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Samstag, 29. November 2014

Scharlach

Scharlach
Bei Scharlach wird meist für zehn Tage Penicillin gegeben

Scharlach (Scarlatina) ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit mit Bakterien aus der Gattung der Streptokokken, die zu den Kinderkrankheiten zählt. Typisch für die Erkrankung ist ein charakteristischer Hautausschlag (Exanthem).

Nach einer abgelaufenen Erkrankung ist man nur gegen das von den Bakterien gebildete Gift (Toxin) immun. Mehrfache Erkrankungen an Scharlach sind also möglich.

Scharlach gehört zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen im Kindsalter. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, besonders häufig kommt sie aber in der Altersgruppe der Vier- bis Siebenjährigen auf. Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts kommt es in Deutschland jährlich zu bis zu 1,5 Millionen Scharlach-Erkrankungen. In Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist eine Erkrankung an Scharlach meldepflichtig. Dort wurden 1999 mehr als 7.500 Fälle gemeldet. Dieses entspricht einer Häufigkeit von 62 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Wahrscheinlich liegt aber eine sehr hohe Dunkelziffer vor.

Ursache von Scharlach: A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes)

Die Erreger des Scharlachs sind Bakterien, die so genannten A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Die typischen Symptome der Erkrankung werden durch ein von den Bakterien gebildetes Gift (Toxin) verursacht. Einziges Reservoir für den Erreger ist der Mensch. Besonders in den Wintermonaten ist eine Besiedlung des Rachens mit Streptokokken bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung nachweisbar, ohne dass Krankheitssymptome auftreten.

Der Scharlacherreger wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) übertragen, selten durch infizierte Lebensmittel und Wasser. Die Inkubationszeit, d.h. die Zeit von der Infektion mit dem Erreger bis zum Auftreten der ersten Beschwerden, beträgt zwei bis vier Tage.

Werden Personen mit einer akuten Streptokokken-Infektion nicht spezifisch behandelt, können sie bis zu drei Wochen lang die Erreger übertragen. Wird aber eine wirksame Therapie mit Antibiotika begonnen, erlischt die Ansteckungsfähigkeit nach 24 Stunden. Enges Zusammenleben, beispielsweise in Schulen, Kasernen, Heimen, begünstigt in jedem Lebensalter die Ausbreitung des Erregers.

Symptome: hohes Fieber, Halsschmerzen, rote Flecken am Oberkörper, Himbeerzunge

Die Symptome des Scharlachs sind ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, starken Halsschmerzen mit auffälliger Rötung und Schwellung der Gaumenmandeln sowie eitrigem Auswurf (Exsudat), Bauchbeschwerden und Erbrechen können hinzukommen. Am ersten oder zweiten Krankheitstag entsteht am Oberkörper der typische Scharlachausschlag in Form nicht juckender, roter Flecken.

Weitere charakteristische Symptome sind eine Blässe um den Mund herum und die so genannte Himbeerzunge, die durch das Anschwellen der Geschmackspapillen auf der Zunge entsteht. Der Ausschlag (Exanthem) verschwindet nach sechs bis neun Tagen. Einige Tage danach schuppt die Haut, insbesondere der Handinnenflächen und Fußsohlen.

Diagnose von Scharlach

Hilfreich bei der Diagnose von Scharlach ist das plötzliche Erkranken ohne besondere Vorboten und die charakteristische dunkelrote Himbeerzunge. Den Ausschlag, kleinfleckige Bläschen, kann man leicht mit dem von Röteln verwechseln. Daher wird bei der Diagnose von Scharlach zusätzlich eine Bakterienkultur eines Nasen- oder Rachenabstrichs angelegt, in welcher der Erreger spezifisch nachgewiesen werden kann.

Therapie: Antibiotika

Zur Behandlung von Scharlach wird eine Antibiotika-Therapie durchgeführt. Diese sollte möglichst zu Beginn des Krankheitsverlaufs beginnen, um Komplikationen und Spätfolgen zu vermeiden. In den meisten Fällen wird über die Dauer von zehn Tagen Penicillin gegeben. Sollte der Erkrankte eine Allergie gegen dieses Antibiotikum haben, kann alternativ Erythromycin gegeben werden. Durch die Antibiotika-Therapie können zwar der Erreger nicht vollständig abgetötet, die Beschwerden aber verringert werden. Mögliche Komplikationen werden auf diese Weise verhindert.

Verlauf bei Scharlach

Durch die Antibiotika-Therapie fühlt sich der Erkrankte meist bereits nach zwei Tagen wieder wohler. Die Antibiotika müssen aber weiter eingenommen werden, um Streptokokken-Spätfolgen vorzubeugen. In seltenen Fällen kann es als Spätfolge der Erkrankung nach zwei bis drei Wochen zum rheumatischen Fieber oder zu einer Nierenentzündung kommen.

Komplikationen, die direkt auftreten können, sind eine akute Mittelohrentzündung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung. Durch die frühe und ausreichend lange Behandlung mit Antibiotika lassen sich diese relativ häufigen Komplikationen meist problemlos in den Griff kriegen. Außerdem kann Scharlach das Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (STSS) auslösen. Es entsteht durch die von den Bakterien produzierten Gifte.

Kann man vorbeugen?

Gegen Scharlach kann man nicht impfen. Geschwister oder andere Kinder in der nahen Umgebung des Erkrankten könnten mit einer fünftägigen Penicillingabe vorsorglich behandelt werden, es empfiehlt sich jedoch, darauf zu verzichten, da sich nicht jedes Kind anstecken muss.

Erkrankt eine Person oft oder kurz hintereinander an Scharlach, könnte eine Kontaktperson in der nahen Umgebung den Erreger im Rachenraum beherbergen ohne selbst zu erkranken, diese Kontaktperson steckt den Erkrankten so immer wieder neu an. In diesem Fall kann der Arzt einen Rachenabstrich machen und die Kontaktperson fünf Tage mit Antibiotika behandeln.

Während die Symptome der Erkrankung andauern, sollte nicht der Kindergarten oder die Schule besucht werden, um der Ansteckung anderer Kinder vorzubeugen. Ansteckungsgefahr besteht bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Therapie.

Autor: Tanja Reinsfelder/Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 24. April 2014
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): Streptokokken (Gruppe A) Infektionen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 048/008 (Stand: 2014); Ratgeber Infektionskrankheiten: Scharlach und andere Infektionen durch Streptococcus pyogenes. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 2014); Menche, N., Renz-Polster, H., et al.: Gesundheit für Kinder. Kösel, München 2004

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