Hyperemesis gravidarum (übermäßiges Schwangerschaftserbrechen)

 Bei Mehrlingsschwangerschaften kommt es durch die hohe hCG-Konzentration häufiger zu Hyperemesis gravidarum

Bei Mehrlingsschwangerschaften kommt es durch die hohe hCG-Konzentration häufiger zu Hyperemesis gravidarum
(Foto: fStop)

Von einer Hyperemesis gravidarum (übermäßiges Schwangerschaftserbrechen) spricht man, wenn sich Frauen während der Schwangerschaft anhaltend mehr als fünf Mal pro Tag übergeben müssen und mehr als fünf Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Weltweit sind etwa 0,5 bis zwei Prozent der schwangeren Frauen betroffen, wobei lebensbedrohliche Formen nur noch sehr selten vorkommen.


Zwei Schweregrade der Hyperemesis gravidarum
Ursachen der Hyperemesis gravidarum
Symptome der Hyperemesis gravidarum
Diagnose der Hyperemesis gravidarum
Therapie einer Hyperemesis gravidarumt
Verlauf einer Hyperemesis gravidarum
Kann man einer Hyperemesis gravidarum vorbeugen?

Zwei Schweregrade der Hyperemesis gravidarum

Man kann die Hyperemesis gravidarum in zwei Schweregrade einteilen: Grad 1 zeichnet sich durch Übelkeit, Erbrechen und Krankheitsgefühl aus, Grad 2 durch einen zusätzlich gestörten Stoffwechsel, Wasser- und Mineralhaushalt.

Von einer Hyperemesis gravidarum wird die so genannte Emesis gravidarum unterschieden. Sie tritt gerade in den ersten zwölf bis 16 Schwangerschaftswochen sehr häufig auf und geht ebenfalls mit Übelkeit und Erbrechen einher. Die Beschwerden sind allerdings milder ausgeprägt und die betroffenen Frauen fühlen sich häufig besser, nachdem sie sich übergeben haben. Stoffwechselstörungen treten dabei nicht auf. Meist verschwindet diese Form der Schwangerschaftsübelkeit innerhalb der ersten 20 Schwangerschaftswochen von selbst.


Ursachen der Hyperemesis gravidarum

Bisher sind die Ursachen der Hyperemesis gravidarum nicht genau bekannt. Folgende Risikofaktoren scheinen sie aber zu begünstigen:



Während einer Schwangerschaft bildet der Körper das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Chorion-Gonadotropin). Dieses Hormon scheint in höheren Konzentrationen Übelkeit und Erbrechen zu fördern. Da Mehrlingsschwangerschaften und Trophoblastenerkrankungen mit besonders hohen hCG-Spiegeln einhergehen, kommt es in beiden Fällen vermutlich auch häufiger zu einer Hyperemesis gravidarum.

Eine Verbindung zwischen einer bakteriellen Magenschleimhautentzündung und einer Hyperemesis gravidarum wird ebenfalls für möglich gehalten.

Auch Stress und Anspannung scheinen das übermäßige Schwangerschaftserbrechen zu fördern.


Symptome der Hyperemesis gravidarum

Schwangere mit einer Hyperemesis gravidarum fühlen sich meist sehr krank. Sie klagen über Übelkeit und müssen sich über den Tag und die Nacht verteilt mehr als fünf Mal übergeben. Der damit einhergehende Verlust an Nährstoffen, Elektrolyten und vor allem Flüssigkeit kann von den Frauen nicht mehr ausgeglichen werden. Sie verlieren deutlich an Gewicht und trocknen aus (Exsikkose). Letzteres kann sich durch permanenten Durst, trockene Haut und Schleimhäute, niedrigen Blutdruck oder eine sinkende Harnmenge bemerkbar machen. In fortgeschrittenen Fällen können auch Fieber und Benommenheit auftreten. Als Hinweis auf eine gestörte Leberfunktion können sich Augen und Haut gelb verfärben (Ikterus).


Diagnose der Hyperemesis gravidarum

Erste Hinweise auf eine Hyperemesis gravidarum erhält der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Es folgt die körperliche Untersuchung, bei der insbesondere auf Zeichen der Austrocknung, wie eine trockene Zunge, stehende Hautfalten oder einen niedrigen Blutdruck mit hohem Puls geachtet wird. Zudem wird das Gewicht der betroffenen Frau bestimmt.

Der Ultraschall kann zudem Hinweise auf eine Trophoblastenerkrankung, die als Risikofaktor für die Hyperemesis gravidarum gilt, liefern.

Inwieweit der Wasser- und Mineralhaushalt sowie der Stoffwechsel, wie beispielsweise der Fettstoffwechsel, gestört sind, kann mit einer Untersuchung des Harns und des Bluts herausgefunden werden. Der Harn wird auf seine Menge, sein Gewicht und bestimmte Inhaltsstoffe wie Elektrolyte und Azeton geprüft. Azeton ist eine Säure. Sie kommt sowohl im Harn als auch im Blut vor, wenn der Körper einem längerem Hungerzustand ausgesetzt war. Im Blut werden neben Azeton unter anderem die Konzentrationen des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), der Elektrolyte, des Blutzuckers (Glukose) sowie Leber- und Schilddrüsenwerte bestimmt.

Bei sehr hartnäckigem Erbrechen sollten schließlich auch andere mögliche Ursachen, wie beispielsweise eine Magenschleimhautentzündung, eine Entzündung der Leber (Hepatitis) oder der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), ausgeschlossen werden.


Therapie einer Hyperemesis gravidarum

Die Therapie einer Hyperemesis gravidarum kann ambulant erfolgen oder aber eine Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich machen. Da die Ursachen einer Hyperemesis gravidarum bisher ungeklärt sind, konzentriert sich die Therapie in den meisten Fällen darauf, die Stoffwechselsituation zu verbessern und Beschwerden zu lindern.

Ambulante Therapie

Zunächst wird die Ernährung auf eine kohlenhydratreiche, fettarme Kost umgestellt, die auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt wird. Das Frühstück (Tee, Toast oder Zwieback) sollte die Schwangere im Bett vor dem Aufstehen zu sich nehmen. Markante Gerüche wie beispielsweise Fleischgeruch sollten umgangen werden, da diese häufig Übelkeit und Erbrechen auslösen können. Zwischen den Mahlzeiten sollte versucht werden, Flüssigkeit zuzuführen. Zudem werden so genannte Antiemetika eingesetzt. Es handelt sich dabei um Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen mildern können.

Stationäre Therapie

Bei fortgeschrittener Hyperemesis gravidarum wird die Schwangere stationär aufgenommen. Zu Beginn wird die eigene Nahrungsaufnahme komplett eingestellt. Stattdessen erhält die betroffene Frau ausreichend Flüssigkeit, Mineralstoffe und alle notwendigen Nährstoffe wie Kohlenhydrate und Aminosäuren als Infusion über die Venen. Zusätzlich werden Vitamine und Medikamente wie Antiemetika bei Bedarf verabreicht. Sobald sich die Frau nicht mehr oder nur noch wenige Male am Tag übergeben muss, kann sie langsam wieder anfangen, Nahrung zu sich zu nehmen. Häufig bessern sich auch die Beschwerden, sobald die Frau aus ihrem gewohnten Umfeld raus ist. Dies spricht für eine psychologische Komponente.

Während des gesamten Krankenhausaufenthalts sollte die betroffene Frau psychologisch unterstützt werden.


Verlauf einer Hyperemesis gravidarum

Schwere Verläufe einer Hyperemesis gravidarum mit lebensbedrohlichen Zuständen treten heute nur noch sehr selten auf. Da das schwere Schwangerschaftserbrechen über einen längeren Zeitraum auftreten und zudem sehr zehrend und belastend für die betroffenen Frauen sein kann, können sich im Verlauf Depressionen entwickeln. Suizidgedanken und auch der Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch können entstehen. Die zusätzliche psychologische Betreuung ist daher sehr wichtig.

Bei länger anhaltendem Schwangerschaftserbrechen kann auch ein Vitamin-B-Mangel entstehen, der zu Kribbelmissempfindungen an den Gliedmaßen bis hin zu Bewusstseinsstörungen führen kann. Äußerst selten kann das andauernde Erbrechen auch zu Verletzungen der Lunge oder der Speiseröhre führen. Die veränderten Konzentrationen der Elektrolyte insbesondere des Kaliums können zudem Herzrhythmusstörungen begünstigen.

Durch die fehlenden Nährstoffe kann es nicht nur bei der Frau zu Mangelerscheinungen kommen. Auch das Ungeborene kann unterversorgt sein und in seinem Wachstum gebremst werden.


Kann man einer Hyperemesis gravidarum vorbeugen?

Einer Hyperemesis gravidarum kann bisher nicht vorgebeugt werden.



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Quellen:
Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer, München 2006
Mylonas, I., Gingelmaier, A., Kainer, F.: Erbrechen in der Schwangerschaft. Deutsches Ärzteblatt 2007; 104 (25): A-1821 / B-1604 / C-1544

 

Autor: Yvonne Leupold 
Letzte Änderung am: 18.05.2009