Ein Angebot von Lifeline
Samstag, 25. Oktober 2014

Narkose in der Schwangerschaft

Narkose in der Schwangerschaft
Eine Narkose in der Schwangerschaft muss sorgfältig abgewogen werden
Getty Images/iStockphoto

Bei einer Narkose (Anästhesie) in der Schwangerschaft gibt es verschiedene Dinge zu beachten. Denn bei schwangeren Frauen kommt es zu zahlreichen körperlichen Veränderungen, die den Verlauf einer Narkose beeinflussen können. Auch mögliche Folgen für das ungeborene Kind müssen berücksichtigt werden.

 

Narkosemethoden

Egal ob eine örtliche Betäubung, eine Spinal- und Periduralanästhesie (PDA) oder eine Vollnarkose ansteht, behandelnde Ärzte und Narkoseärzte (Anästhesisten) müssen unabhängig vom geplanten Narkoseverfahren über eine bestehende Schwangerschaft informiert werden.

Schwangerschaftswoche

Vor der 16. Schwangerschaftswoche sollten Schwangere nach Möglichkeit nicht mittels Vollnarkose oder tief wirkender Teilnarkose betäubt werden. Nur in Notfällen oder wenn Operationen nicht aufgeschoben werden können, kommen diese Verfahren bei Schwangeren zum Einsatz. Eine Ausnahme bilden die ersten zwei bis drei Schwangerschaftswochen. In dieser Zeit können äußere Einflüsse dem Embryo keinen Schaden zufügen. Eine örtliche Betäubung, beispielsweise beim Zahnarzt, stellt in der Regel auch vor der 16. Schwangerschaftswoche durch speziell geeignete Betäubungsmittel kein Problem dar.

Gründe für eine Narkose in der Schwangerschaft

Für eine Narkose in der Schwangerschaft gibt es unterschiedliche Gründe. Am häufigsten wird die Narkose bei Schwangeren in der Geburtshilfe, zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt oder einer Mehrlingsgeburt, eingesetzt. Auch Vorerkrankungen der Mutter oder eine Präeklampsie können eine Entbindung unter Narkose erforderlich machen.

Häufige Gründe für eine Narkose vor der Entbindung sind unaufschiebbare Operationen, beispielsweise bei  Zysten an den Eileitern, einer Blinddarmentzündung, bei Brustkrebs oder einer vorzeitigen Öffnung des Muttermunds.

Generell sollten Vollnarkose und PDA während der Schwangerschaft nur durchgeführt werden, wenn sie zwingend notwendig sind und Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen wurden. Frauen, die auf Wunsch unter Narkose entbinden möchten, sollten sich über mögliche gesundheitliche Folgen im Klaren sein.

Risiken einer Narkose für Schwangere

Für Schwangere sind Vollnarkose sowie PDA aufgrund der körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft mit speziellen Risiken verbunden. Anästhesisten müssen schwangere Frauen daher vollständig über mögliche Komplikationen aufklären.

Risiken bei Spinal- und Periduralanästhesie (PDA)

Bei einer PDA kommt es in einigen Fällen zu einem plötzlichen Absinken des Blutdrucks. Aus diesem Grund erhalten Schwangere vor der Narkose eine Infusion, die dem Blutdruckabfall entgegenwirkt. Durch Wassereinlagerungen im Gewebe kann das Einstechen der Injektionsnadel in den Wirbelkanal erschwert sein. Wird in Folge dessen nicht tief genug gestochen, kann es vorkommen, dass die Narkose nicht richtig wirkt. Wird dagegen zu tief gestochen, können lang anhaltende Kopfschmerzen in der Zeit nach der Narkose auftreten. Daher sollte eine PDA bei Schwangeren möglichst nur von erfahrenen Anästhesisten durchgeführt werden. Weitere mögliche Komplikationen sind plötzlich auftretendes Fieber und eine vorzeitige Öffnung des Gebärmutterhalses.

Risiken bei Vollnarkose

Da schwangere Frauen medizinisch niemals als nüchtern gelten, muss bei ihnen die Beatmung während der Vollnarkose immer über einen Atemschlauch in der Luftröhre erfolgen, um ein Einatmen von Erbrochenem zu vermeiden. Der Einsatz einer Gesichtsmaske ist nicht möglich. Dadurch kann es leichter zu einer Lungenentzündung oder Heiserkeit in den Tagen nach der Narkose kommen. Weitere körperliche schwangerschaftsbedingte Komplikationen gibt es bei einer Vollnarkose kaum. Allerdings können nach einer Entbindung unter Vollnarkose Depressionen und andere psychische Probleme aufgrund des fehlenden Geburtserlebnisses auftreten.
 

Risiken einer Narkose für das ungeborene Kind

Eine Narkose in der Schwangerschaft birgt auch für das ungeborene Kind Risiken, da Betäubungsmittel über die Nabelschnur und die Plazenta in den Blutkreislauf des Babys gelangen können. So haben Kinder, die unter Vollnarkose zur Welt gebracht wurden, häufiger Atembeschwerden in den ersten Lebenstagen. Durch eine Vollnarkose ist außerdem das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt leicht erhöht. Bei einer PDA kann ein möglicher Blutdruckabfall auch die Gesundheit des Ungeborenen gefährden. Generell gilt die PDA jedoch als relativ gut verträglich für das Kind.

Autor: Christian Emmerling
Letzte Aktualisierung: 23. April 2013
Quellen: Striebel, H.W.: Anästhesie - Intensivmedizin - Notfallmedizin. Schattauer Verlag, Stuttgart 2008; Striebel, H.W.: Die Anästhesie: Grundlagen und Praxis. Schattauer Verlag, Stuttgart 2003; de Jong, T.M., Kemmler G.: Kaiserschnitt - Wie Narben an Bauch und Seele heilen können. Kösel Verlag, München 2007; Gaskin I.M.: Die selbstbestimmte Geburt. Kösel Verlag, München 2008

Drucken Als E-Mail versenden
Beiträge im Forum "Entbindungstermin Januar und Februar 2015"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Asthma in der Schwangerschaft
Schwangere mit chronischer Erkrankung

Wird eine Frau mit Asthma bronchiale schwanger, kann dies eine Anpassung der Medikation erforderlich machen. Mehr...

Thrombophilie und Schwangerschaft
Beschwerden & Erkrankungen

Was ist die häufigste Ursache für eine Gerinnungsstörung (Thrombophilie)? Welche Auswirkungen hat das auf die Schwangerschaft? Und wie sieht die Therapie aus? Die wichtigsten Fakten im Überblick. Mehr...

Gelüste in der Schwangerschaft – was ist normal?
Beschwerden & Erkrankungen

Das Gerücht, dass schwangere Frauen auf saure Gurken mit Schokocreme stehen, hält sich hartnäckig. Doch was ist an den Gelüsten und Heißhungerattacken in der Schwangerschaft wirklich dran? Wir klären auf! Mehr...

Weitere interessante Themen
  • Vorgeburtliche TherapieVorgeburtliche Therapie

    Vorgeburtliche Therapien des Fötus sind im Einzelfall möglich, wenn bei der pränatalen Diagnostik eine Krankheit des Fötus im Mutterleib festgestellt werden konnte. Einige... Mehr...

Zum Seitenanfang