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Samstag, 01. November 2014

Schielen (Strabismus) im Kindesalter

Schielen (Strabismus) im Kindesalter
Je früher die Therapie des Schielens einsetzt, desto besser ist es für die Entwicklung des Kindes
(c) Photo Alto

Schielen (Strabismus) ist eine Sehstörung, die bei Kindern sehr häufig auftritt. Bei dieser Erkrankung weicht ein Auge (oder auch beide) von der Parallelstellung ab, sodass beide Augen nicht in die gleiche Richtung blicken. Das schielende Augen kann in alle vier Richtungen von der Parallelstellung abweichen: nach oben, nach unten, nach innen und nach außen.

Bereits Kleinkinder können von der Sehstörung betroffen sein. Das Schielen kann sich allerdings auch erst später entwickeln. In Deutschland sind etwa fünf bis sieben von hundert Menschen von dieser Sehstörung betroffen.

Ursachen des Schielens

Wenn ein Kind schielt, kann das verschieden Ursachen haben. Oft kann eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. Das Schielen kann aber auch daher rühren, dass die Augenmuskulatur unterschiedlich starken Zug auf das Auge ausübt. Möglicherweise liegt bei einem Auge aber auch eine Sehschwäche vor.

Besonders häufig ist das Begleitschielen. Hierbei macht das schielende Auge die Bewegungen des gesunden Auges mit; es begleitet das gesunde Auge. Das Begleitschielen tritt speziell bei Kindern in den ersten vier Lebensjahren auf. Oft bleibt die Ursache dieses Schielens ungeklärt, doch werden Weitsichtigkeit und eine unterschiedlich starke Brechkraft der Augen für das Begleitschielen verantwortlich gemacht.

Das Lähmungsschielen wird durch eine Lähmung des Augenmuskels verursacht. Der Blick in bestimmte Richtungen ist nicht möglich. Das Lähmungsschielen kann in jedem Alter auftreten und viele Ursachen wie Durchblutungsstörungen oder Verletzungen des Augenmuskels haben.

Symptome: ungewöhnliche Blickrichtung

Typisches Symptom des Schielens ist eine ungewöhnliche Blickrichtung, die häufig schon von den Eltern bemerkt wird. Schielende Kinder kneifen oft die Augen zusammen oder decken mit einer Hand ein Auge ab. Auch wenn das Kind den Kopf immerzu schief hält, gereizt reagiert und sich ungeschickt fortbewegt, können dieses Symptome des Schielens sein.

Durch das Schielen wird die dreidimensionale Wahrnehmung des Kindes gestört. Das liegt daran, dass beide Augen in die gleiche Richtung blicken müssen, um die Umgebung als Raum erkennen zu können. Die beiden einzelnen Bilder, die das rechte und das linke Auge sehen, werden im Gehirn zu einem einzigen Bild zusammengefügt. Bei einem schielenden Kind weichen diese beiden Bilder so stark voneinander ab, dass das Gehirn sie nicht zu einem einzigen Bild zusammenfügen kann. Das Kind sieht stattdessen Doppelbilder. Hält dieser Zustand an, schaltet das Gehirn die Seheindrücke des schielenden Auges aus. Das Kind sieht fortan nur noch mit dem gesunden Auge.

Diagnose Schielen

Schielt ein Kind stark, wird die ungewöhnliche Blickrichtung häufig schon von den Eltern bemerkt. In diesem Fall sollten Eltern das Kind bei einem Augenarzt untersuchen lassen. Dieser strahlt bei der Augenuntersuchung mit einer Lampe in das Auge des Kindes. Dadurch kann er testen, ob das Licht in beiden Augen von der gleichen Stelle auf der Pupille reflektiert wird. Bei älteren Kindern fällt die Untersuchung beim Augenarzt gründlicher aus. Sie werden unter anderem dazu aufgefordert, Gegenstände mit den Augen zu fixieren. Manchmal wird ein Auge dabei abgedeckt. Mit den Ergebnissen einer gründlichen Untersuchung kann der Arzt sogar leichtes Schielen diagnostizieren.

Therapie: je früher, desto besser

Je früher die Therapie des Schielens einsetzt, desto besser ist es für die Entwicklung des Kindes. Die Entwicklung des Sehens ist bis zum Alter von etwa drei Jahren noch beeinflussbar, da das Gehirn noch nicht ausgereift ist.

Als ersten Schritt der Behandlung bestimmt der Arzt, um welche Art des Schielens es sich im individuellen Fall handelt. Der Sehfehler kann dann häufig mithilfe einer Brille behoben werden. Im weiteren Verlauf der Behandlung muss die Brillenstärke immer wieder überprüft werden. Diese kann sich verändern, während sich das Kind noch im Wachstum befindet.

Oft ist es notwendig, das durch das Schielen geschwächte Auge zu trainieren. Hierzu wird in regelmäßigen Abständen das gesunde Auge abgeklebt. Diese Form der Behandlung erfordert sowohl von den Eltern als auch vom Kind ein hohes Maß an Disziplin und Geduld.

Gelegentlich kommt es vor, dass das Schielen des Kindes nur mit einer Operation behoben werden kann. Dabei öffnen die Ärzte die Bindehaut, um die Augenmuskeln zu regulieren. Die Bindehaut verheilt leicht. Jedoch kann bei vielen Kindern auch durch eine Operation kein dreidimensionales Sehen hergestellt werden.

Verlauf der Sehstörung

Wird das Schielen nicht rechtzeitig behandelt, kann es möglicherweise ein Leben lang nicht mehr korrigiert werden. Das Kind lernt nicht, mit beiden Augen zu sehen und kann somit auch nicht räumlich sehen. Als Begleiterscheinung des Schielens können Kopfschmerzen entstehen.

Auch mit Behandlung kann manchmal das Schielen nicht vollständig behoben werden. In diesem Fall müssen die betroffenen Kinder im späteren Leben mit Einschränkungen rechnen. Sie können sich beispielsweise nicht für einen Beruf oder eine Sportart entscheiden, die räumliches Sehen erfordert.

Wie kann man vorbeugen?

Bereits nach den ersten fünf bis sechs Lebensmonaten sollte der Kinderarzt das Kleinkind in regelmäßigen Abständen auf das Schielen hin untersuchen. Vorsorgeuntersuchungen sind besonders dann wichtig, wenn andere Familienmitglieder schon einen Sehfehler haben. Da Kinder ihre eigene Sehstörung nicht bemerken und lernen, sie als Normalzustand zu betrachten, sollte das Schielen unbedingt innerhalb der ersten zwei bis drei Lebensjahre erkannt und behandelt werden.

Autor: Jessica Schmid
Letzte Aktualisierung: 17. September 2014
Quellen: Beers, M.H. (Hrsg.).: MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Wilhelm Goldmann, München 2005; Online-Informationen vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. www.kinderaerzteimnetz.de (Stand: Februar 2008)

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