Samstag, 19. April 2014

Röteln in der Schwangerschaft

Röteln in der Schwangerschaft
Röteln werden über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen (Grafik: LifeART)

Röteln sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung und gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten. Aber auch Erwachsene können sich mit dem Virus, das über eine Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten) übertragen wird, infizieren.

In der Regel kommt es bei Röteln nicht zu Komplikationen. Während einer Schwangerschaft sind Röteln jedoch sehr gefährlich. Die Infektion kann über die Plazenta auf das Ungeborene übertragen werden. Je nach Zeitpunkt der Schwangerschaft kann dies zu einer Fehlgeburt oder schweren körperlichen Missbildungen des Ungeborenen führen.

Wie werden Röteln in der Schwangerschaft verursacht?

Verursacht werden Röteln durch das Röteln-Virus aus der Familie der Togaviren, welches von Mensch zu Mensch über eine Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten) übertragen wird. Das Virus dringt in die Schleimhaut der oberen Atemwege ein und vermehrt sich im Lymphsystem. Vom Zeitpunkt der Infektion bis zu den ersten Krankheitszeichen vergehen zwei bis drei Wochen.

Erkrankt eine Schwangere an Röteln, kann sie das Virus über die Plazenta auf das Ungeborene übertragen (Rötelnembryopathie). Die Rötelnembryopathie ist eine meldepflichtige Erkrankung.

Welche Symptome treten bei Röteln in der Schwangerschaft auf?

Bei einer Röteln-Erkrankungen in der Schwangerschaft treten unspezifische, grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen auf. Eine Röteln-Infektion kann bei Erwachsenen, besonders bei jungen Frauen, Gelenkschmerzen und leichte Gelenkschwellungen verursachen. Zudem kann ein charakteristischer Röteln-Ausschlag, der im Gesicht beginnt und sich über den Körper ausbreitet, auftreten. Nach ein bis drei Tagen verschwindet der Ausschlag in der Regel wieder.

Wie werden Röteln in der Schwangerschaft diagnostiziert?

Zu Beginn einer Röteln-Diagnose führt der Arzt mit der Schwangeren ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden und ihre Krankheitsgeschichte (Anamnese). Der Arzt kann eine Röteln-Infektion häufig aufgrund der Symptome schon vermuten, eine alleinige Diagnose dadurch ist jedoch besonders in der Schwangerschaft nicht ausreichend. Daher untersucht der Arzt das Blut der Schwangeren zusätzlich auf virusspezifische Antikörper.

Um festzustellen, ob die Rötelninfektion der Schwangeren auf das Ungeborene übertragen wurde, wird zudem eine pränatale Diagnostik – das heißt eine vorgeburtliche Untersuchung – durchgeführt. Der Nachweis des Röteln-Virus erfolgt über eine Gewebeprobe (Biopsie) der Fruchthülle oder über eine Fruchtwasser-Untersuchung mittels Amniozentese. Ab der 22. Schwangerschaftswoche wird zusätzlich das Blut des Ungeborenen untersucht. Es ist wichtig, dass die pränatale Diagnostik von einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt durchgeführt wird.

Wie lassen sich Röteln in der Schwangerschaft behandeln?

Röteln in der Schwangerschaft lassen sich nur symptomatisch behandeln. Das heißt, es steht keine spezifische Therapie gegen das Virus zur Verfügung. So kann auch eine Röteln-Infektion des Ungeborenen (Rötelnembryopathie) nicht therapiert werden.

Hatte eine Schwangere ohne oder mit unklarem Immunschutz Kontakt zu einer mit Röteln infizierten Person oder vermutet dies, spritzt der Arzt Röteln-Immunglobulin (Röteln-Antikörper). Diese Behandlung kann eine Rötelnembryopathie vermeiden. Sie ist jedoch nur bis zu sieben Tagen nach dem Röteln-Kontakt sinnvoll und bietet keinen absoluten Schutz vor einer Röteln-Infektion des Ungeborenen.

Stellt der Arzt während der ersten 17 Schwangerschaftswochen eine Röteln-Infektion fest, kann ein Schwangerschaftsabbruch sinnvoll sein, da mit einer starken Schädigung des Ungeborenen zu rechnen ist.

Wie verlaufen Röteln in der Schwangerschaft?

Röteln in der Schwangerschaft verlaufen für die Schwangere selbst in der Regel komplikationslos. Nur selten treten Komplikationen bei der Frau auf.

Folgen für das Ungeborene

Infiziert sich das Ungeborene über die Plazenta mit dem Röteln-Virus, kann dies zu einer Fehlgeburt oder schweren körperlichen Missbildungen des Ungeborenen führen.

Die Häufigkeit und Schwere der Schäden ist abhängig vom Stadium der Schwangerschaft. Je früher eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft auftritt, desto schwerwiegendere Schäden können auftreten. Bei Infektionen in den ersten acht Wochen der Schwangerschaft treten in 90 Prozent Schäden auf, während der 13. bis 28. Schwangerschaftswoche in 25 bis 30 Prozent.

Die schwerwiegendsten Schäden ruft eine Röteln-Infektion in den ersten vier Monaten einer Schwangerschaft hervor. Eine Fehl- oder Frühgeburt kann die Folge sein.

Defekte, die bei dem ungeborenen Kind durch die Röteln-Infektion hervorgerufen werden, werden unter dem Begriff Kongenitales Rötelnsyndrom (CRS) zusammengefasst. Besonders während der Entwicklung der Organe in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft entstehen häufig Defekte an Herz (offener Ductus arteriosus), Augen (Katarakt) und Ohr (Innenohrtaubheit). Diese drei Defekte werden als Gregg-Syndrom bezeichnet. Weitere Folgen, die auftreten können, sind:

 

  • Geringes Geburtsgewicht
  • Eine Autoimmunerkrankung, die die Lebensdauer der Bluttplättchen (Thrombozyten) verkürzt (thrombozytopenische Purpura)
  • Vergrößerung der Leber und Milz
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Hepatitis
  • Herzmuskelerkrankung (Myokarditis)
  • Geringe Kopfgröße (Mikrozephalie)

Während eine Infektion in der vierten Schwangerschaftswoche in der Regel alle hier aufgeführten Erkrankungen des CRS hervorruft, entsteht bei einer Infektion in der 20. Woche beispielsweise „nur “ eine Taubheit.

Wie kann man Röteln in der Schwangerschaft vorbeugen?

Röteln kann mit einer Schutzimpfung, die laut Empfehlungen im Kindesalter erfolgt, vorgebeugt werden. Vor Beginn einer Schwangerschaft ist es ratsam, durch eine Blutuntersuchung den Immunstatus prüfen zu lassen und gegebenenfalls die Röteln-Impfung nachholen zu lassen.

Bei einer künstlichen Befruchtung können grundsätzlich Krankheitserreger übertragen werden. Da eine Röteln-Infektion während einer Schwangerschaft eine große Gefahr für das Ungeborene darstellt, ist ein Test auf Röteln-Antikörper vor einer künstlichen Befruchtung Pflicht.

Wird während einer Schwangerschaft festgestellt, dass kein ausreichender Schutz gegen Röteln besteht, empfiehlt es sich, den Kontakt zu Röteln-Erkrankten zu vermeiden. Diese Vorsichtsmaßnahme garantiert jedoch keinen sicheren Schutz vor Röteln. Denn auch Menschen, die keine oder sehr schwache Symptome einer Röteln-Erkrankung aufweisen, können infiziert sein und das Virus übertragen. Eine Röteln-Impfung während einer Schwangerschaft ist nicht zu empfehlen.

Autor: Theresa Nikley
Letzte Aktualisierung: 25. März 2014
Quellen: AWMF: Leitlinien der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Infektionsdiagnostik und Infektionsprophylaxe bei Verfahren der assistierten Reproduktion. AMWF-Leitlinien-Register Nr. 015/040, (Stand: Jun. 2008); Breckwoldt, M. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008; Diedrich, K. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Friese, K.; Rath, W.: Erkrankungen in der Schwangerschaft. Thieme, Stuttgart 2004; RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: Röteln. Robert-Koch-Institut, Berlin (Stand: 01.11.2003);

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