Baunscheidt - Verfahren
Das Baunscheidtverfahren als ausleitendes Heilverfahren ist kaum bekannt. Das Baunscheidtverfahren gehört zu den "Pustulantien", d.h. Hautreizmethoden, die einen künstlichen Hautausschlag bewirken und von alters her in der Medizin verwendet wurden. Es regt die Stoffwechseltätigkeit und Organfunktionen an, aktiviert das Immunsystem, stimuliert das Hormonsystem und wirkt allgemein kräftigend.
Was ist das Baunscheidtverfahren?
Bei der Behandlung wird ein Apparat, der mit feinen Nadeln versehen
ist (eine Nadelrolle), über mehrere Hautpartien gerollt. Die
Nadeln dringen ein bis zwei Millimeter tief in die Haut ein. Die
dabei entstehenden Wunden werden mit hautreizenden Salben oder
Ölen bestrichen. Es entstehen so vorübergehend
flüssigkeitsgefüllte Bläschen (Quaddeln), die
bewirken sollen, dass Giftstoffe aus dem Körper abgeleitet
werden.
Geschichtlicher Hintergrund
Diese
spezielle Methode wurde vom Feinmechaniker Carl Baunscheidt vor
etwa 100 Jahren entwickelt. Er baute sich hierfür ein
besonderes Nadelinstrument, den sogenannten "Lebenswecker" und
verwendete ein hautreizendes Öl, dessen Originalrezeptur nicht
mehr bekannt ist.
Zur Durchführung des
Baunscheidtverfahrens
Das zu behandelnde Areal wird
zunächst rasiert und danach die Haut mit Alkohol
gründlich desinfiziert. Dann wird die Haut individuell
gestichelt und mit Paste oder Öl eingerieben. Einreibedruck
und Zeitdauer richten sich individuell nach der Konstitution des
Patienten. Die richtige Sticheltiefe liegt dann vor, wenn die Haut
danach gerötet erscheint. Das Areal wird mit Watte abgedeckt,
die mit einem Verband mit Pflaster fixiert wird.
Die Wirkung der Baunscheidtbehandlung ist dann gut, wenn
hirsekorngroße, klare oder mit Eiter gefüllte Pusteln
oder Blasen auftreten. Sie platzen nach einigen Tagen auf oder
trocknen ab. Ein Verbandswechsel ist nach 2 Tagen zur Kontrolle
möglich, muss aber nicht sein. Nach 5 Tagen wird der Verband
entfernt und die Haut mit Mandelöl abgewischt. In diesen 5
Tagen fühlt sich der Patient meist sehr warm. Bei einer sehr
schwachen Reaktion kann die Behandlung nach 3 Wochen wiederholt
werden.
Baunscheidtöl krebserregend?
Das im
Baunscheidtöl meist verwendete Krotonöl (Croton tiglium)
gilt als kokarzinogen, als krebserregend, und wird nicht zuletzt
deshalb von Gegnern der Methode abgelehnt. Es gibt jedoch auch
krotonölfreie Baunscheidtöle.
Nebenwirkungen
Juckreiz bis hin zu Schmerzen oder starken Begleitreaktionen;
Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Salbe oder des
Öles. Bei richtiger Anwendung kommt es normalerweise zu keiner
Narbenbildung.
Weil das Baunscheidtieren eine sehr eingreifende Methode ist,
sollte es - wenn überhaupt - nur von erfahrenen Therapeuten
angewendet werden.
Die wichtigsten Heilanzeigen
Schmerzzustände bei Gicht, rheumatischen
Erkrankungen und Osteoporose,
muskulöse Verspannungen, allgemeine Infektanfälligkeit,
Reizmagen und Reizdarm,
Harnwegsinfekte,
Hormonstörungen.
Die wichtigsten Kontraindikationen
Allergische und Autoimmunerkrankungen, hohes Fieber,
Krebsrisiko?
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 17.09.2007
