Sonntag, 19. Mai 2013

Neugeborenen-Gelbsucht

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Die Bestrahlung mit blauem Licht kann den Heilungsprozess bei einer Neugeborenen-Gelbsucht unterstützen

Neugeborenen-Gelbsucht bezeichnet einen Zustand, in dem der Anteil des Blutfarbstoffs Bilirubin bei Neugeborenen im Blut erhöht ist. Er setzt sich deshalb in Haut, Schleimhaut und Bindehaut ab und verursacht dort eine Gelbfärbung.

Bei etwa 60 Prozent aller Neugeborenen zeigt sich in den ersten Lebenstagen eine Gelbsucht. In den meisten Fällen ist sie harmlos. Die gängigen Behandlungsmethoden schlagen in der Regel gut an. Nur in seltenen Fällen verläuft eine Neugeborenen-Gelbsucht schwer.
 

Welche Ursachen hat eine Neugeborenen-Gelbsucht?

Die Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Augen wird durch Bilirubin verursacht. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Es wird normalerweise in der Leber so weit verarbeitet, dass es mit der Gallenflüssigkeit ausgeschieden werden kann. Die Leber von Neugeborenen ist jedoch noch nicht voll funktionsfähig.

In den ersten Lebenstagen muss vom Körper jedoch besonders viel Hämoglobin, und damit auch Bilirubin, abgebaut werden. Das Bilirubin reichert sich deshalb im Gewebe an und bedingt die typische Gelbfärbung.

Hatten Mitglieder der Familie bereits eine Neugeborenen-Gelbsucht, ist die Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen Auftretens erhöht. Auch ein starker Gewichtsverlust nach der Geburt erhöht das Risiko einer Neugeborenen-Gelbsucht.
 

Woran erkennt man eine Neugeborenen-Gelbsucht?

Die Neugeborenen-Gelbsucht tritt meist am zweiten oder dritten Lebenstag auf. Am stärksten ist sie am vierten bis fünften Lebenstag, bevor sie anschließend langsam abklingt. Das Bilirubin wird in dieser Zeit vermehrt im Gewebe gespeichert und ist nach außen sichtbar durch gelb verfärbte Haut, Schleimhäute und Augen.
 

Wie wird eine Neugeborenen-Gelbsucht diagnostiziert?

Die typischen Symptome einer Gelbsucht - gelblich verfärbte Haut, Schleimhäute und Augen - weisen zunächst auf eine Neugeborenen-Gelbsucht hin. Anschließend erfolgt die Messung des Bilirubin-Werts im Blut. Ist dieser erhöht, spricht das für eine Gelbsucht. Außerdem wird der Anteil der Retikulozyten im Blut gemessen. Retikulozyten sind eine Vorstufe der Erythorzyten, den roten Blutkörperchen.

Therapie der Neugeborenen-Gelbsucht: Phototherapie

Übersteigen Bilirubin- und Retikulozyten-Konzentration im Blut einen gewissen Grenzwert, empfiehlt sich als Gegenmaßnahme die Phototherapie.

Die Phototherapie ist ein nicht schmerzhaftes Therapieverfahren zur Behandlung der Neugeborenen-Gelbsucht. Dabei wird das Neugeborene in mehreren Intervallen von vier bis sechs Stunden einem blauen Licht ausgesetzt. Es trägt dabei einen Augenschutz. Das blaue Licht spaltet das Bilirubin so auf, dass es wasserlöslich wird und leichter aus dem Körper ausgeschieden werden kann.

Da aufgrund des blauen Lichts eine weitere Gelbfärbung nicht sichtbar ist, wird die Phototherapie unter sorgfältiger Überwachung durchgeführt. Vermehrte Flüssigkeitszufuhr und Temperaturkontrolle sind während der Behandlung ebenfalls wichtig.

Austauschtransfusion

In seltenen Fällen ist die Phototherapie zur Senkung des Bilirubin-Anteils im Blut nicht ausreichend. Dann wird eine Austauschtransfusion angewendet. Dabei wird bei einer Bluttransfusion das gesamte Blut im Körper durch Spenderblut mit einem normalen Bilirubin-Spiegel ersetzt.

Welchen Verlauf hat eine Neugeborenen-Gelbsucht?

In den meisten Fällen verläuft eine Neugeborenen-Gelbsucht harmlos und klingt nach einigen Tagen von alleine wieder ab. Durch den Einsatz von Phototherapie und Austauschtransfusion kann der Bilirubin-Anteil im Blut meist so weit gesenkt werden, dass keine weitere Behandlung mehr nötig ist.

Verläuft die Neugeborenen-Gelbsucht besonders schwer oder wird nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, besteht das Risiko eines Kernikterus. Beim Kernikterus lagert sich das Bilirubin auch im Gehirn ab. Dadurch können Nervenzellen im Gehirn absterben und es kommt zu dauerhaften Schäden. Ein Kernikterus äußert sich vor allem durch schlaffe Muskulatur, vermehrtes Schlaf- und reduziertes Trinkbedürfnis und häufiges Gähnen. Schrilles, heftiges und scheinbar grundloses Schreien kann ebenfalls ein Anzeichen für einen Kernikterus sein.

Neugeborenen-Gelbsucht: Wie kann man ihr vorbeugen?

Die Neugeborenen-Gelbsucht kommt relativ häufig vor und ist meist auch kein Grund zur Beunruhigung. Um den Abbau des Bilirubins im Blut zu beschleunigen, ist es empfehlenswert, das Neugeborene so oft wie möglich dem Tageslicht auszusetzen. Direkte Sonneneinstrahlung ist jedoch tabu. Auch Spazierengehen an der frischen Luft wirkt sich günstig aus. Häufiges Trinken fördert den Abbau von Bilirubin ebenfalls.

Um schweren Verläufen vorzubeugen, empfiehlt sich auch bei Hausgeburten oder früher Entlassung aus dem Krankenhaus die Bestimmung des Bilirubin-Werts im Blut des Neugeborenen. So kann eine hohe Konzentration rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2012
Quellen: Leitlinien der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin: Hyperbilirubinämie - Diagnostik und Therapie bei reifen gesunden Neugeborenen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 024/007 (Stand: November 2003) Sitzmann, F. C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2002 Speer, C. P., Gahr, M.: Pädiatrie. Springer Heidelberg 2005 Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

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