Stillen und Medikamente
Medikamente und Stillen schließt sich nicht automatisch aus. Allerdings sollte sich eine Frau, die stillt, genau über das entsprechende Medikament informieren und Rücksprache mit dem Arzt halten. Während der Stillzeit können Wirkstoffe in Medikamenten in die Muttermilch gelangen und vom Kind aufgenommen werden. So wie Bestandteile der Nahrung in die Muttermilch übergehen, werden auch pflanzliche oder künstliche Wirkstoffe über die Muttermilch in den kindlichen Organismus transportiert.
Stillende sollten bei leichteren Beschwerden möglichst auf Medikamente verzichten. Kopf- oder Rückenschmerzen beispielsweise können zunächst mit alternativen Methoden behandelt werden. So können bei Kopfschmerzen kühle Umschläge oder Massagen der Nackenmuskulatur helfen. Bei Rückenschmerzen können warme Bäder, ein Heizkissen oder Bewegungsübungen die Beschwerden lindern. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, also mindestens zwei Liter pro Tag, sollten Stillende ebenfalls achten.
Wenn Medikamente eingenommen werden müssen, sollten diese generell nicht miteinander kombiniert werden. Durch die Kombination mehrerer Wirkstoffe können unbekannte Wechselwirkungen ausgelöst werden.
Antibiotika und Stillen
Wenn es im Falle einer Infektionskrankheit nötig ist, Medikamente wie Antibiotika zu nehmen, sollte der behandelnde Arzt auf das Stillen hingewiesen und zu möglichen Risiken befragt werden. Das Alter des Kindes und die Frage ob die Frau voll stillt oder schon zufüttert, sind ebenfalls entscheidend für die Wahl des Medikaments.
Wirkstoffe für Stillende werden in drei Gruppen eingeteilt:
- Mittel der Wahl
- Reservemittel
- Medikament meiden
Mittel der Wahl sind solche, die während dem Stillen eingenommen werden können, da sie beim Kind nur sehr selten und nur ungefährliche Symptome auslösen. Reservemittel können nach längerer Einnahme leichte Nebenwirkungen beim gestillten Kind verursachen. Die Bezeichnung umfasst ebenfalls Wirkstoffe, deren Wirkung nur wenig erforscht ist. Die dritte Kategorie umfasst Medikamente, welche starke Symptome beim Kind auslösen können. Sie enthalten ebenfalls Wirkstoffe, für die nachgewiesen wurde, dass sie zu einem hohen Prozentsatz in die Muttermilch übergehen.
Die Tabelle gibt einen exemplarischen Überblick über häufige Erkrankungen und entsprechende Wirkstoffe, welche in der Stillzeit eingenommen werden können:
| Symptom/Erkrankung | Mittel der Wahl | mgl. Nebenwirkungen/ Hinweis |
Reservemittel |
|---|---|---|---|
| Allergien | Dimetinden, Loratadin, Cetirizin |
Unruhe beim Kind | |
| Asthma | Zur Inhalation: Cromoglicinsäure, Fenoterol, Salbutamol, Reproterol, Terbutalin, Salmeterol, Ipratropiumbromid |
Bei häufiger Anwendung kann es beim gestillten Kind zu Unruhe kommen. Eventuell sollte dann ein anderer Wirkstoff angewendet werden. | |
| Bakterielle Infektionen | Penicillin, Erythromeycin |
Verdauungsstörungen, weicher Stuhl |
|
| Bluthochdruck | Metoprolol, Methyldopa, Dihydralazin, Nitrendipin, Nifedipin |
Captopril, Enalapril |
|
| Husten | Nur in Einzeldosen, nicht über längeren Zeitraum: Codein, Dextromethorphan |
Anwendung nur dann, wenn Behandlung durch viel trinken, Inhalieren, frische Luft nicht anschlägt. Pflanzliche Mittel zur Beruhigung des Halses sind ebenfalls eine Alternative zum Medikament | |
| durch Pilze verursachte Erkrankungen | Bei äußerlicher Anwendung keine Einschränkung. | ||
| Schmerzen | Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicinsäure, Dihydroergotamin |
Tramaldol, Indometacin, Diclofenac |
|
| Virusinfektionen | Aciclovir | Bei äußerlicher Anwendung (z.B. Herpes) keine Einschränkung. Mgl. Komplikationen bei systemischer Gabe (z.B. Tabletten) |
|
Bei anderen Erkrankungen oder Beschwerden kommen weitere Wirkstoffe in Frage. In jedem Fall sollten stillende Frauen nicht eigenmächtig zu Medikamenten greifen, sondern die Einnahme stets mit dem Frauen- oder Kinderarzt besprechen.
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Quellen:
Lothrop, H., Weigert, V.: Das Stillbuch. Kösel, München 2008
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Autor: Sarah Liebigt
Letzte Änderung am: 26.05.2009
