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Wie kommt man mit dem Schmerz und mit der Angst klar?


Von: KristinaUSA • 30.08.2009 [08:53]

Hallo. Ich hab mich gerade hier im Forum angemeldet. Kurz mal zu mir. Ich bin noch 26, komme ursprünglich aus Bayern und wohne seit fast 4 Monaten mit meinem Mann in den USA.

Am 13. August habe ich einen Schwangerschaftstest mit dem Ergebnis 'positiv' gemacht. Wir waren so glücklich. Es war ein Wunschkind. Am 17. August gings dann los. Ich bin abends aufs Klo und hab nur Blut gesehen. Wir wollten eigentlich gleich in die Notaufnahme fahren, aber nachdem das in den USA ein bisschen anders ist als in Deutschland und man mit langen, langen Wartezeiten rechnen muss, hat mein Mann erstmal dort angerufen. Die Wartezeit wäre sehr lange gewesen, da die Notaufnahme wohl überfüllt war. Da ich keine Schmerzen hatte, haben wir uns entschlossen am nächsten Tag beim Frauenarzt anzurufen. Gleich in der Früh hab ich also dort angerufen und die Dame am Telefon meinte ich soll sofort in die Notaufnahme fahren. Gesagt, getan. Dort mussten wir ewig lange warten bis wir endlich drangekommen sind. Erst wurde mir sehr viel Blut abgenommen und danach wurde mir Flüssigkeit über einen Tropf verabreicht. Danach gings zum Ultraschall. Man konnte aber nichts sehen. Dann wurde ich abgetastet und es wurde geschaut, wie viel Blut ich verlier. Mein HCG war auf 88. Nach 5 Stunden wurde ich entlassen. 2 Tage später bin ich zu einer Frauenärztin gegangen. Dort wurde mir wieder Blut genommen und so weiter. Einen Tag später bekam ich dann den furchtbaren Anruf 'Kommen Sie bitte gleich in die Notaufnahme. Die Frauenärztin wartet bereits auf Sie. Wir vermuten eine Eileiterschwangerschaft.' Ich hab sofort meinen Mann in der Arbeit angerufen. Er kam nach Hause und ich war fix und fertig. Und schon waren wir wieder auf dem Weg in die Klinik. Dort mussten wir wieder erstmal 3 Stunden warten. Als wir dann drankamen, kam uns auch gleich der Arzt entgegen, der mich ein paar Tage zuvor schon behandelt hatte. Er hat sofort der Frauenärztin bescheid gesagt, welche nach ein paar Minuten schon bei mir war. Das HCG ist nicht so gestiegen wie es sollte. Da ich auch meinen rechten Eileiter immer gespürt hab, hatte ich schon den Gedanken einer Eileiterschwangerschaft. Da ich noch am Anfang der Schwangerschaft war, entschied sie sich für Methotrexat. Das ist ein Impfstoff, der für Chemotherapien benutzt wird. Sie musste leider schnell wieder weg, da sie an dem Tag im OP gearbeitet hat. Tja, dann lag ich also auf dieser Liege in so einem Kittel mit einer Nadel im Arm und hab zusammen mit meinem Mann gewartet. Immer wieder kam eine Krankenschwester, die Hochschwanger war und mir das immer wieder gesagt hat, dass sie mir die Spritze nicht geben dürfe, da sie schwanger wäre. Super hab ich mir gedacht. Das hat mich so traurig gemacht. Warum musste sich eine schwangere Frau um mich kümmern? Na ja. Sie kam immer wieder mit neuen Ausreden warum es so lange dauern würde, bis der Impfstoff endlich bei mir wäre. Nach weiteren 4 Stunden hat es mir echt gereicht. Mein Mann hat dann die Krankenschwester aufgesucht, welche ihm dann erzählte, dass sich niemand von der Schicht mit diesem Impfstoff auskennen würde und sie sich erst einlesen müssten, wie sie den Impfstoff verabreichen könnten. Als mein Mann mir das erzählte bin ich in Tränen ausgebrochen und hatte nur noch Panik. Ich bin aufgesprungen, hab den Kittel von mir gerissen und hab mich angezogen. Ich wollte nur noch, dass mir jemand die Nadel aus dem Arm nimmt und dann wollte ich nur noch weg. Dann kam mir der Arzt zufällig entgegen welcher ganz besorgt gefragt hat, was los sei. Ich hab ihm dann in Panik erzählt was Sache ist und dass ich nach Hause möchte. Er hat schnell telefoniert und da kam auch schon eine andere Krankenschwester angerannt, welche gerade zu Arbeiten anfing. Es war wohl Schichtwechsel. Sie erklärte mir dann, dass sie sich mit dem Impfstoff auskennen würde. Sie hätte ihn schon sehr oft gegeben. Zwar nicht wegen Eileiterschwangerschaften, aber für Chemos. 2 Minuten später kam sie dann mit der Spritze an, welche sie mir gleich gegeben hat. Ich konnte nicht anders und musste nur noch weinen. Ich hab mir immer wieder vorgestellt, wie der Impfstoff mein Baby tötet. Ja, ich weiss, zu dem Zeitpunkt war es noch lange nicht lebensfähig und es hätte im Eileiter keine Überlebenschancen gehabt. Auch kann man da noch nicht von einem Baby sprechen. Aber trotzdem. Dann sind wir heimgefahren... nach über 8 Stunden Notaufnahme. Dann hab ich Krämpfe bekommen und mir war übel. Das kam vom Impfstoff und war ganz normal. Die darauf folgenden 2 Tage hab ich mit Schmerzmitteln überstanden. Und einen Tag nachdem mir der Impfstoff gespritzt wurde, habe ich wohl das 'Baby' abgehen sehen. Das war sehr, sehr schlimm. Vor ein paar Tagen (Donnerstag) war ich wieder beim Blut abnehmen bei der Frauenärztin. Ich bin so froh sie als Frauenärztin zu haben. Sie hat echt Ahnung von ihrem Fach und ist eine der besten Ärzte, bei denen ich jemals war. Nachdem sie Freitags immer im OP ist, hat sie mir sogar ihre private Handynummer gegeben um von ihr zu erfahren, wie mein HCG Wert war. Das hat mich echt gerührt. Mein HCG Wert ist gerade um 15% gesunken. 15% war jetzt das Minimum. Jetzt muss ich immer Mittwochs zum Blut abnehmen um zu schauen, ob es weiter sinkt. Heute spür ich meinen rechten Eileiter wieder und das beunruhigt mich ein wenig.

Ich frag mich einfach wie man mit dem Schmerz und mit der Angst vor einer weiteren Eileiterschwangerschaft fertig wird. Ich habe hier in den USA leider noch keine Freunde gefunden. Aber auch Freunde verstehen es nicht so gut wie jemand, der das Selbe mitgemacht hat. Deswegen habe ich mich hier angemeldet. Es ist ja noch alles sehr frisch bei mir und ich weiss, dass der Schmerz sicherlich irgendwann nachlässt. Aber im Moment komm ich damit einfach nicht klar. Ich will tagsüber gar nicht mehr aus dem Haus. Einkaufen kann man hier ja rund um die Uhr. Somit geh ich nur noch nachts einkaufen um so wenig Leute wie möglich zu sehen. Wenn ich schwangere Frauen oder Frauen mit Kindern/Babies seh, muss ich weinen. Ich freu mich ja für sie, aber im Moment kann ich das einfach nicht. Es tut so wahnsinnig weh. Meine Frauenärztin hat mir geraten mindestens 6 Monate, nachdem der HCG Wert auf 0 ist, zu warten bis ich wieder schwanger werden soll.

Wir wollen unbedingt ein Kind. Aber momentan hab ich sehr grosse Angst, dass ich nochmal durch diesen Horror gehen muss.

Die keinsten Dinge erinnern mich daran und schon muss ich wieder weinen.

Ich blute nach wie vor ein bisschen. Ich hoffe so sehr, dass es vorbei ist und ich das jetzt irgendwie abschliessen kann. Aber ich weiss es leider noch nicht 100%ig.

Wie seid ihr damit fertig geworden? Ich danke euch jetzt schon für die Hilfe.

Liebe Grüße, Kristina

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