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Samstag, 27. Mai 2017
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Trotzphase beim Kind

Trotzalter beim Kind
Die Trotzphase bei kann Eltern zur Verzweiflung bringen - das Trotzalter beginnt meist ab dem Alter von zwei Jahren
iStock/Turner-Art

Die Trotzphase gehört zur normalen kindlichen Entwicklung. Als Fachbegriffe verwendet man hier auch Autonomiephase oder Autonomiebestreben. In der Trotzphase lernt das Kind, einen eigenen Willen zu haben und diesen auch durchzusetzen. Anfangs sind Eltern bei auftretenden Wutanfällen oft ängstlich und ratlos, weil sie denken, sie hätten etwas falsch gemacht.

Zu Beginn des zweiten Lebensjahres beginnt ein Kind langsam, seinen eigenen Willen zu entwickeln und diesen auch zum Ausdruck zu bringen. Es möchte nun selbständig handeln und dies möglichst durchsetzen. Das sogenannte Trotzalter beginnt. Je nach Ausprägung des Temperaments geschieht das unterschiedlich stark.

Wie lange dauert die Trotzphase?

Die erste Trotzphase kann durchaus mit zwei Jahren, also im Kleinkindalter, beginnen und bis zum sechsten Lebensjahr andauern. Bei den meisten Kindern geht sie jedoch langsam mit drei oder vier Jahren wieder zurück. Die erste Trotzphase wird auch als anale Phase nach Freud bezeichnet.

In diesem Alter wollen Kinder immer genau das haben, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Schreien und Strampeln sind noch die harmloseren Ausdrucksformen in diesem Trotzalter. Auf den Boden trommeln, den Kopf wiederholt gegen ein Möbelstück schlagen und schreien, bis das Gesicht blau anläuft, sind Trotzreaktionen, die so manche Eltern beunruhigen oder gar zur Verzweiflung bringen können.

Die Trotzphase als Entwicklungsphase

Kinder erkennen in der Trotzphase, dass sie mit ihrem Verhalten Einfluss auf ihre Umwelt nehmen können. Sie merken nun, dass sie als Person Entscheidungen treffen können, auch wenn sie die Tragweite der Entscheidungen meist noch nicht einzuordnen wissen. Sie lernen auch, dass es für nahezu jede Entscheidung eine Alternative gibt. Hiermit sind Kinder noch überfordert, da sie noch nicht wirklich zwei Angebote miteinander vergleichen können. Bietet man einem Kind zwei Möglichkeiten zur Auswahl, etwa beim Essen, entscheidet sich das Kind meistens schnell für die Zweite, ohne wirklich einen Vergleich anstellen zu können. Wird die Mahlzeit dann serviert, merkt das Kind, dass es doch lieber die andere Speise gehabt hätte. Da es sich jedoch noch nicht richtig ausdrücken kann, entlädt sich der hieraus entstandene Frust in einem Wutanfall.

Das Trotzalter bei Kleinkindern ist eine wichtige Phase, in der die Selbstständigkeit des Kindes zunimmt und es eigene Kompetenzen entwickelt. Deshalb sollten Eltern auch nicht immer dagegen halten, denn sonst entsteht daraus nur noch mehr Trotz beim Kind oder es wird zunehmend antriebslos und abhängig, da es seine Kompetenzen eben nicht entwickeln kann.

Ursachen für und hilfreiche Tipps gegen Wutanfälle in der Trotzphase

  • Von Entscheidungen überfordert: Es ist dem Kind keine Hilfe, wenn es sich ständig zwischen Angeboten entscheiden muss: Apfel oder Banane, Zoobesuch oder Spielplatz, Milchreis oder Grießbrei. Im zweiten bis dritten Lebensjahr kann das Kind noch keine Vergleiche vornehmen und zwischen Angeboten abwägen. Manchmal soll das Kind entscheiden dürfen, oft ist es besser, wenn die Eltern zum Wohl des Kindes entscheiden, wenn man hiermit einen Tobsuchtsanfall vermeiden kann.
  • Verbote machen schlechte Laune: Bekommt ein Kind zu oft ein Nein zu hören, wächst womöglich eine Frustration heran, die beim zehnten Nein in einem Trotzanfall endet. Beobachten Sie, wie oft Sie Ihrem Kind etwas verweigern, was es gerne tun möchte. Im Bedarfsfall lässt sich hier mit einem Nein-Tagebuch nachvollziehen, wie viele Verbote Ihr Kind täglich zu hören bekommt. Überlegen Sie sich Alternativen, um die Situationen zu entschärfen, um extreme Trotzreaktionen zu vermeiden.
  • „Alleine machen“: Ihr Kind soll Aufgaben übernehmen, die es allein bewältigen kann. Einfache Aufträge, etwa eine Sache von A nach B tragen, oder leichte, von den Eltern unterstützte Tätigkeiten, sind besser zu bewältigen. Zu schwere Aufgaben kann man als Eltern nonverbal unterstützen, indem man dem Kind hilft, ohne dabei zu sagen „das kannst du nicht“.
  • Wartezeiten vermeiden: Kleinkinder haben noch kein Zeitgefühl. Sagt man „gleich fahren wir zur Oma“ denkt das Kind, es geht sofort los. Muss der Elternteil dann erst noch die Spülmaschine ausräumen und die Wäsche aufhängen, wird ein Kind schnell ungeduldig. Es ist also hilfreich, dem Kind nicht zu früh zu sagen, was als nächstes ansteht.
  • Müdigkeit und Trotzreaktionen: Im Trotzalter ist von Seiten der Eltern viel Sensibilität gefragt. Ein müdes Kind trotzt schneller als ein ausgeschlafenes. Sorgen Sie für ausreichend Schlaf bei Ihrem Kind.
  • Ruhig bleiben: Einem Wutanfall mit Gelassenheit zu begegnen, ist keine leichte Aufgabe. Schimpfen oder gar selbst schreien ist selten von Erfolg gekrönt. Trotzdem dürfen Sie nicht nachgeben, sonst lernt das Kind Trotzreaktionen gezielt einzusetzen, wenn es merkt, dass es damit seinen Willen durchsetzen kann.

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2017
Quellen: Gebauer-Sesterhenn, B., Pulkkinen, A., Edelmann, K., Die ersten drei Jahre meines Kindes, Gräfe und Unzer Verlag München, 2011 Largo, H., Babyjahre, Piper Verlag GmbH München, 2012 Rogge, J., Der große Erziehungsberater, Rowohlt Verlag Reinbek, 2011

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