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Mittwoch, 22. Februar 2017
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Varikozele (Krampfader am Hoden)

Varikozele (Krampfader am Hoden)
Männer mit Varikozele haben oft keine Beschwerden, die Diagnose erfolgt erst bei unerfülltem Kinderwunsch
(c) Getty Images/iStockphoto

Varikozelen sind sicht- und tastbare Erweiterungen der Venen am Hoden. Dies ist ein Venengeflecht im Hodensack, welches den Samenstrang umgibt. Fast immer tritt die Varikozele am linken Hoden auf. Bei mehr als einem Drittel aller unfruchtbaren Männer finden Ärzte auch diese Symptomatik.

Eine Varikozele tritt am häufigsten zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf. Meist stellt sich eine Varikozele bereits vor oder während der Pubertät ein.

Ursachen für Varikozele nicht abschließend geklärt

Ursache hierfür scheint eine Venenschwäche der Hodenvene zu sein. Bei einer solchen Venenschwäche staut sich das Blut in der Vene und sie vergrößert sich im Volumen. Dies bewirkt einen Temperaturanstieg im Hodensack, der vermutlich negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann. Nur sehr selten entsteht auch eine Varikozele aufgrund einer Tumorerkrankung. Experten gehen davon aus, dass etwa 15 Prozent aller Männer von einer Varikozele betroffen sind.

Es gibt verschiedene Thesen für die Entstehung der Varikozele: Von gestörten hydrostatischen Druckverhältnissen über ungünstigen Venenverlauf bis hin zu angeborenen Gefäßwandschäden werden viele Möglichkeiten diskutiert.

Varikozele-Grad: Einteilung in drei Schweregrade

Die Varikozele lässt sich in drei Grade einteilen:

  • Grad 1: Hier ist eine Varikozele nur beim sogenannten Valsalva-Manöver für den Untersuchenden tastbar. Bei diesem „Pressdruckversuch“ hält der Betroffene nach tiefer Einatmung die Luft an und baut über die Bauch- und Ausatemmuskulatur Druck im gesamten Bauchraum auf. Durch diesen wird der Rückfluss in den Venen stark gebremst, daher ist bei positivem Befund nun die Varikozele tastbar.
  • Grad 2: Hier ist bereits ohne Valsalva-Manöver eine Varikozele im Liegen tastbar.
  • Grad 3: Bei der drittgradigen Varikozele ist das deutlich erweiterte Venengeflecht bereits am stehenden Patienten sichtbar, ohne einen Test durchführen zu müssen. 

Symptome der Varikozele: Schmerzen treten nicht immer auf

Häufig haben Männer mit Varikozele keine Beschwerden. Nur bei ausgeprägtem Befund kann es zu diffus ziehenden Schmerzen im erweiterten Gebiet der Hoden kommen. Häufig wird eine Varikozele erst aufgrund der Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch diagnostiziert. Ansonsten fällt sie nur beim Tasten auf oder wenn sie bereits sichtbar ist.

Bestätigung der Diagnose: Varikozele und Kinderwunsch

Um eine Varikozele sichtbar zu machen, führt der Arzt eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) durch. Bei Verdacht auf Unfruchtbarkeit (Infertilität) kann ein Spermiogramm durchgeführt werden. Man geht davon aus, dass im von den Krampfadern betroffenen Hoden veränderte chemische Prozesse laufen, die Einfluss auf die Spermien haben können. Bei etwa 15 bis 50 Prozent der Männer besteht zeitgleich eine Unfruchtbarkeit oder das OAT-Syndrom. Aber 80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind fruchtbar. Ob mit einer Varikozele-OP die Zeugungsfähigkeit verbessert werden kann, wird kontrovers diskutiert.

Varikozele: OP als Behandlung bei Schmerzen möglich

Aufgrund ihres Bestehens ist eine Varikozele nicht behandlungsbedürftig, sie kann aber thrapiert werden, wenn der Betroffene unter Schmerzen leidet. Je nach Befund kann bei einer Varikozele eine Operation erforderlich sein oder angeraten werden. Bei anhaltenden Schmerzen oder bei Kinderwunsch, wenn die Krampfader am Hoden die Spermienqualität vielleicht beeinflusst, ist dies eine Option. Vor der Varikozele-OP wird ein Spermiogramm durchgeführt. Auch beim OAT-Syndrom kann eine OP angezeigt sein. Bei dem Eingriff kann die Hodenvene unterbunden und das vergrößerte Venengeflecht entnommen werden. Hier stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Dies bewirkt meist eine Verkleinerung des Hodensacks auf Normalgröße zurück. Eine Verödung ist ebenfalls möglich. Der Eingriff ist auf herkömmliche oder mikrochirurgische Weise möglich.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. April 2016
Quellen: Breckwoldt, M., Kaufmann, M.; Pfleiderer, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag, Stuttgart 2008; Keck, C., Neulen, J., Behre, H., Breckwoldt, M.: Endokrinologie Reproduktionsmedizin Andrologie, Thieme Verlag Stuttgart 2002; De Gruyter: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. de Gruyter Verlag, Berlin 2013; Lent, V., Oehler, E.: Fehler bei der Behandlung einer Varikozele. Online-Informationen der Ärztekammer Nordrhein, www.aekno.de, (Stand: 31.08.2012; Abruf: 15.04.2016)

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