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Sonntag, 26. März 2017
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Adoption

Adoption
Die Zahl der Adoptionen nimmt in Deutschland ab, gleichzeitig kommen immer noch sieben Paare/Personen als Bewerber auf ein zu adoptierendes Kind
iStock/anyaberkut

Eine Adoption kann eine Option darstellen, wenn es mit dem leiblichen Wunschkind aus welchen Gründen auch immer nicht klappt. Dazu müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Der Wunsch, durch Adoption ein Kind aufzunehmen, betrifft in der Regel Paare oder alleinstehende Frauen, deren Kinderwunsch sich nicht erfüllen lässt oder Personen, die das Kind des Partners adoptieren möchten (Stiefkindadoption), das aus einer vorherigen Beziehung stammt oder homosexuelle Paare, die eine Regenbogenfamilie gründen möchten. Eine Adoption ist keine einfache Angelegenheit, sondern vielmehr ein meist langwieriger Prozess, der für den oder die Adoptierenden oftmals große Hürden bereitstellt. Alles dreht sich hierbei letztendlich um das Wohl des Kindes.

Rückgang der Adoptionen in den letzten 20 Jahren

Zwischen 1995 und 2015 ist die Zahl der Adoptionen in Deutschland stetig gesunken. Während 1995 noch knapp 8.000 Kinder adoptiert wurden, waren es im Jahr 2005 nur noch knapp 4.800 und im Jahr 2015 noch 3.812.

Ein nicht unerheblicher Anteil der Kinder wird vom neuen Partner des Elternteils adoptiert (in 2015: 2.319 Stiefkindadoptionen), um die rechtliche Situation dieser sogenannten Patchworkfamilien zu verbessern. Bei 1.362 Adoptionen standen die Adoptiveltern vorher nicht in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Adoptivkind. Auf ein zur Adoption freigegebenes Kind kommen in Deutschland aber immer noch sieben adoptionswillige Paare bzw. Personen.

Der Rückgang der Adoptionen wird auf die stetige Weiterentwicklung der Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung zurückgeführt. Unter anderem kann das dazu führen, dass potentielle Adoptanten auch älter werden. Zwar gibt es kein gesetzlich festgelegtes Höchstalter für Adoptionen, der Gesetzgeber spricht sich aber für einen "natürlichen Abstand" des Elternalters im Verhältnis zum Kindesalter aus. Das bedeutet: Ein älteres Paar hat unter Umständen größere Chancen auf die Bewilligung der Adoption, wenn es ein bereits älteres Kind adoptieren möchte.

Voraussetzungen für eine Adoption

Für Ehepaare gilt, dass ein Ehegatte mindestens 25 Jahre alt sein muss, der andere mindestens 21. Eine Annahme eines gemeinschaftlichen Kindes einer eheähnlichen Gemeinschaft ist nicht möglich. In einer Ehe ist es jedoch möglich, dass ein Ehepartner ein Kind des anderen Partners aus einer vorherigen Beziehung adoptiert und dieses dann zum gemeinsamen Kind wird. Dies gilt seit Februar 2013 auch für gleichgeschlechtliche eingetragene Partnerschaften. Bei unverheirateten Paaren kann jedoch nur ein Partner ein Kind adoptieren. Hier wird die Situation allerdings besonders kritisch geprüft, da die Gesetzgebung erzielt, dass das Kind in einer „intakten Familie“ leben soll. Auch Alleinstehende können ein Kind adoptieren.

Adoption: Kosten

Die Adoption an sich ist in Deutschland kostenfrei. Es entstehen allerdings Kosten für Beglaubigungen, Notare oder Führungszeugnisse. Eine Auslandsadoption ist kostenpflichtig. Ihre Höhe hängt unter anderem vom Herkunftsland des zu adoptierenden Kindes mit den entsprechenden Vorschriften ab.

Kritische Prüfung durch Behörden vor einer Adoption

Generell müssen bei einer Adoption beide leiblichen Eltern sowie das Kind zustimmen. Ist das Kind unter 14 Jahre alt, bestimmt der gesetzliche Vertreter (Elternteil, Vormund) die Entscheidung. Bei allen bezüglich einer Adoption abzugebenden Erklärungen bedarf es notarieller Beurkundungen. Außerdem legen Adoptionsbehörden großen Wert darauf, dass der Altersunterschied zwischen Eltern und Kind nicht größer als 40 Jahre ist, allerdings bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Nach einer „Probezeit“, in der das zu adoptierende Kind ein Jahr oder länger in der Familie als Pflegekind lebt, kann dann bei Zustimmung der Behörden die Adoption vollzogen werden. Eine Aufhebung einer Adoption ist so gut wie unmöglich. Sie kann nur bei schwerwiegenden Gründen, etwa Missbrauch des Kindes, ausgesprochen werden. Eine Aufhebung einer Adoption zum Wohl der Eltern ist hier unmöglich.

Auslandsadoption

Die Auslandsadoption oder internationale Adoption unterliegt in Deutschland neben den deutschen Vorschriften auch dem Haager Adoptionsübereinkommen. Grundsätzlich ist eine Auslandsadoption möglich. Sie muss nach dem Adoptionswirkungsgesetz in einem gerichtlichen Verfahren anerkannt werden. Ein über die Auslandsadoption adoptiertes Kind hat nach Feststellung der Anerkennung genau den gleichen Status wie ein aus dem Inland adoptiertes Kind. Mit der Rechtskräftigkeit der Adoption erhält das Kind automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft (bzw. die Staatsbürgerschaft der Eltern).

Die Kosten einer Auslandsadoption belaufen sich neben den auch im Inland anfallenden Kosten für Notar, Führungszeugnisse und Bescheinigungen auf 800 Euro. Darüber hinaus müssen noch Kosten für Übersetzungen und ggf. national spezifische Besonderheiten eingeplant werden. Die Kosten einer Auslandsadoption sind insgesamt wesentlich höher als die einer Adoption im Inland.

Anlaufstellen

Zuständig sind die Adoptionsstellen der Jugendämter sowie freie Träger, die für eine internationale Adoption zugelassen sind. Wie lange so ein Adoptionsverfahren dauert, hängt auch von den Vorschriften im Herkunftsland ab.

Haager Adoptionsübereinkommen

Um illegale Vermittlungen von Kindern, Kinderhandel und Kindesentführungen zu verhindern und damit die Rechte von Kindern zu sichern, wurde mit dem Haager Adoptionsübereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption ein Abkommen über die Zusammenarbeit der Behörden bei Auslandsadoptionen geschlossen. Es besagt unter anderem, dass ein Kind erst zur Adoption ins Ausland vermittelt werden darf, wenn vor Ort alle Möglichkeiten der Adoption ausgeschöpft wurden, sich im Heimatland also keine Adoptanten für ein Kind finden lassen.

Adoption – eine weitreichende Entscheidung

Paare oder Einzelpersonen sollten sich der Tragweite einer Adoption bewusst sein. Alle Überlegungen sollten ausschließlich dem Wohl des Kindes dienen und gut durchdacht sein. Es geht bei einer Adoption nicht darum, ein Kind für ein Paar zu finden, sondern Eltern für ein Kind. Adoptiveltern sollen dem Kind so lange wie möglich zu Seite stehen, nicht nur bis zur Volljährigkeit und sollten dem Kind gegenüber möglichst offen mit dem Thema Adoption umgehen.

Rechtliche Folge einer Adoption

Die Verwandtschaftsverhältnisse zur leiblichen Familie mit allen Rechten und Pflichten erlöschen mit der Adoption. Das adoptierte Kind steht nun zur Familie und Verwandtschaft der Adoptiveltern im gleichen Verhältnis wie ein leibliches Kind. Es erhält in der Regel auch den Familiennamen seiner Adoptiveltern.

Für das Adoptivkind wird eine neue Geburtsurkunde mit dem neuen Familiennamen ausgestellt. Aus der Geburtsurkunde ist nicht ersichtlich, ob es sich um ein leibliches oder um ein Adoptivkind handelt. Lediglich aus dem Abstammungsbuch ist die familiäre Herkunft des Kindes ersichtlich. Verfügt ein Kind über eine ausländische Staatsbürgerschaft, erhält es automatisch mit der Adoption die deutsche Staatsbürgerschaft, sofern die Eltern auch deutsche Staatsangehörige sind.

Recht auf Kenntnis der Abstammung

Die Adoptionsakten sowie alle Umstände im Zusammenhang mit der Adoption unterliegen der Geheimhaltung. In Deutschland hat ein Adoptivkind allerdings ein Recht auf Kenntnis seiner Herkunft und seiner familiären Herkunftsgeschichte. Ab seinem 16. Lebensjahr hat es die Möglichkeit, Einsicht in die Gerichts- und Vermittlungsakten zu nehmen. Die Vermittlungsakten müssen ab der Geburt des Kindes 60 Jahre lang aufgehoben werden.

Kind zur Adoption freigeben

Wer ein Kind zur Adoption freigeben möchte, kann dies entweder direkt nach der Geburt oder auch zu einem späteren Zeitpunkt tun. Der frühestmögliche Zeitpunkt zur Einwilligung in eine Adoption ist jedoch acht Wochen nach der Geburt des Kindes. Voraussetzung ist, dass beide leiblichen Elternteile der Adoption zustimmen, unabhängig davon, wer das Sorgerecht hat. Bei unbekanntem Vater reicht die Einwilligung der Mutter aus. Kinder über 14 Jahre müssen ebenfalls ihr Einverständnis zur Adoption geben. Bei Kindern unter 14 Jahren willigt der gesetzliche Vertreter stellvertretend für das Kind ein. Beide Einwilligung müssen notariell beurkundet werden.

Sein Kind zur Adoption freizugeben, ist ein großer, nicht mehr rückgängig zu machender Schritt, der aber manchmal für Eltern die einzige Möglichkeit darstellt, dem Kind ein gutes und sicheres Zuhause zu bieten. Anlaufstellen sind die Adoptionsvermittlungsstellen des Jugendamtes oder von freien Trägern. Dort erhalten leibliche Eltern eine umfassende und vertrauliche Beratung, auf Wunsch auch anonym. Da es immer auch das Ziel ist, erst einmal zu schauen, ob es nicht doch Möglichkeiten gibt, das Kind in der leiblichen Familie zu belassen, kommt der Adoptionsprozess auch erst nach einer ausführlichen Beratung in Gang.

Die leiblichen Eltern können neben der offenen (bei der offenen Adoption lernen sich Adoptiveltern und leibliche Eltern kennen) auch eine Inkognitoadoption wählen und wenn sie mögen, auf die Bewerberauswahl Einfluss nehmen und so das Adoptionsverfahren mitgestalten. So kann zum Beispiel festgelegt werden, in welcher Religion die künftigen Adoptiveltern das Kind erziehen.

Der Einfluss auf das Adoptionsverfahren ist unabhängig davon, ob Kontakt zu den Adoptiveltern gewünscht wird oder nicht. Wer sein Kind zur Adoption freigibt sollte wissen, dass dieses ab Vollendung des 16. Lebensjahrs ein gesetzliches Recht auf Einsicht in die Adoptionsakten und die familiären Gesundheitshintergründe hat.

Ablauf einer Adoption

Zunächst stellt die Adoptionsstelle fest, ob ein Paar oder eine Person grundsätzlich dafür geeignet ist, ein Kind zu adoptieren. Wird die Eignung festgestellt, heißt das aber nicht automatisch, dass es auch zur Adoption kommt, da auf ein Kind sieben Adoptions"bewerber" kommen. Die Adoptionsstelle entscheidet, welche Eltern am besten für ein Kind geeignet sind. Es kommt dann ggf. mit einem Vorschlag auf die Adoptionsinteressenten zu. In der Regel erhalten die Bewerber Informationen über ein Kind sowie ein Foto. Sie können dann entscheiden, ob sie das Kind kennenlernen möchten.

Wenn geeignete Adoptiveltern für ein Kind gefunden wurden und die Adoption von der Adoptionsstelle befürwortet wird, müssen die leiblichen Eltern zustimmen, dass das Kind zunächst zu den Adoptiveltern kommt (Adoptionspflegschaft). Wie lange die Adoptionspflege dauert, richtet sich unter anderem nach dem Alter des Kindes. Ältere Kinder sind normalerweise etwas länger in der Adoptionspflege als jüngere.

Danach haben die leiblichen Eltern das Recht zur Freigabe, indem sie eine Einverständniserklärung beim Notar unterschreiben. Diese wird vom Notar beurkundet. In seltenen Fällen, etwa wenn die Eltern ihre Pflichten gegenüber dem Kind schwer verletzen, kann die Einwilligung auch vom Jugendamt abgegeben werden. Die Einwilligung geht zum Familiengericht und ist mit Eingang wirksam, das heißt, in dieser Zeit ruht das elterliche Sorgerecht und liegt beim Jugendamt. Ab diesem Zeitpunkt kann die Adoption in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Rechtsgültig ist die Adoption, wenn die Adoptiveltern den Adoptionsanstrag beim Familiengerecht gestellt haben und das Familiengericht mit Beteiligung der Adoptionsvermittlungsstelle die Adoption bewilligt. Das Kind hat nun die gleichen Rechte wie ein leibliches Kind und in der neu ausgestellten Geburtsurkunde werden die Adoptiveltern als Eltern angegeben. Die Adoption ist damit abgeschlossen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. Februar 2017
Quellen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Adoption. www.familien-wegweiser.de (Abruf: Februar 2017); Online-Informationen des Bayerischen Rundfunks, http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/familie/adoptionen100.html (Stand: Februar 2013); Online- Informationen des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden: www.destatis.de, Stand: September 2016

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