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Samstag, 27. Mai 2017
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Neue Studie: IVF neuer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten

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Das erste Anzeichen für eine Gefäßstörung kann ein erhöhter Blutdruck bei Kindern sein
(c) iStockphoto

Neuere Studien liefern Hinweise darauf, dass In-vitro-Fertilisation (IVF) ein neuer wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen bei Kindern sein könnte. Dies auf dem Kongress der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft (ESC) in London berichtet.

Eine kürzlich publizierte Studie über Kinder, die mithilfe der künstlichen Befruchtung gezeugt wurden, zeigte eine ausgeprägte generalisierte Funktionsstörung der Gefäße und eine deutlich erhöhte Gefäßwanddicke (Intima-Media Dicke, IMT) der Halsschlagader im Vergleich zu Kontrollkindern. Im Gegensatz dazu war die Gefäß-Funktion zum Beispiel der Eltern dieser Kinder und bei natürlich gezeugten Geschwistern normal. Dr. Rexhaj vom Inselspital Bern: „Das erlaubt den Schluss, dass IVF per se die Funktionsstörung der Gefäße verursacht.“ Die Funktionsstörung der Gefäße zusammen mit der erhöhten IMT entsprach bereits dem ersten Stadium einer vorzeitigen Arteriosklerose.

Hoher Blutdruck bei Kindern als erstes Anzeichen

Als erste Folge der arteriellen Funktionsstörung der Gefäße manifestiert sich bei IVF-Kindern bereits in jungen Jahren ein erhöhter Blutdruck im Vergleich zu Kontrollgruppen. „In unserer 5-Jahre Folge-Studie bestand bei IVF-Kindern die Funktionsstörung der Gefäße weiter, und 24h-Blutdruckmessungen zeigten signifikant erhöhte systolische und diastolische Blutdruckwerte. Diese Daten sprechen für eine wahrscheinliche Zunahme der Häufigkeit von arteriellem Bluthochdruck in der IVF-Population bereits in jungen Jahren.“, so der Experte.

Zusammengefasst zeigen die vorliegenden Daten, dass beim Menschen und im Tiermodell IVF zu vorzeitiger Gefäßalterung und arteriellem Bluthochdruck führt. Im Mausmodell ist ein sogenannter epigenetischer Mechanismus für diese Veränderungen verantwortlich, erklärt Dr. Rexhaj. Epigenetik befasst sich mit der Vererbung von nicht genetisch festgelegten Eigenschaften. Männliche IVF-Mäuse vererben zum Beispiel die Funktionsstörung der Gefäße an die nächste Generation. Ein Zusammenhang zwischen schädlichen Einflüssen während der Fötalzeit und einer erhöhten Häufigkeit von kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen im späteren Leben konnte bereits vielfach gezeigt werden, so Dr. Rexhaj. IVF umfasst die Manipulation des frühen Embryos in einer möglicher Weise besonders empfindlichen Phase: „Ein ähnlicher Mechanismus wird bei IVF-Kindern angenommen.“

Zukünftige Berücksichtigung für Prävention

Da die Menschen, die mit IVF gezeugt wurden, heute insgesamt noch sehr jung sind, werden sich genauere Zahlen erst in 20 bis 30 Jahren ergeben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten häufig erst im fünften Lebensjahrzehnt auf. Mit den neuen Erkenntnissen wäre es jedoch für Ärzte wichtig, zukünftig bei der Krankheitsgeschichte zu erfragen, ob eine IVF bei den Eltern stattfand. So könnten genauere Präventions- und Behandlungsmaßnahmen erarbeitet werden.

Starke Zunahme von IVF weltweit

Die weltweite Infertilitäts-Häufigkeit wird konstant auf etwa neun Prozent geschätzt. Bereits heute werden in westlichen Ländern zwei bis fünf Prozent aller Geburten mithilfe von IVF ermöglicht. „Diese neuen Daten machen deutlich, dass sich hier mittelfristig wohl ein Faktor entwickelt, der künftig einen relevanten Einfluss auf die Herz-Kreislaufmorbidität haben wird und daher in der Versorgungsplanung berücksichtigt werden sollte“, so der Pressesprecher der DGK Prof. Eckart Fleck (Berlin).

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. September 2015
Quellen: ESC 2015 Abstract Assisted reproductive technologies-induced premature vascular ageing persists and evolves into arterial hypertension in adolescents; E. Rexhaj, R. Von Arx, D. Cerny, R. Soria, E. Bouillet, C. Sartori, U. Scherrer, SF. Rimoldi

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