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"Die Eltern müssen heute die Weichen für eine spätere Anwendung stellen"

Prof. Dr. Volker Ragosch

Prof. Dr. Volker Ragosch ist leitender Gynäkologe an der Asklepios Klinik in Hamburg Altona. Im Interview erläutert er, wie die Nabelschnurblut-Entnahme abläuft und warum die Aufbewahrung sinnvoll ist.


Warum sollten sich werdende Eltern für die Einlagerung von Nabelschnurblut entscheiden?

Die Stammzellmedizin bietet völlig neue Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen, die bislang gar nicht heilbar waren oder bei denen die Betroffenen lebenslang Medikamente nehmen müssen. Im Nabelschnurblut sind nach dem aktuellen Stand der Forschung die besten Stammzellen enthalten, denn sie sind jung und entwicklungsfreudig und sie sind vor allem sehr leicht zu gewinnen. Sie sind also optimal für Therapien geeignet. Zum Wegwerfen ist das Nabelschnurblut definitiv zu schade. Ob Eltern das Nabelschnurblut für ihr eigenes Kind einlagern lassen oder spenden, das müssen sie selbst entscheiden. Beides ist wichtig und gut. Ich habe es für meine beiden Kinder eingelagert.


Was müssen Eltern beachten, wenn sie Nabelschnurblut aufbewahren wollen?

Eltern, die das Nabelschnurblut aufbewahren möchten, sollten sich einige Wochen vor der Geburt mit einer privaten Nabelschnurblutbank oder einer Spendeeinrichtung in Verbindung setzen. Denn man benötigt dafür ein Entnahmeset, das die Eltern zur Geburt mit in die Klinik bringen. Wir hatten zwar auch schon Eltern, die sich erst wenige Stunden vor der Geburt entschieden haben und das klappte auch, aber man ist auf der sicheren Seite, wenn man sich ausreichend früh Gedanken darüber macht.


Ist die Nabelschnurblut-Entnahme riskant?

Nein, eine Nabelschnurblutentnahme ist sehr einfach und vor allem ohne Risiko für Mutter oder Kind. Das Blut wird ja erst nach dem Abnabeln, quasi aus der Nachgeburt, gewonnen. Anders ist es bei der Stammzellengewinnung aus dem Knochenmark - das ist ein beträchtlicher und nicht ungefährlicher Eingriff. In unseren Kreissälen ist die Nabelschnurblutentnahme Routine. Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig darin geschult und haben schon hundertfach Nabelschnurblut gewonnen.


Wie beurteilen Sie aktuell das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten bei Kindern und Erwachsenen?

Derzeit werden Stammzellen zum Großteil bei Erwachsenen eingesetzt - nicht zuletzt, weil Erkrankungen, wo Stammzellen zum Einsatz kommen, wie z.B. bei Herzinfarkt oder Krebs, vermehrt in der 2. Lebenshälfte auftreten. Aber auch bei Kindern steigt die Zahl der Anwendungen. In Studien wurde schon jungen Patienten mit Diabetes Typ 1, Hirnschäden oder Bluterkrankungen mit Stammzellen aus Nabelschnurblut geholfen.


Was denken Sie: Was wird der medizinische Fortschritt hinsichtlich der Therapie mit Stammzellen aus Nabelschnurblut in den kommenden zehn Jahren bringen?

Was die Zukunft bringen wird, kann ich nicht sagen. Aber wenn man sich die Entwicklung im Bereich der Stammzellmedizin in den vergangenen Jahren anschaut, dann scheint es kaum Grenzen zu geben. Ich glaube, es war 2002, als der erste Herzinfarkt-Patient mit seinen eigenen Stammzellen behandelt wurde. Und heute sind es jährlich hunderte allein in Deutschland. Oder wenn man mal schaut, dass Nabelschnurblut Ende der 90-er Jahre eine Nischenlösung war und heute in vielen Ländern die wichtigste Stammzellquelle ist. Ich denke, dass die Liste der behandelbaren Krankheiten immer länger wird. Ich glaube auch, dass die Vermehrung von Stammzellen aus Nabelschnurblut in wenigen Jahren möglich sein wird. Bei Nabelschnurblut sehe ich gar nicht so sehr das Problem darin, dass es heute noch nicht so viele Anwendungen damit gibt. Der entscheidende Punkt ist, dass die Eltern heute die Weichen dafür stellen müssen, dass ihr Kind von den künftigen Entwicklungen profitiert, denn man kann diese Stammzellen nun einmal nur zur Geburt gewinnen.


Vielen Dank für das Interview.


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Lesen Sie hier über den Einsatz von Nabelschnurblut in der Medizin

 

Autor: Qualimedic.com AG/VITA 34 
Letzte Änderung am: 09.03.2009