3-D-Ultraschall

Dreidimensionaler Ultraschall als Pränataldiagnostik oder Babyfernsehen?
Als Screening, das den Schwangerschaftsverlauf überwachen soll, sind nach den Mutterschaftsrichtlinien drei Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft vorgeschrieben. Diese Ultraschalluntersuchungen werden als diagnostische Untersuchungen von der Krankenkasse bezahlt und in der Regel mit einem herkömmlichen Ultraschallgerät angefertigt.
Über die diagnostischen Ultraschalluntersuchungen hinaus erschließen sich zunehmend viele Ärzte weitere Einnahmequellen, indem sie 3-D-Ultraschallbilder als "Babyfernsehen" anbieten.

Ultraschalluntersuchungen zu diagnostischen Zwecken
Bereits in der achten bis zwölften Woche lassen sich bei einer Ultraschalluntersuchung rund 20 chromosomale Entwicklungsstörungen erkennen. Zwischen der elften und vierzehnten Woche können die ultraschallenden Gynäkologen nach einem Marker fahnden, der transparenten Nackenfalte, um einen Hinweis auf eine mögliche Fehlbildung - zum Beispiel die Trisomie 21 - zu erhalten.

3-D-Ultraschall
Zunehmend bieten Gynäkologen an, die Screening-Untersuchungen und darüber hinaus auch weitere Ultraschallbilder im 3-D anzufertigen. Diese müssen dann allerdings meist privat bezahlt werden.

2-D oder 3-D?
In ihrer Doktorarbeit stellte Dr. med. Irina-Brigitte Ziegelmüller-Uhlmann fest, dass " der routinemäßige Einsatz des 3-D-Gerätes bei jeder Schwangeren nicht sinnvoll ist. " Eine Studie mit 120 Schwangeren zeigte, dass der dreidimensionale Ultraschall bei der Erstdiagnose von fetalen Fehlbildungen keine Vorteile gegenüber dem konventionellen Ultraschall hat, wenn dieser von einem erfahrenen Untersucher durchgeführt wird. Eine Indikation für den Einsatz des dreidimensionalen Ultraschalls ist gegeben, wenn es schon einen Hinweis auf eine fetale Missbildung gibt. So zieht Dr. Ziegelmüller-Uhlmann die Schlussfolgerung, dass sich "der Einsatz in der Pränataldiagnostik, welchen man sich zu Anfang versprochen hatte, [...] bislang noch nicht erfüllt" hat.

Eine weitere Studie von Clementschitsch G., Hasenöhrl G., Schaffer H., Steiner H. in der Frauenklinik der LKA Salzburg, Salzburg; Österreich verglich 2- und 3-dimensionale Untersuchungen der Nackentransparenz. Ein Ergebnis dieser Untersuchung an 150 Patientinnen: "Ein signifikanter Unterschied der Messwerte war nicht festzustellen."

Erfahrung ist wichtig
Der Ultraschall - und das gilt besonders für die neue Technik des 3-D-Ultraschall - gewährleistet nicht per se Erkenntnisgüte, sondern ist in starkem Maße von der Qualifikation des Anwenders abhängig. Ein erfahrener Arzt, der die DEGUM-Ausbildung Stufe II hat, wird bei der Diagnostik auf seine langjährige und umfangreiche Erfahrung und Schulung zurückblicken können. Gerade die Diagnostik der Nackenfalte setzt viel einschlägige Erfahrung voraus, weil die Eihäute die fragliche Nackenfalte imitieren und den Arzt irreführen können.

3-D-Ultraschall - Zukunftsmusik?
Dass der Arzt mit dem Schallkopf nur einmal über das Untersuchungsfeld zu streichen braucht und aus den dabei aufgenommenen Daten eine leicht interpretierbare 3D-Darstellung gewinnt, ist noch Zukunftsmusik. Fortbildung der Anwender und Qualitätssicherung sind noch nicht so weit verbreitet und entwickelt und die meisten Gynäkologen haben noch keine ausreichenden Erfahrungen mit der neuen Technik. Zahlreiche Experten warnen vor der schnellen Begeisterung für die neue Technik. Viele der niedergelassenen Gynäkologen haben mehr Erfahrungen mit den herkömmlichen Geräten und sind daher eher in der Lage diese Bilder zu interpretieren.

 

Autor: Qualimedic.com AG 
Letzte Änderung am: 19.03.2008