Kaiserschnitt
Die Zahl der Kaiserschnittgeburten in Deutschland hat stark zugenommen in den letzten Jahren
(Foto: Bananastock)
Kaiserschnitt (Sectio caesarea, Schnittgeburt) bezeichnet eine Operation, bei der ein Kind entbunden wird. Bei dieser Geburt wird das Kind nach einem Schnitt durch den Bauch aus der Gebärmutter der Mutter herausgehoben. Der natürliche Geburtskanal wird bei dieser Art der Geburt künstlich umgangen. Innerhalb der vergangenen Jahre ist die Zahl der Schnittgeburten in Deutschland stark angestiegen. Während vor etwa 15 Jahren noch jedes sechste Kind per Kaiserschnitt zur Welt kam, ist es heute ungefähr ein Drittel aller Kinder.
Der Begriff Kaiserschnitt wird auf Julius Cäsar zurückgeführt, der angeblich mittels Kaiserschnitt ins Leben geholt wurde. Heute wird das Wort eher mit dem lateinischen Begriff für schneiden (caedere) in Zusammenhang gebracht.
Vorbereitung und Ablauf eines Kaiserschnitts
Kaiserschnitt nach Misgav-Ladach
Was passiert nach dem Kaiserschnitt?
Wann wird ein Kaiserschnitt durchgeführt?
Komplikationen und Risiken eines Kaiserschnitts
Gibt es Alternativen zum Kaiserschnitt?
Vorbereitung und Ablauf eines Kaiserschnitts
Vor einem Kaiserschnitt wird die schwangere Frau im Schambereich rasiert. Sie kann die Rasur auch selbst vornehmen. Dann wird ein Blasenkatheter gelegt. Dieser bleibt bis zum nächsten Tag bestehen. Die Frau entkleidet sich und wird mit Tüchern zugedeckt.
Die Durchführung eines Kaiserschnitts nimmt etwa eine Stunde in Anspruch. Drei verschiedene Arten der Narkose können angewendet werden. Bei der Vollnarkose wird die Frau in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt und bekommt von der Operation nichts mit. Bei der Spinalanästhesie und der Periduralanästhesie (PDA) handelt es sich um örtliche Betäubungen, bei der die Frau zwar bei Bewusstsein ist, aber die Schmerzen der Operation nicht wahrnimmt. Die örtlichen Betäubungen werden häufiger als die Vollnarkose durchgeführt, da hier die Risiken der Narkose wegfallen, die Frau sich schneller wieder fit fühlt und auch ihr Kind gleich stillen und in den Arm nehmen kann.
Sobald die Betäubung wirkt, wird der Bauch unterhalb der Schamhaargrenze geöffnet. Dabei werden mehrere Schichten in horizontaler Richtung aufgeschnitten. Nachdem die Gebärmutter geöffnet wurde, wird das Kind herausgehoben und abgenabelt. Die Eltern können es gleich darauf sehen und auf den Arm nehmen.
Wie bei einer normalen vaginalen Geburt zieht sich auch bei einem Kaiserschnitt die Gebärmutter zusammen, kurz nachdem das Baby herausgenommen wurde. Die abgelöste Plazenta wird herausgenommen. Dann werden die einzelnen Bauchschichten wieder sorgfältig verschlossen.
Kaiserschnitt nach Misgav-Ladach
Eine sanfte Methode des Kaiserschnitts ist die Misgav-Ladach-Methode. Sie wurde nach dem gleichnamigen Krankenhaus in Israel benannt. Die Ärzte schneiden hierbei die Bauchdecke nicht komplett auf, sondern reißen und dehnen sie an manchen Stellen. Nachdem das Kind aus der Gebärmutter genommen wurde, werden nur bestimmte Gewebsschichten vernäht. Für andere ist es günstiger, wenn sie von allein verheilen. Bei dieser Methode verheilt die Haut schneller. Frauen leiden weniger unter Wundschmerzen, sind rascher wieder auf den Beinen und können normal essen.
Was passiert nach dem Kaiserschnitt?
Die Mutter wird nach dem Kaiserschnitt noch für ungefähr zwei Stunden im Kreißsaal oder Aufwachzimmer überwacht. Dort können sie und der Vater das Kind schon kennenlernen oder es kann gestillt werden. Anschließend verbringt die Mutter noch durchschnittlich acht Tage auf der Wochenbettstation, bevor sie nach Hause gehen kann. Durch die Operation sind die Bewegungsmöglichkeiten der Mutter in den ersten Tagen nach der Entbindung eingeschränkt. Sie erhält Medikamente, die die Heilung unterstützen sollen und sich nicht auf das Stillen auswirken. Die Frau sollte sich nun ausruhen und besonders schonen. Eine Hebamme kann das Verheilen der Operationsnarbe nach dem Klinikaufenthalt beobachten.
Wann wird ein Kaiserschnitt durchgeführt?
Verschiedene Gründe können dafür sprechen, einen Kaiserschnitt durchzuführen. Entweder steht bereits vor der Geburt fest, dass eine normale Entbindung unmöglich oder zu gefährlich ist. Dann wird der Kaiserschnitt vor oder mit Beginn der Wehen durchgeführt (primäre Sectio). Oder es ist eine normale Geburt geplant, die jedoch wegen plötzlich eintretender Komplikationen nicht durchgeführt werden kann (sekundäre Sectio). Daneben entscheiden sich viele Frauen gegen eine normale Geburt und für einen Kaiserschnitt (Kaiserschnitt auf Wunsch, Sectio auf Wunsch), ohne dass hierfür eine medizinische Notwendigkeit besteht.
Für einen geplanten Kaiserschnitt sprechen folgende Gründe:
- Das Becken der Mutter ist zu eng oder die Gebärmutter wurde bereits einmal operiert.
- Die Plazenta liegt teilweise oder sogar ganz vor dem Muttermund (Plazenta praevia)
- Die Mutter ist mit HIV oder einer anderen Infektionskrankheit infiziert und es soll verhindert werden, dass sich das Kind während der Geburt ansteckt.
- Eine andere schwere Erkrankung der Mutter lässt eine normale, vaginale Geburt nicht zu.
- Das Ungeborene ist krank oder befindet sich in einer ungeeigneten Lage für die Geburt.
- Es handelt sich um die Geburt von Mehrlingen.
Nach Einsetzen der Wehen oder bei ursprünglich geplanter vaginaler Geburt können beispielsweise folgende Gründe dafür sprechen, einen ungeplanten Kaiserschnitt durchzuführen:
- Der Kopf des Kindes passt nicht durch das Becken der Mutter.
- Nach einem Blasensprung besteht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion.
- Die Mutter hat Fieber.
- Der Geburtsvorgang dauert sehr lange und erschöpft die Mutter zusehends.
- Die Plazenta löst sich vorzeitig ab.
- Das Kind leidet unter Sauerstoffmangel, beispielsweise, weil sich die Nabelschnur um seinen Hals geschlungen hat.
Daneben entscheiden sich viele Mütter für einen Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit. Gründe hierfür können sein:
- Aus beruflichen oder terminlichen Gründen sollen Ort und Zeit der Entbindung auf Wunsch der Mutter festgelegt werden.
- Angst vor Schmerzen, vor allem wenn eine vorangegangene Geburt psychisch und physisch sehr belastend war oder entsprechende Erfahrungen im Bekanntenkreis gemacht wurden.
- Sorge um sexuelle Beeinträchtigungen oder Angst vor gesundheitlichen Folgeproblemen wie Inkontinenz, Verletzungen am Damm und Schädigungen des Beckenbodens.
Komplikationen und Risiken eines Kaiserschnitts
Lange Zeit wurde ein Kaiserschnitt wegen der hohen Müttersterblichkeit bei dieser Operation abgelehnt. Diese Furcht verliert unter anderem wegen der Fortschritte in der Operationstechnik mehr und mehr an Bedeutung. Heutzutage kommt es nur bei ungefähr einem von 57.000 Kaiserschnitten während oder nach der Operation zum Tod der Mutter. Das Risiko der Müttersterblichkeit sinkt weiter, wenn der Kaiserschnitt geplant wurde und es sich nicht um einen Notfall handelt. Im Vergleich dazu liegt die Müttersterblichkeit bei vaginalen Entbindungen bei einer Geburt von etwa 150.000. Bei einem Kaiserschnitt bestehen immer auch die allgemeinen Risiken einer Operation, wie beispielsweise einer Thrombose oder Embolie. Zudem hat eine Frau nach einem Kaiserschnitt eine Schnittwunde, die Schmerzen verursacht und heilen muss. Bei Kindern, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, können sogenannte Anpassungsprobleme auftreten: Atemprobleme sind häufiger, da der Druck bei der spontanen Geburt das Fruchtwasser aus der Lunge des Kindes presst.
Der Kaiserschnitt gilt als Eingriff mit wenigen Risiken. Es kann jedoch als Folge an der Schnittstelle zu einer als unschön empfundenen Narbe kommen. Außerdem ist nach einem Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch bei einer zukünftigen Geburt mittels Kaiserschnitt entbunden werden muss oder es zu Komplikationen bei der Wundheilung oder mit der Plazenta kommt.
Zu einer psychischen Belastung kann es kommen, wenn der Kaiserschnitt ungeplant durchgeführt werden musste und die Frau enttäuscht darüber ist, dass sie keine normale Geburt erleben konnte.
Gibt es Alternativen zum Kaiserschnitt?
Wenn ein Kaiserschnitt aus medizinischer Notwendigkeit geplant oder nach Einsetzen der Wehen durchgeführt werden muss, stellt er bereits eine Alternative zur normalen vaginalen Geburt dar. In bestimmten Fällen könnte er durch eine weitere Methode der operativen Geburtshilfe wie der Zangengeburt oder Saugglocken-Entbindung ersetzt werden. Alternativ zum Wunschkaiserschnitt kann jedoch natürlich eine vaginale Geburt erfolgen.
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Quellen:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG): Absolute und relative Indikationen zur Sectio caesarea und zur Frage der so genannten Sectio auf Wunsch. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/054 (S1) (Stand: August 2008)
Online-Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand: Juni 2009)
Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: http://www.schwanger-info.de (Stand: Juni 2009)
Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.: Wird die natürliche Geburt zum Auslaufmodell? (16.02.2009)
Autor: Jessica Schmid
Letzte Änderung am: 23.07.2009
