Fluor und Fluorid
Fluor ist ein nicht-metallisches, stark reaktionsfähiges Gas aus der Gruppe der Halogene, das in der Natur überwiegend als Flussspat (Kalziumfluorid) vorkommt. Es wird vor allem in der Kernkraft-Industrie zur Isoptopentrennung, bei der Aluminiumherstellung und in Raketenantrieben als Oxidationsmittel verwendet. Fluor gehört zur Gruppe der Spurenelemente und wird vom Menschen in Form von Fluoriden aufgenommen. Fluoride sind wichtig für die Härtung des Zahnschmelzes, die Kariesprophylaxe und das Knochenwachstum.
Aufgaben von Fluorid
Der menschliche Körper enthält mehrere Gramm Fluoride, über 95 Prozent sind davon in den Zähnen und Knochen, der Rest in der Haut, den Haaren sowie den Fuß- und Fingernägeln. Fluorid hat im Körper zwei wesentliche Funktionen:
- Durch die Härtung des Zahnschmelzes erhöht es die Widerstandsfähigkeit der Zähne gegen Umwelteinflüsse. Fluorid schützt vor Säuren, die von Kariesbakterien gebildet werden und wirkt damit präventiv vor Karies.
- Durch einen Einfluss auf die Knochenneubildung unterstützt Fluor den Erhalt und Festigung der Knochenstruktur.
Ursachen für einen Fluoridmangel
Viele Regionen Deutschlands zählen zu den Fluoridmangelgebieten. Das Trinkwasser enthält im Durchschnitt nur 0,3 mg Fluorid pro Liter Wasser und reicht nicht zur Deckung des täglichen Fluorbedarfs von durchschnittlich 3,1 bis 3,8 mg für einen Erwachsenen. Nur wenige Nahrungsmittel wie Seefisch und schwarzer Tee enthalten Fluorid. Deswegen ist in Deutschland fluoridiertes Speisesalz, Zahnpasta und Mineralwasser erhältlich. In manchen Ländern wird dem Trinkwasser Fluorid beigefügt, was zur besseren Versorgung beitragen soll.
Symptome eines Fluoridmangels
Ein Fluoridmangel führt zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Karies, was sich besonders bei Kindern oder Jugendlichen zeigt. In einigen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen einem Fluormangel und Osteoporose festgestellt werden. Fluoride werden schon seit langer Zeit in der Therapie der Osteoporose eingesetzt, weil sie einen deutlich positiven Effekt auf den Knochenaufbau haben. Dazu müssen aber Fluoride auch immer mit Kalzium und Vitamin D kombiniert und die Dosierungen genau aufeinander abgestimmt werden.
Fluoridbedarf und Therapie bei Fluoridmangel
Der tägliche Fluoridbedarf richtet sich vor allem nach dem Alter und Geschlecht. So benötigen Säuglinge bis zum Alter von vier Monaten laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 0,25 mg Fluorid täglich und ältere Säuglinge bis zwölf Monate 0,5 mg. Kleinkinder benötigen 0,5 bis ein 1 mg Fluorid täglich, Schulkinder 1 bis 2 mg und Jugendliche 2 bis 3 mg. Der tägliche Bedarf bei erwachsenen Männern liegt bei 3,8 mg und bei Frauen 3,1 mg Fluorid. Da die tägliche Fluoridaufnahme über das Trinkwasser und die Nahrung den Bedarf oft nicht deckt, wird empfohlen, zusätzlich Fluorid aufzunehmen. Als günstige Ergänzung eignet sich dafür fluoridiertes Speisesalz, das im Handel in Kombination mit Jod als "Jodsalz mit Fluorid" angeboten wird. Der Fluoridgehalt von fluoridiertem Speisesalz beträgt in Deutschland 250 mg/kg. Die Zufuhr von Speisesalz im Säuglings- und Kleinkindalter ist sehr gering, sodass für diesen Altersbereich als Ergänzung Fluoridtabletten empfohlen werden.
Bei der Einnahme von Fluoridtabletten im Jugend und Erwachsenenalter sollte neben dem Trinkwassergehalt und der Verwendung von Fluoridsalz auch der Fluoridgehalt in der Zahnpasta und fluoridhaltigem Gel und Lack berücksichtigt werden, um eine Überdosis zu vermeiden. Kinder sollten spezielle Kinderzahnpasta verwenden, da der Fluoridgehalt in den Erwachsenenzahncremes für sie zu hoch ist.
Fluoridreiche Nahrungsmittel
Lebensmittel reich an Fluorid sind insbesondere Seefische, schwarzer Tee, Nüsse, Meeresfrüchte und Sojaprodukte. Einige Mineralwasser sind fluoridhaltig, Mineralwasser mit einem Fluoridgehalt von mehr als 1,5 mg je Liter muss mit dem Warnhinweis ?fluoridhaltig? versehen werden.
Überdosierung von Fluorid
Die tägliche Aufnahme von bis zu 5 mg Fluorid pro Tag ist für Erwachsenen nicht schädlich. Bei einer höheren Aufnahme, zum Beispiel bei einer Überdosierung von Fluortabletten kann eine so genannte Fluorose auftreten. Diese führt zu einer fleckigen Entfärbung des Zahnschmelzes, der auch weicher werden kann, sowie zu einem erhöhten Osteoporoserisiko. Die Zahnfleckungen (?mottled teeth?) können in verschiedenen Ländern auch durch den erhöhten Fluoridgehalt des Trinkwassers verursacht werden. Sie treten vor allem bei erhöhter Fluorexposition während der Zahnentwicklung in den ersten acht Lebensjahren auf. Fluoride und die gefährliche Flusssäure sind gelegentlich Ursache von Berufskrankheiten wie Skelettfluorose, Lungenschäden, Reizung des Magen-Darm-Trakts oder Verätzungen. Bei einer chronischen Vergiftung werden Fluoride in Knochen und Zähnen eingelagert, wodurch das Knochengewebe zum weiteren Wachstum stimuliert wird und es zu Knochenverdickungen und Versteifung der Gelenke und der Wirbelsäule kommen kann.
Bei weiteren Fragen zu zu Fluor und Fluorid können Sie sich gerne an unsere Expertenrat wenden.
Quellen:
Burgerstein, L.; Schurgast, H., Zimmermann, M.: Burgersteins Handbuch Nährstoffe, HAUG, Heidelberg 2007
Deutsche Gesellschaft für gesunde Ernährung, Österreichische Gesellschaft für gesunde Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr; Umschau Brauns GmbH, Frankfurt am Main, 2000
Online-Information der Deutsche Gesellschaft für gesunde Ernährung e.V.: http://www.dge.de (Stand: November 2007)
Kasper, H.; Wild, M.; Burghard, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik; Elsevier, Urban & Fischer, München 2004
Valentin et al.: Arbeitsmedizin, Thieme-Verlag, Stuttgart 2004
Autor: Dr. Jessica Männel
Letzte Änderung am: 22.01.2009
