Kaiserschnitt
Kaiserschnitt (Sectio caesarea, Schnittgeburt) bezeichnet einegeburt per Operation. Dabei wird das Kind nach einem Schnitt durch den Bauch aus der Gebärmutter der Mutter herausgehoben.
Der natürliche Geburtskanal wird bei einem Kaiserschnitt künstlich umgangen. Innerhalb der vergangenen Jahre ist die Zahl der Schnittgeburten in Deutschland stark angestiegen. Während vor etwa 15 Jahren noch jedes sechste Kind per Kaiserschnitt zur Welt kam, ist es heute ungefähr ein Drittel aller Kinder. Der Begriff Kaiserschnitt wird auf Julius Cäsar zurückgeführt, der angeblich mittels Kaiserschnitt ins Leben geholt wurde. Heute wird das Wort eher mit dem lateinischen Begriff für schneiden (caedere) in Zusammenhang gebracht.
Vorbereitung und Ablauf eines Kaiserschnitts
Vor einem Kaiserschnitt wird die Schwangere im Schambereich rasiert. Dann wird ein Blasenkatheter gelegt. Dieser bleibt bis zum nächsten Tag bestehen. Die Frau entkleidet sich und wird mit Tüchern zugedeckt.
Die Durchführung eines Kaiserschnitts nimmt etwa eine Stunde in Anspruch. Drei verschiedene Arten der Narkose können angewendet werden. Bei der Vollnarkose wird die Frau in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt und bekommt von der Operation nichts mit. Bei der Spinalanästhesie und der Periduralanästhesie (PDA) handelt es sich um örtliche Betäubungen, bei der die Frau zwar bei Bewusstsein ist, aber keine Schmerzen wahrnimmt.
Sobald die Betäubung wirkt, wird der Bauch unterhalb der Schamhaargrenze geöffnet. Dabei werden mehrere Schichten in horizontaler Richtung aufgeschnitten. Nachdem die Gebärmutter geöffnet wurde, wird das Kind beim Kaiserschnitt herausgehoben und abgenabelt. Wie bei einer vaginalen Geburt zieht sich auch bei einem Kaiserschnitt die Gebärmutter zusammen, kurz nachdem das Baby herausgenommen wurde. Die abgelöste Plazenta wird entfernt. Dann werden die Bauchschichten wieder sorgfältig verschlossen.
Kaiserschnitt nach Misgav-Ladach
Eine sanfte Methode des Kaiserschnitts ist die Misgav-Ladach-Methode. Sie wurde nach dem gleichnamigen Krankenhaus in Israel benannt. Die Ärzte schneiden hierbei die Bauchdecke nicht komplett auf, sondern reißen und dehnen sie an manchen Stellen. Nachdem das Kind aus der Gebärmutter genommen wurde, werden nur bestimmte Gewebsschichten vernäht. Für andere ist es günstiger, wenn sie von allein verheilen. Bei dieser Methode verheilt die Haut schneller. Frauen leiden weniger unter Wundschmerzen, sind rascher wieder auf den Beinen und können normal essen.
Was passiert nach dem Kaiserschnitt?
Die Mutter wird nach dem Kaiserschnitt noch für ungefähr zwei Stunden im Kreißsaal oder Aufwachzimmer überwacht. Dort können sie und der Vater das Kind schon kennenlernen oder es kann gestillt werden. Anschließend verbringt die Mutter noch durchschnittlich acht Tage auf der Wochenbettstation, bevor sie nach Hause gehen kann. Durch den Kaiserschnitt ist die Mutter in den ersten Tagen nach der Entbindung meist eingeschränkt. Sie erhält Medikamente, die die Heilung der Wunde unterstützen sollen und sich nicht auf das Stillen auswirken. Die Frau sollte sich ausruhen und schonen. Eine Hebamme kann das Verheilen der Kaiserschnittnarbe nach dem Klinikaufenthalt beobachten.
Wann wird ein Kaiserschnitt durchgeführt?
Verschiedene Gründe können dafür sprechen, einen Kaiserschnitt durchzuführen. Entweder steht bereits vor der Geburt fest, dass eine normale Entbindung unmöglich oder zu gefährlich ist. Dann wird der Kaiserschnitt vor oder mit Beginn der Wehen durchgeführt (primäre Sectio). Oder es ist eine normale Geburt geplant, die jedoch wegen plötzlich eintretender Komplikationen nicht durchgeführt werden kann (sekundärer Kaiserschnitt). Daneben entscheiden sich heute immer mehr Frauen gegen eine normale Geburt und für einen Kaiserschnitt (Wunschkaiserschnitt), ohne dass hierfür eine medizinische Notwendigkeit besteht.
Für einen geplanten Kaiserschnitt sprechen folgende Gründe:
- Das Becken der Mutter ist zu eng oder die Gebärmutter wurde bereits einmal operiert.
- Die Plazenta liegt teilweise oder sogar ganz vor dem Muttermund (Plazenta praevia)
- Die Mutter leidet an einer Infektionskrankheit und es soll verhindert werden, dass sich das Kind während der Geburt ansteckt.
- Eine andere schwere Erkrankung der Mutter lässt eine normale, vaginale Geburt nicht zu.
- Das Ungeborene ist krank oder befindet sich in einer ungeeigneten Lage für die Geburt.
- Es handelt sich um die Geburt von Mehrlingen.
Nach Einsetzen der Wehen können folgende Gründe dafür sprechen, einen ungeplanten Kaiserschnitt durchzuführen:
- Der Kopf des Kindes passt nicht durch das Becken der Mutter.
- Nach einem Blasensprung besteht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion.
- Die Mutter hat Fieber.
- Der Geburtsvorgang dauert sehr lange und erschöpft die Mutter zusehends.
- Die Plazenta löst sich vorzeitig ab.
- Das Kind leidet unter Sauerstoffmangel, beispielsweise, weil sich die Nabelschnur um seinen Hals geschlungen hat.
Daneben entscheiden sich viele Mütter für einen Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit. Gründe hierfür können sein:
- Aus beruflichen oder terminlichen Gründen sollen Ort und Zeit der Entbindung festgelegt werden.
- Angst vor Schmerzen, vor allem wenn eine vorangegangene Geburt psychisch und physisch sehr belastend war.
- Sorge um sexuelle Beeinträchtigungen oder Angst vor gesundheitlichen Folgeproblemen wie Inkontinenz, Verletzungen am Damm und Schädigungen des Beckenbodens.
Komplikationen und Risiken beim Kaiserschnitt
Heutzutage kommt es nur bei ungefähr einem von 57.000 Kaiserschnitten während oder nach der Operation zum Tod der Mutter. Das Risiko der Müttersterblichkeit sinkt weiter, wenn der Kaiserschnitt geplant wurde und es sich nicht um einen Notfall handelt. Im Vergleich dazu liegt die Müttersterblichkeit bei vaginalen Entbindungen bei einer Geburt von etwa 150.000. Bei einem Kaiserschnitt bestehen immer auch die allgemeinen Risiken einer Operation, wie beispielsweise einer Thrombose oder Embolie. Zudem hat eine Frau nach einem Kaiserschnitt eine Schnittwunde, die Schmerzen verursacht und heilen muss. Bei Kindern, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, können sogenannte Anpassungsprobleme auftreten: Atemprobleme sind häufiger, da der Druck bei der spontanen Geburt das Fruchtwasser aus der Lunge des Kindes presst.
Der Kaiserschnitt gilt als Eingriff mit wenigen Risiken. Es kann jedoch als Folge an der Schnittstelle zu einer als unschön empfundenen Narbe kommen. Außerdem ist nach einem Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch bei einer zukünftigen Geburt mittels Kaiserschnitt entbunden werden muss oder es zu Komplikationen bei der Wundheilung oder mit der Plazenta kommt.
Zu einer psychischen Belastung kann es kommen, wenn der Kaiserschnitt ungeplant durchgeführt werden musste und die Frau enttäuscht darüber ist, dass sie keine normale Geburt erleben konnte.
Gibt es Alternativen zum Kaiserschnitt?
Wenn ein Kaiserschnitt aus medizinischer Notwendigkeit geplant oder nach Einsetzen der Wehen durchgeführt werden muss, stellt er bereits eine Alternative zur normalen vaginalen Geburt dar. In bestimmten Fällen könnte er durch eine weitere Methode der operativen Geburtshilfe wie der Zangengeburt oder Saugglocken-Entbindung ersetzt werden. Alternativ zum Wunschkaiserschnitt kann jedoch eine vaginale Geburt erfolgen.

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