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Mittwoch, 26. April 2017
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Thrombophilie

Thrombophilie
Regelmäßige Gymnastik kann einer Thrombophilie vorbeugen - auch in der Schwangerschaft
(c) Getty Images/Lightwavemedia

Thrombophilie bezeichnet eine überhöhte Neigung zu Thrombosen, Blutgerinnseln in Blutgefäßen. Für erhöhte Thromboseneigung kommen viele Faktoren in Frage. Diese können angeboren oder erworben sein. Trotz Thromboseneigung kann eine Frau eine Schwangerschaft gesund austragen.

Die Thrombophilie wird umgangssprachlich auch "Thrombosenneigung" genannt. Eine Thrombose kann zur Embolie und somit lebensgefährlich werden. Verschiedene Ursachen können zu Thrombophilie führen.

Angeborene und erworbene Thrombophilie

Man unterscheidet zwischen angeborener oder erworbener Thrombophilie. Die angeborene ergibt sich aus vererbten Genmutationen, von denen bereits über 100 verschiedene bekannt sind. Bei der angeborenen Thrombophilie treten innerhalb einer Familie Thrombosen häufiger auf. Die erworbene Thrombophilie entsteht erst im Laufe des Lebens. Mit dem Alter unterliegt der Körper auch gewissen Verschleißerscheinungen, so können sich Gefäßinnenwände verändern und den Blutfluss beeinträchtigen. Auch Gefäßerkrankungen, wie ein Aneurysma, können zu Thrombophilie führen. Bettlägerigkeit und Immobilität, Übergewicht und hormonelle Verhütungsmittel steigern ebenfalls die Thromboseneigung.

Symptome der Thrombophilie

Eine Thrombophilie fällt meist erst im Rahmen der Untersuchung einer Thrombose, Embolie oder aufgrund der Diagnostik wiederholten Fehlgeburten auf. Bestimmte Symptome oder thromboembolische Ereignisse können darüber hinaus auf eine Thrombophilie hinweisen:

  • Thrombose im jüngeren Alter (unter 45 Jahre)
  • wiederholtes Auftreten von Thrombosen
  • positive Familienanamnese (Fälle von Thrombophilie innerhalb der Familie)
  • Spontanthrombosen (Auftreten von Thrombosen außerhalb spezieller Risikofaktoren)
  • Thrombosen an ungewöhnlichen Körperstellen (außerhalb des Bein-Becken-Bereiches)

Die Symptome einer Thrombose selbst sind:

  • Schmerzen im Bereich des Gefäßverschlusses (meist im Bein- oder Beckenbereich)
  • Schwellung des betroffenen Bereiches
  • Veränderung der Haut unterhalb des Gefäßverschlusses (blass-rötlich, "marmoriertes" Aussehen)

Diagnosen zur Ursache bei Thrombophilie

Mit verschiedenen Untersuchungsmethoden lassen sich oft Ursachen für die Thromboseneigung nachweisen. Angeborene Thrombophilie kann mittels genetischer Untersuchungen erkannt werden. Über Blutplasmauntersuchungen im Labor können Gerinnungsstörungen erkannt werden. Häufige Ursachen für angeborene Thrombophilie sind die sogenannten Faktor-V-Leiden-Mutationen, Mangel an Antithrombin III, Mangel an Protein C oder S oder das Antiphospholipid-Syndrom (APS). Bei einer Thrombophilie sind bestimmte Risikofaktoren, die Thrombophiliemarker, messbar. Eine Thrombose selbst lässt sich vergleichsweise leicht diagnostizieren. Nach dem Sichtbefund kann eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) helfen, eine Thrombose zu erkennen.

Ist ein Thrombophilie-Screening sinnvoll?

Das Thrombophilie-Screening oder Thrombophilie-Prophylaxe-Screening bezeichnet eine Reihe von Untersuchungen, bei denen die Gerinnungsbereitschaft des Blutes sowie genetische Faktoren getestet werden. Es dient dazu, frühzeitig eine Veranlagung zu thromboembolischen Ereignissen zu identifizieren und so das Risiko, eine Thrombose oder Embolie zu erleiden, besser abschätzen zu können. Welchen Nutzen das Thrombophilie Screening hat, ist unter Experten umstritten. Kritiker sagen, es sei zu teuer, werde viel zu häufig durchgeführt und habe wenig Nutzen. In der Praxis wird das Thrombophilie Screening meist nach dem erneuten Auftreten einer Thrombose oder bei jüngeren Menschen mit einer Neigung zu Thrombosen (etwa häufiges Auftreten in der Familie) angewendet. Schwangerschafts-Komplikationen oder frühe Fehlgeburten können ebenfalls Anlass sein, ein Thrombophilie Screening durchzuführen.

Therapie bei Thromboseneigung

Vorbeugend kann bei Thrombophilie eine Thromboseprophylaxe verordnet werden. Diese besteht oft aus Medikamenten, die Einfluss auf die Blutgerinnung nehmen und eventuell zusätzlich Kompressionsstrümpfe. Auch regelmäßige Gymnastik wirkt sich hierbei positiv aus. Eine akute Thrombose wird hingegen je nach Ort und Befund entsprechend anders behandelt.

Thrombophilie durch die Pille?

Die Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel. Je nach Produkt sind in ihnen Gestagene und Östrogene enthalten. Hormonelle Verhütungsmittel erhöhen das Thromboserisiko bei jungen Frauen deutlich. Bei Thrombophilie dürfen Frauen keine östrogenhaltigen Verhütungsmittel verwenden. Bei erhöhter Thromboseneigung kann der behandelnde Gynäkologe andere Verhütungsmittel empfehlen.

Thrombophilie und Schwangerschaft

Schwangere mit einer Thromboseneigung haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Bei mehrfachen Fehlgeburten sollte daher immer auch eine Gerinnungsstörung wie Thrombophilie als Ursache in Betracht gezogen werden.

Bei etwa 25 Prozent der Patientinnen mit spontanen Aborten oder anderen Fertilitätsproblemen werden Blutgerinnungsstörungen gefunden. Schwangerschafts-Komplikationen unklarer Ursache sollten deshalb ein Anlass sein, nach einer Thrombophilie zu suchen.

Therapie der Thrombophilie in der Schwangerschaft

Mit einem niedermolekularen Heparin können während der Schwangerschaft bei Thrombophilien Komplikationen verhindert werden. Der Blutverdünner Cumarin eignet sich nicht für die Einnahme während der Schwangerschaft, da er die Plazentaschranke überwinden und so in den kindlichen Blutkreislauf gelangen kann.

Patientinnen mit Gerinnungsstörungen können, sobald die Schwangerschaft festgestellt wird, adäquat mit Heparin behandelt werden. Dabei hängt die Dosierung vom Körpergewicht ab oder auch davon, ob etwa Gerinnungsstörungen kombiniert vorliegen, also etwa die Kombination einer APC-Resistenz mit einem Antiphospholipid-Syndrom (APS). Kontrollen des Blutbildes und der Aktivitätsparameter der Gerinnung sind alle sechs Wochen nötig.

Die Therapie wird bis sechs Wochen nach der Entbindung fortgeführt, da das Thromboserisiko im Wochenbett hoch ist. Bei den meisten Schwangeren bleiben dann die Komplikationen aus. Auch das Stillen ist unter niedermolekularen Heparinen möglich.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2017
Quellen: De Gruyter: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. de Gruyter Verlag, Berlin 2013; Diedrich, Holzgreve, Jonat, Schultze-Mosgau, Schneider, Weiss: Gynäkologie & Geburtshilfe. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007; Greten, H., Rinninger, F., Greten, T.: Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010

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