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Montag, 16. Januar 2017
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Kinderprodukte - sinnvoll oder schädlich?

Kinderprodukte - sinnvoll oder schädlich?
Kinderprodukte oder Lebensmittel speziell für Kinder wirken auf Kinder anziehend, weil sie bunt und kindgerecht verpackt sind
© iStock/PeopleImages

Fischstäbchen für Kinder, Bärchenwurst oder Schokolade mit besonders viel Calcium – inzwischen gibt es sehr viele ausgewiesene Kinderprodukte zu kaufen. Eltern werden besonders mit Gesundheitsversprechungen gelockt.

Aber leisten Kinderprodukte und Kinderlebensmittel wirklich einen wertvollen Beitrag zur Ernährung, wie in der Werbung häufig suggeriert wird?

Was sind überhaupt Kinderprodukte?

Kinderprodukte sind ganz normale Lebensmittel, die vom jeweiligen Hersteller als für Kinder besonders geeignet deklariert werden, vor allem durch eine kindgerechte Verpackung, mit Zusätzen wie "Kinder" oder "Kids" und dem Hinweis auf besonders wertvolle Inhaltsstoffe, wie etwa "mit viel Calcium und Vitaminen". "Kinderprodukt" oder "Kinderlebensmittel" ist in Deutschland kein geschützter Begriff. Der Markt für Kinderprodukte ist bei uns mittlerweile sehr groß. Wurden noch in den 1990-er Jahren hauptsächlich Süßigkeiten wie Schokoladenriegel als Kinderprodukt beworben – an der Wursttheke gab es noch die bekannte Bärchenwurst -, gibt es mittlerweile von Tütensuppen über Fischstäbchen und Milchprodukte bis hin zum Fruchtsaftgetränk eine schier unüberschaubare Zahl an Lebensmitteln, die als besonders geeignet für Kinder verkauft werden.

Häufig sind solchen Kinderlebensmitteln Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt und dies wird auch auf der Verpackung beworben – ein echtes Verkaufsargument. Gesünder werden sie dadurch nicht unbedingt. Denn Kinderprodukte sind in erster Linie Fertiglebensmittel. Sie enthalten trotz gegensätzlicher Werbung keine wirklich frischen Zutaten, schneiden also im Vergleich zum Beispiel zu einem frisch zubereiteten Salat oder einer Gemüsepfanne in Punkto Vitamine schlechter ab. Viele Kinderprodukte sind daher nur als Snacks geeignet.

Kinderprodukte – das Aussehen ist alles

Kinderprodukte sind äußerlich so gestaltet, dass sie speziell auf Kinder interessant und anziehend wirken. Vor allem die Verpackung von Kinderprodukten kann sich – aus Kindersicht – durchaus sehen lassen: Quietschbunt, verziert mit Illustrationen und mit coolen, mal mehr, mal weniger bekannten Comicfiguren kommen sie daher. Selbst der schlaue Wikinger-Junge Wicki oder die selbstbewusste Biene Maja werben als Comicfiguren auf Verpackungen für Kinderprodukte – die idealen Identifikationsfiguren für Kinder. Auch die Produkt- oder Verpackungsform ist wenn möglich kindgerecht angepasst. Sie lässt sich oft leicht öffnen und das Produkt liegt gut in der Hand. Zudem haben Kinderprodukte häufig ausgefallene, kreative Namen.

Wie wichtig die kindgerechte Aufmachung der Verpackungen von Kinderprodukten ist, haben Forscher der Universitäten Bonn und Dortmund herausgefunden: In einem Experiment mit 179 Acht- bis Zehn-Jährigen, die aus drei identischen, aber unterschiedlich verpackten Joghurt-Müsli-Früchte-Snacks ihren Favoriten auswählen durften, griffen die meisten Kinder zum bunten, mit Comicfiguren verzierten Snack. Zur Auswahl standen noch eine neutrale Verpackung und eine Verpackung mit Gesundheitsversprechen. Mithilfe eines speziellen Messgeräts fanden die Forscher sogar heraus, dass die "Comic-Snacks" unbewusst besonders intensiv von den Kindern festgehalten wurden. Und: Obwohl es sich um völlig identische Snacks handelte, schnitt der Snack mit der kindgerechten Verpackung im Geschmackstest am besten ab.

Eher an die Eltern gerichtet sind wohl die Produktversprechungen. Hier wird mit besten, gesunden Inhaltsstoffen geworben, "extra viel Calcium und Vitamine", "weniger Zucker" oder "mit Traubenzucker" versprochen. Ganz klar wird hier suggeriert: Das Kinderprodukt enthält wertvolle Inhaltsstoffe, die speziell Kinder benötigen. Es ist gesund und gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Dabei ist meist genau das Gegenteil der Fall.

Was ist wirklich drin in Kinderprodukten?

Viel Zucker und Fett, stark verarbeitete Lebensmittel voller Zusatzstoffe - zu diesem Ergebnis kam der Verein foodwatch nach einer Analyse von 1.514 Kinderlebensmitteln bereits im Jahr 2012. Bei den getesteten Lebensmitteln handelte es sich um solche, die sich gezielt an Kinder richteten, etwa aufgrund der Bezeichnung, ("für Kids"), Aufmachung (mit Comic-Figuren, Spielzeug-Beigaben) oder im Rahmen von Aktionen (Online-Spiele, Tipps für Schulreferate). Das Fazit der Tester: Drei Viertel aller getesteten Kinderprodukte sind lediglich zum gelegentlichen Verzehr geeignet, weil es sich um süße und fettige Snacks handelt. Neben Süßigkeiten wie Schokolade gehören dazu aber auch aufgrund ihres hohen Zuckergehalts Frühstücksflocken, Fruchtriegel oder Fruchtsaftgetränke. Bio-Produkte schnitten dabei nicht unbedingt besser ab als Kinderprodukte herkömmlicher Lebensmittelhersteller.

Sind Kinderprodukte sinnvoll? Die Tricks der Werbung

Das Fatale an fettigen und überzuckerten Kinderprodukten ist: Viele Eltern vertrauen auf die Gesundheitsversprechen auf der Verpackung und meinen, sie tun ihrem Kind etwas Gutes, wenn sie Kinderprodukte für ihren Nachwuchs kaufen. Die Werbung suggeriert mit Aussagen wie "gesunde Zwischenmahlzeit", dass Kinder unbedingt zwischendurch essen sollten. Werbung für Kinderprodukte wird speziell im Kinderumfeld geschaltet, zum Beispiel in Kinder-TV-Kanälen, mit eingängiger Musik und coolen, kindgerechten Werbefiguren versehen. Werbespots für Kinderprodukte laufen relativ häufig, damit sich Kinder die Produkte gut einprägen. Ziel ist es, dass die Kinder beim Einkauf mit ihren Eltern zu den ihnen aus der Werbung bekannten Produkten greifen oder ihre Eltern bitten, ihnen diese Kinderprodukte mitzubringen. Kinderprodukte sind übrigens im Vergleich zu "normalen" Produkten zudem häufig teurer.

Aber: Nicht alle Kinderprodukte sind per se unnötig oder ungesund. Eine kindgerechte Aufmachung kann auch helfen, ein Kind zum Verzehr eines gesunden Lebensmittels zu animieren. Das können auch Eltern nutzen, wenn sie ihrem Kind eine gesunde Ernährungsweise näherbringen möchten. Letztlich gehen Eltern nur auf Nummer sicher, wenn sie sich die auf der Verpackung deklarierten Inhaltsstoffe durchlesen. Das ist manchmal aufwändig, versetzt Eltern aber in die Lage, selbst herausfinden zu können, ob sie ihrem Kind mit einem Kinderlebensmittel etwas Gutes tun oder nicht. Vorsicht ist geboten bei Kinderprodukten mit zugesetzten Vitaminen. Hier sollten Eltern darauf achten, dass es nicht durch häufigen Verzehr zu einer Überversorgung, vor allem der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, kommt.

Tipps: Wie interessiere ich mein Kind für wirklich gesunde Lebensmittel?

Sinnvoller als ungesunde Snacks und Fertiggerichte sind frische, unverarbeitete Lebensmittel. Ideal für Kinder sind natürlich Obst und Gemüse. Doch es gibt Kinder, die sich schwertun mit gesunder Ernährung.

Vorbild sein

Kinder lernen am Beispiel. Seien Sie Ihrem Kind ein Vorbild, indem Sie selbst auf Industrielebensmittel verzichten und – eventuell gemeinsam mit Ihrem Kind – Ihre Mahlzeiten frisch zubereiten. Dadurch lernt das Kind gleichzeitig, wie "echte" Lebensmittel aussehen und schmecken.

Gemeinsame Mahlzeiten statt Snacks

Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten wirken sich nicht nur positiv auf das Familienklima aus, sondern Kinder lernen auch, ihre Mahlzeiten bewusst zu sich zu nehmen. Schalten Sie den Fernseher während der Mahlzeiten ab, verbannen Sie Smartphones und Zeitungen vom Tisch.

Kinder-Küche

Lassen Sie ältere Kinder auch mal an den Herd. Einmal in der Woche oder im Monat könnten Kinder entscheiden, was auf den Tisch kommt und diese (einfache) Mahlzeit auch selbst zubereiten. Natürlich dürfen die Erwachsenen dabei helfen.

Gemüse und Obst fantasievoll anrichten

Zugegeben – nicht immer haben Eltern Zeit, aus Trauben, Bananen und Kiwis lustige Raupen für ihren mäkeligen Nachwuchs zu zaubern. Denken Sie aber an die Verpackungstricks der Kinderprodukte-Hersteller: Bunt und kindgerecht zieht bei Kindern einfach besser. Manchmal hilft es auch, Obst zum Beispiel einfach in handgerechte Stücke aufzuschneiden, um Kinder zum Zugreifen zu animieren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Dezember 2015
Quellen: Enax, L. u.a. (2015): Food packaging cues influence taste perception and increase effort provision for a recommended snack product in children. Front. Psychol. 6:882. doi: 10.3389/fpsyg.2015.00882http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2015.00882/full (Stand: Juni 2015); foodwatch Marktcheck Kinderlebensmittel: Wie die Lebensmittelindustrie die Ernährung unserer Kinder auf den Kopf stellt. https://www.foodwatch.org/uploads/media/2012-07-06_foodwatchMarktcheckKinderlebensmittel_ger_01.pdf (Stand: Februar 2012); Verbraucherzentrale NRW: Kinderlebensmittel: Extrawurst für den Nachwuchs? http://www.vz-nrw.de/Kinderlebensmittel-Haeufig-suess-fett-und-teuer (Stand: Januar 2015)

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