Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Eine gesunde Ernährung kann einem Gestationsdiabetes vorbeugen

Mit einer ausgewogenen Ernährung können Schwangere den Blutzuckerspiegel senken
(Foto: DAK/Wigger)

Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet einen gestörten Zuckerstoffwechsel, der erstmalig in der Schwangerschaft festgestellt wird. Er zeichnet sich durch hohe Zuckerkonzentrationen im Blut aus. Meist entsteht er im Verlauf des zweiten Schwangerschaftsdrittels.

Schwangerschaftsdiabetes gehört zu einer der häufigsten Komplikationen während einer Schwangerschaft. Etwa drei bis fünf Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Unbehandelt hat er in erster Linie Konsequenzen für das ungeborene Kind. Diese können schlimmstenfalls bis zu einer Totgeburt reichen.


Ursachen eines Schwangerschaftsdiabetes
Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes
Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes
Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes: Blutzucker senken
Verlauf eines Schwangerschaftsdiabetes
Wie kann einem Schwangerschaftsdiabetes vorgebeugt werden?

Ursachen eines Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes ist auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel zurückzuführen. Es ist normal, dass bestimmte Schwangerschaftshormone wie humanes Plazentalaktogen (hPL) und Progesteron für einen erhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter sorgen. So stellt der Körper sicher, dass auch das Baby mit genügend Nährstoffen versorgt wird. Der erhöhte Blutzucker wiederum regt die Bauchspeicheldrüse der Mutter an, das Hormon Insulin vermehrt zu bilden. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel wieder. Im Falle des Schwangerschaftsdiabetes schafft es die Bauchspeicheldrüse der Mutter nicht mehr, genügend Insulin zu bilden, um den Blutzuckerspiegel senken zu können. Er bleibt erhöht.

Häufig spielt auch falsche Ernährung in der Schwangerschaft eine Rolle. Nimmt die schwangere Frau zu viele Kohlenhydrate zu sich, wird die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes gefördert. Insbesondere so genannte schnell verfügbare Zucker, wie sie in Pommes frites oder Süßigkeiten stecken, führen zu steilen Blutzuckeranstiegen.

Schwangerschaftsdiabetes tritt häufiger bei Frauen auf, die folgende Risikofaktoren aufweisen:


  • Übergewicht mit einem BMI (Body-Mass-Index) über 27
  • Diabetes mellitus in der Familie
  • Schwangerschaftsdiabetes in der Vorgeschichte
  • Kind mit einem Geburtsgewicht über 4.500 Gramm in einer vorhergehenden Schwangerschaft
  • Vorausgegangene Totgeburt
  • Schwere Fehlbildungen des Kindes in einer vorhergehenden Schwangerschaft
  • Neigung zu Fehlgeburten


Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes kann leicht unerkannt bleiben, da die meisten betroffenen Frauen keine Beschwerden haben. Allerdings kann er sich beispielsweise hinter häufigen Harnwegs- und Scheidenpilzinfektionen oder Bluthochdruck verbergen.


Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes

Erste Hinweise auf einen Schwangerschaftsdiabetes erhält der Arzt unter Umständen aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Da Beschwerden aber häufig fehlen, wird allen Frauen, auch solchen mit bisher unauffälliger Schwangerschaft, zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein so genannter Zuckerbelastungstest angeboten. Unabhängig von der Schwangerschaftswoche sollte ein Zuckerbelastungstest möglichst rasch erfolgen, wenn Auffälligkeiten bestehen wie:


  • Risikofaktoren
  • Zuckernachweis im Urin
  • einem auffällig großen Kind in den Ultraschall-Untersuchungen
  • typische Beschwerden eines klassischen Diabetes mellitus, wie beispielsweise starkem Durstgefühl, großen Harnmengen oder eine Neigung zu Infekten


Der genaueste Zuckerbelastungstest (oraler Glukose-Toleranz-Test) wird morgens auf nüchternem Magen durchgeführt und umfasst drei Blutzuckermessungen. Zunächst wird die Blutzuckerkonzentration im nüchternen Zustand bestimmt. Anschließend trinkt die Schwangere 300 ml einer Zuckerlösung. Jeweils eine und zwei Stunden später wird erneut die Zuckerkonzentration im Blut gemessen. Während der Zeit sollte die Frau sitzen und nicht rauchen. Aus den Ergebnissen der Messungen kann der Arzt ableiten, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.

Die während der Schwangerschaftsvorsorge regelmäßig durchgeführte Urinuntersuchung auf Zucker kann einen Schwangerschaftsdiabetes weder beweisen noch ausschließen.


Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes: Blutzucker senken

Ziel der Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes ist es, die überhöhten Blutzuckerspiegel in den normalen Bereich zu senken. In den meisten Fällen genügt es, die Ernährung auf eine kohlenhydratärmere Kost umzustellen. Im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel liegt der tägliche Kalorienbedarf einer Schwangeren bei etwa 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht (25 kcal pro Kilogramm Körpergewicht bei einem BMI über 27 empfohlen). 40 bis 50 Prozent der benötigten Kalorien sollten Schwangere über Kohlenhydrate decken. Schnell verfügbare Zucker, wie sie beispielsweise in Schokolade oder Cola stecken, sollten sie dabei möglichst meiden, da sie zu einem schnellen Blutzuckeranstieg führen. Stattdessen sollten Produkte wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln oder Naturreis als Kohlenhydratquelle bevorzugt werden. Den detaillierten Diätplan arbeitet die betroffene Frau individuell mit einem Diabetologen oder einer ähnlich fachkundigen Person aus. Ausdauersport kann die Therapie sinnvoll ergänzen, da auch Sport den Blutzuckerspiegel senkt.

Um den Erfolg der Ernährungsumstellung kontrollieren zu können, lernt die Schwangere, den Blutzucker mit einem Handmessgerät zu ermitteln. Erreicht sie durch Ernährungsumstellung und Sport keine ausreichende Blutzuckersenkung, ist es empfehlenswert, zusätzlich eine Therapie mit Insulin zu beginnen.


Verlauf eines Schwangerschaftsdiabetes

Ist der Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkannt, lässt er sich in der Regel gut kontrollieren. Nach der Schwangerschaft bildet er sich in den meisten Fällen zurück. In 50 Prozent der folgenden Schwangerschaften kommt es jedoch erneut zu einem Schwangerschaftsdiabetes. Darüber hinaus entwickeln bis zu 50 Prozent der Frauen mit einem durchgemachten Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von etwa zehn Jahren einen Diabetes mellitus Typ 2.

Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes neigen zu Harnwegs- und Scheidenpilzinfektionen, außerdem zu Bluthochdruck und so genannter Präeklampsie. Präeklampsie macht sich durch Bluthochdruck, erhöhte Eiweißausscheidung im Urin und rasch auftretende Wassereinlagerungen in Gesicht oder Händen bemerkbar.

Besonders große Bedeutung hat der Schwangerschaftsdiabetes für das Kind. Unbehandelt kommt es unter anderem gehäuft zu:


  • Frühgeburten
  • Totgeburten
  • Fehlbildungen insbesondere der Wirbelsäule, Nieren und des Herzens
  • Makrosomie:
    Die Kinder kommen besonders groß und schwer zur Welt (Geburtsgewicht über 4.000 Gramm). Die Größe des Kindes wiederum kann vorzeitige Wehen oder mechanische Behinderungen bei der Geburt zur Folge haben. Letzteres führt dazu, dass relativ häufig Kaiserschnitte oder Zangengeburten durchgeführt werden.
  • Entwicklungsstörungen:
    Die Organe, insbesondere Lunge und Leber, sind bei der Geburt noch unreif. Die Neugeborenen leiden häufiger an Atemnot und schwerer Gelbsucht (Ikterus). Organe wie das Herz lagern zudem Zucker in seiner Speicherform ein. Das Herz kann in der Folge groß und weniger leistungsfähig sein.
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie) des Neugeborenen:
    Das Neugeborene ist beispielsweise schwach, zittert und trinkt schlecht. Weitere mögliche Folgen können ein niedriger Blutdruck oder Krampfanfälle sein.
  • Erhöhte Fruchtwassermenge


Wegen der möglichen Komplikationen ist es empfehlenswert, in einer Klinik mit Neonatologie zu entbinden. In der Neonatologie werden speziell Frühgeborene und kranke Neugeborene behandelt.

Kinder von Müttern mit schlecht behandeltem Schwangerschaftsdiabetes neigen später häufig zu Übergewicht und Diabetes.


Wie kann einem Schwangerschaftsdiabetes vorgebeugt werden?

Schwangerschaftsdiabetes lässt sich in einigen Fällen vermeiden, wenn Risikofaktoren wie Übergewicht bekämpft werden. Regelmäßiger Sport wirkt ebenfalls vorbeugend. Zusätzlich kann die Frau das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes mit einer ausgewogenen Ernährung während der Schwangerschaft senken.

Ansonsten gilt es, den Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, um Komplikationen möglichst zu vermeiden. Ein Zuckerbelastungstest kann den Schwangerschaftsdiabetes aufdecken. Bisher wird dieser Test trotz der Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes und der möglichen Auswirkungen auf das Kind in der Schwangerschaftsvorsorge jedoch nicht berücksichtigt. Frauenärzte empfehlen aber, ihn im Verlauf der Schwangerschaft durchführen zu lassen. Die Kosten muss die Schwangere selbst tragen.



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Quellen:
Kiechle, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2007
Feige, A., Rempen, A., Würfel, W.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer, München 2006
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Diagnostik und Therapie des Gestationsdiabetes (GDM). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 057/008 (Stand September 2006)

 

Autor: Yvonne Leupold 
Letzte Änderung am: 25.05.2009