Herpes simplex
Über 90 Prozent aller Kleinkinder in den westlichen Ländern tragen bereits das Herpes-simplex-Virus Typ 1 in sich
(Quelle:Balzer Matthias / PIXELIO)
Herpes simplex ist eine Viruserkrankung mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV). Es gibt zwei verschiedene Virus-Typen, die an unterschiedlichen Stellen des Körpers Beschwerden verursachen: das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) und das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2).
HSV-1 ist wesentlich weiter verbreitet als HSV-2. Über 90 Prozent aller Kleinkinder in den westlichen Ländern tragen es bereits in sich. Nach der Pubertät und mit zunehmenden Sexualkontakten treten die meisten Infektionen mit HSV-2 auf. Etwa ein Fünftel aller Erwachsenen ist damit infiziert.
Was sind die Ursachen von Herpes simplex?
Ursächlich für die Entstehung von Herpes simplex ist eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus. Die Erstinfektion erfolgt meist bereits im Kleinkindalter durch HSV-1. Übertragen wird das Virus durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion, etwa durch Speichel beim Küssen. Aber auch für genitale Herpes-Erkrankungen kann das Herpes-simplex-Virus Typ 1 verantwortlich sein.
Die Ansteckung mit HSV-2 erfolgt überwiegend über die Genitalien. Herpes simplex vom Typ 2 ist eine sexuell übertragbare Krankheit und betrifft Scheide, Vulva und Penis, aber auch den Anus. Auch bei der Geburt kann HSV-2 von der Mutter auf das Kind weitergegeben werden.
Herpes simplex bleibt latent im Körper. Es tritt meist bei einer geschwächten Immunabwehr wieder auf. Bestimmte Auslöser können eine Reaktivierung daher begünstigen:
- UV-Strahlung
- Verletzungen oder Verbrennungen
- Hormonelle Faktoren (Menstruation)
- Psychische Belastungen (Stress)
- Fieber
Was sind die Symptome von Herpes simplex?
Die Symptome von Herpes simplex sind vielfältig und vom Virus-Typ abhängig. Herpex-simplex-Virus Typ 1 verursacht Infektionen oberhalb der Gürtellinie, hauptsächlich im Gesicht. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Herpex simplex-Infektion ist das Lippenherpes (Herpes labialis).
Nach der ersten Infektion mit Herpes simplex (Primärinfektion) treten im Anschluss an eine Inkubationszeit von durchschnittlich zwei bis acht Tagen die ersten äußerlich sichtbaren Zeichen auf. Typisch sind schmerzhafte, nässende Bläschen in der Mundhöhle, auf der Zunge oder den Lippen. Sind die Genitalien betroffen, entstehen Schleimhautschwellungen, Bläschen und Entzündungen an den entsprechenden Stellen. Juckreiz und leichte Rötungen der Stellen, an denen sich später die Bläschen zeigen, sind frühe Symptome.
Die Primärinfektion mit Herpes simplex verläuft häufig mit Fieber und körperlicher Abgeschlagenheit. Gelegentlich sind die Lymphknoten geschwollen. Infektionen bei Neugeborenen verlaufen schwerer und gehen mit hohem Fieber einher.
Das Virus verbleibt latent im Körper und wandert in das periphere Nervensystem. Von dort kann es in unregelmäßigen Abständen reaktiviert werden. Die Ausbrüche finden meist an der Stelle der ersten Infektion statt. Je nach Alter und Allgemeinzustand sind die Symptome unterschiedlich schwer.
Wie wird Herpes simplex diagnostiziert?
Normalerweise reichen die typischen Symptome zur Diagnose des Herpes simplex aus. Die infizierte Stelle zeigt die charakteristischen Bläschen oder Gewebszerfall an Haut oder Schleimhaut.
Bei unklarer Diagnose weist man die Herpes simplex-Antikörper im Blut oder aus einem Abstrich der infizierten Stelle nach.
Wie lässt sich Herpes simplex therapieren?
Die meisten Ausbrüche von Herpes simplex sind unkompliziert und heilen von alleine wieder ab. Der Wirkstoff Aciclovir unterstützt und beschleunigt die Abheilung der Bläschen. Aciclovir ist als Salbe rezeptfrei erhältlich. Es empfiehlt sich, die Salbe mit einem Wattestäbchen alle vier bis sechs Stunden auf die betroffenen Stellen zu geben. In besonders schweren Fällen oder wenn der Ausbruch lange anhält, kann Aciclovir in Tablettenform vom Arzt verschrieben werden.
Das Virus selbst ist nicht heilbar. Es bleibt im Körper und kann so immer wieder zu neuen Ausbrüchen führen. Die Behandlung von Herpes simplex richtet sich deshalb eher nach den Symptomen.
Welchen Verlauf hat Herpes simplex?
In den meisten Fällen verläuft Herpes simplex komplikationslos. Da es nicht heilbar ist und lebenslang im Körper bleibt, kann es jedoch immer wieder zu Ausbrüchen kommen. Ist auch das Auge betroffen, kommt es in seltenen Fällen zu Komplikationen.
Das Eczema herpeticatum Kaposi ist eine seltene Verschlimmerung der Herpes simplex-Infektion. Es tritt vor allem bei Kindern und Menschen mit Neurodermitis auf. Dabei breiten sich die Hautveränderungen über große Flächen aus. Begleitet werden die Symptome von hohem Fieber. Die Erkrankung dauert etwa zwei bis drei Wochen und bedarf unbedingt ärztlicher Behandlung.
Wie kann man Herpes simplex vorbeugen?
Das Immunsystem hat einen entscheidenden Einfluss auf das Wiederauftreten von Herpes simplex. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf sind deshalb empfehlenswert. Vor allem bei starker UV-Strahlung ist es ratsam, sich vor der Sonne zu schützen.
Um eine Infektion anderer Körperstellen zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Stellen bei einem Ausbruch nicht mit den bloßen Händen zu berühren. Vor sexuell übertragbaren Herpes simplex-Infektionen schützt der Gebrauch von Kondomen.
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Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): Herpes-simplex-Virus-(HSV)-Infektionen. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 048/003 (Stand: 1998)
Piper, W.: Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Autor: Karin Wunder
Letzte Änderung am: 09.02.2009
