Studie über Schäden durch Fernsehen
Übermäßiger TV-Konsum im Kindesalter hat gesundheitliche Langzeitfolgen
Kinder und Jungendliche, die regelmäßig über zwei Stunden täglich fernsehen, weisen ein erhöhtes Risiko für Übergewicht auf, rauchen mit höherer Wahrscheinlichkeit und werden vermutlich einen erhöhten Cholesterin-Spiegel im frühen Erwachsenenalter haben. Laut den Autoren einer aktuellen neuseeländischen Studie sind all dies Risikofaktoren für langwierige Gesundheitsprobleme im späteren Leben.
1.000 Kinder in Neuseeland untersucht
Zwar hatten frühere Studien Zusammenhänge zwischen dem Fernsehkonsum und einer schlechten Gesundheitsentwicklung wie hohen Cholesterin-Spiegel und Fettleibigkeit aufgedeckt; allerdings wurden bis heute keine Langzeitstudien durchgeführt, die diese Effekte bis ins Erwachsenenalter hinein verfolgen. Robert Hancox von der University of Otago in Neuseeland beobachtete gemeinsam mit seinen Kollegen 1.000 Kinder, die in Neuseeland im Zeitraum 1972-1973 geboren wurden und führte in Intervallen Folgeuntersuchungen bis zum Alter von 26 Jahren durch. Während dieser Zeit gaben die Eltern der Kinder (im Alter zwischen 5 und 11 Jahren) beziehungsweise die Heranwachsenden selbst (ab einem Alter von 13 Jahren) Auskunft über die wöchentlich vor dem Fernseher verbrachte Zeit.
Es wurden der Body-Mass-Index (BMI), Blutdruck, Cholesterin-Spiegel und die kardiokorporale Leistungsfähigkeit im Alter von 26 Jahren erfasst.
Mehr als 2 Stunden Fernsehen schädigt fürs ganze Leben
Es wurden deutliche Verknüpfungen zwischen einem TV-Konsum von mehr als zwei Stunden täglich im Kindes- und Jugendlichenalter und erhöhtem BMI, einem höheren Cholesterin-Spiegel, einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu rauchen und einer schlechteren kardiovaskulären Leistungsfähigkeit im Alter von 26 Jahren festgestellt. Ein Zusammenhang mit Veränderungen des Blutdrucks wurde nicht gefunden.
Die Forscher urteilten, dass unter allen 26-Jährigen 17 Prozent des Übergewichts, 15 Prozent des erhöhten Blut-Cholesterins, 17 Prozent der Rauchwahrscheinlichkeit und 15 Prozent des schlechten körperlichen Leistungsvermögens auf die exzessiven TV-Konsumgewohnheiten während der Kindheit und des Heranwachsens zurückgeführt werden können.
Dr. Hancox kommentiert: "Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass der übermäßige TV-Konsum der jungen Leute weitreichende Auswirkungen auf den Gesundheitszustand im Erwachsenenalter haben wird." Er fordert darüber hinaus die Eltern auf, den Fernsehkonsum ihrer Kinder deutlich zu limitieren. "Die Erwachsenen werden wiederum selber davon gesundheitlich profitieren, wenn sie als leuchtendes Vorbild vorangehen und den Fernseher abschalten. Wir sind der festen Überzeugung, dass der Reduzierung des TV-Konsums eine Priorität im Gesundheitswesen eingeräumt werden sollte."
Nahrungsmittelwerbung für Kinder sollte verboten werden
David Ludwig von der Harvard Medical School in Boston: meint darüber hinaus"... die von Hancox und Kollegen gezeigten Daten belegen die Notwendigkeit, Nahrungsmittelwerbung, die auf Kinder abzielt, zu verbieten." Er hält es gerade zu einer Zeit, in der die Fettleibigkeit von Kindern krisenhafte Ausmaße erreicht, für problematisch, dass die Nahrungsmittelindustrie keine Probleme damit hat, Kleinkinder zum Konsum von Fast Food, Limonaden und kalorienreichen minderwertigen Zwischenmahlzeiten zu motivieren; all jenen Produkten, die mit exzessiver Gewichtszunahme verbunden sind.
Tatsächlich hat die American Academy of Pediatrics bekannt gegeben, dass Werbung, die sich an Kleinkinder wendet, bereits ablehnenswert an sich sei und darüber hinaus auch ausbeutenden Charakter hat. Ein Beispiel für die Begrenzung von Vermarktungsstrategien von Produkten, die als schlecht für Kinder eingestuft sind, ist Tabak.
Quelle: Robert J Hancox, Barry J Milne, Richie Poulton . Association between child and adolescent television viewing and adult health: a longitudinal birth cohort study . Lancet 2004; 364: 257
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 17.09.2007
