion der Schwangeren für das ungeborene Kind
gefährlicher ist als eine Wiederinfektion.
Zahlen
Etwa 2% aller Schwangeren infizieren sich während der
Schwangerschaft zum ersten Mal.
10 bis 20% der Schwangeren, die schon einmal Zytomegalie hatten,
stecken sich erneut an.
Die Schädigungsrate liegt in der 1. Hälfte der
Schwangerschaft bei 50%, später ist sie deutlich
niedriger.
1 bis 3% aller Neugeborenen sind zum Zeitpunkt der Entbindung infiziert.
0,2 bis 0,4% aller Neugeborenen haben Schädigungen.
Von den mehr als 90% aller infizierten Babys, die nach der Geburt
nicht krank sind, wird es bei etwa 10% aufgrund der Zytomegalie im
Laufe ihrer Entwicklung zu Entwicklungs- und/oder
Lernstörungen, Seh- oder/und Hörstörungen
kommen.
Diagnose
Der Bluttest
untersucht zwei verschiedene Antikörper:
- IgG-Antikörper - diese lassen eine Infektion erkennen, die mehr als etwa vier
Wochen zurückliegt.
Eine deutliche Veränderung der Menge dieser Antikörper
(im Vergleich von mindestens zwei Tests) zeigt eine frische
Erkrankung an.
Der IgG bleibt nach einer einmal durchgemachten Infektion
lebenslang positiv.
Die IgG-Antikörper passieren die Plazenta und ein positiver IgG des Neugeborenen
zeigt eine Infektion der Mutter, aber nicht unbedingt des
Neugeborenen an.
- IgM-Antikörper - aus den
IgM-Antikörpern lässt sich eher eine frische Infektion
ableiten, die innerhalb der vergangenen Wochen und Monate
stattgefunden hat. Der IgM wird normalerweise einige Monate nach
der Infektion wieder negativ, obgleich er in Ausnahmen auch noch
länger positiv bleiben kann.
Der IgM des Neugeborenen (bei einer Amniozentese festgestellt) zeigt eine
intrauterine Infektion an, weil der IgM die Plazenta nicht
passieren kann.
Symptome
-
Zytomegalie bei Ungeborenen (intrauterine Infektion)
Bei Infektionen vor der Geburt kommt es eher zu Aborten als zu Fehlbildungen - 10% der vorgeburtlich infizierten Kinder haben folgende Symptome:
- Enzephalitis mit nachfolgenden Verkalkungen im Gehirn,
- Hepatosplenomegalie mit oder ohne Ikterus,
- Thrombocytopenie,
- Seh- oder/und Hörschäden,
- Entwicklungsdefekte des Zentralnervensystems,
- Krampfanfälle,
- Spastik,
- motorische Störungen,
- Chorioretinitis,
- Sprachdefekte.
Echte Missbildungen sind häufig auf das Gehirn beschränkt und können im Ultraschall intrauterin diagnostiziert werden. Ein positiver IgM des Neugeborenen zeigt eine intrauterine Infektion an, weil der IgM die Plazenta nicht passieren kann. -
Zytomegalie bei Neugeborenen, die nach der Geburt infiziert wurden (perinatale Infektion)
Die Zytomegalie-Infektion kann bei der Passage durch den infizierten Geburtskanal, durch Muttermilch oder durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion auf das Neugeborene übertragen werden.
Neugeborene, die nach der Geburt mit dem Zytomegalievirus infiziert wurden, erhalten häufig eine Bluttransfusion mit Anti-HCMV-positivem Spenderblut. Die Infektion kann jedoch auch durch Bluttransfusion übertragen werden. Das kommt in etwa 33% aller Transfusionen vor und ist in 40% tödlich - besonders wenn die Mutter und das Kind keine Antikörper haben und der Blutspender Antikörper-positiv ist. -
Zytomegalie bei Kindern unter 15 Jahren (postnatale Infektion)
Bei Kindern ist die Zytomegalie fast immer ohne Symptome. -
Zytomegalie der Erwachsenen
In über 90% ohne Symptome. Ansonsten sind es die Symptome eines grippalen Infektes wie Fieber, Müdigkeit, Hals- und Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und vergrößerte Leber. -
Zytomegalie der Schwangeren
Bei Erstinfektion oder Wiederansteckung muss die Schwangere nicht unbedingt Symptome haben, aber Symptome eines grippalen Infektes können vorkommen. Eine Erstinfektion der Schwangeren ist für das ungeborene Kind gefährlicher als eine Wiederinfektion. -
Zytomegalie bei Erwachsenen mit geschwächtem Immunsystem
Diese Gruppe von Erwachsenen (nach einer schweren Operation oder Transplantation, HIV-Infektion oder Krebs) zeigt deutliche Krankheitssymptome, Fieber (2 bis 5 Wochen), Kopfschmerzen, Myalgien, Lungenentzündung, leichte bis schwere Hepatitis, hämolytische Anämie, Retinitis, Exantheme, die bis hin zum Tod führen können.
Wie kann man feststellen, ob der Fötus infiziert
ist?
Vor der Entbindung kann manchmal - aber nicht
immer - durch eine Amniozentese
festgestellt werden, ob der Fötus infiziert ist. Falls die
IgM-Antikörper beim Fötus positiv sind, liegt es nahe,
dass der Fötus infiziert wurde. Sind die IgG-Antikörper
positiv, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Antikörper der
Mutter die Plazentaschranke überwunden haben. Darüber
hinaus gibt es typische Zeichen für eine Infektion im
Ultraschall (zum Beispiel Verkalkung des fetalen Gehirns).
Prognose
Die Prognose der Mutter
hängt vom Zustand des Immunsystems ab. Die Prognose des
Fötus hängt davon ab, wann die Mutter während der
Schwangerschaft infiziert wurde. Bei Infektion im Mutterleib sind
Aborte nicht ungewöhnlich. Je früher in der
Schwangerschaft, desto schlimmer sind die fetalen Probleme. Im
günstigsten Fall verläuft die Infektion ohne
Krankheitszeichen, allerdings können die Viren lebenslang im
Körper der Mutter und des Neugeborenen verweilen. In seltenen
Fällen können bei geschwächtem Immunsystem alle
Organe befallen werden, auch bis hin zum tödlichem
Ausgang.
Vorsorge
Zytomegalie ist weder
behandelbar noch mit Sicherheit zu verhüten. Hat eine
schwangere Frau noch keine Zytomegalie durchgemacht, wird geraten,
dass sie während der Schwangerschaft den Kontakt zu
Kindergruppen (Kindergarten) meidet, weil dort das Virus sehr
häufig zu finden ist.
Einige Ärzte empfehlen schon vor oder spätestens zu
Beginn der Schwangerschaft eine routinemäßige
Blutuntersuchung, damit schon früh bekannt ist, ob die
Schwangere die Infektion schon einmal gehabt hat. Dann weiß
man bei einer Ansteckung gegebenenfalls, ob es sich um eine
Erstinfektion oder um eine Wiederansteckung handelt.
Impfung
Schutzimpfungen: Lebendimpfung im Versuchsstadium; Totimpfung nicht
erprobt.
Autor: Qualimedic.com AG
Letzte Änderung am: 07.04.2008
