Ein Angebot von Lifeline
Sonntag, 26. Oktober 2014

Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten (Pertussis)
Kinder benötigen bei Keuchhusten viel Zuwendung
BananaStock

Keuchhusten (Pertussis) ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege und zählt zu den typischen Kinderkrankheiten. Betroffen sind vorwiegend Säuglinge und nicht immune Erwachsene. Im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten ist Keuchhusten eine langwierige Erkrankung, die mehrere Wochen oder sogar Monate andauern kann.

In Deutschland erkranken zirka 150 bis 500 von 100.000 Erwachsenen pro Jahr an Keuchhusten. Weder eine Erkrankung noch eine Impfung gegen Keuchhusten sorgen für eine lebenslange Immunität. Deshalb wird empfohlen, Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat gegen Keuchhusten zu impfen und im Vorschulalter eine Auffrischungsimpfung durchzuführen. Da die Impfbereitschaft in Deutschland in den letzten Jahren nachgelassen hat, erkranken vermehrt Jugendliche ab 15 Jahren.

Wie wird Keuchhusten verursacht?

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetelle pertussis ausgelöst. Die für die Erkrankung typischen Hustenanfälle werden durch ein Gift verursacht, welches von dem Erreger produziert wird und im Gehirn die Anfälle verursacht. Keuchhusten wird von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion übertragen. Vor allem bei engem Kontakt wie in Kindergärten kann es so zur schnellen Ausbreitung von Keuchhusten kommen. Die Infektionskrankheit gehört mit einem Ansteckungsindex von 80 Prozent zu den hochinfektiösen Krankheiten. Der Prozentsatz besagt, dass 80 von 100 Personen, die mit dem Erreger in Kontakt kommen und nicht dagegen immun sind, erkranken. Die Ansteckungsgefahr ist bei Keuchhusten in den ersten sechs Wochen der Krankheit am größten. Werden Betroffene rechtzeitig mit einem Antibiotikum behandelt, so sind sie noch bis zu fünf Tage nach Beginn der Therapie ansteckend.

Symptome bei Keuchhusten

Die Symptome bei Keuchhusten verändern sich mit dem jeweiligen Stadium, in welchem sich der Betroffene befindet. Der Infekt verläuft in insgesamt drei Stadien, die sich wesentlich im Schweregrad der Hustenanfälle von einander unterscheiden. Zu Beginn der Erkrankung kann es zu leichten Hustenanfällen, Fieber und schnupfenähnlichen Symptomen kommen. Daher wird Keuchhusten im ersten Stadium oft nicht erkannt. Erst im zweiten Stadium treten die für Keuchhusten typischen abgehackten Hustenanfälle auf, die in einem lang gezogenen keuchenden Einatmen enden. Oft folgt einem solchen Anfall Erbrechen, wobei hochgewürgter zäher Schleim ausgeschieden wird. Innerhalb von 24 Stunden kann es zu bis zu 50 Hustenanfällen kommen, die mit Atemnot und stark angeschwollenen Adern an Kopf und Hals einhergehen. Durch einen Venenstau können kleine Blutgefäße in der Bindehaut der Augen platzen und das Weiß der Augen durchgehend rot färben. Die Färbung geht jedoch nach einiger Zeit wieder zurück und ist nicht gefährlich. Im dritten Stadium einer Keuchhustenerkrankung klingen die Hustenanfälle langsam ab.

Bei Säuglingen können die Hustenanfälle zu lebensgefährlichen Atempausen führen, weshalb Babys und Kleinkinder mit Keuchhusten aufmerksam beobachtet und gegebenenfalls im Krankhaus überwacht und betreut werden müssen.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen fehlen oftmals die typischen Hustenanfälle. Der Keuchhusten äußert sich dann nur in hartnäckigem Husten über mehrere Wochen hinweg, daher wird die Erkrankung oft nicht als solche diagnostiziert.

Wie wird Keuchhusten diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf Keuchhusten, so nimmt der behandelnde Arzt eine Blutprobe und eine Gewebeprobe aus einem tiefen Nasenabstrich. Diese Proben werden im Labor untersucht und ermöglichen Aufschluss darüber, ob tatsächlich Keuchhusten vorliegt oder nicht. Weiterhin ist eine Befragung zu Krankengeschichte und bisherigen Beschwerden (Anamnese) wichtig, um vor allem bei Erwachsenen die oft unklaren Symptome richtig zu beurteilen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wird Keuchhusten frühzeitig festgestellt, kann eine Behandlung mit Antibiotika den Krankheitsverlauf verkürzen und die Hustenanfälle mildern. Dazu muss die Diagnose jedoch im ersten oder spätestens zu Beginn des zweiten Stadiums gestellt werden. Wenn die Erkrankung bereits weiter voran geschritten ist, ist die Kontrolle der Atmung sowie Ruhe und Betreuung des Betroffenen die einzige Behandlungsmethode. Der Aufenthaltsraum sollte regelmäßig gelüftet werden. Oft ist es hilfreich, den Körper so weit möglich zu entspannen, Bettruhe ist jedoch nicht zwingend notwendig. Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, strengen den Körper nicht so sehr an wie drei größere Mahlzeiten. Betroffenen wird empfohlen, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, da dies das Abhusten des Schleims erleichtert. Spaziergänge und frische Luft unterstützen den Stoffwechsel. Gerade für Kleinkinder und Säuglinge ist es wichtig, eine Bezugsperson um sich zu haben, die das Kind nach anstrengenden und oft beängstigenden Hustenanfällen beruhigt und tröstet.

Nicht immune Personen im Umfeld des Betroffenen sollten sich gegen Keuchhusten impfen lassen, um eine Ansteckung mit dem Erreger zu verhindern.

Verlauf des Keuchhustens

Keuchhusten kann zwischen elf und 18 Wochen andauern. Die Inkubationszeit beträgt zirka sieben bis 20 Tage, danach verläuft die Infektionskrankheit in drei Stadien.

  • I Stadium catarrhale:
    Das erste Stadium dauert zwischen ein und zwei Wochen. Es kommt vor allem nachts zu unauffälligen Hustenanfällen, die langsam in krampfartigen Husten übergehen. Gelegentlich kommt es zu schnupfenähnlichen Symptomen und leichtem Fieber. Der Betroffene ist in diesem Stadium hochgradig ansteckend.
  • II Stadium convulsivum:
    Der zweite Abschnitt kann zwischen vier und sechs Wochen andauern. Die nächtlichen Hustenanfälle nehmen zu und enden immer häufiger im namenstypischen Luftholen (Keuchen). Oft wird nach einem Anfall zäher Schleim erbrochen. Dieses Stadium ist vor allem für Kleinkinder und Säuglinge gefährlich, da die anstrengenden Hustenanfälle zu Atemnot und Atemstillstand führen können.
  • III Stadium decrementi:
    Das dritte und letzte Stadium der Krankheit verläuft über sechs bis zehn Wochen. Die Hustenanfälle klingen langsam ab, der Betroffene erholt sich von den Anstrengungen der Erkrankung.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen bleiben die krampfartigen Hustenanfälle oftmals aus und der Infekt wird nicht als Keuchhusten erkannt. Bei Kleinkindern und Säuglingen kann es ebenfalls passieren, dass es nach Symptomen, die eher einer Erkältung ähneln, zu Atemstillständen kommt. Dies ist dann ein Grund für eine genauere Untersuchung und vor allem für eine genaue Überwachung des Kindes.

Im Verlauf des Keuchhustens kann es zu Komplikationen durch andere Krankheiten kommen. Durch das geschwächte Immunsystem ist der Körper anfällig für Lungen- oder Mittelohrentzündungen. Mitunter treten Krampfanfälle oder Gehirnentzündungen auf.

Wie kann man Keuchhusten vorbeugen?

Der beste Weg, Keuchhusten vorzubeugen, ist die Impfung. Die Ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt eine dreifach-Impfung im 2., 3. und 4. Lebensmonat. Die Impfung sollte zwischen fünf und sechs sowie zwischen neun und 17 Jahren aufgefrischt werden. Seit dem Jahr 2004 empfiehlt die STIKO, Personen im häuslichen Umfeld von Säuglingen und Kleinkindern ohne ausreichenden Schutz vorbeugend gegen Pertussis zu impfen. Menschen, die durch ihren Beruf täglichen Umgang mit Säuglingen und Kindern haben, sollten ebenfalls gegen Keuchhusten geimpft sein oder werden.

Ein einmaliges Impfen oder eine Erkrankung gewähren keine lebenslange Immunität gegen Keuchhusten.

Autor: Sarah Liebigt
Letzte Aktualisierung: 23. April 2014
Quellen: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI / Epidemiologisches Bulletin 30/2007, S. 268 Herold, G. (Hrsg.): Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2007 Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin 2007 Robert-Koch-Institut: Merkblätter für Ärzte: Pertussis (Stand: 14.02.2008)

Drucken Als E-Mail versenden
Interessante Beiträge
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Paukenerguss
Kinderkrankheiten

Paukenerguss (Serotympanon), auch Tubenkatarrh genannt, ist eine Störung der Ohrtrompete, bei der sich Flüssigkeit in der Paukenhöhle im Mittelohr ansammelt. Die Paukenhöhle ist Teil des Mittelohrs und durch... Mehr...

Mittelohrentzündung (Otits media)
Kinderkrankheiten

Bei einer Mittelohrentzündung (Otitis media) ist die Schleimhaut des Mittelohrs auf einer oder beiden Seiten entzündet. Die akute Mittelohrentzündung kommt besonders bei kleineren Kindern im Alter zwischen... Mehr...

Allergie
Kinderkrankheiten

Eine Allergie ist eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegenüber normalerweise harmlosen Stoffen. Diese bezeichnet man als Antigene oder Allergene. Sie können beispielsweise in Pollen, Lebensmitteln, Tierhaaren... Mehr...

Weitere interessante Themen
  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

    Unter der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) versteht man eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen) und des Gehirns (Encephalus), die gehäuft im Frühsommer auftritt. Die Erreger... Mehr...

  • Mandelentzündung (Angina tonsillitis)Mandelentzündung (Angina tonsillitis)

    Eine Mandelentzündung (Angina tonsillitis) ist eine Entzündung der Gaumen- oder Rachenmandeln. Die Mandeln sind Teil des lymphatischen Systems des Körpers, das wiederum wichtige... Mehr...

  • InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten

    Infektionskrankheiten werden durch Mikroorganismen, wie zum Beispiel Viren, Bakterien oder Pilze, hervorgerufen, die beim Menschen Krankheiten auslösen. Mehr...

Zum Seitenanfang