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Montag, 25. Juli 2016
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Zytomegalie

Zytomegalie
Zytomegalie wird unter anderem beim Geschlechtsverkehr übertragen
Getty Images/iStockphoto

Die Zytomegalie, auch Einschlusskörperchenkrankheit genannt, wird vom Zytomegalievirus, einem Virus der Herpes-Gruppe (CMV), hervorgerufen.

Zytomegalie (auch Cytomegalie, CMV)  ist die häufigste Ursache von Infektionen in der fetalen Phase (noch vor Röteln und Toxoplasmose). Zytomegalie ist eine der weit verbreiteten Viruskrankheiten.  Weltweit haben etwa 40 bis 80 Prozent aller Menschen die Erkrankung durchgemacht - in Entwicklungsländern sind es sogar bis zu 100 Prozent.

Ansteckung der Zytomegalie

Die Ansteckung erfolgt über Sperma, Zervixschleim, Speichel und Muttermilch sowie bei Verabreichung von Blut oder Blutbestandteilen. Der Virus wird beim Küssen übertragen, durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion oder beim Geschlechtsverkehr. Eine Frau, die an einer Zytomegalieinfektion leidet, kann die Viren an ihr ungeborenes oder neugeborenes Kind weitergeben. Dies kann beim Kind zu erheblichen Problemen führen. Eine Immunität ist nach einer Erstinfektion nicht vorhanden. Eine Wiederinfektion der Mutter ist möglich, obwohl eine Erstinfektion der Schwangeren für das ungeborene Kind gefährlicher ist als eine Wiederinfektion.

Zahlen zu Zytomegalie

  • Etwa zwei Prozent aller Schwangeren infizieren sich während der Schwangerschaft zum ersten Mal.
  • Zehn bis 20 Prozent der Schwangeren, die schon einmal Zytomegalie hatten, stecken sich erneut an.
     
  • Die Schädigungsrate liegt in der 1. Hälfte der Schwangerschaft bei 50 Prozent, später ist sie deutlich niedriger.
  • Ein bis drei Prozent aller Neugeborenen sind zum Zeitpunkt der Entbindung infiziert.
  • 0,2 bis 0,4 Prozent aller Neugeborenen haben Schädigungen.
  • Von den mehr als 90 Prozent aller infizierten Babys, die nach der Geburt nicht krank sind, wird es bei etwa zehn Prozent aufgrund der Zytomegalie im Laufe ihrer Entwicklung zu Entwicklungs- und/oder Lernstörungen, Seh- oder/und Hörstörungen kommen.

Diagnose der Zytomegalie

DerTest auf Zytomegalie untersucht zwei verschiedene Antikörper im Blut:
- IgG-Antikörper - diese lassen eine Infektion erkennen, die mehr als etwa vier Wochen zurückliegt.
Eine deutliche Veränderung der Menge dieser Antikörper (im Vergleich von mindestens zwei Tests) zeigt eine frische Erkrankung an.
Der IgG bleibt nach einer einmal durchgemachten Infektion lebenslang positiv.
Die IgG-Antikörper passieren die Plazenta und ein positiver IgG des Neugeborenen zeigt eine Infektion der Mutter, aber nicht unbedingt des Neugeborenen an.
- IgM-Antikörper - aus den IgM-Antikörpern lässt sich eher eine frische Infektion ableiten, die innerhalb der vergangenen Wochen und Monate stattgefunden hat. Der IgM wird normalerweise einige Monate nach der Infektion wieder negativ, obgleich er in Ausnahmen auch noch länger positiv bleiben kann.
Der IgM des Neugeborenen (bei einer Amniozentese festgestellt) zeigt eine intrauterine Infektion an, weil der IgM die Plazenta nicht passieren kann.

Ist der Test negativ bei einer Schwangeren, sollte er regelmäßig wiederholt werden.

Symptome bei Zytomegalie

  • Zytomegalie bei Ungeborenen (intrauterine Infektion)
    Bei Infektionen vor der Geburt kommt es eher zu Aborten als zu Fehlbildungen - 10% der vorgeburtlich infizierten Kinder haben folgende Symptome:
    - Enzephalitis mit nachfolgenden Verkalkungen im Gehirn,
    - Hepatosplenomegalie mit oder ohne Ikterus,
    - Thrombocytopenie,
    - Seh- oder/und Hörschäden,
    - Entwicklungsdefekte des Zentralnervensystems,
    - Krampfanfälle,
    - Spastik,
    - motorische Störungen,
    - Chorioretinitis,
    - Sprachdefekte.
    Echte Missbildungen sind häufig auf das Gehirn beschränkt und können im Ultraschall intrauterin diagnostiziert werden. Ein positiver IgM des Neugeborenen zeigt eine intrauterine Infektion an, weil der IgM die Plazenta nicht passieren kann.

  • Zytomegalie bei Neugeborenen, die nach der Geburt infiziert wurden (perinatale Infektion)
    Die Zytomegalie-Infektion kann bei der Passage durch den infizierten Geburtskanal, durch Muttermilch oder durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion auf das Neugeborene übertragen werden.
    Neugeborene, die nach der Geburt mit dem Zytomegalievirus infiziert wurden, erhalten häufig eine Bluttransfusion mit Anti-HCMV-positivem Spenderblut. Die Infektion kann jedoch auch durch Bluttransfusion übertragen werden. Das kommt in etwa 33% aller Transfusionen vor und ist in 40% tödlich - besonders wenn die Mutter und das Kind keine Antikörper haben und der Blutspender Antikörper-positiv ist.

  • Zytomegalie bei Kindern unter 15 Jahren (postnatale Infektion)
    Bei Kindern ist die Zytomegalie fast immer ohne Symptome.

  • Zytomegalie der Erwachsenen
    In über 90 % ohne Symptome. Ansonsten sind es die Symptome eines grippalen Infektes wie Fieber, Müdigkeit, Hals- und Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und vergrößerte Leber.

  • Zytomegalie der Schwangeren
    Bei Erstinfektion oder Wiederansteckung muss die Schwangere nicht unbedingt Symptome haben, aber Symptome eines grippalen Infektes können vorkommen. Eine Erstinfektion der Schwangeren ist für das ungeborene Kind gefährlicher als eine Wiederinfektion.

  • Zytomegalie bei Erwachsenen mit geschwächtem Immunsystem
    Diese Gruppe von Erwachsenen (nach einer schweren Operation oder Transplantation, HIV-Infektion oder Krebs) zeigt deutliche Krankheitssymptome, Fieber (2 bis 5 Wochen), Kopfschmerzen, Myalgien, Lungenentzündung, leichte bis schwere Hepatitis, hämolytische Anämie, Retinitis, Exantheme, die bis hin zum Tod führen können.

Wie kann man feststellen, ob der Fötus infiziert ist?

Vor der Entbindung kann manchmal - aber nicht immer - durch eine Amniozentese festgestellt werden, ob der Fötus infiziert ist. Falls die IgM-Antikörper beim Fötus positiv sind, liegt es nahe, dass der Fötus infiziert wurde. Sind die IgG-Antikörper positiv, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Antikörper der Mutter die Plazentaschranke überwunden haben. Darüber hinaus gibt es typische Zeichen für eine Infektion im Ultraschall (zum Beispiel Verkalkung des fetalen Gehirns).

Prognose

Die Prognose der Mutter hängt vom Zustand des Immunsystems ab. Die Prognose des Fötus hängt davon ab, wann die Mutter während der Schwangerschaft infiziert wurde. Bei Infektion im Mutterleib sind Aborte nicht ungewöhnlich. Je früher in der Schwangerschaft, desto schlimmer sind die fetalen Probleme. Im günstigsten Fall verläuft die Infektion ohne Krankheitszeichen, allerdings können die Viren lebenslang im Körper der Mutter und des Neugeborenen verweilen. In seltenen Fällen können bei geschwächtem Immunsystem alle Organe befallen werden, auch bis hin zum tödlichem Ausgang.

Vorsorge vor Zytomegalie

Zytomegalie ist weder behandelbar noch mit Sicherheit zu verhüten. Hat eine schwangere Frau noch keine Zytomegalie durchgemacht, wird geraten, dass sie während der Schwangerschaft den Kontakt zu Kindergruppen (Kindergarten) meidet, weil dort das Virus sehr häufig zu finden ist.
Einige Ärzte empfehlen schon vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft eine routinemäßige Blutuntersuchung, damit schon früh bekannt ist, ob die Schwangere die Infektion schon einmal gehabt hat. Dann weiß man bei einer Ansteckung gegebenenfalls, ob es sich um eine Erstinfektion oder um eine Wiederansteckung handelt.

Vorbeugung gegen Zytomegalie?

Leider gibt es bisher keine Impfung gegen Zyomegalie. Es gelten folgen Vorsichtsmaßnahmens zur Vorbeugung:

  • Desinfizieren von Oberflächen, die mit dem Speichel oder Urin eines Kleinkinds in Berührung gekommen sind
  • Hände gründlich und mit heißem Wasser und Seife waschen, vor allem nach dem Wechslen von Windel, dem Füttern oder Nase putzen eines Kleinkindes
  • Kein gemeinsames Benutzen von Geschirr (vor allem Tassen udn Besteck) oder Handtuch mit einem Kleinkind


http://www.babycenter.de/a21452/cytomegalie-in-der-schwangerschaft#ixzz3TVFP8pMQ

Beschäftigungsverbot bei Zytomegalie

Hat eine Schwangere, die beispielsweise im Kindergarten arbeitet, nicht ausreichende Immunität gegen Zytomegalie, erfolgt ein Beschäftigungsverbot. Voraussetzung ist dafür, dass sie Kontakt mit Kindern unter drei Jahren hat.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Dezember 2015
Quellen: http://www.gew.de/Gesundheitsschutz_bei_schwangeren_Erzieherinnen.html (Stand: März 2015)

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