Donnerstag, 24. April 2014
Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen

Präeklampsie/Gestose

Präeklampsie und Gestose
Eine Präeklampsie erfordert eine engmaschige ärztliche Kontrolle
Getty Images/iStockphoto

Gestose (lat. gestare = tragen) war die früher übliche Bezeichnung für alle durch eine Schwangerschaft bedingten Krankheitszustände. Der Begriff der Gestose ist nicht einheitlich definiert und wird unterschiedlich verwendet.

Die Gestose oder Präeklampsie wurde lange Zeit als Schwangerschafts-Vergiftung angesehen, da man davon ausging, die Schwangerschaft würde die Produktion von gesundheitsschädlichen, "giftigen" Substanzen verursachen, welche bei der Betroffen die gefährliche Erkrankung auslösen.

Begriffsdefinition

Die frühere Unterscheidung zwischen einer "Früh-" und einer "Spätgestose" ist unzweckmäßig, da hinter beidem unterschiedliche Erkrankungsbilder stehen. Mit dem Begriff Frühgestose wurden die Symptome Erbrechen und Übelkeit am Morgen sowie die extreme Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) bezeichnet, während die Spätgestose die hypertensiven Erkrankungen (Bluthochdruck) umfasste.

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen wird heute als Überbegriff für die Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie) und die Präeklampsie angewendet.

Diese Erkrankungen kommen in etwa sieben Prozent aller Schwangerschaften vor. Neben vaginalen Blutungen ist die Präeklampsie die bedeutendste Schwangerschaftskomplikation und verursacht in den Industrieländern bei einer Millionen Schwangerschaften acht bis neun mütterliche Todesfälle. Die Häufigkeit variiert in Abhängigkeit von der geographischen Herkunft.

Schwangerschasftshypertonie

Eine Schwangerschaftshypertonie ist definiert als ein in der Schwangerschaft nach der 20. Woche neu auftretender Bluthochdruck mit Werten über 140/90 mmHg. Solange das Kind ein normales Wachstum zeigt, kann bei einer Schwangeren mit Bluthochdruck das spontane Eintreten der Wehen abgewartet werden, sogar eine Überschreitung des berechneten Entbindungstermines ist möglich.

Präeklampsie/Gestose

Unter Präeklampsie versteht man die Kombination von Schwangerschaftshypertonie und Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) von mehr als 300 mg in 24 Stunden.

Gleichzeitig häufig auftretende Wassereinlagerungen (Ödeme) sind kein eigenständiges Symptom und weniger bedeutend für den Verlauf der Erkrankung, führten aber zu der früher verbreiteten Bezeichnung EPH-Gestose (nach den Anfangsbuchstaben der Begriffe Ödem (engl. edema), Proteinurie und Hypertonie).

Von einer schweren Präeklampsie spricht man bei dem Auftreten von Blutdruckwerten über 160/110 mmHg oder einer Eiweißausscheidung über fünf Gramm in 24 Stunden.

Im Rahmen dieser Erkrankung kann es zu einem verminderten kindlichen Wachstum (Wachstumsretardierung), Leber- und Nierenfunktionsstörungen kommen.

Wassereinlagerungen untrügliches Zeichen

Bei einer schweren Präeklampsie treten neurologische Symptome wie Sehstörungen, Doppelbilder, Gesichtsfeldeinengung, Kopfschmerzen, Übelkeit und motorische Unruhe auf. Auch die Muskeleigenreflexe sind deutlich gesteigert und die Reflexzonen verbreitert.

Wassereinlagerungen in den Beinen sind normale Erscheinungen in der Schwangerschaft. Innerhalb kurzer Zeit auftretende Wassereinlagerungen in Gesicht und Händen sind hingegen Zeichen einer Präeklampsie. In Laboruntersuchungen findet sich meist ein erhöhter Hämatokrit-Wert (> 40 Prozent) als Zeichen der Eindickung des zirkulierenden Blutes, ein Anstieg des Hämogöoninwertes über 14 g/dl, eine Abnahme der Blutplättchen (Thrombozyten) und ein Anstieg von Leber- und Nierenwerten.

Wenn die Symptome nahe am Geburtstermin auftreten, wird meist eine medikamentöse Geburtseinleitung durchgeführt. Treten die Symptome schon im mittleren Schwangerschaftsdrittel auf, wird der Blutdruck der Schwangere im Krankenhaus eingestellt und die Lungenreifung des Kindes durch Gabe von Kortisonpräparaten gefördert, um im Falle einer Verschlechterung des Zustands vorzeitig entbinden zu können.

Eklampsie

Die Eklampsie bezeichnet das Auftreten eines Krampfanfalls bei Schwangerschaften mit Präeklampsie, die eine Atempause und ein Koma zur Folge haben können.

Als schwerwiegende Komplikation kann es zu einer vorzeitigen Ablösung des Mutterkuchens (Plazenta) und zu Sauerstoffmangel während des Anfalls kommen.

Die Entbindung ist die einzige kausale Therapie der Eklampsie, deshalb sollte nach Stabilisierung des Zustands umgehend die Geburt angestrebt werden. Das führt meist zu einer Entbindung per Kaiserschnitt.

Was verursacht eine Präeklampsie beziehungsweise Gestose?

Die genauen Ursachen einer Präeklampsie sind immer noch unklar. Der Schwangerschaftshochdruck ist ein Kennzeichen dieser Erkrankung, aber nicht ihre Ursache.

Es ist jedoch anzunehmen, dass die Erkrankung ihren Ursprung in einer Fehlentwicklung des Mutterkuchens (Plazenta) hat. Durch möglicherweise immunologische und/oder erbliche Faktoren kommt es zu einer Anpassungsstörung mit unzureichender Ausbildung der Gefäße im Mutterkuchen, die mütterlichen und kindlichen Kreislauf miteinander verbinden. Dadurch wiederum treten Störungen im Kreislauf der Mutter und in dem des Gebärmutter-Mutterkuchen-Systems auf, es kommt zu Bluthochdruck und einem verminderten kindlichen Wachstum.

Risikofaktoren für die Entstehung einer Präeklampsie beziehungsweise Gestose

  • Erstgebärende
  • Präeklampsie in der Vorschwangerschaft
  • familiäre Vorbelastung (Mutter oder Schwester auch an Präeklampsie oder Eklampsie erkrankt)
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • bereits bestehende chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Nierenerkrankungen
  • Gerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen
  • Alter der Schwangeren über 40 Jahre
  • Übergewicht

Diagnose und Früherkennung einer Präeklampsie

Bei den im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge regelmäßig durchgeführten Untersuchungen wird eine Präeklampsie festgestellt: Blutdruckkontrolle, Urintest und Untersuchung des Blutbilds.

Zur Früherkennung eines Präeklampsie-Risikos ist eine genaue Erhebung der Vorgeschichte in Bezug auf familiäres Auftreten der Erkrankung, vorausgehende Schwangerschaften, bestehende Erkrankungen und aktuelle Beschwerden (Anamnese) wichtig.

Eine Doppler-Ultraschall-Untersuchung der Gebärmutterarterien deckt als Hinweiszeichen auf ein späteres Auftreten einer Präeklampsie typische Veränderungen auf. Bei der Messung der Blutflussgeschwindigkeiten wird eine Widerstandserhöhung in den Gebärmutterarterien festgestellt.

Wie wird eine Präeklampsie beziehungsweise Gestose behandelt?

Die Entbindung ist die ursächliche Behandlung der Präeklampsie. Aber abhängig vom Schwangerschaftsalter führt diese zu einer Frühgeburt, die für das Kind mit großen Risiken verbunden ist. Nach der 34. Woche ist eine baldige Entbindung anzustreben. Vorher wird eher versucht, die Schwangerschaft zu verlängern und die Präeklampsie medikamentös zu behandeln.

Wenn die Doppler-Ultraschall-Untersuchungen eine für das Kind gefährliche Blutflussveränderung zeigen, kann auch das der Grund für eine vorzeitige Entbindung sein.

Leichte Formen der Schwangerschaftshypertonie und der Präeklampsie können unter engmaschigen, meist wöchentlichen Kontrollen ambulant betreut werden. Körperliche Schonung, Abbau von Stressfaktoren, Krankschreibung und regelmäßige Selbstmessungen des Blutdrucks sind von Bedeutung. Blutdruck, Eiweißausscheidung, das Wachstum des Kindes und das kindliche Herzschlagmuster (CTG) werden regelmäßig kontrolliert.

Vorbeugung

Die medikamentöse Behandlung des erhöhten Blutdrucks kann in einer Klinik begonnen werden, wenn die Werte anhaltend über 160-170/100 mmHg erhöht sind. Hier wird häufig alpha-Methyl-Dopa eingesetzt. Es ist wichtig, parallel zur Blutdrucksenkung stets eine CTG-Kontrolle durchzuführen, da hier die Gefahr besteht, dass sich die Herzfrequenz des Kindes ändert.

Zur Vorbeugung der Eklampsie mit Krampfanfällen wird bei einer schweren Präeklampsie eine Behandlung mit Magnesiumsulfat durchgeführt.

Eine Infusionstherapie wird zur Verbesserung der Durchblutung bei Eindickung des Bluts (erhöhter Hämatokrit-Wert im Blut) durchgeführt.

Wenn die Behandlung jedoch keine Wirkung zeigt und erste Begleitsymptome (Wassereinlagerung in der Lunge, neurologische Störungen, Nierenversagen) bei der Schwangeren auftreten, muss vorzeitig entbunden werden.

Verlauf einer Präeklampsie in Schwangerschaft und Wochenbett

Je früher eine Präeklampsie erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Mütterliche Todesfälle sind heute selten. Bei Gehirnblutung, Verschluss von arteriellen Gefäßen, Leberruptur oder Nierenversagen ist die Schwangere jedoch akut bedroht.

Durch die verminderte Durchblutung von Gebärmutter und Plazenta ist die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen reduziert und das Wachstum verlangsamt. Regelmäßige Doppleruntersuchungen geben im Verlauf der Schwangerschaft Auskunft über die Versorgungssituation und das aktuelle Risiko für das Kind.

Auch nach der Geburt ist eine Überwachung im Wochenbett erforderlich, da Blutdruckwerte weiterhin erhöht sein können und das Auftreten einer Eklampsie noch möglich ist. Die aufgrund einer Schwangerschaftshypertonie eingesetzten Blutdruckmedikamente können meist nach wenigen Tagen bis Wochen abgesetzt werden.

Kann man einer Präeklampsie beziehungsweise Gestose vorbeugen?

Einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung kann nicht vorgebeugt werden. Sind einer oder mehrere der genannten Risikofaktoren bereits bekannt, ist es wichtig, dass sich die Betroffene in regelmäßige ärztliche Kontrolle begibt. Eine Doppler-Ultraschall-Untersuchung ist ratsam. Die Betroffenen sollten unnötigen Stress nach Möglichkeit vermeiden und eine ausreichende Nachtruhe einhalten.

Eine niedrig dosierte Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) 100 mg/Tag kann das Risiko einer Präeklampsie und der damit verbundenen Frühgeburtenrate und Säuglingssterblichkeit senken. Der Effekt ist umso größer, je früher mit der Therapie begonnen wird. Es ist ratsam, mit dieser Behandlung zwischen der 12. und 16. Schwangerschaftswoche zu beginnen.

Die früher häufig empfohlene Einschränkung des Konsums von Kochsalz (Natrium-Restriktion) ist nicht sinnvoll, sondern erhöht sogar das Risiko einer Präeklampsie. Die Wirkung einer Therapie mit den Vitaminen C und E konnte bisher nicht belegt werden.

Autor: Sarah Liebigt/Dr. med. Barbara Grüne/Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 09. April 2014
Quellen: AWMF: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen. AMWF-Leitlinien-Register Nr. 015/018, (Stand: Nov. 2007); Breckwoldt, M., Kaufmann, M., Pfleiderer, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2008; Kiechle, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Elsevier GmbH, München 2007 Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin 2007

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