Augenerkrankungen
Das Auge ist ein sehr empfindliches Sinnesorgan und sehr anfällig für Augenerkrankungen. Vor allem in den ersten Lebenstagen und -wochen des Säuglings können in vielen Fällen leichte Augenentzündungen auftreten. Die Ursachen für solche Entzündungen der Augen können sehr unterschiedlicher Art sein und können auch in Folge der Geburt entstehen, weil fremde Substanzen, z.B. Fruchtwasser oder Blut in die Augen des Kindes gelangen. In anderen Fällen kann es sich bei einer Augenentzündung um eine Chlamydien- oder eine Herpes-Infektion handeln.
Was bedeutet die Chlamydien-Infektion für das Neugeborene?
Eine Chlamydien-Infektion wird durch Bakterien ausgelöst und kann beim Neugeborenen zu einem Trachom (Augenentzündung) führen. Die ersten Anzeichen ähneln den Symptomen einer Bindehautentzündung. Hinzu kommen hohe Lichtempfindlichkeit, starker Tränenfluss und ein Druckgefühl im Auge. Wird die Entzündung nicht entsprechend behandelt, kann sie sich auf die Hornhaut ausbreiten. Die Sehfähigkeit verschlechtert sich und es kann zur Erblindung kommen.
Schwangere können sich durch einen Abstrich am Gebärmutterhals auf Chlamydien untersuchen lassen.
Welche Folgen hat eine Herpes-Infektion für den Säugling?
Es gibt zwei verschiedene Typen des Herpes-simplex-Virus. Typ 1 ist der Herpes labialis
, der sich weitestgehend auf Mund und Lippen beschränkt, und Typ 2 ist der Herpes genitalis
, der vor allem die Geschlechtsorgane angreift. Schwangere, die sich während der Schwangerschaft mit dem Herpes-Virus anstecken, sollten Ihren Frauenarzt umgehend darüber informieren, weil das Virus unter der Geburt auf das Kind übertragen werden kann. Mögliche Folge-Erkrankungen sind Mundfäule (med. Stomatitis aphthosa), Infektionen der Augen (Hornhaut und Netzhaut), der Haut, der Lunge und der Gehirnhäute (med.
Meningitis
) oder des Gehirns (med. Enzephalitis).
In Krankenhäusern besteht die Möglichkeit, den Säuglingen Silbernitrattropfen (0,5%ig) zur Prophylaxe von
Gonorrhoe
und Chlamydien-Trachom in die Augen zu geben.
Augenlidentzündung
Eine Augenlidentzündung (med. Blepharitis), auch Lidrandentzündung genannt, ist eine Infektion der Augenlider sowie der Talgdrüsen am Lidrand und wird meist durch Bakterien ausgelöst.
Welche Beschwerden sind für die Augenlidentzündung
charakteristisch?
Die Lidrandentzündung beginnt oft
mit einem Fremdkörpergefühl. Das Augenlid ist
gerötet, juckt und brennt. Es kann stark anschwellen und die
Wimpern am betroffenen Lid können ausfallen. Die Augenlider
können eitern und Krusten bilden, die nach dem Ablösen
bluten. In der Nacht können die Augenlider durch getrocknetes
Sekret und Eiter verkleben.
Begünstigt wird die
Augenlidentzündung in vielen Fällen durch eine
seborrhoische Dermatitis (Hautentzündung der Gesichts-
und Kopfhaut) oder Rosazea. Rosazea ist eine
chronische Hautkrankheit, die Symptome wie Hautrötung,
Hautabschuppung und Knötchenbildung im Bereich der
Gesichtshaut verursacht. Charakteristisch dafür sind bei einer
Augenlidentzündung Schuppen am Augenrand und oft auch
schuppige Kopfhaut. Konsultieren Sie parallel einen Hautarzt, damit
diese Hautkrankheiten behandelt werden.
Welche Folgen hat eine
Augenlidentzündung?
Die Augenlidentzündung
kann sehr unangenehm und störend sein. Es können sich als
Folge der Infektion Narben am Lidrand bilden und es kann zum
Verlust der Wimpern kommen. Im schlimmsten Fall führt die
Entzündung zu Schädigungen der Hornhaut.
Was können Sie machen?
Morgens können Sie
Ihrem Kind die Augen mit einem in abgekochtem Wasser
getränkten Wattebausch auswaschen, damit es die verklebten
Augen problemlos öffnen kann. Verhindern Sie so gut es geht,
dass Ihr Kind sich die Augen reibt und waschen Sie sich vor und
nach dem Auswaschen gründlich die Hände, um einerseits
die Infektion nicht zu verschlimmern und um sich andererseits nicht
selbst anzustecken.
Schauen Sie nach, ob Ihr Kind Schuppen oder Gneiss (Milchschorf)
auf der Kopfhaut hat und sprechen Sie mit dem Kinderarzt
darüber.
Was kann der Arzt tun?
Eine Lidrandentzündung
ist für den kleinen Patienten meist sehr unangenehm, deshalb
sollten Sie Ihren Kinderarzt konsultieren. Er kann Ihnen eine
entzündungshemmende oder antibiotische Salbe verschreiben, die
den Heilungsprozess fördert. Auch wenn die Entzündung
nicht so störend ist, sollte sie medizinisch behandelt werden,
um Rückfälle zu vermeiden. Liegt eine seborrhoische
Dermatits vor, wird der Arzt das Gesicht und die Kopfhaut in
den meisten Fällen mitbehandeln.
Schwachsichtigkeit
Schwachsichtigkeit (med. Amblyopie) ist der Überbegriff für verschiedene Formen von Sehschwäche und entwickelt sich bei kleinen Kindern schneller als bei älteren Kindern, wenn ein Auge dauerhaft unterdrückt beziehungsweise nicht gebraucht wird.
Wie entsteht Schwachsichtigkeit?
Oft tritt
Schwachsichtigkeit als Folge des Schielens bei Kleinkindern
auf, wenn das schielende Auge nicht behandelt wird und dadurch
nicht gebraucht wird. Wenn die Sehinformation des schielenden Auges
über einen langen Zeitraum vom Gehirn unterdrückt wird,
dann kann es zu organischen Veränderungen der Sehbahnen und
der entsprechenden Zentren im Gehirn kommen. In diesem Fall kann
die ursprüngliche Sehkraft nicht mehr zurückgewonnen
werden. Die Kinder müssen dann später als Erwachsene Brille oder Kontaktlinsen tragen.
Schwachsichtigkeit kann jedoch auch als Folge von Linsen- oder
Hornhauttrübungen oder bei bestehender Stab-, Weit- und
Kurzsichtigkeit entstehen. Betroffen ist immer das schwächere
der beiden Augen, wenn die ursächliche Augenerkrankung nicht rechtzeitig
erkannt und behandelt wird.
Wie können Sie Schwachsichtigkeit erkennen?
Beobachten Sie Ihr Kind sehr genau. Wie bewegt es sich beim Gehen,
Laufen, Springen, Treppensteigen und im freien Spiel? Holt das Kind
Gegenstände, mit denen es spielt, ganz nah an die Augen heran?
Aus welcher Entfernung betrachtet es Bücher? Wie ist die
allgemeine Entwicklung Ihres Kindes?
Schwachsichtigkeit - Behandlungsmöglichkeiten
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind schwachsichtig ist,
sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt darüber. Er kann Ihr Kind
vorab untersuchen und wird Sie an einen erfahrenen Augenarzt
überweisen, wenn sich Ihr Verdacht bestätigt.
Der Augenarzt kann die Sehfähigkeit Ihres Kindes untersuchen
und die Ursachen für die Schwachsichtigkeit feststellen. Er
wird entweder Ihrem Kind eine Brille verschreiben und/oder
versuchen das schwächere Auge zu stärken, indem er Ihnen
Augenpflaster zum Abkleben des gesunden Auges verschreibt. Er kann
beurteilen, ob eine Operation notwendig ist und zu welchem
Zeitpunkt sie vorgenommen werden sollte.
Denken Sie daran!
Je früher Schwachsichtigkeit
und deren Ursachen erkannt werden, desto mehr Chancen bestehen, die
Sehfähigkeit Ihres Kindes zu erhalten und zu fördern.
Gerstenkorn
Das Gerstenkorn (med. Hordeolum) ist eine Entzündung der Talg- oder Schweißdrüsen im Augenlid. Häufig bekommen Kinder Gerstenkörner, aber auch Erwachsene können davon betroffen sein. Wenn diese Entzündung wiederholt auftritt, sollte der Arzt prüfen, ob als Ursache eine Zuckerkrankheit ( Diabetes mellitus ) ausgeschlossen werden kann.
Wie entsteht ein Gerstenkorn?
Ein Gerstenkorn wird in den meisten Fällen durch Bakterien (Staphylokokken) hervorgerufen. Wenn Ihr Kind unter häufig wiederkehrenden Gerstenkörnern leidet, kann das auf mangelnde Hygiene, aber auch auf eine Schwäche des Abwehrsystems oder Diabetes hindeuten.
Wie erkennen Sie ein Gerstenkorn?
Anfangs bildet sich eine rötliche Schwellung am oberen oder unteren Augenlid. Die Entzündung kann äußerlich, im oberen oder unteren Lidkantenbereich oder an der Innenseite des Lids entstehen. Verstärkter Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit oder ein Fremdkörpergefühl können als Begleitsymptome auftreten. Nach einigen Tagen entsteht ein gelblicher Eiterherd, der aufbrechen kann. Im Gegensatz zum Hagelkorn (Chalazion), das anfangs ähnliche Symptome zeigt, aber nicht so schmerzhaft ist, entwickelt sich die Entzündung beim Gerstenkorn sehr schnell, dauert oft länger an und verursacht starke Schmerzen.
Was können Sie selbst tun?
Verhindern Sie, dass Ihr Kind sich am Auge kratzt oder daran herumdrückt, damit sich das Auge nicht infiziert. Trockene Wärme, z.B. durch Bestrahlung mit einer Infrarotlampe kann den Austritt des Eiters und somit die Heilung beschleunigen. Bleiben Sie während der Bestrahlung bei Ihrem Kind. Achten Sie darauf, dass die Augen Ihres Kindes wegen der Verbrennungsgefahr durch das Infrarotlicht geschlossen bleiben und der Abstand zur Lampe nicht weniger als 40 cm beträgt.
Was kann der Arzt tun?
Suchen Sie Ihren Arzt auf, wenn es häufig zu neuen Infektionen kommt, Ihr Kind starke Schmerzen hat und das Gerstenkorn sich nicht von alleine öffnet. Der Kinderarzt kann einschätzen, wie ernst die Entzündung ist und wird Ihnen zur Unterstützung des Heilungsprozesses möglicherweise eine antibiotische Salbe verschreiben. Sollte die Entzündung trotz der Behandlung nicht abheilen, kann der Augenarzt das Gerstenkorn durch eine kleine Operation eröffnen, damit der Eiter abfließen kann.
Hagelkorn
Das Hagelkorn (med. Chalazion) ist eine chronische (dauerhafte) Verstopfung der Talgdrüsen (med. Meibom-Drüse) und kann sowohl im oberen als auch unteren Augenlid auftreten.
Wie entsteht ein Hagelkorn?
Der
Ausführungsgang am Lidrand kann verstopfen und es entsteht ein
Sekretstau in der Drüse. Als Folge tritt eine Schwellung im
Lid (nicht am Lidrand wie beim Gerstenkorn) auf.
Der Verlauf beim Hagelkorn
Zu Beginn ähnelt
der Verlauf dem eines Gerstenkorns. Das Lid
schwillt an, Fremdkörpergefühl, Schmerzen sowie Juckreiz
und Brennen können auftreten. Diese Anfangssymptome klingen in
der Regel nach einigen Tagen wieder ab, zurück bleibt eine
leichte Schwellung des Lids, die meist schmerzlos ist. Am Augenlid
entwickelt sich ein kleiner Knoten, der in den ersten Wochen noch
größer werden und manchmal die Größe einer
Haselnuss erreichen kann. Das Hagelkorn kann von einer
Entzündung begleitet werden, häufig entwickelt es sich
jedoch ohne Entzündung.
Wie wird das Hagelkorn behandelt?
Kleine
Hagelkörner heilen manchmal nach einigen Tagen von selbst ab.
Bestehen sie länger, bis zu mehreren Wochen, werden sie durch
einen chirurgischen Eingriff unter lokaler Betäubung entfernt,
weil sonst durch den Druck auf die Hornhaut die Sehfähigkeit
beeinträchtigt werden kann. Das Augenlid wird bei der
Operation umgeklappt und das Hagelkorn durch einen kleinen Schnitt
am inneren Lid herausgeschnitten. Um den Heilungsprozess zu
fördern, kann Ihnen der Augenarzt im Anschluss an den
chirurgischen Eingriff eine antibiotische Salbe verschreiben.
Wie können Sie den Heilungsprozess
unterstützen?
Sie können den Heilungsprozess
unterstützen, indem Sie mehrmals täglich feucht-warme
Umschlage auf das Auge legen. Sollte das Hagelkorn sich trotz
warmer Umschläge nicht zurückbilden, konsultieren Sie
Ihren Augenarzt, damit dieser das Hagelkorn behandelt.
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 03.04.2009
