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Mittwoch, 22. Februar 2017
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Pucken: Vor- und Nachteile fürs Baby

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Beim Pucken mit einem Tuch können Babys die typische Anhockstellung der Beine nicht mehr einnehmen
(c) iStockphoto

Pucken ist eine Wickeltechnik, bei der das Baby eng in ein Tuch oder eine Decke gewickelt wird. Es wird traditionell in manchen Kulturen schon sehr lange praktiziert.

Bei manchen Babys scheint es sich als sinnvoll zu erweisen, doch es birgt auch Risiken, weshalb Kinderärzte seit Mitte 2012 davor warnen, Babys zu pucken.

Sinnvolles Pucken

Pucken kann sinnvoll bei Babys sein, die vermehrt unter reflexartigen, überschießenden Bewegungen der Arme, dem sogenannten Moro-Reflex, leiden. Bei diesem Reflex, der durch plötzliche, laute Geräusche oder Erschütterungen ausgelöst wird und der bei Babys unterschiedlich stark ausfällt, hindert sich das Baby oftmals selbst am Einschlafen. Durch die Reflexbewegung der Arme erschreckt sich das Baby und kann bei einer hohen Frequenz des Auftretens eines Moro-Reflexes häufig nicht zur Ruhe kommen. Dieser Reflex, der in der Entwicklung des Kindes natürlich ist, endet normalerweise zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Durch das Pucken wird dieser Reflex gebremst und das Baby kann ruhiger schlafen. Wichtig ist, dass Babys, auch wenn sie gepuckt sind, Beinfreiheit haben.

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Anleitung des Pucktuchs SwaddleMe
Foto: SwaddleMe

Kinderärzte warnen vor falschem Pucken

Immer mehr junge Eltern pucken ihre Babys in der Annahme, das Gefühl der Geborgenheit im Mutterleib könne so nachgeahmt und vom Baby so empfunden werden. Sogenannte Schreibabys sollen mit dieser Technik beruhigt und zum Schlafen gebracht werden. Besser wäre jedoch, die Ursache für das Schreien herauszufinden und zu behandeln, beispielsweise das KiSS-Syndrom. Der nordrheinische Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt ausdrücklich davor, Babys mit einem Tuch zu pucken, weil es zu gefährlich sei. Gerade im Sommer, wenn das Baby höheren Temperaturen ausgesetzt ist, steigt die Gefahr der Überhitzung oder Austrocknung des kleinen Körpers, weil dann durch das Pucken keine Körperwärme abgegeben werden kann und sich staut. Durch zu enges Pucken besteht zudem die Gefahr, dass beispielsweise Nerven abgeklemmt werden.

Erhöhte Gefahr eine Hüftfehlstellung durchs Pucken

Pucken kann auch die Gefahr einer Hüftdysplasie erhöhen, da die Beinchen im so genannten Puck in Streckung fixiert werden. Dies würde auch der These widersprechen, es werde beim Pucken für das Baby eine Position wie im Mutterleib erzielt, denn im Mutterleib sind die Gelenke der Arme und Beine in gebeugtem Zustand. In der Fruchtblase hat ein Ungeborenes auch mehr Bewegungsfreiheit als beim Pucken in einem Tuch. Alternativen sind hier so genannte Pucksäcke sein, bei denen die Beine Bewegungsfreiheit haben und die Temperatur durch entsprechende Stoffe und mehr oder weniger Kleidung beim Baby reguliert werden kann. Ein gepucktes Baby sollte nur in Rückenlage liegen, da sonst die Atmung eingeschränkt werden kann. Dies kann bei zu langer Rückenlage zu einer Abplattung des Hinterkopfes führen. Pucken erhöht bei Babys außerdem das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Dies hängt vermutlich auch mit der eingeschränkten Atmungsfähigkeit beim sehr engen Pucken des Babys zusammen.

Alternativen zum Pucken

In einem Tragetuch erfährt ein Baby auch körperliche Begrenzung, ohne eine Zwangshaltung wie beim Pucken zu vermitteln. Außerdem kann der oder die Tragende den Zustand des Kindes besser kontrollieren. Zu empfehlen sind auch spezielle, auf dem Markt erhältliche Pucksäcke, in denen die Babys die Arme fixiert haben, um den Moro-Reflex zu unterdrücken, ohne dass gleichzeitig die Beweglichkeit der Beine behindert wird.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Dezember 2016
Quellen: Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch 2013, de Gruyter Verlag Berlin, 2012; Geist, C.; Harder, U. , Stiefel, S. Hebammenkunde, Hippokratesverlag, Stuttgart 2007; Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e. V., www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: Februar 2013)

Beiträge im Forum "Geburtstermin Januar/Februar 2017"
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