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Dienstag, 23. September 2014

Allergie

Allergie
Heuschnupfen ist eine weit verbreitete Form der Allergie
(c) Getty Images/iStockphoto/mkrberlin

Eine Allergie ist eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegenüber normalerweise harmlosen Stoffen. Diese bezeichnet man als Antigene oder Allergene. Sie können beispielsweise in Pollen, Lebensmitteln, Tierhaaren o.ä. vorhanden sein.

Das Abwehrsystem des Menschen bekämpft normalerweise Eindringlinge wie Bakterien und Viren und schützt so den Körper. Richtet sich das Abwehrsystem aber gegen eigentlich ungefährliche Stoffe, so ist dies eine allergische Reaktion. Am häufigsten kommen Allergien gegen pflanzliche und tierische Eiweiße vor. Laut aktuellen Untersuchungen leiden mindestens 40 Prozent der deutschen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer allergischen Reaktion.

Man unterscheidet vier verschiedene Allergietypen:

  1. Allergie vom Soforttyp I
    Dies ist die häufigste Form einer allergischen Reaktion. Nach Kontakt mit einem Allergen reagiert der Betroffene sofort mit einer Allergie (zum Beispiel Pollenallergie, Tierhaarallergie, Insektengiftallergie).
  2. Allergietyp II
    Dabei erfolgt eine so genannte zytotoxische Reaktion, d.h. Zellen des Immunsystems greifen körpereigene Zellen an und schädigen diese.
  3. Allergietyp III
    Dies ist eine häufige Form der Medikamentenallergie. Bei diesem Allergietyp binden sich Antikörper an im Blut gelöste Stoffe, wie beispielsweise Medikamente. Diese lagern sich im Gewebe ab und können dort zu Entzündungen führen.
  4. Allergietyp IV
    Bei diesem Allergietyp handelt es sich um eine Spätreaktion, die frühestens zwölf bis 48 Stunden nach dem Allergenkontakt auftritt (z.B. Kontaktallergie).

Neben unter bestimmten Umständen ausgelösten Allergien, kann es auch zum ganzjährigen allergischen Schnupfen kommen, der durch Allergene ausgelöst wird, die das ganze Jahr vorhanden sind.

Ursachen für Allergien

Die Ursache für eine Allergie ist eine Fehlsteuerung im Immunsystem und daraus resultierende überschießende Abwehrreaktion. Normalerweise reagiert das Immunsystem auf Eindringlinge wie Viren oder Bakterien, indem es spezifische Antikörper bildet und so immun dagegen wird. Beim nächsten Kontakt mit demselben Eindringling "erinnert" sich das Immunsystem und produziert Antikörper. Dasselbe passiert prinzipiell bei einer Allergie: nach dem Kontakt mit einem bestimmten Allergen bildet der Organismus Antikörper. So wird der Organismus sensibilisiert für das Allergen und produziert beim nächsten Kontakt mit dem Allergen Antikörper, die eine allergische Reaktion verursachen.

Die Veranlagung für eine allergische Reaktion wird vererbt. Sind beide Elternteile Allergiker, so entwickelt das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 60 Prozent auch eine Allergie. Sogar wenn bei den Eltern keine Allergie vorliegt, liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu entwickeln, bei fünf bis 15 Prozent. In den letzten Jahren hat die Zahl der Allergiker stark zugenommen. Man nimmt an, dass dabei auch veränderte Lebensbedingungen, Umwelteinflüsse und auch Stress eine Rolle spielen.

Symptome einer Allergie

Solange Allergene im Organismus sind, treten bei einer Allergie Symptome auf. Die Art der Beschwerden hängt vom Reaktionstyp ab. Bei der Allergie vom Soforttyp können Symptome wie Fließschnupfen, Juckreiz, Atembeschwerden und Hautausschlag auftreten. Beispiele für eine Soforttyp-Allergie sind Heuschnupfen, Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergien, Insektengiftallergien oder auch der allergische ("anaphylaktische") Schock. Er betrifft meist mehrere Organsysteme gleichzeitig und kann innerhalb weniger Minuten zum Tod führen kann. Er ist jedoch extrem selten.

Beim Allergietyp II werden körpereigene Zellen so geschädigt, dass sie vom Körper als Allergene eingestuft werden. Diese Art der Allergie kommt sehr selten vor. Beispiele für eine Allergie dieses Typs sind Transfusionszwischenfälle und Rhesusunverträglichkeiten beim Neugeborenen.

Der Allergietyp III äußert sich u.a. als Gelenkerkrankungen oder Gefäßentzündungen. Hierbei tritt die allergische Reaktion nach einigen Stunden ein. Sie zeigt sich als lokale Entzündungsreaktion, die sich auf der Haut meist in Form eines Hautausschlags (Exanthem) zeigt, gegebenenfalls in Verbindung mit Einblutungen, Schädigungen der Haut und Juckreiz.

Typ IV der Allergien wird auch als Spättypallergie bezeichnet, da die Reaktion zeitlich verzögert auftritt. Beispiele sind hier Transplantatabstoßungen und Kontaktallergien wie die Nickelallergie.

Diagnose einer Allergie: Hauttest, Bluttest und Provokationstest

Erster Schritt der Diagnose einer Allergie ist eine ausführliche Befragung des Betroffenen. Der Arzt wird dabei analysieren, unter welchen Umständen die Beschwerden auftraten und ob bereits Fälle von Allergien in der Familie aufgetreten sind. Daneben stehen dem Arzt verschiedene Allergietests zur Verfügung. Diese lassen sich in Hauttests, Blutuntersuchungen und Provokationstest einteilen.

Hauttests

Es gibt verschiedene Hauttests, wobei der bekannteste der Pricktest ist. Bei diesem bringt der Arzt bestimmte Allergenextrakte, von denen er annimmt, dass sie die Allergie verursachen, auf die Haut und ritzt diese mit einer kleinen Lanzette an. Durch die Hautreaktion sieht der Arzt dann bereits nach etwa 15 Minuten, welches das auslösende Allergen ist. Der Pricktest wird bei Soforttyp-Allergien wie der Pollenallergie angewendet. Ein anderer Hauttest ist der Epikutantest. Dabei wird ein mit verschiedenen Allergenen getränktes Pflaster auf den Rücken geklebt und das Ergebnis nach 48 bis 72 Stunden abgelesen. Mit diesem Test können hauptsächlich Kontaktallergien nachgewiesen werden. Weitere Hauttests, die angewendet werden, um Allergien festzustellen, sind der Reibetest, der Scratch-Reibetest und der Intrakutantest.

Bluttests

Bei Bluttests auf eine Allergie wird eine Blutprobe im Labor auf bestimmte Faktoren, u.a. auf den Gehalt des spezifischen Immunglobulins (IgE - ein Antikörper), untersucht. Da der Bluttest nicht belastet, wird er hauptsächlich bei kleinen Kindern und Personen mit schwerwiegenden Hauterkrankungen angewendet.

Provokationstest

Der Provokationstest wird in der Regel nur dann angewendet, wenn noch Zweifel an der Diagnose einer Allergie bestehen. Der Allergiker muss die potenziellen Allergene einatmen, schlucken oder sie werden ihm gespritzt. Ein Provokationstest birgt Risiken wie Überreaktionen oder im schlimmsten Fall den anaphylaktischen Schock und wird deshalb nur unter ständiger ärztlicher Kontrolle in einer Praxis oder Klinik durchgeführt.

Therapie von Allergien

Der erste Schritt der Therapie bei einer Allergie ist den Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden (Allergenkarenz). Da dies nicht immer möglich ist, kann der Arzt Medikamente verschreiben, die das Immunsystem dämpfen und eine allergische Antwort der Körpers abschwächen. Dafür kommt häufig Kortison zum Einsatz. Antihistaminika verhindern, dass der bereits freigesetzte Botenstoff Histamin im Körper seine Wirkung entfalten kann. Diese Medikamente lindern jedoch nur die Symptome, sie heilen den Betroffenen nicht von seiner Allergie.

Bei verschiedenen Allergien wie dem Heuschnupfen, der Insektengiftallergie oder einer Hausstaubmilbenallergie besteht die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung. Diese wird auch als Desensibilisierung oder spezifische Immuntherapie bezeichnet. Hierbei wird dem Allergiker unter ärztlicher Aufsicht über einen längeren Zeitraum hinweg eine verdünnte Allergenlösung verabreicht, wobei die Konzentration langsam gesteigert wird. Durch die Hyposensibilisierung soll eine Toleranz gegenüber dem betreffenden Allergen erreicht werden, sodass die Beschwerden für einen längeren Zeitraum (bis zu sechs Jahre) verschwinden. Bei Allergien in der Schwangerschaft gelten besondere Bedingungen.

Verlauf von Allergien

Da es eine Vielzahl von Ausprägungen bei einer Allergie gibt, kann der Verlauf nicht einheitlich vorhergesagt werden. Allergien können sich zurückbilden, über Jahre gleich bleiben oder sich auch verändern. Je nach Allergie-Reaktionstyp können sich über Jahre Komplikationen wie chronische Entzündung der Nebenhöhlen oder Asthma bronchiale entwickeln. Deshalb sollte man bekannte Allergien immer behandeln.

Vorbeugen vor Allergien

Bei einer vorhandenen Allergie sollte man, wenn möglich, den Kontakt zum Allergen vermeiden. Zudem sollten Allergiker nicht rauchen. Bestimmte Berufe bergen ein höheres Allergierisiko, da man dort verstärkt möglichen Allergenen ausgesetzt ist. Zu diesen Berufen zählen beispielsweise Bäcker, Friseure, Krankenhauspersonal u.v.m. Menschen, die von ihrer Allergie wissen, sollten immer einen Allergiepass und evtl. Notfallmedikamente mit sich führen.

Schwangere Frauen sollten in der Schwangerschaft nicht rauchen, da dies das Risiko für eine Allergie des Kindes erhöht. Bei erblich vorbelasteten Familien sollten die Babys vier bis sechs Monate voll gestillt werden. Ist dies nicht möglich, so sollte hypoallergene Säuglingsnahrung gefüttert werden. Beikost soll möglichst spät und schrittweise zugefüttert werden. Im ersten Lebensjahr sollten Eier, Fisch und Nüsse ganz vermieden werden. Auch die Umgebung spielt eine Rolle: So sollten keine felltragenden Tiere angeschafft und keine Staubfänger wie schwere Vorhänge u.ä. im Kinderzimmer angebracht werden. Auch sollte man auf schonende, möglichst reizarme Hautpflege achten. Selbstverständlich sollten Kinder auch nicht Tabakrauch ausgesetzt werden.

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 31. März 2014
Quellen: Online-Information der Stiftung Warentest: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/special/-Allergien/1492877/1492877/ (Stand: 12.12.2010); Online-Information des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: http://www.aktionsplan-allergien.de (Stand: Oktober 2007); Online-Informationen des Deutschen Grünen Kreuzes: www.dgk.de (Stand: Oktober 2007); Online-Buch: Fischer; P.J. Allergien bei Kindern und Jugendlichen: www.allergie-asthma-online.de (Stand: Oktober 2007)

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