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Freitag, 24. Februar 2017
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Schnuller abgewöhnen: Tipps & Tricks

Schnuller abgewöhnen: Tipps & Tricks
Schnuller abgewöhnen: Vielen Kindern fällt der Abschied vom Nucki schwer
(c) iStockphoto/SolStock

Für Babys ist das Saugen am Schnuller beruhigend und entspannend. Aber wann ist Schluss damit? Und wie können Eltern ihren Kindern den Abschied vom geliebten Nuckel erleichtern? Wir geben Tipps zum Schnuller abgewöhnen.

Babys haben einen angeborenen Saugreflex: Ob beim Stillen, an der Flasche, am Nuckeltuch, beim Daumenlutschen oder Schnullern – das Saugen bringt sie zur Ruhe und hilft ihnen bei der Entspannung, es unterstützt beim Einschlafen und spendet Trost.

Schnuller – ja oder nein?

Nach der Geburt stehen Eltern vor der grundsätzlichen Entscheidung, ob sie ihrem Baby einen Schnuller zur Beruhigung anbieten wollen. Argumente lassen sich sowohl für als auch gegen den Einsatz eines Schnullers finden. Diskutiert wird vor allem, ob das Nuckeln am Schnuller dem Daumenlutschen vorzuziehen ist. Einige Experten erklären, dass ein richtiger Schnuller besser sei als der – nicht kiefergerecht geformte – Daumen. Eltern sollten individuell entscheiden, ob sie einen Schnuller einsetzen möchten.

Der richtige Zeitpunkt für den Abschied: Ab wann den Schnuller abgewöhnen?

Wenn Sie sich dafür entschieden haben, Ihrem Kind einen Schnuller zu geben, wird irgendwann der Abgewöhnungsprozess auf Sie zukommen. Kinder lernen ihren treuen Begleiter zu schätzen und haben oft große Probleme damit, sich von ihm zu verabschieden. Unabhängig vom Alter können bestimmte Situationen für den Abschied hilfreich sein: Haben Sie zum Beispiel einen Familienurlaub geplant, bei dem Ihr Kind viel Aufmerksamkeit und Ablenkung bekommen wird? Oder hat ein neues Spielzeug oder Kuscheltier gerade sein Interesse geweckt? Nutzen Sie solche Gelegenheiten aus.

Eltern fragen sich, wann der richtige Zeitpunkt zum Abgewöhnen gekommen ist und sind besorgt, wenn der Nachwuchs im Kindergarten noch nach seinem Schnuller verlangt. Ab welchem Alter das Kind nicht mehr am Schnuller nuckeln sollte, ist ein sehr sensibles Thema und wird selbst in Expertenkreisen kontrovers diskutiert.

Schnuller abgewöhnen nach dem siebten Monat

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. rät dazu, Babys den Schnuller bereits nach dem siebten Lebensmonat abzugewöhnen. Denn Babys würden ab diesem Alter vor allem intensive Beschäftigung und Zuwendung und kein Ruhigstellen durch einen Schnuller benötigen. Tatsächlich lässt der Saugreflex zu diesem Zeitpunkt nach und das Kaubedürfnis kommt hinzu. Deshalb können Sie Ihrem Kind nach diesem Lebensmonat alternativ einen Beißring anbieten. Pauschal lässt sich die Altersempfehlung aber nicht auf alle Kinder übertragen. Eltern sollten sich nach dem individuellen Entwicklungsstand ihres Kindes richten. Frühgeborene, die ein höheres Saugbedürfnis haben, können nach Angaben des Berufsverbands bis zum ersten Geburtstag weiterhin den Schnuller bekommen.

Schnuller abgewöhnen ab dem ersten Lebensjahr

Um mit dem Schnuller abgewöhnen zu starten, werden folgende Indikatoren empfohlen:

  • Das Erreichen des ersten Lebensjahres.
  • Der Zeitpunkt, an dem das Kind seine Milchzähne bekommt.

Eltern sollten sich auch bei dieser Empfehlung, ggf. in Absprache mit Kinderarzt oder Zahnarzt, nach dem Entwicklungsstand und den Bedürfnissen des eigenen Kindes richten. Bestimmte äußere Umstände können zum Beispiel dazu beitragen, dass Sie mit dem Schnuller abgewöhnen noch warten. Wenn Ihr Kind etwa einen Umzug, die Eingewöhnung in die Kita oder die Geburt eines Geschwisterkindes verarbeiten muss, ist das vielleicht nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt. Oft sind die Kinder dann erst einmal damit beschäftigt, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Eltern sollten ebenfalls für den Abgewöhnungsprozess bereit sein und sicher gehen, dass sie gerade die Geduld und Ruhe dafür aufbringen können.

Schnuller abgewöhnen mit zwei Jahren

Bis zum zweiten, maximal bis zum dritten Lebensjahr kann der Schnuller weiterhin gelegentlich verwendet werden (z. B. zum Einschlafen). Kiefer- und Zahnprobleme, die bis dahin durch das Nuckeln entstehen, werden im Wachstumsprozess in der Regel noch automatisch ausgeglichen. Dauerhaft sollte Ihr Kind in diesem Alter nicht mehr am Schnuller nuckeln.

Allgemein wird der Schnuller bis zum Erreichen des dritten Lebensjahrs als unbedenklich beschrieben – dann sollten Sie aber spätestens mit dem Abgewöhnen beginnen. In diesem Alter nuckeln die Kinder nicht mehr, um ihr angeborenes Saugbedürfnis zu befriedigen, sondern nur weil es zur Gewohnheit geworden ist.

Außerdem gilt: Je früher Sie dem Kind den Schnuller abgewöhnen, desto leichter wird es fallen. Werden die Kinder älter – und kommen in die Trotzphase – wird es meist umso schwerer. Im Zweifelsfall kann Ihnen der Kinderarzt oder der Zahnarzt eine entsprechende Empfehlung geben – oder im Extremfall auch ein Machtwort sprechen.

Folgen von Dauerlutschen: Warum sollten Sie den Schnuller abgewöhnen?

Zahnärzte, Kieferorthopäden, Logopäden und Sprachtherapeuten warnen davor, dass durch zu langes und intensives Nuckeln – unabhängig von der Schnullerart – das Risiko für Schäden an Zähnen und Kiefer steigt und die Sprachentwicklung beeinflusst wird. Erst einmal können wir Sie aber beruhigen: Durch das Nuckeln am Schnuller entstehen nicht automatisch Schäden. Experten sind sich einig, dass negative Folgen von der Länge und Dauer des Nuckelns abhängen. Dauerhaft bedeutet, dass Ihr Nachwuchs über mehrere Monate oder Jahre mehrere Stunden am Stück am Schnuller saugt. Folgende Probleme können dadurch auftreten:

  • Entzündungen im Mund
  • Schäden an den Zähnen und Zahnfehlstellungen, weil die Zähne durch den dauerhaften Kraftaufwand bewegt werden: So könnte zum Beispiel ein Loch zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen entstehen (Schnullertor) oder die Zähne im Extremfall so weit nach vorne verschoben werden, dass ein sogenannter lutschoffener Biss entsteht. Fehlstellungen, die sich im Wachstum nicht zurück entwickeln, müssen kieferorthopädisch behandelt werden.
  • Sprachliche Entwicklungsstörungen: Lispeln, Probleme beim Formen von Lauten, Mundatmung, verstärkter Speichelfluss (Sabbern)

Tipps zum Schnuller abgewöhnen: Wie Sie den Prozess am besten gestalten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihrem Kind beim Schnuller abgewöhnen zu helfen. Kinder nehmen die Methoden unterschiedlich an und Eltern berichten von guten oder schlechten Erfahrungen mit der ein oder anderen Maßnahme. Umstritten ist zum Beispiel, ob Sie dem Kind als Schnullerersatz eine Belohnung anbieten sollten. Kontrovers diskutiert wird auch, ob es richtig sei, den Schnuller einfach abzuschneiden.

Fest steht, dass es sich beim Abgewöhnen des Schnullers um einen Prozess handelt. Eltern sollten geduldig sein und Ihren Kindern die benötigte Zeit geben. Lassen Sie sich von Rückfällen nicht entmutigen. Der Schnuller verschwindet nicht unbedingt von heute auf morgen – es kann einige Woche dauern.

Sein Sie während der Abgewöhnung für Ihr Kind da, kümmern Sie sich intensiv, spenden Sie Trost und zeigen Sie Verständnis. Egal, welchen Weg Sie wählen, er erfordert eine liebevolle Betreuung. Auf Zwang und Bestrafung sollten Sie verzichten.

Beachten Sie außerdem: Jedes Kind ist anders und hat seine eigenen Bedürfnisse. Nur Sie kennen Ihren Nachwuchs am besten und können gemeinsam mit ihm herausfinden, wie Sie diese Aufgabe zusammen meistern möchten. Wenden Sie keine Schocktherapie an, in der es plötzlich einfach keinen Schnuller mehr gibt, sondern beziehen Sie Ihr Kind in den Prozess ein: Seine Beteiligung ist entscheidend für das Gelingen.

Sechs Wege zum Schnuller abgewöhnen

1.) Das Tauschgeschäft – mit oder ohne Schnullerfee

Bieten Sie Ihrem Kind an, dass es ein Geschenk bekommt, wenn es seinen Schnuller abgibt.

Manchmal brauchen Eltern ein wenig Magie zur Unterstützung: In einem solchen Fall können Sie Ihrem Kind von der Schnullerfee erzählen. Sie kommt nachts, holt den Schnuller ab und lässt im Gegenzug ein Geschenk für das Kind da.

2.) Gespräche und Bilderbücher

„Du bist schon so groß, du brauchst keinen Schnuller mehr“: Eltern fangen irgendwann automatisch an, ihren Kindern solche Argumente zu nennen. Bei manchen funktioniert das gut, andere lassen sich davon nicht überzeugen. Zur Unterstützung Ihrer Worte gibt es passende Bilderbücher, die Sie sich gemeinsam anschauen können. Oder vielleicht möchte Ihr Kind sich das Buch alleine ansehen? Prima, dann haben Sie auf jeden Fall schon einmal das Interesse für das Thema geweckt. Bei kleineren Kindern hilft es, wenn Sie sich selbst Geschichten zum Schnuller ausdenken. Erklären Sie Ihrem Nachwuchs zum Beispiel, dass der Schnuller tagsüber schlafen muss, weil er nachts ja immer im Einsatz und deshalb gerade sooo müde ist. Unterschätzen Sie aber nicht, wie schlau Ihr Kind ist: Ab einem bestimmten Alter weiß es sehr wohl, dass Sie Schnuller aufbewahren und jederzeit neue besorgen könnten.

3.) Feste Regeln

Vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln. Machen Sie feste Orte oder Zeiten aus, an denen der Schnuller erlaubt oder tabu ist. Verabreden Sie zum Beispiel, dass während der Gute-Nacht-Geschichte noch genuckelt werden darf, der Schnuller danach aber verschwindet.

4.) Der Schnullerbaum

Diese Idee kommt ursprünglich aus Dänemark: An einem öffentlichen Ort werden an einem – echten oder nachgebildeten – Baum Schnuller aufgehangen. Eltern können hier mit ihren Kindern herkommen und Abschied vom Nucki nehmen.

5.) Das Abschiedsritual

Wichtig für Kinder ist es, dass sie sich selbst von ihrem – zum Teil heiß geliebten – Schnuller verabschieden können. Überlegen Sie sich gemeinsam ein schönes Ritual: Der Schnuller kann zum Beispiel in einer Schatzkiste vergraben werden oder mit einem Luftballon in den Himmel steigen.

6.) Schnuller abschneiden oder einstechen

Mit diesen beiden Methoden verändert sich das Gefühl beim Saugen. Die Hoffnung ist, dass Ihr Kind dadurch selbst kein Interesse mehr an dem Schnuller zeigt.

Schnuller abgewöhnen – nachts häufig schwerer

Beginnen Sie tagsüber damit, Ihrem Baby den Schnuller abzugewöhnen. Über Tag können Sie Ihr Kind besser ablenken. Beim Einschlafen ist es häufig schwerer. Versuchen Sie dann Ihren Sprössling daran zu gewöhnen, seinen Mittagsschlaf ohne Schnuller zu machen. Wenn das erst einmal klappt, ist Ihr Kind schon einen großen Schritt weiter und die schnullerfreie Nacht nicht mehr weit entfernt. Achten Sie darauf, dass Sie ihm den Schnuller nach dem Einschlafen wieder aus dem Mund nehmen.

Tipps, damit Ihr Kind sich erst gar nicht zu sehr an den Schnuller gewöhnt

Um Ihnen und Ihrem Kind den Abgewöhnungsprozess so leicht wie möglich zu machen, sollten Sie rechtzeitig damit beginnen. Folgende Tipps können Sie beherzigen, um die Abhängigkeit vom Schnuller von vornherein möglichst gering zu halten:

  • Je früher Sie den Einsatz des Schnullers dosieren, desto leichter wird die komplette Entwöhnung. Lassen Sie Ihr Kind von Beginn an nicht permanent nuckeln.
  • Bewahren Sie den Schnuller nicht griffbereit für Ihr Kind auf, damit Sie in der Situation selbst entscheiden können, ob der Schnuller oder etwas anderes hilft.
  • Bieten Sie den Schnuller nur in Ausnahmefällen (z. B. im Auto) selbst an. Warten Sie ansonsten, bis Ihr Kind danach verlangt.
  • Verwenden Sie ihn nur gelegentlich und nicht als „Dauerlösung“.
  • Möchten Sie Ihr Baby mit dem Schnuller beruhigen, lassen Sie es nur so lange nuckeln, bis es sich entspannt und nehmen Sie den Schnuller dann wieder aus dem Mund.
  • Setzen Sie den Schnuller nicht zum Trösten Ihres Babys ein. Nehmen Sie Ihr Kind lieber in den Arm, streicheln Sie es und beruhigen Sie es mit Worten.
  • Versuchen Sie möglichst früh, tagsüber auf den Einsatz des Schnullers zu verzichten.
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht mit dem Schnuller im Mund sprechen. Sagen Sie ihm, dass Sie es nicht verstehen können und es den Schnuller dazu herausnehmen muss.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2017
Quellen: Deutscher Hebammenverband e.V. (Hrsg.): Entspannt erleben. Babys 1. Jahr. Alles Wichtige: Ernährung, Schlafen, gesunde Entwicklung, Pflege. Trias Verlag, Stuttgart 2015; Edelmann, Dr. med. K., Gebauer-Sesterhenn, B., Pilkkinen, A.: Die ersten 3 Jahre meines Kindes. Das umfassende Standardwerk zu Entwicklung, Gesundheit und Erziehung. Gräfe und Unzer Velag, München 2014; Gebauer-Sesterhenn, B., Praun, M.: Das große GU Babybuch. Gräfe und Unter Verlag, München 2012; Hoffmann, C. (Hrsg.), Richter-Ulmer, N.: Wie Kinder schlafen lernen. Compact Verlag, München 2010; Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de, Abruf: 29.07.16; Online-Informationen der Zahnärztekammer Nordrhein: www.zahnaerztekammernordrhein.de, Abruf: 29.07.16

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